Spüren Sie den Freudenspirit der Natur Kontakt zu Heiko Gärtner Herausgeber von Heiko Gärtner
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Tag 1435 bis 1438: Wo ist unsere Kamera?

Verschollene Kamera

SEO-Optimierung Abgesehen davon dass es nun mit jedem Tag nasser und ungemütlicher wird, gibt es über die letzten Tag kaum etwas zu berichten. Land, Leute und Erlebnisse sind größtenteils ähnlich und unser eigener Fokus liegt gerade auf der Arbeit an der Erlebnis-Geschenke-Plattform. Langsam haben wir verstanden, dass dieses Projekt deutlich größer ist, als wir angenommen hatten. Und auch die Lebensabenteurer-Seite braucht immer mehr Aufmerksamkeit um wirklich ins Laufen zu kommen. Unser neues Leitwort in diesem Bereich lautet SEO. Denn wie wir festgestellt haben ist ein Reisetagebuch nur dann wirklich hilfreich, wenn es auch gefunden werden kann, wenn auch jemand von seiner Existenz weiß. Und für google wären wir trotz der nunmehr gut 1400 Unterseiten nahezu unsichtbar. So sehr uns dies am Anfang erschreckte, so sehr waren wir auch erstaunt darüber, was hier mit ein paar Handgriffen alles möglich war. Oft reichten winzige Änderungen im Text oder im Titel und schon wurde aus einem unsichtbaren Tagesbericht plötzlich ein gern gelesener Leitartikel. Verschollene Kamera Gestern hatten wir dann aber plötzlich doch noch ein bisschen mehr Aufregung, als wir erwartet hatten. Nach einer Wanderung durch drei Orte erreichten wir ein kleines Nest, dessen Bürgermeister in einem großen Schloss wohnte. Er selbst wie auch seine Frau waren sehr nette und gastfreundliche Menschen und baten uns sofort herein. Als Heiko daraufhin zu seiner Kamera griff um sie mitzunehmen, stellte er fest, dass sie nicht da war. Hatte man sie gestohlen, als wir einen Moment nicht aufgepasst hatten? Wohl kaum, denn es war niemals jemand in der Nähe der Wagen gewesen. Wir mussten sie also irgendwo vergessen oder liegen gelassen haben. Glücklicher Weise sprach die Frau des Bürgermeisters so gut Deutsch, wie wir Französisch. Auf der einen Seite was dies etwas erschreckend, denn obwohl wir alles verstehen und erzählen konnten, klangen ihre Sätze doch etwas stokelig und erinnerten eher an Gettokids als an alles andere. So musste sich also unser Französisch für einen Franzosen anhören. Damit war nun klar, dass das viele Lob, das wir für unsere Sprachkenntnisse erhalten hatten, eher ein Beweis für die Höflichkeit der Franzosen als für unseren Lernerfolg war. Gemeinsam mit unserer Gastgeberin brachen wir auf und fuhren unsere Strecke noch einmal rückwärts ab, bis wir an einen Ort kamen, wo wir bereits ein erstes Mal nach einem geeigneten Schlafplatz gesucht hatten. Der Bürgermeister hätte ihn uns auch gegeben, doch der Platz war ausgerechnet heute durch eine große Partygesellschaft in Beschlag genommen worden. Und hier wurden wir nun auch fündig. Die Kamera stand noch immer dort, wo Heiko sie während des Bürgermeistergesprächs abgestellt hatte.
 
Höhenmeter 60m / 11km / 12km / 15km
Tagesetappe: 25km / 16m / 16m / 10m
Gesamtstrecke: 27.103,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel 1: Katholisches Pfarrhaus, Kaldenkirchen, Deutschland
Etappenziel 2: Kloster Mariendonk, 3km westlich von Kempen, Deutschland
Etappenziel 3: Katholisches Gemeindehaus, Nieukerk, Deutschland
Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Lüllingen, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:55:20


Tag 1434: Mystische Herbstwälder

Es ist viel mehr möglich als man glaubt! Man muss

21.-23.10.2017 Seit drei Tagen befinden wir uns nun mitten im Herbst. Das Wetter ist deutlich kälter und nasser geworden und die Wälder haben nun ihre ganze orange-gelbe Pracht aufgesetzt. Mit der Gemütlichkeit ist es also erst einmal vorbei, aber dafür haben die Herbsttage ihren eigenen mysthischen Charme. Es ist ein echtes Geschenk, gerade um diese Zeit durch ein so ausgedehntes Waldgebiet wandern zu dürfen. Einen Großteil der Strecke legen wir dabei auf holprigen Waldwegen zurück, die sind zwar nicht immer angenehm zum Wandern sind, geben einem dafür aber viel mehr das Gefühl, ein Teil des Waldes zu sein, als dies eine Straße je könnte. Wenn dann noch teilweise der Nebel zwischen den Bäumen hindurchzieht, irgendwo ein Käuzchen schreit und hin und wieder ein Reh oder ein Eichhörnchen zwischen den Bäumen umher springt, dann fühlt man sich wirklich wie im Märchenland. Auch unsere letzten Schlafplätze passten auf ihre eigene Art dazu. Vor drei Tagen erreichten wir ein kleines Dörfchen in dem gerade ein Festival veranstaltet wurde. Überall im Ort waren kleine Stationen mit Verkaufsständen, Spielmöglichkeiten und Bastelangeboten für Kinder aufgebaut. Es gab sogar ein handbetriebenes Kettenkarussell. Der Bürgermeister stellte uns das ehemalige Feuerwehrhaus zur Verfügung, das nun nicht mehr war, als eine Abstellkammer, in der gelegendlich kleine Feste gefeiert wurden. Von den letzten Aktionen hier standen noch immer die halb vergammelten Lebensmittel herum, aber wenn man einmal für ein bisschen Ordnung gesorgt hatte, war der Platz gar nicht schlecht. Da es kein Internet gab, erlaubte uns der Bürgermeister zudem, sein Büro im Rathaus zu nutzen. Auch in der Nacht. Verglichen mit dem letzten, der uns nicht einmal einen w-LAN-Zugang geben wollte, also ein sehr vertrauensvoller Mensch. Die nächste Übernachtung hatten wir in einem kleinen Hotel. Wie bereits beim letzten Hotelbesuch bot man uns auch hier zunächst ein Zimmer an, das direkt über der Küche lag und in dem permanent verschiedene Lüfter, Klimaanlagen und Kühlschränke dröhnten. Wir beschlossen daher noch einmal mit den Verantwortlichen zu sprechen und zu fragen, ob nicht ein Tausch möglich sei. Ein bisschen dreist kamen wir uns dabei schon vor, denn immerhin war es ja ein geschenktes Zimmer. Dennoch sahen wir keinen Grund, warum man sich einen Tag lang unwohl fühlen sollte, nur weil man etwas geschenkt bekam. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass es überhaupt kein Problem war, ein anderes Zimmer zu bekommen. Ich fand sogar noch einen Raum, in dem ich nachts in Ruhe arbeiten konnte, denn obwohl die Zimmer inzwischen ihre eigenen Badezimmer hatten, gar es noch immer eine Toilette auf dem Gang, die nicht mehr genutzt wurde. Gestern schließlich wurden wir dann in ein altes Kloster eingeladen, dass sich einsam mitten im Wald befand. Auch hier stellten wir fest, dass man deutlich mehr bekommen konnte, wenn man nur danach fragte. So wäre das Abendessen eigentlich gemeinsam mit rund 100 Seminarteilnehmern und Klosterbesuchern in einem großen Speisesaal geplant gewesen. Eine kurze Erläuterung zu unserer Einstellung gegenüber Stille und großen Menschengruppen reichte aus, und wir durften unser Essen mit aufs Zimmer nehmen.
 
Spruch des Tages: Es ist viel mehr möglich als man glaubt! Man muss nur danach fragen.
Höhenmeter 20m
Tagesetappe: 26km
Gesamtstrecke: 27.036,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel: Männerkloster, Roermond, Holland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:52:58


Tag 1433: Die Drei-Tage- Regel

Erkenne deinen inneren Schweinehund

20.10.2017 Erfahrungen mit dem polyophasischen Schlafrhythmus Laut allen Beschreibungen, die ich im Internet zum Thema polyphasischer Schlafrhythmus gefunden habe, sollte man nach etwa 10 Tagen der Umstellung, in denen man müde und abgeschlagen ist, wieder seine volle Energie besitzen. Man sollte sogar mehr davon haben als je zuvor und man sollte sich erfrischt, lebendig, zufrieden und voller Tatendrang fühlen. Leider kann ich diese Erfahrung in meinem Fall noch nicht bestätigen. Ich probiere mich in diesem Schlafrhythmus nun ja schon einige Monate und bin noch immer müde und Energielos. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass ich bereits vor dr Umstellung müde und energielos war. Es ist nun nur etwas präsenter geworden. Trotzdem habe ich noch immer das Gefühl, dass dieser Rhythmus zu mir gehört und dass es etwas anderes ist, das mich im Moment immer wieder ausknockt. Das Problem ist nur, dass es ich wirklich ausknockt. Ich habe Phasen in denen ich manchmal mehre Stunden wie Bewusstlos auf meine Stuhl sitze und einfach ausgeschaltet bin. Dabei habe ich natürlich eine vollkommen unbequeme Haltung, die jedes Mal mein Genick ein Stückchen stärker verspannt und mir das Konzentrieren schwerer macht. Heute beispielsweise habe ich es tatsächlich geschafft, gleich in der Früh nach dem Weckerklingel-Signal, das mich auf unsere offizielle Aufstehzeit hingewiesen hat, auf meinem Stuhl einzuschlafen und nicht wieder aufzuwachen bis Heiko mich weckt. Ich hatte nur schnell ins Handy schauen wollen, um unsere heutige Strecke zu planen und schwubs war ich schon wider im Stand-By Modus. Inzwischen konnte ich diesen Modus sogar einnehmen, wenn ich stehe oder knie. Man kann also sagen, alles was es an ungesunden, negativen und nicht hilfreichen Fähigkeiten rings um Energielosigkeit gibt, habe ich schon einmal gelernt. Jetzt muss ich nur noch lernen, wie die sinnvollen Dinge funktionieren. Aller guten Tage sind drei. Dabei wurde jedoch eine Sache noch einmal besonders deutlich, die mich ebenfalls schon mein Lebenlang begleitet. Heiko nannte es meine „3-Tage- Regel“ Sie besagt, dass ich es immer schaffe, alles neue, alle Routinen, alle Übungschritte und alle guten Vorsätze genau drei Tage Tage einzuhalten. Danach kommt irgendetwas dazwischen oder ich komme ins Schludern und schon ist alles wieder verloren. So kann man natürlich nichts lernen und braucht sich darüber auch nicht zu wundern. Wenn ich in meinem Leben drei Unterrichtsstunden am Klavier nehme, werde ich kein großer Komponist werden. Also brauche ich am Ende auch nicht enttäuscht zu sein. Wenn ich drei Tage lang Liegestütze mache, werde ich keinen gestählten, muskulösen Oberkörper bekommen. Genauso wenig kann ich lernen, Energie aus Meditationen oder der Verbindung zur Natur zu gewinnen, wenn ich niemals meditiere. Alle positiven Routinen, die ich mir antrainieren wollte, um immer ausreichend Energie zu haben, liegen noch immer auf dem Stapel mit „Mache ich irgendwann einmal!“ Wie also will ich so vorankommen? Meine übliche Reaktion nach einer solchen Erkenntnis war stets, mich selbst zu dissen und zu sagen, „Alles Klar, habe ich verstanden dieses Mal wird’s besser!“ Und dann habe ich es drei weitere Tage geschafft. Das kann natürlich keine Lösung sein. Wichtig ist, anzuerkennen, dass es vor allem dieses Problem ist, mit dem man umzugehen lernen muss. Bevor ich irgendetwas anderes lernen kann, muss ich meine Mechanismen in diesem Bereich erkennen, verstehen und umgehen. Ich brauche einen guten Plan, wie ich meinen inneren Selbstmanipulierer austrickse und ihn umgehe. Fürs erste habe ich nun dafür gesorgt, dass mich all die technischen Geräte in meiner Umgebung alle drei Tage daran erinnern, dass ich doch etwas lernen wollte und dass ich schon wieder dabei bind, ins Schludern zu kommen. „Hey du Depp!“ sagt nun beispielsweise alle drei Tage mein Computer zu mir, „Du wolltest doch lernen, Lichtmeditationen zu machen, deinen Beckenboden zu trainieren und deinen Atem wahrzunehmen! Wie siehts jetzt damit aus?“ Für´s erste scheint das ganz gut zu klappen, aber ich werde mir in der nächsten Zeit immer wieder neue Umgehungsstrategien suchen müssen, damit ich mich nicht wieder selbst verarsche. Das zweite Prinzip, das ich nun verstanden habe ist, dass ich kleine Schritte machen muss. Ich bin kein Genie, das alles auf einen Schlag lernen kann, sondern ein Depp, der eine Schritt für Schritt Anleitung braucht, nur um richtig auf´s Klo zu gehen. Das ist zwar etwas peinlich, aber es ist wie es ist und nur wenn ich das annehme, komme ich hier auch weiter. So habe ich meine tägliche Lichtmeditation nun in kleine praktische Häpppchen eingeteilt, Eigentlich sollte ich sie zehn Minuten lang machen, doch nach neuneinhalb Minuten habe ich mich jedes Mal gelangweilt, weil ich den Fokus eh nicht halten konnte. Von da an habe ich mich nur noch gefragt, wann endlichdiese Zeit um ist. Jetzt mache ich es anders. Wenn ich meine Konzentration nur 30 Sekunden halten kann, dann mache ich auch die Medi nur 30 Sekunden lang. Das klappt bislang sehr gut und nun macht sie mir sogar Spaß, weil ich nun tatsächlich Licht sehen und spüren kann, wie es in mich hinein strömt. Einige Male kam mi die Zeit dabei sogar schon etwas zu kurz vor, so dass ich mich heute Mittag auf 35Sekunden gesteigert habe.
 
