Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1285: Gesprächsblockaden

ohne Worte

05.07.2017 Am Rande der Vollbesiedelung Heute erreichten wir den unteren Rand jenes Areals in Schottland, in dem sich der Löwenanteil der Bevölkerung konzentriert. Links von uns lag in knapp 30km Entfernung die Landeshauptstadt Glasgow und rechts von uns befand sich in etwa dem gleichen Abstand die zweitgrößte Stadt Edingburgh. Der gesamte Bereich dazwischen war ein Ballungsgebiet das aus lauter Kleinstädten bestand, die sich wie ein Mosaik zu einem großen Gesamtbild formierten. Gesprächsblockaden Während des Wanderns stießen wir heute auf ein zentrales Lebensthema von Shania, das mich aber ebenso betraf wie sie. Immer wenn Heiko ihr Fragen stellte, die etwas tiefer führten, als ein Gespräch über das Wetter oder über das Abendessen am Vortag, gerieht sie dabei ins Stocken und machte aus der Unterhaltung einen langgezogenen Kaugummi, den man kaum ertragen konnte. In gewisser Weise erinnerte sie mich dabei immer ein bisschen an Beppo, den Straßenkehrer aus dem Kinderbuch “Momo”, der über seine Antworten stets so lange nachdachte, dass seine Gesprächspartner entweder bereits wieder gegangen waren, oder die Frage längst vergessen hatten, wenn er mit der Antwort auf den Tisch kam. Bei Shania war es ähnlich, nur dass ihre Antworten in der Regel dann auch noch unbefriedigend, oberflächlich, interpretativ, ungenau, gefühllose oder schlichtweg falsch waren. Da rund 90% unserer Gepräche in dieser Tiefe verliefen, hatten wir und vor allem Heiko in den letzten Tagen einen Großteil der gemeinsamen Wanderzeit mit dem Warten auf die nächste Antwort verbracht. Zunächst war das für ihn in Ordnung gewesen, doch langsam war er davon so genervt, dass er die innere Spannung nicht mehr aushielt, uns seiner Unzufriedenheit Luft machen musste. Und hier kamen wir nun gleich auch zu meinem Thema. Sobald auch nur der Hauch einer Spannung oder das leiseste Gefühl von Disharmonie in der Luft lag, setzten sich in mir die gleichen Mechanismen in Kraft wie bei Shania und auch ich brachte keinen Ton mehr heraus, der nicht zuvor 27 Mal in meinem Kopf von links nach rechts gewendet wurde. Die Frage war also: Was war hier los? Beide, sowohl Shania als auch ich selbst waren durchaus in der Lage uns auszudrücken und spontane Antworten auf spontane Fragen zu liefern. Wir konnten auch Sachverhalte verständlich darlegen und klare Worte verwenden, die präziere ausdrückten, was wir ausdrücken wollten, ohne dass unnötig Platz für Interpretationen gelassen wurde. Warum also gelang es uns in all diesen Situationen nicht? Warum wurde es umso schwerer, je tiefer es ging und je mehr es sich dabei um uns selbst, um unsere Gefühle, Ängste und Lebensthemen ging? Warum waren unsere Gehirne in diesem Bereich wie leergepustet, so dass wir auf dem Schlauch standen und es uns einfach nicht gelingen wollte, auch nur ein sinnvolles Wort über die Lippen zu bringen? Passend zum Thema dauerte es lange, bis wir auf eine Lösung kamen. Dabei war sie eigentlich sehr einfach. Wir hatten stets das Gefühl, dass es sich um sehr schwere Fragen handelte, bei denen der Kopf krampfhaft nach der “richtigen” Antwort suchen musste. In Wirklichkeit jedoch kannten wir die Antwort bereit uns wussen sie ohne auch nur einen Moment zögern zu müssen rein intuitiv. Das Problem war nur, dass wir Angst vor dieser Antwort hatten, da sie uns offenbarte. Sie zeigte uns so wie wir waren, ohne Maske und ohne Beschönigung. Doch wir hatten das