Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1360: Sommer in Frankreich

Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide

28.-29.08.2017 Die Entscheidung, Irland zeitig zu verlassen und den Rest des Sommers in Frankreich zu verbringen, war definitiv richtig. Wir sind nun eine gute Woche hier, hatten noch kein einziges Mal Regen, Kälte oder Sturm und sind nie später als 15:00 irgendwo angekommen. Heute wurden wir das erste Mal von einem Rathaus abgelehnt und mussten noch einmal 3km weiter ziehen. Aber gleich im nächsten Ort bekamen wir dann einen Platz unter dem Pfarrhaus. Er war nicht schön und so voller Riesenspinnen, dass man sich wunderte, nicht in ein riesiges Netz gesponnen und wie eine Fliege ausgesaugt zu werden, aber es war ein Platz und er erfüllte seinen Zweck. Am Abend bekamen wir dann sogar noch eine Essenslieferung aus dem Rathaus. Sie erinnerte uns daran, warum wir vor einigen Monaten aus dem Land hatten fliehen wollen. Ich sage nur „Dosenfraß vom Feinsten!“ Es war nicht so dass wir keinen Hunger hatten, aber mehr als einen Teller voll brachte keiner von uns herunter. Nicht einmal Nachts war mir danach, obwohl ich normalerweise in meinen Wachphasen im Moment immer wieder Fressflashs bekomme. Zum Glück bekamen wir von einer Familie aus der Nachbarschaft noch 14 Eier geschenkt, mit denen wir ein XXL-Omelette machen konnten. Heute führte uns ein wunderschöner, an einem ruhigen Fluss gelegener Wander- und Fahrradweg nach Sant Lo, der Hauptstadt der Normandie. Früher musste diese Stadt einmal eine beeindruckende Festungsstadt gewesen seien, die als mittelalterliche Burg oben in einer Flussbiegung auf einem Berg thronte. Anhand einiger Ruinen, sowie der alten Burgmauer lässt sich dies noch immer erkennen, auch wenn die Stadt heute nahezu jede Schönheit verloren hat. In den Weltrkiegen wurde ihr Zentrum weitgehend zerbombt, darunter auch die zentrale Kirche. Einige der alten Gebäude hatte man wieder aufgebaut, andere durch modernere, dafür aber leider vollkommen stillose Häuser ersetzt. Bei der Kirche selbst hatte man beides gleichzeitig getan. Ein Teil war noch immer der alte, verschnörkelte Sandsteinbau, aber ein Teil war auch durch schlichte, moderne Wände ersetzt worden, was der Kirche ein äußerst skurriles Aussehen verlieh. Es wirkte, als wäre sie gleichzeitig aus zwei Welten, oder als hätte man in der Mitte ein Stück herausgeschnitten. Dank der Vorankündigung unseres gestrigen Gastgebers bekamen wir auch heute sofort wieder einen Platz zum Schlafen. Besser könnten die äußeren Umstände also kaum sein und doch haben wir noch immer das Gefühl, niemals mit der Zeit hinkommen zu können. Es war nun unmöglich, jemand anderem dafür die Schuld zu geben, denn klarer als jetzt konnte es nicht mehr werden, dass es rein um innere Blockaden geht, die irgendwie aufgelöst werden wollen.
 
Spruch des Tages: Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide falsch (Spruch auf einer Postkarte)
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.603,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Kommunionssaal der Kirche, Palluau sur Indre

Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:44:46

 

 

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