Erkenntnisse des Tages: 1. Erkenne deinen inneren Schweinehund und lerne, mit ihm zu tanzen! Wenn du merkst, dass du dich selbst immer wieder manipulierst und dass deine Vorsätze verloren gehen, dann verurteile dies nicht und leugne es auch nicht, sondern nimm es an, und such dir Wege, mit denen du dich selbst überlisten und deinen Schweinehund immer wieder austricksen kannst. 2. Mache jeden Schritt so groß wie möglich aber so klein wie nötig! Wenn du dich nur für drei Sekunden konzentrieren kannst, bringt es nichts, von dir selbst eine Stunde einzufordern. Das führt nur zu Ablehnung, Frustration und Lustlosigkeit. Dies ist also das beste Futter für deinen Schweinehund. Gesteh dir ein, dass du am Anfang stehst und konzentriere dich die vollen drei Sekunden, die dir möglich sind. Sei auf diesen Erfolg genauso stolz, als wären es drei Tage gewesen und geneieße deinen Erfolg. Schon bald werden es dreieinhalb oder gar vier Sekunden sein und von da an wird es immer besser! Achte aber darauf, dass du die Schritte nicht zu klein machst, so dass es eine Herausforderung bleibt, an der du lernen kannst. Alles andere wäre nur auch wiede ein Trick des Schweinehundes.
Höhenmeter 50m
Tagesetappe: 22km
Gesamtstrecke: 27.010,27km
Wetter: Regen, Wind und Kälte
Etappenziel: Psychiatrische Klinik (Raum mit Gummizelle), Maaseik, Belgien

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:50:55


Tag 1430 bis 1432: Die letzten Gäste

Wer hätte gedacht, das wir hier schon wieder nach

19.10.2017 Die Gegend hier im Herzen von Frankreich ist nicht unanstrengend und macht uns teilweise genauso fertig, wie viele Bereiche in England. Dafür ist es aber gerade jetzt im Herbst, eine der schönsten Gegenden, die man in diesem Land finden wird. Endlich können wir wieder gemütliche Picknicks im Wald machen und uns dabei von der Sonne wärmen lassen. Im Sommer ist dies ja ein bisschen zu kurz gekommen. Gerade scheint auch eine Zeit zu sein, in der wir lernen sollen, die Dinge einfach so anzunehmen wie sie kommen und dabei zu erkennen, dass sie für uns hier sind und nicht rein zufällig passieren. Es ist ein bisschen, als würde man sich die Muppet-Show ansehen und die ganze Zeit Schmunzeln, weil lauter Dinge passieren, die so eigentlich nicht passieren dürften und die vollkommen Überspitzt sind. Sobald wir uns irgendwo hinsetzen dauert es keine halbe Minute mehr, bis es um uns herum zu Lärmen beginnt, bis wir den Platz wieder verlassen. Dabei ist es egal, ob wir noch unterwegs oder schon an unserem Platz angekommen sind und ob es sich bei dem Platz um eine Festhalle, ein Hotelzimmer oder ein privates Gästezimmer handelte. Irgendwo zauberte jemand immer wieder ein bisschen Lärm hervor, so dass man nicht zur Ruhe kommen konnte. Oder besser, so das es wichtig ist, noch einmal ganz neue Formen der Meditation zu erschaffen, um auch in diesen Situationen Stille zu erschaffen. Oder in meinem Fall: Entspannung und effektives Arbeiten. Die letzten Tage kamen wir bereits wieder sehr spät abends an, weil wir stets weiter und weiter geschickt wurden. Vor allem dann, wenn ich die neuen Schuhe trug, mit denen ich nicht weit gehen konnte. Und vor allem dann, wenn ich mir vor nahm eine Struktur einzuhalten um gezielte Fortschritte zu machen und Aufgaben abzuarbeiten, ohne dabei gegen mich zu arbeiten. Gestern beispielsweise hatte ich eine absolute Highlightsituation, in der ich von einem Anwohner rund 2km bis zum Haus des Bürgermeisters gefahren wurde, der mich dann dort stehen ließ und allein wieder zurück fuhr. Der Bürgermeister bot uns an, dass wir den Tag über auf der Straße warten und dann ab 18:00 Uhr in eine Kirchenruine ohne Strom ziehen könnten. Dafür hat sich die Strecke dann eher nicht gelohnt. Dummerweise musste ich nun die 2km wieder zurück hinken, obwohl ich bereits zuvor gemerkt hatte, dass es höchste Zeit war, um die Schuhe umzuziehen, wenn ich mir nicht die Zehen abreißen wollte. Mit der Meditation des Annehmens in Bedingungsloser Liebe klappte es gelinge gesagt eher mau. Es sprudelte einfach zu viel Hass in mir, um ruhig und entspannt zu sein. Ähnlich erging es Heiko, der die Wartezeit gemeinsam mit einem kläffenden Hund, einer Kreissäge, einem Laubbläser, einem Düsenjet, und einer schreienden Schulklasse neben sich verbrachte. Und doch war nun etwas anders als früher. Es war nicht mehr, dass wir auf die Menschen sauer waren, da wir verstanden hatten, dass sie nicht wirklich real waren. Wenn alles eins ist, dann waren wir es, die diese Situationen auslösten und zwar aus gutem Grund. Wir waren nun eine Stufe weiter. Früher hatten wir der Welt die Schuld dafür gegeben, dass wir Leid erfahren mussten. Nun da wir wussten, dass dies Quatsch war, gaben wir uns die Schuld dafür, dass die Welt Leid erfahren musste und bestraften uns unbewusst selbst mit unangenehmen Situationen. So richtig viel besser war das nun vielleicht auch wieder nicht, aber es Fühlte sich an wie Level 2 auf dem Weg der Entwicklung und das war durchaus ein gutes Gefühl. Heute kamen wir daraufhin auch schon gleich prompt wieder früh an und hatten sogar Zeit, ein paar Tests und Therapien zu machen. Ich bekam eine Fußreflexzonenmassage von Heiko, die mir die Schmerzenstränen in die Augen trieb. Es war ja noch nie angenehm gewesen, aber so stark waren die Schmerzen noch nicht. Doch auch diese war letztlich ein gutes Zeichen, denn es hatte sich nichts verschlimmert. Stattdessen war lediglich meine Wahrnehmung sensibler geworden und das wollte ich ja die ganze Zeit erreichen. Auch gestern war unser Tag durchaus positiv und angenehm ausgeklungen. Denn nachdem es schon so aussah, als müssten wir noch Ewig laufen, kamen wir an eine Pension, die von einem holländischen Pärchen betrieben wurde. Hier mussten wir nicht einmal nach einem Schlafplatz fragen, sondern bekamen ihn gleich angeboten. Später erfuhren wir dass die beiden kurz davor waren, wieder nach Holland zurückzukehren. Das Haus war bereits verkauft und die meisten Umzugskartons waren gepackt. So schön der Aufenthalt hier für uns war, so schön war er auch für Luis, denn für ihn waren wir nun die letzten Gäste, die hier in dem Haus unterbringen würde, das 20 Jahre seine Heimat war. Damit konnte er diesen Abschnitt seines Lebens nun mit gutem Gewissen hinter sich lassen. Es hatte einen richtigen Abschluss gegeben. Nicht einfach mit einem gewöhnlichen Gast, sondern mit zwei Ehrengästen, die bereits eine weite Reise hinter sich hatten.
 
Spruch des Tages: Wer hätte gedacht, das wir hier schon wieder nach Schottland kommen?
Höhenmeter 125m / 22m / 30m
Tagesetappe: 15km / 18km / 14km
Gesamtstrecke: 26.988,27km
Wetter: Regen, Schneematsch, Wind und Kälte
Etappenziel 1:Kloster Boeckwinkel, Wittem, Holland
Etappenziel 2: Katholisches Pfarrhaus, Maastricht , Holland
Etappenziel 3: Hotel Kasteel Elsloo, Elsloo, Holland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:48:24


Tag 1426 bis 1429: Delahaye - Eine der ältesten Automarken der Welt

17.-18.10.2017 Heute waren wir zu Gast in einem Schloss, dass der Familie gehörte, die einst die Gründer und Geschäftsleiter der ältesten Automobilmarke der Welt gewesen war. Der heutige Besitzer war ein kleiner, grauhaariger Rentner, dessen Leidenschaft für prunkvolle Oldtimer im ganzen Haus präsent war. Überall hingen Poster und Plakate mit den antiken Fahrzeugen herum und in den Regalen fanden sich mehr Modellautos als in den meisten Spielwarengeschäften. Als wir unseren Gastgeber danach fragten erklärte er uns den Grund seiner Sammlung. Tatsächlich war seine Familie von 1803 an stets in der geschäftsführenden Position von Delahaye, einer Firma, die als eine der ersten der Welt professionelle Automobile herstellte. Und ihr könnt mir glauben, wenn ich sage, dass diese damals noch wirklich Stil hatten. Das waren mal andere Autos, als die gefühlskalten Schlitten vom Band, wie man sie heute findet. Jedes einzelne hatte eine Persönlichkeit und einen unverwechselbaren Charakter. Dass man diese Automarke trotz ihrer offensichtlich hervoragenden Qualität heute kaum noch kennt liegt wahrscheinlich daran, dass sie bereits in den 1950ger ihre Pforten schloss. Doch ihre Hinterlassenschaften sind nicht ganz von unserem Planeten verschwunden. Einige seltene Exemplare gibt es noch immer. Nicht nur als Model, sondern als echte, lebensgroße und vollkommen intakte Vertreter ihrer Art. Voller stolz präsentierte uns unser Gastgeber die vier Exemplare, die in seiner eigenen Garage standen. Das Licht war leider etwas dämmerig und die Wagen waren verständlicherweise in Tücher gehüllt. Aber das was man sehen konnte war über alle maßen beeindruckend. Selbst für jemanden, der sich normalerweise nicht allzu sehr für Autos interessiert. Zwei der vier Wagen hatte er aus alten Wracks von Grund auf neu gebaut, die anderen beiden waren gekauft und teilrenoviert. Einer, der größte von ihnen, war seinerzeit sogar das Staatsfahrzeug des Französischen Präsidenten gewesen. Er war das noch letzte existierende Exemplar seiner Serie und musste locker einen zweistelligen Milllionbetrag wert sein. Die anderen, unter denen sich ein weiteres Unikat befand, lagen preislich nicht viel darunter. Alles in allem schätzte Heiko den Inhalt der Garage auf irgendetwas zwischen 50 und 100 Millionen. Äußerer Reichtum innere Armut Umso mehr war es uns ein Rätsel, wie man sich in einem so großen Hau so arm fühlen konnte. Obwohl es Nachts nun zumeist nur noch wenige Grad über Null hatte, wurde im ganzen Haus nicht geheizt. Auch gab es hier sonst nichts gemütlich, keine bequeme Couch, keine Leseecke und keine Kuschell-Area. Es war ein Museum voller Artefakte, aber wohnen konnte man hier nicht. Zum Abendessen gab es Nudeln mit Pilzen und Zwiebeln, aber ohne Sauce. Dafür dann aber wieder einen Käse für 16€ pro Kilo als Ausklang. Als wir uns dann beim Frühstücken über Obst, Gemüse und die Veränderung der Preise in den letzten Jahren sprachen, erzählte uns die Frau allen Ernstes, dass sie die Lebensmittelpreise als so teuer empfand, dass sie dich frisches Obst und Gemüse einfach nicht mehr kaufte. „Andere mögen sich dies ja leisten können!“ sagte sie, „aber wir nicht!“ Als wir kurz darauf gingen, fiel es uns richtig schwer, nach einen halben Baguette für den zu fragen, weil wir Angst hatten, die Familie müsse dann hungern. Und dies wie gesagt in einem Schloss, mit hektargroßem Parkgelände und Oldtimern in der Garage, die sich viele Filmstars nicht leisten könnten. Traditionsreiche Familien Gleich am Nächsten Nachmittag lernten wir noch eine weitere Familie mit einer langen Tradition kennen. Diese hatte zwar keine Autos hergestellt, dafür hatte es jedoh einen Künstler gegeben, der comicähnliche Gemälde von Menschen erstellt hat, die bis heute und Frankreich fast überall zu sehen sind. Sein Nachfahre hatte gerade vor einer Woche eine große Ausstellung in der Kirche, der Schule und in dem Aufenthaltsraum organisiert, in dem wir heute schliefen.
 