Gefühl, dass wir dieses wahre Ich nicht zeigen durften. Wir waren nicht richtig so wie wir waren, also würde man uns nicht mögen, wenn wir uns einfach so zeigten. Der Erfolg war, dass wir die einzig authentische, “richtige”, das heißt wahrhaftige Antwort, die aus unserem Herzen und aus unserer Intuition heraus kam, sofort ausschlossen und nicht mehr in Betracht zogen. Anschließend versuchten wir dann irgendwo anders in unserem Kopf eine bessere Antwort zu finden, was natürlich nicht möglich war. Wenn man nach dem Ergebnis von 2+2 gefragt wurde und 4 sofort als Antwort ausschloss, dann konnte man unendlich viele Zahlen im Kopf durchgehen und sich mehrere Leben mit der Suche nach einer Lösung beschäftigen, ohne jemals auf einen grünen Zweig zu kommen. Was immer wir also nach der Gedankenpause sagten, musste ein Gedankenkonstrukt sein, das uns nicht weiter brachte und das keienrlei Autenzität mehr enthielt. Darma finden: Wer sind wir wirklich? Ein perfektes Beispiel für diese blockierten Antworten in uns, war das Thema „Darma“ mit dem wir uns in den letzten gemeinsamen Tagen noch einmal intensiv auseinandersetzten. Wer waren wir wirklich? Was war unsere Lebensaufgabe? Was war der Sinn und der Grund für unser Leben? Worauf lief alles hinaus? Mit diesen Fragen hatten wir uns bereits unzählige Male beschäftigt und doch war ich noch immer weit davon entfernt, hier eine klare Antwort zu wissen. Auch hierbei ging es wieder um das gleiche Problem. Wir gingen die Fragen stets zu groß und zu intellektuell an und versuchten uns eine Antwort zu erdenken, anstatt sie aus dem Offensichtlichen heraus abzuleiten. Welches Darma hat ein Eichhörnchen? Niemand käme aus die Frage, hier eine große Sache draus zu machen, da die Antwort auf der Hand liegt: „Seine Lebensaufgabe ist es, ein Eichhörnchen zu sein, also ein quirliger, sportlicher Zeitgenosse, der fröhlich in den Wäldern herum hüpft, sich ein gemütliches Zuhause in den Bäumen baut und durch seine eigene Wintervorratspolitik den Bäumen und Sträuchern bei ihrer Fortpflanzung hilft. Das ist alles. Er muss nichts werden, das er nicht ist, muss nichts erreichen oder leisten. Er tut, was er eben tut und er ist, was er eben ist. Das ist sein Ziel! Das ist sein Darma. Wir hingegen glauben stets irgendetwas großes, besonderes Leisten oder Erschaffen zu müssen und suchen daher nach der einen grandiosen Sache, die wir in das Zentrum unseres Lebens stellen können. Und weil uns dies nicht gelingt und uns die Frage nach einem Sinn im Leben daher meist nur frustriert, suchen wir uns stattdessen eine Reihe von Ablenkungen, so dass wir uns überhaupt nicht mehr mit uns befassen müssen. Um nun jedoch auf eine befriedigende Antwort zu kommen, veranstalteten wir eine Art Spurensuche, mit der wir uns Stück für Stück näher an die Erkenntnis herantasten konnten ohne dabei in gedankliches Geschwafel abzurutschen. Zunächst einmal stellten wir uns die Frage, welche Ahnen uns Aufgaben und Eigenschaften mitgegeben hatten. Denn wenn wir wussten, wer uns seine Lebensaufgabe „vererbt“ hatte, dann konnten wir auch anhand seines Lebens erkennen, um welche Aufgabe es sich dabei wahrscheinlich handelte. In Shanias Fall war es einer ihrer Onkel, in meinem war es mein Großvater. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: ohne Worte
Höhenmeter: 440 m
Tagesetappe: 24 km
Gesamtstrecke: 23.675,27 km
Wetter: Sonnig und warm
Etappenziel: Privathaus Dalavich, Schottland

Zuletzt aktualisiert am 2017-12-24 15:15:57

 

 

Name:

Kommentar: