Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tag 1398 bis 1401: Eine Hand wäscht die andere

Eine Hand wäscht die andere

01.1.2017 Manchmal lässt das Schicksal einfach alles so zusammenfließen wie es passt. Oder: Eigentlich tut es das ja immer, aber manchmal kann man die Puzzleteile, die ineinandergreifen sofort erkennen und nachvollziehen. Und wenn das passiert und auch noch alle Beteiligten einen deutlich erkennbaren Vorteil daraus ziehen, dann ist das ein verdammt gutes Gefühl. Aber ich schätze ich muss ein bisschen mehr erklären, damit ihr versteht, was ich damit meine. Heute ist der 1. Oktober und damit der erste aktive Tag der Greencard-Lotterie. Das bedeutet: Von heute an hat man genau einen Monat Zeit, um sich bei der amerikanischen Regierung für die Verlosung einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung zu bewerben. Das ist natürlich nicht ganz einfach und man muss eine Menge Dinge beachten, damit man Erfolg haben kann. Deswegen gibt es verschiedene Beratungsstellen, die einem dabei weiterhelfen und die die Wahrscheinlichkeit, am Ende wirklich eine Greencard in der Hand zu halten deutlich erhöhen. Der einzige Haken dabei ist, dass diese Organisationen natürlich nicht umsonst arbeiten. Für Heiko Shania und mich würde die Unterstützung durch den Verein rund 200€ kosten, was rund 200€ mehr sind, als wir gerade für diese Zwecke zur Verfügung haben. Von irgendwo her muss dieses Geld also zu uns hereinfließen. Nachdem wir unsere Wanderung beendet hatten, kamen wir genau eine Minute vor 11:00 Uhr in unserem Zielort. Um 11:00 Begann hier die Messe und somit hatte ich genau eine Minute Zeit, den Pfarrer zu finden und von unserem Projekt zu überzeugen, wenn wir hier einen Schlafplatz finden wollten. Alles andere würde wohl wieder in einem Desaster enden, wie an den meisten Wochenenden, an denen es mit der Kirche nicht klappt. Wir stellten unsere Wagen bereits ein kleines Stück außerhalb der Stadt ab und ich joggte die letzten Meter bis zur Kirche. Als ich ankam spielte bereits der Oranist und die meisten Gläubigen hatten ihre Plätze bereits eingenommen. Der Pfarrer stand in voller Montur zwischen seinen Messdienern neben dem Altar in den Startlöchern, gab mir aber noch 20 Sekunden um mit ihm zu sprechen. „Alles klar, ich finde etwas! Frag mich nach der Messe!“ war die Antwort und schon huschte er an mir vorbei auf den Altar. Ich selbst trat den Rückzug an, suchte nach Heiko und gemeinsam drehten wir eine kleine Runde durch den Ort. Kurz vor Überreichen der Hostie betrat ich die Messe und konnte mich noch in die Wartenden einreihen. Auch nach der langen Zeit der Wanderung in Frankreich verstand ich noch immer kaum ein Wort von dem was gesagt wurde, doch kurz bevor der Pfarrer die Messe beendete hörte ich einige vertraute Worte: Mönche, Pilgereise, Deutschland, Franziskaner,... Irgendwie ging es um uns. Was ich jedoch nicht verstand war, dass er mit diesen Worten meinen Auftritt als Gastsprecher vor der Gemeinde ankündigte. Dies wurde mir erst klar, als plötzlich alle anfingen, mich nach vorne zu winken. Da stand ich nun also mit einem Mikro in der Hand vor rund hundert französichen Gläubigen und sollte irgendetwas geistreiches auf einer Sprache beitragen, die ich nicht beherrschte. Saubere Sache! Besonders großartig wurde der auftritt nicht, aber ich schaffte es, meinen üblichen Text über unsere Reise herunterzubeten und damit waren alle zufrieden. Direkt nach der Messe kam ein älterer Herr auf mich zu, der mich nach diesem Auftritt auf Deutsch fragte, ob wir nun schon eine Bleibe hätten oder nicht. „Ich denke schon!“ sagte ich, „Der Pfarrer hat da etwas angedeutet!