Spruch des Tages: Das waren noch andere Autos!
Höhenmeter 111m / 120m / 190m / 55m
Tagesetappe: 23km / 16km / 14km / 18km
Gesamtstrecke: 26.941,27km
Wetter: Regen, Schneematsch, Wind und Kälte
Etappenziel 1: Gästepension, Monschau, Deutschland
Etappenziel 2: Katholisches Pfarrgemeindehaus, Roetgen, Deutschland
Etappenziel 3: Benediktinerabtei, Kornellimünster, Deutschland
Etappenziel 4: Klosterkrankenhaus, Aachen, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:45:20


Tag 1422 bis 1425: Jakobsweg im Wandel der Zeit

Zeiten ändern sich

15.10.2017 Durch Zufall und einige nicht geplante Abweichungen von unserem Weg sind wir heute wieder in Guerigny gelandet, einer Kleinstadt in der wir vor drei Jahren schon bei unserem ersten Weg durch Frankreich halt gemacht hatten. Wir kamen dieses Mal von einer ganz anderen Seite und hätten die die Stadt auch nie erkannt, wenn der Kirchenplatz nicht so wahnsinnig markant gewesen wäre. Damals hatten wir die Stadt im Nebel und bei Nieselregen erreicht, wodurch sie eine trübe und unwirtliche, aber auch mystische und geheimnisvolle Stimmung ausgestrahlt hatte. Heute hingegen herrschte strahlender Sonnenschein und der wollte der Stadt so gar nichts mystisches verleihen. Nach einigem hin und her mit dem Bürgermeister durften wir in einer Pilgerherberge übernachten, die normalerweise 12€ kosten würde. Bei unserem letzten Besuch hier, hatte es diese Herberge noch nicht gegeben. Stattdessen hatten wir von einem afrikanischen Pfarrer einen kleinen Unterrichtsraum ohne Toiletten bekommen. Heute gab es einen neuen Pfarrer, der nicht aus Afrika stammte und uns mit den Worten „Oh, da haben wir hier leider nichts und dummerweise muss ich jetzt zur Chorprobe! Viel Spaß bei der Suche“ abspeiste. Die Herberge selbst war durchaus eine Steigerung gegenüber unserem letzten Schlafplatz am gleichen Ort, aber besonders gut überlegt hatte man sich den Ort dafür nicht. Sie lag direkt neben der Hauptstraße, rund einen Kilometer außerhalb der Innenstadt, so dass man als Pilger erst an ihr vorbei zum Rathaus und dann wieder zurück gehen musste. Auf halber Strecke zwischen den Cafés und Restaurants befand sich ein Supermarkt. Jeder Pilger, der also vielleicht sogar gerade dabei war, zusätzliches Geld für einen Restaurantbesuch oder ein Feierabendbier in einem Café auszugeben, wurde also spätestens hier abgefangen und mit einer Packung Spagetti oder einem Sechserträger zurück in die Herberge geschickt. Es schien fast, als wollte die Gemeinde bewusst verhindern, dass sie an den Pilgern auf freiwilliger, selbstbestimmter Ebene Geld verdient. 16.10.2017 Pilzsafari Gibt es etwas schöneres, als ausgedehnte Herbstwälder, die vom Licht der sanften Oktobersonne goldgelb erleuchtet werden? Heute durften wir rund 15km fast ausschließlich durch so einen Wald wandern. Dabei fiel uns erst einmal aus, wie wenig echte Wälder es doch in Europa. In Großbritannien beispielsweise hatten wir keinen einzigen durchquert. Von Irland ganz zu schweigen.Aber auch Spanien,Portugal, Italien und Osteuropa hatten wir größtenteils als Baumlos oder zumindest Waldlos erlebt. Klar sind wir auch dort immer wieder in kleinere Gebiete mit Bäumen gegangen, aber so richti durch einen Wald zu streifen ist schon noch einmal etwas anderes. Vor allem, wo gerade auch noch die Zeit der Pilze ist. Leider kennen wir uns mit den kleinen Freunden noch immer nicht gut genug aus, um selber sammeln zu gehen, aber heute konnten wir zumindest schon einmal eine Pilzsafari machen, bei der wir viele wirklich außergewöhnliche Exemplare vor die Linse bekamen.
 
Spruch des Tages: Zeiten ändern sich.
Höhenmeter 240m / 85m / 130m / 45m
Tagesetappe: 15km / 13km / 16km / 9km
Gesamtstrecke: 26.870,27km
Wetter: Schnee, Kälte und Winterstimmung
Etappenziel 1: Frauenkloster, Sankt Vith, Belgien
Etappenziel 2: Bildungsstädte Kloster St. Raphael, Montenau, Belgien
Etappenziel 3: Frauenkloster, 3km süsdwestlich von Bütgenbach, Belgien
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Weywertz, Belgien

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:42:57


Tag 1420 bis 1421: Intuitionstraining vom Feinsten

Es lohnt sich immer auf die eigene Intuition zu hö

14.10.2017 Im Moment scheint hier alles darauf ausgelegt zu sein, unsere Intuition zu schulen und endlich ein Vertrauen zu ihr aufzubauen. Noch nie auf unserer ganzen reise hatten wir so verhäuft Situationen, in denen wir zwar einen Schlafplatz angeboten bekamen, diesen jedoch von uns aus ablehnen mussten, weil er absolut unerträglich war. Das erste Mal hatten wir diese Situation vor einigen Wochen, als wir rund 12km gewandert sind um einen Pfarrer zu treffen der einen Platz organisiert hatte. Schon während des Telefonates hatte ich das Gefühl, dass dies kein guter Plan war und dass wir ihn unbedingt mit den Muskeln überprüfen sollten. Als ich ihn Heiko dann jedoch erklärte, klang er gar nicht mehr so schlecht und wir vertrauten darauf, dass es schon funktionieren würde. Gute zwei Stunden später standen wir dann in einer Art Hundezwinger, der sich quasi direkt auf der Straße befand. Vor zwei Tagen gab es eine ähnliche Situation. Die Rathaussekretärin hatte eine ältere Dame angerufen, die bereit war uns aufzunehmen. Sie habe ein Gästezimmer und wohne gleich um die Ecke. Auch hier hatte ich von der ersten Sekunde an das Gefühl „das passt nicht! Du fühlst dich hier nicht wohl und auch wenn diese Frau freundlich tut, geht eine Ablehnung von ihr aus, die fast körperlich spürbar ist!“ Aber meine Füße taten weh und es wirkte nicht, als würde es in den Nachbardörfern besser werden. Also nahm ich an. Zwei Stunden saßen wir darauf hin im Garten, direkt neben der Hauptstraße und warteten darauf, endlich raus aus dem Lärm und hinein in unser Zimmer zu können. Zunächst hieß es, dass dies noch nicht ginge, solange die Putzfrau da war, dann war unsere Gastgeberin plötzlich verschwunden. Schließlich tauchte ihr Mann auf, der zuvor von ihr nicht über unsere Ankunft informiert worden war und der dementsprechend gnietschig auf uns reagierte. Und schließlich hieß es dann, es sei von Anfang an der Plan gewesen, dass wir in einem winzigen Gartenhäuschen schlafen sollten, das sogar noch näher an der Straße lag und dazu noch von einer riesigen Gefriertruhe eingenommen wurde. Und heute standen wir schon wieder eine ähnlichen Situation gegenüber. Ein freundlicher Herr hatte und eingeladen, in seinem Hotel zu übernachten, da kein Bürgermeister und auch sonst niemand auffindbar war, der hätte hilfreich sein können. Das Angebot war super, nur gab es das Problem, dass sich unser Zimmer direkt neben dem Heizungskeller befand, in dem irgendeine Maschine mit fast der gleichen Intensität brummte, wie die Schiffsschraube auf unsere letzten Fähre. Und auch hier hatten wir gleich beim ersten Mal vorbei gehen an besagtem Hotel sofort das Gefühl, dass dies eher kein Platz für uns war. Jedes Mal, wenn diese Situationen auftauchten, dann gab uns unsere Intuition also klar und deutlich Bescheid. Und jedes Mal, wenn wir nicht auf sie hören, bringen wir uns damit selbst in eine unangenehme Situation, die man zwar irgendwie aushalten unter keinen Umständen aber genießen kann. Und egal wie lange wir brauchen, um das zu erkennen, es lohnt sich trotzdem jedes Mal wieder, die Situation zu verlassen und ins Ungewisse aufzubrechen. Einmal bekamen wir dafür eine Einladung von einem ganz lieben Pärchen mit einem großen, gemütlichen Haus, einmal bekamen wir ein angenehmes Hotelzimmer, einmal einen Festsaal mit Küche und geliefertem Abendessen und heute einen Platz in einem kleinen Holzhäuschen, in dem der Nachmittagsunterricht für die Kinder des Ortes stattfand. Obwohl dieser Raum ein totales Chaos voller Papierschnippel, Scheren, Bundstifte und Pappkartons war und obwohl ich mich zum nächtlichen Arbeiten auf die Toilette zurückzog, war es hier immer noch angenehmer und gemütlicher, vor allem aber ruhiger und wärmer, als in besagtem Hotel zuvor. Natürlich wurde es nicht der produktivste Tag aller Zeiten, aber wir waren hier trotz der späten Ankunft noch immer effektiver als wir es in einem Hotel des permanent-Dröhnens je hätten sein können.
 
Erkenntnis des Tages: Es lohnt sich immer auf die eigene Intuition zu hören, egal wie viel Unsicherheit dies zunächst auch mit sich bringen mag. Am Ende wird man von seinem Herzen doch stets belohnt!
Höhenmeter 195m / 260m
Tagesetappe: 15km / 17km
Gesamtstrecke: 26.817,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt, nass, neblig, ungemütlich
Etappenziel 1: Kloster, Niederprüm, Deutschland
Etappenziel 2: Privates Gästezimmer, Bleialf, Deutschland
Etappenziel 3: Gemeindehaus der evangelischen Kirche , Gerolstein, Deutdchland
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Büdesheim, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:38:29


