Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1366: Maue Beute

In der Not frisst der Teufel Fliegen

11.09.2017 Aus irgendeinem Grund, ist es in dieser Gegend sogar noch schwerer, etwas zum essen aufzutreiben, als in Irland. Jedenfalls, wenn es um die Hilfsbereitschaft der gewöhnlichen Einwohner geht. In Sachen Klischee-Erfüllung liegt man hier hingegen wieder recht weit vorn, was ja auch schon mal was wert ist. Aber im Ernst, so heftige und menschenfeindliche Reaktionen haben wir auf der ganzen Reise nicht bekommen. Irgendetwas ist hier anders. Oder etwas ist mit uns anders und wir haben noch nicht durchschaut, was es ist. Meine Highlights von gestern Abend waren vier Familien hintereinander, die nicht einmal bereit waren, uns ein bisschen Salz zu spenden. Kein Witz! Die Frage lautete: „Hätten Sie vielleicht etwas Salz für uns!“ und die Antwort war: „Nein, das tut mir sehr Leid, aber wir haben leider kein Salz, das wir euch geben könnten.“ Die beste Antwort war aber immer noch die von unserer Nachbarin, die uns bereits am Mittag mit der stellvertretenen Bürgermeisterin gesehen hatte: „Haben Sie meine Nachbarn schon gefragt? Die sind doch bestimmt nett, sollen die doch etwas geben! Warum sollte ich das denn tun!“ Letztlich waren es genau zwei Familien, die uns komplett versorgten. Eine von ihnen spendete eine Schachtel Kekse. Heute sah es nicht viel besser aus, nur dass mir größtenteils schon die Tür vor der Nase zugeknallt wurde, ehe ich auch nur etwas sagen konnte. Am Ende hatten wir dann zwar trotzdem ein Festmal, doch wiederum verdankten wir das meiste davon einer einzigen Familie. Und bei ihr handelte es sich auch noch um Ausländer. Wie geht so etwas? Man fragt wirklich ein ganzes Dorf und bekommt nur Hass und Geringschätzung entgegen gebracht und dann trifft man auf eine einzige Familie mit afrikanischem Ursprung, die mit sieben Kindern in einem kleinen Häuschen lebt und wird mit Gaben geradezu überschüttet. Und das aber ohne einen einzigen Funken des Misstrauens oder des Argwohns. Die Kinder rennen zur Tür, strahlen einen freudig an, man fühlt sich sofort willkommen, während man ein Haus zuvor beim Anblick des Eigentümers das Gefühl hatte, es würde einem die Seele eingefroren. Die zweiten, die uns einen Teil unseres Abendessen spendeten, waren die Besitzer eines kleinen Restaurants, die ebenfalls zugereiste waren. Als ich erfuhr, dass die Besitzerin Englisch sprach, witterte ich die Chance, die ich schon so lange gesucht hatte. Endlich konnte ich fragen, was zur Hölle mit den Menschen hier nicht stimmte! Ja, ich weiß, mit den Menschen ist alles in Ordnung, denn es sind ja nur Spiegelpartner, die mir das zeigen, was gerade in mir los ist. Aber es tat trotzdem gut die Frage zu stellen und ein bisschen von meinem Frust zu teilen. Anscheinend hatte es in der Gegend wohl schon öfter Übergriffe gegeben, bei denen ältere Leute ausgeraubt wurden, von fremden, die an der Tür klingelten. Die Frau hatte jedenfalls die gleiche Erfahrung gemacht wie ich. Aus irgendeinem Grund waren die Menschen hier ängstlicher, ablehnender und voreingenommener als irgendwo sonst. Dafür musste man sagen kamen wir dann aber doch wiederum recht gut durch. Wie hatten wir am Anfang der Reise immer so schön gesagt: Es reicht, wenn es einen einzigen netten Menschen an einem Ort gibt. Man muss ihn nur finden.
 
Spruch des Tages: In der Not frisst der Teufel Fliegen
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.723,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Saint Florent-sur-Cher, Frankreich

Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:07:45

 

 

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