“ Der Pfarrer hatte jedoch vor allem darauf gebaut, dass Personen wie dieser Mann unter den Anwesenden waren und so stellte sich kurz darauf heraus, dass er unser heutiger Gastgeber werden sollte. Später wurde noch einmal etwas umorganisiert, so dass wir am Ende nur zum Mittagessen mit ihm mitfuhren und im Kommunionssaal übernachteten, aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig war vor allem die Begegnung zwischen dem Mann und uns. Beginnen wir noch einmal heute morgen: Jener Mann, nennen wir ihn Michelle, saß mit seiner Frau am Frühstückstisch. Er hatte lange Zeit als Banker in Deutschland, Frankreich, Afrika und an anderen Orten der Welt gearbeitet, und war nun bereits seit längerer Zeit in Rente. Sein Beruf hatte ihm viel Geld aber auch einiges an Sorgen und schlechtem Gewissen eingebracht. Er wusste, dass er durch diese Arbeit oft nicht gerade zum Wohl der Menschen beigetragen hatte, obwohl ihm dies an sich immer wichtig war. Daraus hatte sich im Laufe der Zeit ein Selbstwertkonflikt ergeben, der direkt mit seinem Glauben in Verbindung stand. Er hatte eine klare Vorstellung davon, was ein guter Mensch war, wusste nur nicht mehr genau, ob er selbst auch dazu gehörte. Dieser innere Konflikt, der seit vielen Jahren in ihm schwelte, hatte dazu geführt, dass sich auf seiner Stirn und am Hinterkopf einige Hautpartien verändert und ein Melanom ausgebildet hatten. Selbst aus schulmedizinischer Sicht war es noch nichts dramatisches, denn es war weit davon entfernt, Krebs zu sein. Und selbst wenn es Hautkrebs gewesen wäre, so wäre dieser auch bei weitem nicht so gefährlich, wie man es uns gerne weis macht. Doch das wusste er nicht und er uns seine Frau schauten mit zunehmender Besorgnis auf jene Hautveränderungen. Für morgen war sogar ein Termin bei einem Mediziner angedacht, der sich alles einmal anschauen und der weitere Maßnahmen anraten sollte. Dies nahmen sich die beiden als Anlass um selbst auch noch einmal von einer anderen Seite auf das Problem zu schauen. Sie waren keine Kirchgänger, aber sie wollten seit langem nun wieder einmal in die Kirche gehen, um zu schauen, ob Gott nicht vielleicht eine Antwort für sie hatte. Und wie es aussah, hatte er dies! Als der Mann uns zu sich einlud ahnte er nichts davon, was diese Einladung ihm bringen würde. Er wollte einfach nur seine Unterstützung anbieten, denn er hatte ein riesiges Haus, das kaum genutzt wurde. Beim Essen kamen wir dann jedoch auf das Thema zu sprechen, da Heiko natürlich die dunklen Flecken auf seiner Kopfhaut aufgefallen waren. Es dauerte nicht lange und wir befanden uns in einem intensiven Gespräch über Hautkrebs und die verschiedenen Möglichkeiten einer Heilung. Michelle saugte das Wissen förmlich in sich auf und schrieb alles mit, das wichtig sein könnte. Für ihn, führten wir nicht einfach nur ein Gespräch. Er war durch Zufall, Schicksal, oder göttliche Fügung in ein Beratungsgespräch mit einem Heiler geraten, der ihm auf eine Weise weiterhelfen konnte, wie er es nie für Möglich gehalten hätte. Und für dieses Gespräch wollte er sich im Anschluss gebührend bedanken und es auf eine Art entlohnen, wie er es bei einem normalen Arztbesuch auf gemacht hätte. Als wir gemeinsam mit ihm zurück in die Stadt fuhren, um uns vom Pfarrer unseren Schlafplatz zeigen zu lassen, hielt Heiko für die geleistete Beratungsarbeit 200€ in der Hand. Genau das Geld, das wir für die Greencard-Lotterie benötigten. Ist es nicht erstaunlich, wie glatt manchmal alles laufen kann? Der Umstand, dass wir wegen der Wagen doch noch einmal zurück in die Stadt mussten um uns erneut mit dem Pfarrer zu treffen, entpuppte sich im Nachhinein übrigens ebenfalls als Fügung. Denn im Gespräch mit ihm bekamen wir gleich noch Zusagen für zwei weitere Übernachtungsplätze. Einmal für Morgen und einmal für den Ort, an dem wir unser Paket bekommen werden. Also genau für den Tag, an dem es am wichtigsten ist.
 
Spruch des Tages: Eine Hand wäscht die andere.
Höhenmeter 230m / 75 / 40m / 50m
Tagesetappe: 31km + 16km + 17km + 25km
Gesamtstrecke: 26.414,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Leerstehnde Wohnung der Stadt, Golbey, Frankreich
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Nomexy, Frankreich
Etappenziel 3: Vereinshaus der Stadt, Chamagne, Frankreich
Etappenviel 4: Private Gästezimmer, Flavigny-sur-Moselle

Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:23:58

 

 

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