Tag 1416 bis 1419: Was dir dein Symptom sagen will

Heute war ein entspannter Tag, ohne große Vorkommnisse. Das einzig wirklich erwähnenswerte ist, dass wir wieder einmal in einem Schloss übernachten dürfen und dieses Mal in einem wirklich beeindruckenden. Weitaus spannender ist jedoch eine Übung, auf die Heiko vorhin bei den Recherchen für ein neues Heilungsbuch gestoßen ist. Es ist eine Übung, um selbst mehr über die eigenen Grundprogrammierungen und damit auch über die Ursachen seiner Krankheiten und Symptome zu erfahren. Wir haben sie gleich einmal ausprobiert und haben sie nicht nur als sehr hilfreich, sondern auch als recht lustig und unterhaltsam empfunden. Es ist also auch eine Übung, mit der man unangenehmen oder beängstigenden Krankheitssymptomen ein bisschen was von ihrem Schrecken nehmen kann. Der Übungsaufbau Such dir ein körperliches Symptom, das du jetzt gerade in diesem Moment spüren kannst. Vielleicht eine Verletzung, vielleicht ein chronisches Leiden, eine Verspannung, eine Allergie oder auch eine akute Krankheit. Konzentriere dich nun ganz auf dieses Symptom und fühle dich so gut wie möglich hinein. Versuche alles ganz genau wahrzunehmen. Wo genau sitzt das Unbehagen bzw. der Schmerz? Wie intensiv ist er? Was zeichnet ihn aus? Wenn du das Gefühl hast das Symptom nun in allen Einzelheiten wahrgenommen zu haben, kannst du zum nächsten Schritt übergehen. Frage nun zunächst dich selbst, was dieses Symptom mit dir macht. Wo schränkt es dich ein? Wo beeinträchtigt es dich? Wie tut es das? Auf welche Bereiche deines Körpers wie aber auch deines Geistes und deines Alltags wirkt sich das Symptom auf? Im Negativen vielleicht aber auch im Positiven. Werde das Symptom Nun kehrst du mit deiner Aufmerksamkeit wieder zum Symptom zurück, wobei du dieses Mal deine Perspektive wechselst und selbst zum Symptom wirst. Fühle dich in das Symptom hinein, nimm seine Position ein und stell dir vor, dass du nun einen Dialog zwischen dir als Symptom und dir als Mensch beginnst. Eröffne das Gespräch zunächst damit, dass du dich vorstellst und sagst was für ein Symptom du bist, warum du da bist und wie du deinen Menschen beeinflusst. Was genau tust du und was ist deine Absicht dabei? Lass dich auf einen inneren Dialog ein Wechsle nun wieder zurück in deine eigene Perspektive und fühle in dich hinein, was die Worte des Symptoms mit dir machen. Wie fühlt es sich an, das zu hören? Welches Feedback möchtest du dem Symptom geben? Was hältst du von seinen Absichten, Zielen und Methoden? Was davon kannst du annehmen, wo gehst du in Resonanz? Bei Heiko war es beispielsweise so, dass er seinen Tinnitus als Mentor und Lehrmeister in vielen Bereichen gut annehmen konnte. Er hatte verstanden, dass er immer dann auftauchte, wenn eine Situation unangenehm wurde oder in einen Bereich ging, in dem sie schädlich wurde. Der Tinnitus sorgte so dafür, dass er sich nicht mehr ablenken ließ, sondern auf seinem Weg blieb, dass er Kraftraubende Situationen vermied oder sich ihnen entzog. Oftmals noch immer etwas spät, aber besser als nie. Auf der anderen Seite tauchte der Tinnitus aber gerne auch in Momenten auf, die an sich schön und bereichernd waren und in denen er einfach nur die Stimmung zu zerstören schien. Hie konnte Heiko ihn nicht verstehen und fragte ihn was das sollte. Den Dialog ausweiten Nun wechselst du zurück in die Perspektive des Symptoms und erklärst deiner Menschversion wie du sein Umfeld beeinflusst. Wie, wodurch und auf welche weise hast du Auswirkungen auf seinen Partner, seine Eltern, Kinder, Freunde, Geschwister, Verwandte, Kollegen etc. Wie veränderst du deren Wahrnehmung? Hast du Einfluss auf ihre Lebensroutinen, ihr Essverhalten etc. Als wir die Übung selbst gemacht haben ist uns aufgefallen, dass Heikos Tinnitus beispielsweise Shanias und meine Sensibilität für Lautstärker und Störgeräusche verändert hat. Dadurch, dass wir wissen, wie sich Lärm auf Heiko auswirkt, haben wir auch ein Gefühl dafür bekommen, dass er uns ebenfalls nicht gut tut und reagieren nun deutlich früher darauf, um ihn abschalten zu können. Gleichzeitig führt das Zusammenleben mit Heiko aber auch dazu, dass wir uns öfter als zuvor, ganz bewusst Lärm aussetzen, um ihn davor zu bewahren. So wähle ich im Zweifel beispielsweise immer das lautere Zimmer. Gleichzeitig gibt der Tinnitus nun aber auch mir die Gelegenheit aus unangenehmen Situationen zu entfliehen, die ich zuvor einfach ausgehalten hätte. Es gibt hier kein schwarz/weiß aber es ist sehr spannend, die vielen Wechselwirkungen zu beobachten und einmal wirklich wahrzunehmen. Was macht das mit dir? Trete nun wieder zurück in deine eigene Perspektive und überlege noch einmal, was das gehörte mit dir macht. Frage dich dabei auch ganz ehrlich, in welchen Bereichen du von deinem Symptom profitierst. Wo hilft es dir beispielsweise um Vergünstigungen, Aufmerksamkeit, Sonderrechte o.ä. zu bekommen? Wo bewahrt es dich davor, Dinge tun zu müssen, die du nicht tun möchtest? Frage dich auch, ob es noch andere Symptome, Verletzungen oder Krankheiten gibt, die mit bestimmten Vorteilen in Verbindung stehen. Nach dem Motto: Ehe ich mir das antue, werde ich doch lieber Krank! Erkennst du hier ein Muster? Wenn ja, frage dich, ob du die gleichen Ziele auf anderem Wege auch ohne Krankheit erreichen kannst und ob es sich dabei um Ziele handelt, die du überhaupt erreichen willst. Welchen Hunger hat das Symptom? Wenn du noch weitere offene Fragen hast, kannst du nun noch beliebig oft in dm Dialog zwischen dir und deinem Symptom hin und her wechseln, bis du das Gefühl hast, dass es dir alles gesagt hat, was es zu sagen gibt. Dann frage es, was es braucht, um in Frieden gehen zu können. Was muss getan werden, damit die Aufgabe des Symptoms erfüllt ist, so dass es nicht weiter bestehen muss? Wie kannst du das umsetzen? Was brauchst du im Gegenzug von deinem Symptom, um ihm vertrauen und es in Liebe annehmen zu können? Spüre noch einmal in dich hinein, wie sich dein Bezug zu deinem Symptom verändert hat. Gibt es jetzt im Moment noch etwas das geklärt werden möchte? Wenn ja, lass dich noch einmal darauf ein. Wenn nein, bedanke dich bei dem Symptom für das Gespräch und beende die Übung fürs erste. Schaue in den nächsten Tagen genau, was sich verändert und nehme den Dialog zu deinem Symptom wieder auf, wenn dir danach ist.
 
Spruch des Tages: Kaum etwas bringt einen weiter, als eine Sache auf verschiedenenen Perspektiven zu betrachten
Höhenmeter 160m / 60m / 60m / 150m
Tagesetappe: 11km / 12km / 13km / 12km
Gesamtstrecke: 26.785,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt, nass, neblig, ungemütlich
Etappenziel 1: Altes-Kloster, Sankt Thomas, Deutschland
Etappenziel 2: Jugendhaus, Mürlenbach, Deutschland
Etappenziel 3: Gemeindehaus der evangelischen Kirche , Gerolstein, Deutdchland
Etappenziel 4: Privates Gästezimmer, Büdesheim, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:35:30


Tag 1411: Ein Kloster für uns allein

So unabhängig waren wir in einem Kloster noch nie.

07.10.-11.10.2017 Die letzten Tage waren weitgehend ruhig und ereignislos, weshalb wir sie hier ohne schlechtes Gewissen zusammenfassen können. Die gute Nachricht ist, dass unsere Erlebnisseite nun immer mehr Form annimmt und schon fast so weit ist, dass man sie auf die Menschheit loslassen kann. Wenn ihr schon einmal einen kurzen Blick (oder auch einen langen) riskieren wollt, könnt ihr dort oben in die Adresszeile ja einfach mal www.erlebnis-geschenk.eu eintippen oder direkt hier auf den Link klicken. Wir freuen uns über Feedback, Meinungen und Anregungen und sind gespannt, was ihr dazu sagt. Das einzig wirklich spannende, das außerhalb der Computer- und Erschaffens-Welt passierte war unser Besuch in einem vollkommen verlassenen Kloster. Einer der Mönche aus dem letzten Kloster von dem wir euch berichtet haben, hat uns bereits diesen Tipp gegeben, als er uns am Morgen heimlich und am Superior vorbei zum Frühstücken in den Klausur-Teil seiner Kongregation eingeladen hat. Leider konnten wir nirgendwo einen Eintrag auf einer Karte finden, und so verwarfen wir den Vorschlag zunächst wieder. Einige stunden Später landeten wir dann jedoch zufällig bei einem Bürgermeister eines kleinen Dorfes, der uns zum Essen einlud und uns auch in Sachen Schlafplatz aushelfen wollte. Er war Farma und hatte ein großes Haus, das sich jedoch zum überwiegenden Teil in einem unbewohnbaren Umbau-Zustand befand. Gleichzeitig war er auch noch Messi, was zum einen Bedeutete, dass er uns auf jeden Fall helfen wollte, zum anderen aber auch, dass es im bewohnbaren Teil des Hauses definitiv keinen Platz mehr für uns gab. Dennoch gab es eine einfache Lösung, denn besagtes Kloster lag nur etwa eine Geh-Stunde von hier entfernt. Ein kurzes Gespräch genügte und alles war soweit ausgemacht. Als wir das Kloster dann jedoch erreichten, fanden wir zwar sämtliche Gebäude offen und einladungsbereit aber auch vollkommen verlassen vor. Auf dem gesamten Gelände war einfach kein Mensch auszumachen. Nach einer halben Stunde, trafen wir zum ersten Mal auf eine Familie, die jedoch lediglich einen Spaziergang um das Kloster machte und nicht das geringste darüber wusste. Eine weitere Stunde später kam ein Mann, der hier so etwas wie der Hausmeister war. Er kannte zwar die Gebäude, wusste aber weder etwas von uns, noch etwas über den Verbleib seines Arbeitgebers. Wir beschlossen daher, die offenen Türen als Einladung zum Eintreten anzusehen, denn irgendwie war ja bereits verabredet worden, dass wir hier bleiben durften. So nutzten wir den Nachmittag dann so gut wie Möglich zum Arbeiten, bis am Abend schließlich ein Auto vor fuhr und eine junge Frau ausspuckte, die wirklich hier auf dem Klostergelände wohnte. Ein aktives Kloster war es schon seit vielen Jahren nicht mehr und so kam es, dass die Frau, ihr Mann und ihr Sohn die einzigen waren, die noch hier lebten. Sie verwalteten die Gebäude, die teilweise als Seminarzentrum, teilweise als Halbjahreswohnstätte für die Bewohner eines Altenheims genutzt wurden.
 
Spruch des Tages: So unabhängig waren wir in einem Kloster noch nie.
Höhenmeter 270m
Tagesetappe: 29km
Gesamtstrecke: 26.687,27km
Wetter: herbstlich, kalt, bewölkt
Etappenziel: Pfarrgemeindesaal, Tawern, Deutschland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:34:00


Tag 1410: Militärische Geheimoperationen

Es gibt immer eine noch größere Antenne

06.10.2017 Ihr erinnert euch bestimmt an die sonderbaren Strom-Konstruktionen, die wir in Schottland und Nordengland gesehen haben und bei denen wir uns nicht sicher waren, ob es sich vielleicht um eine Art HAARP-Feld handelte. Heute haben wir in Frankreich etwas ähnliches gesehen und gespürt, von dem wir nun noch unsicherer sind, ob es nicht wirklich ein HAARP-Feld ist. Die Konstruktion unterschied sich zwar deutlich von der Schottischen, aber alles in allem wirkte es seltsam vertraut. Auf einer Fläche mit einem Durchmesser von rund 6km standen große Sendetürme die für gewöhnliche Funksignale wie Mobilfunk, Radio oder Fernsehwellen deutlich überdimensioniert erschienen. Fragt man die Einheimischen hier, handelt es sich um einfache Radio-Antennen, doch diese fast plumpe und kreativlose Antwort macht eine harmlose Verwendung dieses Antennenparks eher noch unwahrscheinlicher. Fakt ist, dass alles eingezäunt und abgeschirmt ist und dass niemand wirklich zu wissen scheint, was hier vor sich geht. Fakt ist auch, dass die Funksignale, die von den Türmen ausgehen so intensiv sind, dass sie einem im Schädel brummen. Jedenfalls war dies bei uns der Fall, als wir an ihnen vorbei gingen. Das Dröhnen war stark genug, um uns zu entscheiden, das angrenzende Dorf als Schlafplatz auszuschließen und stattdessen lieber noch einmal weiter in die nächste Stadt zu wandern, auch wenn dies unsere Etappe um gut 10km verlängerte. Schließlich fanden wir einen Platz in einem Kloster, in dem wir jedoch eher geduldet als wirklich Willkommen geheißen wurden. Zunächst trafen wir nur einen alten Herren, der uns zwar einladen wollte, sich ohne das OK seines Superiors aber nicht recht traute und uns daher erst einmal unter Vorbehalt ein Provisorium in einem kleinen Speisesaal anbot. Leider hatte man hier wieder einen Lüfter angebracht, der so laut war, dass wir uns fast noch einmal neu auf die Suche gemacht hätten. Oder besser gesagt: Wir haben uns sogar noch einmal neu auf die Suche gemacht, aber alle Pfarrer im Ort gehörten der Gemeinschaft an und somit kamen wir immer wieder zum gleichen Punkt zurück. Anders als viele seiner Brüder war der Superior kein besonders netter und freundlicher Mensch. Als er schließlich von seinem Termin zurückkam, gab er uns nicht einmal Bescheid, dass wir nun wirklich bleiben durften. Davon, uns eines der etwas 36 leerstehenden Gästezimmer anzubieten, wollen wir gar nicht erst anfangen. Warum auch, schließlich gab es ja einen ungemütlichen Speisesaal der auch nicht gebraucht wurde. Umso mehr freuten wir uns aber um die Brüder, die uns trotz der Umstände zum Teil sogar heimlich mit Essen versogten und die uns so auf eine etwas abstrakte Weise doch noch das Gefühl gaben, willkommen zu sein.
 
Spruch des Tages: Es gibt immer eine noch größere Antenne
Höhenmeter 460m
Tagesetappe: 46km (Dabei zurückgelegte Distanz n Luftlinie: knapp 10km)
Gesamtstrecke: 26.658,27km
Wetter: herbstlich, kalt, aber sonnig
Etappenziel: Jugendherberge, 8km Südlich von Remich, Luxemburg

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:32:43


Tag 1406 bis 1409: Wieder ein Paket aus der Heimat: Neue Kleider neues Glück!

Kleider machen Leute

04.10.2017 Eigentlich hätten wir ja wieder einmal erst morgen an unserer Paketabholstation ankommen wollen, aber wie so oft in diesen Situationen hatte das Leben andere Pläne mit uns. So kamen wir nach einer überdurchschnittlichen Wanderung in das kleine Städtchen, in dem unser Paket auf uns wartete. Auf dem Weg zur Post kamen wir jedoch erst einmal an einem ganz speziellen Gefährt vorbei, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war ein mobiles Kino, das in einem Truck untergebracht war. Das Besondere daran war, dass man den Truck in beide Richtungen, also sowohl nach links als auch nach rechts, über die volle Breite ausfahren konnte. Damit war die endgültige Nutzfläche also dreimal so groß, wie die eigentliche LKW-Fläche. Bei einem Gefährt mit rund 12m Länge kam man damit auf eine Gesamtwohnfläche von 90qm. Das war fast eineinhalb mal so groß wie Heikos Wohnung in Neumarkt! Und wenn es reichte, um einen passablen Kinosaal darin unterzubringen, dann konnte man sicher auch eine Wohnung darin unterbringen, die für uns drei als mobile Unterkunft reichen sollte. Wir beschlossen, dieses Bild als Inspiration für die Zukunft mitzunehmen. Wenig später wuchteten wir ein enorm schweres Paket über den Marktplatz an der Kathedrale vorbei bis in den kleinen Kommunions-Unterrichtssaal, den uns der Pfarrer hier zur Verfügung gestellt hatte. Dort konnten wir dann in aller Ruhe auspacken und uns unsere neuen Schätze betrachten. Neben neuen und lochfreien Schuhen hatten wir auch eine neue Robe, neue Hosen, neue Speicherchips, neue Reifen, neue Naturzahnbürsten, neues Imprägnier-Spray und natürlich wieder einiges an neuer frischer Nahrung, an Nüssen, Suppen und Weihnachtskeksen. Für all dies möchten wir uns an dieser stelle ganz herzlich bei Falke, Pinewood, Patriot, Sandisk, Scarpa, pedag, Burgschneider, LeoKöhler, Ritterladen, Schwalbe, Swak und natürlich bei Heikos Eltern bedanken! 05.10.2017 Man sagt wohl nicht umsonst „Kleider machen Leute“, denn gleich am nächsten Tag merkten wir, dass die Menschen nun ganz anders auf uns reagierten. Ein Großteil der Skepsis war verloren gegangen und heute war es plötzlich wieder viel einfacher einen Schlafplatz zu bekommen, als an den Tagen zuvor.
 
Spruch des Tages: Kleider machen Leute
Höhenmeter 220m / 50 / 30m / 90m
Tagesetappe: 25km + 29km + 16km + 36 km
Gesamtstrecke: 26.590,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Privates Gästezimmer, Point-a-Mousson, Frankreich
Etappenziel 2: Gemeindesaal der Stadt, Jouy-aux-Arches, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeindesaal der Stadt, Ennery, Frankreich
Etappenviel 4: Kommunionsräume der Kircheo, Liverdun, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:30:16


Tag 1402 bis 1405: Sterbendes Frankreich

Wo wären wir nur ohne unsere moderne Technik?

03.10.2017 – 04.10.2017 Frankreich stirbt. Ich weiß, das klingt ziemlich deprimierend, aber es ist leider wirklich so. Das Land stirbt aus, angefangen von den kleinen Dörfern bis hin zu den Städten, die immer mehr wie Geisterstädte aussehen. Dabei macht es nicht den Anschein, als würde die Bevölkerung der Franzosen immer stärker abnehmen, so dass nun niemand mehr in den kleinen Dörfern übrig bleibt. Viel mehr ziehen die Jungen in vorgelagerte Neubausiedlungen, während die Antiken Dorfkerne immer mehr verfallen. Noch sieht man sie, die verblassten Schilder, die einst auf Bäckereien, Schlachter, Tante-Emma-Läden und vieles mehr hindeuteten. Doch die Jalousien sind verrammelt, die Ladenokale leer, die Scheiben nicht selten eingeworfen, zumindest aber verstaubt und kaum mehr durchsichtig. In den kleinen Orten scheint bereits fast jedes zweite bis dritte Haus leer zu stehen. Der Putz fällt von den Wänden, die Schimmelpilze ziehen in die Zimmer ein und eine allgemeine Baufälligkeit macht sich breit. Hier noch einen Unterschied zu Bosnien oder Albanien zu erkennen fällt oft schwer. Es wirkt größtenteils noch immer nicht so gefährlich, wie die Slum-Vororte im Balkan, doch auch das ist nur noch eine Fassade, die vielleicht mehr mit unseren eigenen Gefühl als mit der Realität zu tun hat. Am heftigsten war es jedoch, als wir in eine Kleinstadt kamen. Hier gab es sogar eine Basilika und ein Jakobsweg führte hindurch und trotzdem gab es hier kein Leben mehr. Wo einst die Bummel- und Einkaufsmeile gewesen war, drängte sich nun ein „Zu Verkaufen“- Schild an das nächste. Auch hier herrschte die Zerstörung, sei es nun durch den Zahn der Zeit oder durch frustrierte Jugendliche mit Feuerzeugen und Sprayflaschen. Es tat fast ein bisschen in der Seele weh, das zu betrachten. Da das alte Zentrum nun tot war, verlege man das neue nun einfach direkt an die Hauptstraßen. Nicht das man hier viel hätte kaufen können, aber selbst wenn, wollte sich die entspannte Shopping-Schlender-Stimmung nicht einstellen. Der einzige, der sich von dieser Dauerkrise nicht unterkriegen ließ war ein türkische Dönerbudenbetreiber. Er stand in günstiger Entfernung zum Kino und zur Schule und dies allein sicherte ihm bereits das Geschäft. Einer der Pfarrer unserer Herberge, der sich auch ein wenig um unser leibliches Wohl kümmerte, brachte es recht gezielt auf den Punkt. Er stammte aus Afrika oder genauer gesagt aus Ghana und hatte einige Zeit in einer deutschen Gemeinde nahe Altöttingen gelebt, bevor er hier her versetzt worden war. „In Deutschland hat es mir besser gefallen,“ meinte er nebenbei, „da gab es so noch etwas wie Leben!“ Als wir später von der Gastfreundschaft in Ungarn und Slowenien erzählten, meine er: „Waow, das ist dann ja schon fast wie in Afrika!“ Irgendetwas sagte uns, dass der Mann seine Heimat ein kleines bisschen Bisschen vermisste. Aber was ziehen wir nun für einen Schluss daraus? Die Entwicklung haben wir ja bereits die ganze Zeit festgestellt und ganz offenbar ging es damit nicht nur uns so. Man kann nun von der Veränderung halten was man möchte, aber leugnen lässt sie sich nicht mehr. Alles wird immer mehr zentralisiert. Die kleinen Läden gehen ein und werden durch Brotbackautomaten und zentrale Groß-Einkaufszentren ersetzt. Auf der einen Seite verfallen all die pompösen Villen und Schlösser, die Frankreich seinen besonderen Charme geben und auf der anderen entstehen neue, gesichtslose Einheitshäuser, die so überall auf der Welt entstehen könnten. Ich weiß es nicht genau, aber es wirkt fast ein bisschen, als wollte uns Europa den Schritt auf einen neuen Kontinent doch noch etwas leichter machen. Als wollte es sagen: „Traut euch nur! O schön, ist es hier doch auch wieder nicht!“.
 
Spruch des Tages: Wo wären wir nur ohne unsere moderne Technik? - Wir würden noch immer wie Wilde in Höhlen leben. Das heißt wir hätten gut Isolierte Häuser mit natürlicher Klimatisation, die uns automatisch erden und mit frischer, gesunder Luft vesorgen würde, in der es keine Ausdünstungen von chemikalien und Giftstofen gäbe und die uns optimal vor Strahlung und Lärm abschirmen würden.
Höhenmeter 30m / 50 / 30m / 50m
Tagesetappe: 11km + 18km + 16km + 2 5km
Gesamtstrecke: 26.484,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Gemeindehaus der Kirche, Neuves Maisons, Frankreich
Etappenziel 2: Mischung aus Bibliothek und Kreativraum, Pierre-la-Treicge, Frankreich
Etappenziel 3: Hotel, Gondreville, Frankreich
Etappenz iel 4: kleiner, alter Rathaussaah, Liverdun , Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:27:47


Tag 1398 bis 1401: Eine Hand wäscht die andere

Eine Hand wäscht die andere

01.1.2017 Manchmal lässt das Schicksal einfach alles so zusammenfließen wie es passt. Oder: Eigentlich tut es das ja immer, aber manchmal kann man die Puzzleteile, die ineinandergreifen sofort erkennen und nachvollziehen. Und wenn das passiert und auch noch alle Beteiligten einen deutlich erkennbaren Vorteil daraus ziehen, dann ist das ein verdammt gutes Gefühl. Aber ich schätze ich muss ein bisschen mehr erklären, damit ihr versteht, was ich damit meine. Heute ist der 1. Oktober und damit der erste aktive Tag der Greencard-Lotterie. Das bedeutet: Von heute an hat man genau einen Monat Zeit, um sich bei der amerikanischen Regierung für die Verlosung einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung zu bewerben. Das ist natürlich nicht ganz einfach und man muss eine Menge Dinge beachten, damit man Erfolg haben kann. Deswegen gibt es verschiedene Beratungsstellen, die einem dabei weiterhelfen und die die Wahrscheinlichkeit, am Ende wirklich eine Greencard in der Hand zu halten deutlich erhöhen. Der einzige Haken dabei ist, dass diese Organisationen natürlich nicht umsonst arbeiten. Für Heiko Shania und mich würde die Unterstützung durch den Verein rund 200€ kosten, was rund 200€ mehr sind, als wir gerade für diese Zwecke zur Verfügung haben. Von irgendwo her muss dieses Geld also zu uns hereinfließen. Nachdem wir unsere Wanderung beendet hatten, kamen wir genau eine Minute vor 11:00 Uhr in unserem Zielort. Um 11:00 Begann hier die Messe und somit hatte ich genau eine Minute Zeit, den Pfarrer zu finden und von unserem Projekt zu überzeugen, wenn wir hier einen Schlafplatz finden wollten. Alles andere würde wohl wieder in einem Desaster enden, wie an den meisten Wochenenden, an denen es mit der Kirche nicht klappt. Wir stellten unsere Wagen bereits ein kleines Stück außerhalb der Stadt ab und ich joggte die letzten Meter bis zur Kirche. Als ich ankam spielte bereits der Oranist und die meisten Gläubigen hatten ihre Plätze bereits eingenommen. Der Pfarrer stand in voller Montur zwischen seinen Messdienern neben dem Altar in den Startlöchern, gab mir aber noch 20 Sekunden um mit ihm zu sprechen. „Alles klar, ich finde etwas! Frag mich nach der Messe!“ war die Antwort und schon huschte er an mir vorbei auf den Altar. Ich selbst trat den Rückzug an, suchte nach Heiko und gemeinsam drehten wir eine kleine Runde durch den Ort. Kurz vor Überreichen der Hostie betrat ich die Messe und konnte mich noch in die Wartenden einreihen. Auch nach der langen Zeit der Wanderung in Frankreich verstand ich noch immer kaum ein Wort von dem was gesagt wurde, doch kurz bevor der Pfarrer die Messe beendete hörte ich einige vertraute Worte: Mönche, Pilgereise, Deutschland, Franziskaner,... Irgendwie ging es um uns. Was ich jedoch nicht verstand war, dass er mit diesen Worten meinen Auftritt als Gastsprecher vor der Gemeinde ankündigte. Dies wurde mir erst klar, als plötzlich alle anfingen, mich nach vorne zu winken. Da stand ich nun also mit einem Mikro in der Hand vor rund hundert französichen Gläubigen und sollte irgendetwas geistreiches auf einer Sprache beitragen, die ich nicht beherrschte. Saubere Sache! Besonders großartig wurde der auftritt nicht, aber ich schaffte es, meinen üblichen Text über unsere Reise herunterzubeten und damit waren alle zufrieden. Direkt nach der Messe kam ein älterer Herr auf mich zu, der mich nach diesem Auftritt auf Deutsch fragte, ob wir nun schon eine Bleibe hätten oder nicht. „Ich denke schon!“ sagte ich, „Der Pfarrer hat da etwas angedeutet!“ Der Pfarrer hatte jedoch vor allem darauf gebaut, dass Personen wie dieser Mann unter den Anwesenden waren und so stellte sich kurz darauf heraus, dass er unser heutiger Gastgeber werden sollte. Später wurde noch einmal etwas umorganisiert, so dass wir am Ende nur zum Mittagessen mit ihm mitfuhren und im Kommunionssaal übernachteten, aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig war vor allem die Begegnung zwischen dem Mann und uns. Beginnen wir noch einmal heute morgen: Jener Mann, nennen wir ihn Michelle, saß mit seiner Frau am Frühstückstisch. Er hatte lange Zeit als Banker in Deutschland, Frankreich, Afrika und an anderen Orten der Welt gearbeitet, und war nun bereits seit längerer Zeit in Rente. Sein Beruf hatte ihm viel Geld aber auch einiges an Sorgen und schlechtem Gewissen eingebracht. Er wusste, dass er durch diese Arbeit oft nicht gerade zum Wohl der Menschen beigetragen hatte, obwohl ihm dies an sich immer wichtig war. Daraus hatte sich im Laufe der Zeit ein Selbstwertkonflikt ergeben, der direkt mit seinem Glauben in Verbindung stand. Er hatte eine klare Vorstellung davon, was ein guter Mensch war, wusste nur nicht mehr genau, ob er selbst auch dazu gehörte. Dieser innere Konflikt, der seit vielen Jahren in ihm schwelte, hatte dazu geführt, dass sich auf seiner Stirn und am Hinterkopf einige Hautpartien verändert und ein Melanom ausgebildet hatten. Selbst aus schulmedizinischer Sicht war es noch nichts dramatisches, denn es war weit davon entfernt, Krebs zu sein. Und selbst wenn es Hautkrebs gewesen wäre, so wäre dieser auch bei weitem nicht so gefährlich, wie man es uns gerne weis macht. Doch das wusste er nicht und er uns seine Frau schauten mit zunehmender Besorgnis auf jene Hautveränderungen. Für morgen war sogar ein Termin bei einem Mediziner angedacht, der sich alles einmal anschauen und der weitere Maßnahmen anraten sollte. Dies nahmen sich die beiden als Anlass um selbst auch noch einmal von einer anderen Seite auf das Problem zu schauen. Sie waren keine Kirchgänger, aber sie wollten seit langem nun wieder einmal in die Kirche gehen, um zu schauen, ob Gott nicht vielleicht eine Antwort für sie hatte. Und wie es aussah, hatte er dies! Als der Mann uns zu sich einlud ahnte er nichts davon, was diese Einladung ihm bringen würde. Er wollte einfach nur seine Unterstützung anbieten, denn er hatte ein riesiges Haus, das kaum genutzt wurde. Beim Essen kamen wir dann jedoch auf das Thema zu sprechen, da Heiko natürlich die dunklen Flecken auf seiner Kopfhaut aufgefallen waren. Es dauerte nicht lange und wir befanden uns in einem intensiven Gespräch über Hautkrebs und die verschiedenen Möglichkeiten einer Heilung. Michelle saugte das Wissen förmlich in sich auf und schrieb alles mit, das wichtig sein könnte. Für ihn, führten wir nicht einfach nur ein Gespräch. Er war durch Zufall, Schicksal, oder göttliche Fügung in ein Beratungsgespräch mit einem Heiler geraten, der ihm auf eine Weise weiterhelfen konnte, wie er es nie für Möglich gehalten hätte. Und für dieses Gespräch wollte er sich im Anschluss gebührend bedanken und es auf eine Art entlohnen, wie er es bei einem normalen Arztbesuch auf gemacht hätte. Als wir gemeinsam mit ihm zurück in die Stadt fuhren, um uns vom Pfarrer unseren Schlafplatz zeigen zu lassen, hielt Heiko für die geleistete Beratungsarbeit 200€ in der Hand. Genau das Geld, das wir für die Greencard-Lotterie benötigten. Ist es nicht erstaunlich, wie glatt manchmal alles laufen kann? Der Umstand, dass wir wegen der Wagen doch noch einmal zurück in die Stadt mussten um uns erneut mit dem Pfarrer zu treffen, entpuppte sich im Nachhinein übrigens ebenfalls als Fügung. Denn im Gespräch mit ihm bekamen wir gleich noch Zusagen für zwei weitere Übernachtungsplätze. Einmal für Morgen und einmal für den Ort, an dem wir unser Paket bekommen werden. Also genau für den Tag, an dem es am wichtigsten ist.
 
Spruch des Tages: Eine Hand wäscht die andere.
Höhenmeter 230m / 75 / 40m / 50m
Tagesetappe: 31km + 16km + 17km + 25km
Gesamtstrecke: 26.414,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Leerstehnde Wohnung der Stadt, Golbey, Frankreich
Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Nomexy, Frankreich
Etappenziel 3: Vereinshaus der Stadt, Chamagne, Frankreich
Etappenviel 4: Private Gästezimmer, Flavigny-sur-Moselle

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Zuletzt aktualisiert am 2018-07-09 18:23:58


Tag 1395 bis 1397: Wie Fokussiere ich mich richtig?

Man kann nicht alles auf einmal erkennen, wahrnehm

29.-30.09.2017 Die letzten beiden Tage brachten noch einmal wieder neue Erkenntnisse darüber, wo es bei meinem aktuellen Entwicklungsstand gerade am meisten hakt. Festhalten kann man erst einmal, dass ich mich nun bereits seit vielen Jahren zumindest in Bezug auf einige zentrale Punkte immer wieder im Kreis drehe, ohne hier einen Fortschritt zu machen. Gestern und heute stießen wir dabei auf drei Schlüsselpunkte, die einen Großteil dieses Dilemmas ausmachen. Der erste ist ein uralter, tief in mir verankerter Glaubenssatz, der bei genauerer Betrachtung nicht allzu hilfreich erscheint. Er lautet: „Ich muss scheitern! Ich darf niemals Erfolg haben!“ dieser Satz sitzt so tief, das ich mich in allem was ich tue, stets selbst sabotiere. Jedes Mal, wenn ich beispielsweise einen neuen Ansatz gefunden habe, wie ich effektiver und erfolgreicher Arbeiten kann, kommt etwas dazwischen, das diesen Prozess wieder aushebelt. Am auffälligsten ist es bei kleinen konkreten Dingen. So war zunächst der immense Zeitmangel mein größtes Problem, also das Gefühl, stets zu wenig Stunden zur Verfügung zu haben, um alles unterbringen zu können, was ich gerne machen möchte. Nun, da ich dank des Polyphasischen Schlafrhythmus eine Methode gefunden habe, um dies auszugleichen und mir mehr als Genug Arbeitszeit am Tag zu verschaffen, blockiert mich mein Verstand, in dem er mich in den unmöglichsten Situationen einschlafen lässt, selbst wenn ich überhaupt nicht müde bin. Ich habe nun also mehr Zeit als ich mir je hätte erträumen können, komme aber immer noch nicht weiter, weil ich sie nicht nutzen kann. Um nun wiederum die Wachheit zu trainieren haben wir angefangen, dass ich jedes Mal, wenn ich einschlafe entweder für drei Minuten kalt dusche um meinen Kreislauf auf Vordermann zu bringen oder für fünf Minuten einen Handstand an der Wand mache. Letztes war gestern ebenfalls wieder ein gutes Beispiel für den inneren Scheiterungszwang. Vier Minuten und dreißig hatte ich bereits geschafft, als ich das letzte Mal für eine kurze Pause absetzte. Jetzt waren es nur noch 30 Sekunden bis zum Ziel, also eine Zeit, die durchaus machbar war. Ich versuchte mit aller Macht durzuhalten doch nach 29 Sekunden knickten meine Arme einfach von selbst ein und warfen mich zu Boden. Eine einzige Sekunde davor! Was aber steckt hinter diesem Glaubenssatz und was bedeutet „Scheitern“ für mich überhaupt? Auch diese Fragen galt es erst einmal zu klären. Schließlich kam ich auf den Punkt, dass Erfolgreich sein, also das Gegenteil von Scheitern letztlich nichts anderes bedeutete, als einen Zustand zu erreichen, an dem ich selbst mit mir zufrieden war. Doch allein dies fiel mir extrem schwer, da ich mir immer entweder zu viel vornahm, so dass ich es unmöglich schaffen konnte, oder aber zu wenig, so dass ich das Gefühl hatte, vollkommen nutzlos zu sein. Auch hier ging es darum, zunächst einmal die nötige Sensibilität zu entwickeln, um herauszufinden, womit ich zufrieden sein kann, ohne mich zu überfordern. Punkt 1 lautet also: Die Ziele richtig abstecken, so dass sie erreichbar aber fordernd sind, so dass ich mich selbst immer mehr einzuschätzen lerne und weiß, dass ich das, was ich mir vornehme, auch erledige Passend dazu kommt gleich Punkt 2: Die richtigen Ziele setzen. Ein weiteres Problem ist, dass ich keine Prioritäten setzen kann. Mir ist stets alles gleich wichtig, egal ob ich etwas hilfreiches erschaffe, mir eine Existenzgrundlage aufbaue oder einfach nur ein SmallTalk- Gespräch führe. So kann ich mich Stundenland in einer Arbeit verlieren, die mir am Ende keinerlei Vorteile bringen. Das zweite große Thema besteht darin, dass ich aus irgend einem Grund für mich selbst nicht genug Interesse aufbringen kann, um mich um mich zu Sorgen, für mich Einzustehen und um mir selbst einen Lernprozess einzugestehen. Hierzu schwirren tausende von Sätzen in meinem Kopf herum: Meine Meinung ist unwichtig, die anderen haben immer Recht, ich darf niemandem zur Last fallen, ich darf keine Fehler machen, nur wenn ich nett bin, werde ich geliebt. Ich muss geliebt erden, da ich alleine nicht überlebensfähig bin! Wie will ich aber etwas kennenlernen, wahrnehmen, verstehen und fühlen, wenn ich mich nicht dafür interessiere? Das geht nicht! Das ist ja als wollte man in der Schule etwas lernen. Punkt 3 lautet also: Ein liebevolles, freundschaftliches und von Interesse geprägtes Verhältnis zu mir selbst aufbauen. Mich selbst kennen lernen wollen. Über mich selbst etwas lernen wollen. Nicht das Gefühl haben, hier etwas lernen zu müssen. Sobald ich mich für meine eigenen Bedürfnisse interessiere und einen positiven Bezug zu mir entwickle, kann ich mich auch wieder für andere Dinge interessieren und hier mein Herzblut hineinfließen lassen, anstatt sie nur als Pflicht zu betrachten. Der letzte und größte Faktor jedoch ist der Fokus. Das ich hiermit Probleme habe ist mir ja nicht neu, aber langam beginne ich zu begreifen, worin diese Probleme genau bestehen. In der Natur gibt es verschiedene Präsenzen, die man zu unterschiedlichen Zeiten und für unterschiedliche Situationen an den tag legen muss. Es gibt Phasen für den Weitwinkelblick, in denen man den Geist offen hält und nichts direktes anvisiert. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen man sich auf ein einziges Detail fokussiert und alles andere ganz oder zu großen Teilen ausblendet. Mein Problem ist, dass ich diesen Switch nicht hinbekomme und keine Ahnung habe, wann was dran ist. Ich versuche stets, alles auf einmal wahrzunehmen und zu erfassen. Ich versuche mich als ganzes zu verstehen, oder einen ganzen Wald mit allen einzelheiten Wahrzunehmen. Dies ist natürlich unglaublich anstrengend und führt dazu, dass ich am Ende überhaupt nichts mitbekomme. Das Problem ist, dass ich es mir nicht erlaube, mich ganz konkret für eine Sache zu entscheiden, auf die ich mich voll und ganz konzentriere, weil ich dann automatisch das Gefühl habe, andere wichtige Dinge zu verdrängen. Hier benötige ich eine Zeitstruktur, ähnlich wie in der Schule, so dass ich mich für eine gewisse Zeit vollkommen in einen Themenbereich hineinfallen lassen kann, ohne Angst haben zu müssen, mich vollkommen darin zu verlieren. Ohne diese Sicherheit und mit der Ständigen Angst im Kopf, irgendetwas zu verpassen, teile ich meinen Fokus stets auf und bin nie wirklich bei der Sache. Dies ist der vierte Punkt.
 
Erkenntnisse des Tages: Man kann nicht alles auf einmal erkennen, wahrnehmen und lernen. Konzentriere dich zunächst auf ein kleines Detail in dem du vollkommen aufgehen kannst und gehe dann weiter zum Nächsten. Achte aber darauf, dass der Rahmen stimmt und frage dich stets, wann welcher Fokus angebracht ist. Wann darf ich mich zu 100% in eine Sache vertiefen, weil ich vollkommen sicher bin? Wann muss ich nach außen hin wachsam bleiben? Wann ist es wichtig, offen zu sein, keinen Fokus zu setzen und das große, ganze wahrzunehmen?
Höhenmeter 30m / 65 / 140m / 100m
Tagesetappe: 14km + 18km + 22km + 19km
Gesamtstrecke: 26.325,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Mehrzweckraum der Stadt, Montureux-lès-Baulay, Frankreich
Etappenziel 2: Veranstaltungs- und Bastelraum der Rentner, Ormoy, Frankreich
Etappenziel 3: Mehrzweckraum der Stad, Fontenois-la-Ville, Frankreich
Etappenviel 4: Jurte im Wald, westtlich von Les Voivres

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Zuletzt aktualisiert am 2018-06-11 08:21:15


Tag 1393 und 1394: Zu Gast bei ganz besonderen Menschen

Jeder Mensch ist ein Mentor

28.09.2017 Hute durften wir noch einmal eine ganz neue Art von Schlafplatz zu unserer Liste hinzufügen. Wir wurden in ein Behindertenwohnheim eingeladen, wo wir je ein Zimmer bekamen. Es war ein außergewöhnlicher Platz mit außergewöhnlichen Menschen und hier zu übernachten war noch einmal eine ganz besondere Erfahrung, für die wir sehr Dankbar sind. Wenngleich man leider sagen muss, dass die Schlafplätze selber alles andere als angenehm waren. Doch beginnen wir am Anfang. Die Bürgermeisterin vom Vortag hatte uns bereits angekündigt und uns einen Platz an einem Ort namens „Foyer Cluney“ organisiert. Zunächst dachte ich, es handele sich wieder um ein Obdachlosenheim, doch das war es ganz uns gar nicht. Als wir kurz darauf im Heim eintrafen, wurden wir gleich von allen Seiten mit äußerster Höflichkeit begrüßt. Gleichzeitig wurden wir natürlich auch etwas skeptisch und neugierig und nicht ohne eine gewisse Vorsicht beäugt, da wir natürlich auf unsere weise zwei ebenso exotische Vertreter unserer Spezies waren, wie die hiesigen Bewohner auf ihre. Die Heimleiterin empfing uns in ihrem Büro und lud uns ein, zunächst einmal mit den Bewohnern im Speisesaal zu essen. Wir nahmen die Einladung an und waren äußerst positiv überrascht von dem, was uns daraufhin erwartete. Der Speisesaal war eine große Halle und beherbergte zu diesem Zeitpunkt knapp 200 Menschen. Normalerweise waren uns Menschenansammlungen von mehr als 5 Personen schon zu viel, vor allem in Sälen mit einer solchen Bahnhofsatmosphäre. Hier jedoch war es erstaunlich ruhig. Der Umgang, der Menschen miteinander war um ein vielfaches harmonischer und gesitteter, als bei jeder anderen Gruppe, die wir bislang gesehen hatten. Die meisten anwesenden konzentrierten sich schweigend auf ihr essen, doch wenn jemand etwas sagte, dann wurde ihm zugehört und er konnte in einer normalen Lautstärke reden, ohne sich über die Stimmen anderer hinweg profilieren zu müssen. Allein dies machte den Unterschied aus, ob es in einer solchen Halle unerträglich war, oder ob man hier trotz der vielen Menschen sein Essen genießen konnte. Etwa 95% der Anwesenden waren geistig behindert. Der Rest bestand aus Pflegepersonal, Einzelfallbetreuern und der Heimleitung. Auch das Küchenpersonal setzte sich zum Teil aus normalen Angestellten und zum Teil aus Bewohnern zusammen. Unser Ober war ein kleiner, aufgeweckter Mann, der uns den besten Service bot, den wir je in einem Restaurant bekommen hatten. Er war höflich und zuvorkommend, dabei aber nicht aufdringlich oder stressig. Gleich zu beginn fragte er uns, ob wir irgendwelche Lebensmittelunverträglichkeiten hätten oder ob es etwas gab, das wir nicht essen durften, wollten oder mochten. Später fragte er dann noch einmal im Detail, ob Schweinefleisch in Ordnung sei, ob wir mit Fondue als Hauptspeise einverstanden waren und so weiter. All dies tat er mit einer ehrlichen Freude und Höflichkeit, dass es richtig Spaß machte hier zu sitzen. Er schaffte es, dass man sich willkommen und wertvoll fühlte, einfach nur durch seine art der Bedienung. Während wir auf das Essen warteten schauten wir uns ein bisschen im Saal um, so dass wir einen genaueren Überblick über die Charaktere bekamen. Auffällig war, dass wir noch nie so viele Individualisten auf einem Haufen gesehen hatten, die alle ihre ganz eigene Persönlichkeit hatten und auch alle haben durften. Niemand versuchte hier irgendjemanden einer Norm anzupassen. Jeder durfte einfach sein, wer er war, egal wie abstrakt das auch sein mochte. Mein Lieblingskandidat war der Capt´n. Er war ein Mann mit Down-Syndrom und Kapitänsmütze, der gleich nach unserer Ankunft zwischen den Tischreihen patrouillierte und aufpasste, dass in seiner Mannschaft niemand aus der Reihe tanzte. Als er uns sah und als Gäste erkannte, die womöglich einen hohen Rang in der Marine einnahmen, veränderten sich sein Blick und seine Haltung. Er ging aufrechter, schaute ernst und Streng wie ein Militär Oberst und spreizte die Arme um seiner Erscheinung mehr Macht und Ausstrahlung zu verleihen. Direkt vor uns blieb er stehen und gab uns formell die Hand, so wie es auch ein echter Kapitän gemacht hätte. Dann kehrte er zu seinem Platz neben der Eingangstür zurück, um seine Mannschaft wieder optimal im Blick zu haben. Das beeindruckende an dem kleinen, knuffigen Mann war, dass er diesen Capt´n nicht spielte. Er war es durch und durch und dies wurde auch von allen anderen akzeptiert. Das Heim selbst war leider kein besonders schöner Ort. Es bestand aus grauen, trostlosen Siebzigerjahregebäuden und wirkte tatsächlich eher wie eine Art Gefängnis, in das man all diese Leute hier abgeschoben hatte. Umso erstaunlicher war es, dass niemand auch nur im geringsten traurig oder unzufrieden wirkte. Obwohl sie teilweise in winzigen Verschlägen direkt an der Hauptstraße lebten, wo es niemals ruhe gab, strahlten sie eine Lebensfreude aus, die man so in dieser geballten Form auf unserer Reise noch nicht erlebt hatten. Von diesem Menschen konnte man lernen, was es heißt, im hier und jetzt zu leben, sich in Hingabe zu üben und die Schönheit in allem zu erkennen. Darin waren sie uns und den meisten anderen Menschen in unserer Gesellschaft um Längen voraus.
 
Spruch des Tages: Jeder Mensch ist ein Mentor
Höhenmeter 130m / 80 / 190m
Tagesetappe: 25km + 16km + 34km
Gesamtstrecke: 26.254,27km
Wetter: herbstlich, kalt, hin und wieder leichte sonne
Etappenziel 1: Privates Gästezimmer, Recologne, Frankreich
Etappenziel 2: Veranstaltungssaal der Stadt, Conflandey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-06-11 08:17:58


Tag 1392: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Saint-Seine-sur-Vingeanne, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:31


Tag 1391: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 2: Gemeinderaum der Stadt, Choilley-Dardenay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:31


Tag 1390: Den inneren Schweinehund überwinden

Sei stärker als deine stärkste Ausrede

27.09.2017 Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor einigen Monaten damit begonnen habe, meinen Schlafrhythmus vom üblichen monophasischen auf einen sogenannten polyphasischen umzustellen. Was das genau bedeutet habe ich euch bereit im Tagesbericht vom „XXX“ beschrieben. Theoretisch sollt die Umstellungsphase dabei etwa 10 Tage bis zwei Wochen dauern. Dann generiert der Körper aus den Kurzschlafphasen genauso viel Energie wie zuvor aus der Langschlafphase und man ist wacher, munterer und energiegeladener als je zuvor. Wie gesagt, theoretisch! Praktisch funktioniert dies bei mir so gut wie gar nicht. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, die ganze Sache wieder aufzugeben und zu sagen, dass diese Art des Lebens und Schlafens einfach nichts für mich ist. Doch es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich an, als wäre es genau meine Art zu schlafen, nur bekomme ich es aus irgendeinem Grund nicht hin. Irgendetwas in mir, manipuliert und sabotiert mich. Und dieses etwas könnte man grob als inneren Schweinehund bezeichnen. Ein Phänomen, das euch vielleicht auch nicht ganz unbekannt ist. Der innere Motivationskiller Wer kennt das nicht? Man nimmt sich etwas vor, von dem man weiß, das es einem gut tut, dass es einen voranbringt und gesund hält und man freut sich sogar darauf, man ist motiviert und hat Lust, den alten Alltagsbrei endlich einmal zu durchbrechen und aus sich heraus zu kommen. Sei es nun durch eine Runde Joggen, eine neue Diät oder die Idee, das Auto einmal mehr gegen das Fahrrad einzutauschen. Doch kaum ist die Zeit gekommen, kann man sich aus einem unerklärlichen Grund dnicht aufraffen. Es ist, als schlummerte ein großes, graues Monster der Trägheit in einem, das nun kurz erwacht und sagt: „Lass es doch! Leg dich einfach noch einmal eine Runde hin, schließ die Augen, mach es dir gemütlich und genieße das Nichtstuen. Joggen kannst du ja morgen auch noch!“ In vielen Fällen, so auch in meinem, stammt dieses Monster der Demotivation noch aus der Kindheit und ist eine alte Trotzreaktion auf eine Situation, die man anders nicht hat lösen können. Als Kind habe ich stets gespürt, dass ich nicht das Leben lebe, das ich vom Herzen her in mir trage und das meiner Lebensbestimmung entsprechen würde. Ich fühlte mich nicht frei, nicht leicht, nicht ungebändigt und auch nicht motiviert. Wie auch, ich war ja vollkommen fremdbestimmt und investierte meine ganze Energie nur darin, anderen im Allgemeinen und meinen Eltern im Besonderen zu gefallen. Also begann ich innerlich zu rebellieren und mich auf subtile Weise gegen das zu wehren, das so schön nach meinem Leben aussah, sich aber überhaupt nicht danach anfühlte. Der innere Revoluzzer Dies war die Phase, in der ich nun all die schönen Mechanismen entwickelte, meine Unstrukturiertheit, mein Chaos, meine Unpünktlichkeit, eine Unaufmerksamkeit und natürlich meinen Unmotiviertheit und Trägheit, kurz: Meinen inneren Schweinehund! All diese Prinzipien entwickelte ich damals ja nicht mit de Absicht, mir selbst das Leben damit so schwer wie möglich zu machen, sondern um mich selbst am Leben zu halten. Um mir einen Platz zu schaffen, an dem ich mich zumindest ein klein bisschen selbst spüren konnte, an dem ich einen Hauch vom „Ich“-Sein leben konnte, während ich sonst nur die Marionette war. Solange ich permanent damit umgehen musste, von außen bestimmt zu werden, hatte dies auch einen wichtigen Zweck in meinem Leben, denn es schützte mich davor, zu 100% ein willenloser Sklave zu werden. Ohne dieses abstrakte, innere Rebellentum, hätte ich niemals den Schritt aus der Fremdbestimmung heraus machen können, sondern wäre tatsächlich die gefühllose, funktionierende Vorzeigepuppe geworden, die meine Mutter sich gewünscht hat. Hier steckt ein ganz wichtiger Schlüssel, nicht nur für mich, sondern auch für euch und für jeden, der schon einmal mit einem inneren Schweinehund gekämpft hat! Wenn wir einen inneren Schweinehund in uns spüren, dann verurteilen wir ihn und uns normalerweise. Wir hassen es, dass wir uns nicht aufraffen können, dass wir nicht mutig, nicht effektiv oder nicht engagiert genug sind. Wir fragen jedoch nie, welchen wichtigen und positiven Sinn und Zweck diese Selbstsabotage hat. Stellt euch daher immer wenn ihr einen inneren Schweinehund in euch spürt, die folgenden Fragen: • Wo in meinem Leben habe ich das Gefühl in einer persönlichen Diktatur zu leben, gegen die ich rebellieren muss? • Wer bestimmt wirklich über meine Entscheidungen? Entscheide ich mich nach meinem Herzen, oder entscheide ich mich, automatisiert für etwas, was jemand anderes längst zuvor für mich entschieden hat? • Wer ist dieser äußere Entscheidungsträger, dieser Diktator, gegen den ich auf subtile Weise rebelliere? Meine Mutter? Mein Vater? Mein Partner? Jemand anderes? Und dann kommt ein Teil, der besonders wichtig ist. Stellt euch die Frage: „Besteht die Diktatur noch immer, oder habe ich mich längst befreit, kann es aber noch nicht glauben?“ Diese Frage ist elementar wichtig für das weitere Vorgehen. Wenn ihr euch noch nicht befreit habt, dann stellt euch die folgenden Frage: • Will ich weiterhin als Sklave leben, der den Befehlen von außen gehorcht, anstatt seinem eigenen Herzen zu folgen? Stellt euch diese Frage ehrlich! Sie klingt so, als würde niemand ernsthaft darauf mit Ja antworten, doch sagt nicht einfach leichtfertig „Nein!“ Der Weg also Zombiepuppe ist stets der einfachste, bedarf keiner Verantwortung und vermeidet eine Menge Leid und Schmerz. Klar, er lässt auch keine Freude und Leichtigkeit und natürlich niemals eine Authentizität zu. Ihr werdet niemals wirklich Glücklich und Zufrieden werden, auf diese Weise, aber der Weg ist sicher und ihr könnt ihn ohne jedes Risiko gehen. Macht euch dies vollkommen bewusst und fragt euch, ob es euch das wert ist. Nur so könnt ihr dann auch aus vollem Herzen JA zur Änderung des Weges sagen. Viele Menschen und dazu gehöre ich auch, glauben, dass Sie eine Veränderung wollen, haben aber so viele Ängste, die sie am alten Leben festketten, dass sie dennoch lieber dem Pfad der Unterdrückung folgen, ohne dass sie es richtig merken. Dadurch wird vieles komplizierter. Wenn ihr nun also dazu tendiert, weiterhin eine Marionette zu bleiben, obwohl ihr eigentlich frei werden wollt, dann stellt euch die folgenden Fragen: • Welche Ängste halten mich davon ab, meinen eigenen Weg zu gehen? Habe ich Angst verlassen oder verletzt zu werden? Könnte ich jemanden enttäuschen? • Was brauche ich jetzt in diesem Moment, um zumindest einen kleinen Anfangt machen zu können? • Was brauche ich mittelfristig für die nächsten Schritte? Brauche ich vielleicht einen Mentor oder jemanden, der mich unterstützend begleitet? Wenn Ja, wie finde ich hier den richtigen, oder besser: Wie lasse ich mich am besten finden? Wenn ihr hingegen bereits guten Gewissens und aus innerer Überzeugung ja sagen könnt, dann fragt euch: • Was ist nun der erste Schritt, um frei zu werden? • Gegen wen muss ich wirklich rebellieren und zwar offen, klar und ehrlich und nicht in Form von subtiler Selbstsabotage! • Wie, wodurch und in welchen Bereichen lasse ich mich durch wen davon abhalten, ganz ich selbst zu sein? Warum mache ich dies? • Welche klärenden Gespräche stehen nun an? Was benötige ich, um sicher und selbstbewusst in diese Gespräche hineingehen zu können? Welche Absicht vertrete ich bei dem Gespräch? Werdet euch hier so klar wie möglich und fragt euch dann: • Was muss sich an der Beziehung verändern, so dass sie bestehen bleiben kann, ich mich von nun an aber frei fühle? • Oder: Kann es sein, dass ich mich von dem oder den Menschen komplett lösen muss, um frei zu werden? Habt ihr all dies bereits hinter euch und spürt wie ich, dass ich trotzdem noch immer einen inneren Schweinehund in euch tragt, der euch immer und immer wieder sabotiert, sind die folgenden Fragen wichtig für euch: • Kann es sein, dass ich mich selbst noch immer für einen Sklaven halte, der fremdgesteuert wird, nur dass ich diese Fremdkontrolle nun einem Teil von mir selbst oder einer anderen externen Person übertragen habe? • Warum fällt es mir so schwer, die Vergangenheit los zu lassen? Woran halte ich noch immer fest? • Kann es sein, dass ich noch Wut, Ärger, Trauer oder Enttäuschung in mir spüre, weil ich in der Vergangenheit manipuliert wurde? Habe ich vielleicht noch immer eine offene Rechnung mit dem Manipulator? Glaube ich, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfahren ist, die noch immer nach Gerechtigkeit schreit? So lange wir dieses Gefühl einer offenen Rechnung in uns tragen, werden wir automatisch an den alten Mustern festhalten. Zu glauben, dass man ungerecht behandelt wurde bedeutet, dass man noch immer in der Negativität verhaftet ist, und sie somit selbst permanent weiter am Leben hält. Wir haben noch immer nicht verstanden, dass alles Liebe und somit auch alles gut und richtig ist. Wir erkennen also noch immer nicht die Freude in unserem tun sondern empfinden es als eine Pflicht, zu der wir uns überwinden müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Stellt euch eine Sache vor, die ihr von ganzem Herzen liebt, und die ihr stunden lang ununterbrochen jeden Tag tun könntet, ohne je davon satt zu werden. Vielleicht ist es singen oder tanzen, vielleicht essen oder schlafen, vielleicht kuscheln, knutschen oder fernsehen. Egal was es ist, stellt es euch einfach vor und fragt euch, ob ihr euch je dazu habt überwinden müssen. Gab es je eine Situation, in der ihr mit eurem inneren Schweinehund kämpfen musstet, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr euch gemütlich in sie Sonne chillen, ein Eis schlecken oder eure Lieblingsserie im Fernsehen anschauen solltet? Wahrscheinlich nicht, oder? Warum nicht? Genau, weil ihr euch zu nichts überwinden müsst, das euch wahre Freude bereitet. Solange ihr jedoch das Gefühl habt, etwas würde euch keine Freude bereiten, etwas bedeutet Anstrengung oder Energieverlust oder ihr wäret zu etwas verpflichtet, entsteht dieser innere Widerstand. Die Frage lautet nun also: Wie löse ich den inneren Schweinehund vollständig auf um nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen zu müssen, sondern in Freude und Leichtigkeit leben zu können? Hier nun kommt der wirklich knifflige Teil. Um euch ganz vom inneren Schweinehund zu befreien, müsst ihr verstanden haben, dass ihr all die Erfahrungen, an die ihr euch im Zusammenhang mit der Unfreiheit und der Fremdbestimmung erinnert, niemals gemacht habt. Ich weiß, das mag sich im ersten Moment komisch anhören, aber das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Alles ist eins! (Warum das so ist, und was das genau bedeutet, könnt ihr hier nachlesen: XXX) Ungerechtigkeit, Leid und Negativität existieren nur, solange wir die Dinge aus unserer eigenen, persönlichen und äußerst begrenzten Perspektive betrachten. Bezogen auf die Gesamtheit des Universums und des Lebens haben wir hier nur einen winzigen Bruchteil der Informationen zur Verfügung, die wir brauchen um den Sinn hinter allem zu erkennen. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die Situation von außen, erkennen wir, das nichts von dem, was wir zu erleben glauben wirklich real ist. Alles ist eins, alles ist Liebe, alles besteht aus der gleichen bewussten, phantasievollen und kreativen Energie, die die Welt in der wir leben aus sich selbst heraus formt. Wir sind also nicht wirklich Menschen, die ein mehr oder minder schmerzvolles Leben beschreiten, wir sind ein Teil von Gott bzw. ein Teil des Allbewusstseins, wie immer wir es auch nennen wollen, dass sich selbst in einer phantasievollen Geschichte erfährt, um wachsen und sich ausdehnen zu können. Folglich kann es natürlich auch niemanden geben, der uns je manipuliert oder beeinflusst, uns herumgeschubst uns eingeengt oder uns zu einem Leben gezwungen hat, das nicht unseres ist. Jeder Mensch und jedes Wesen, dem wir jemals in unserem Leben begegnen können, sind wir selbst und alles was uns je widerfährt, widerfährt uns, weil wir es selbst auf der übergeordneten Ebene, also mit unserem höheren Selbst für uns so geplant und erschaffen haben. Wir selbst sind der Autor unseres eigenen Filmes in dem wir unserem eigenen Drehbuch folgen, um eine spannende Geschichte der Entwicklung und des Wachstums zu erleben. Alles, was wir als unserer Kindheit als traumatisierende, schmerzhafte Erfahrung in unserer Erinnerung abgespeichert haben, ist keine Folge von ungerechter Behandlung durch unsere Eltern oder durch andere Personen. Es ist eine, von uns selbst erschaffene Vorgeschichte, also eine Art Kontextbringer für unseren Lebensweg. Ohne eine solche leidvolle, unangenehme Erfahrung, die uns davon abhielt, gleich von beginn an unsere ganze Kraft und unsere Verbundenheit mit allem zu erkennen, hätte ja keine Entwicklung und somit auch keine Ausdehnung der Liebe stattfinden können. Wenn ihr dies erkannt habt und zwar wirklich erkannt habt, nicht nur als theoretisches Konzept, sondern als unumstößliche, erlebbare und fühlbare Wahrheit, dann werdet ihr automatisch loslassen können, wodurch auch der innere Schweinehund verschwindet. Bis dahin ist es leider ein relativ langer Weg. Um ihn gehen zu können, müsst ihr euch immer bewusster über euch selbst werden und euch und euren Körper immer klarer und deutlicher spüren und wahrnehmen, bis ihr schließlich erkennt, dass ihr nicht wirklich einen physischen Körper besitzt, sondern energetische Wesen seit. Aus dem Unbewussten ins Bewusstsein bringen In meinem Fall bestand die Manipulation meines inneren Schweinehundes vor allem darin, mit diese permanente Energielosigkeit vorzuspielen und mich immer und immer wieder einschlafen zu lassen. Um dieses unbewusste Konzept auflösen zu können musste es zunächst einmal ins Bewusstsein geführt werden. Dazu entwickelten wir gestern und heute jeweils eine Tagesübung. Die erste bestand darin, jedes Mal für 3 Minuten unter eine eiskalte Dusche zu springen, wenn mir beim Arbeiten die Augen zu fielen. Dadurch wurde zum einen der Kreislauf angekurbelt und zum anderen wurde eine deutliche Absicht gesetzt, da ich ja nicht permanent im kalten Wasser stehen wollte. Heute hatten wir keine Dusche, weshalb wir auf eine andere Übung auswichen. Dieses Mal galt es, für jedes Wegnicken beim Arbeiten für fünf Minuten einen Handstand an der Wand zu machen. Auch das kann einem den Kreislauf ordentlich in Schwung bringen und es erfordert eine Menge Konzentration und Körperspannung, um die Kopfstandposition aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ganz praktisch die Perspektive wandelt und darum geht es ja schließlich vor allem.
 
Spruch des Tages: Sei stärker als deine stärkste Ausrede
Höhenmeter 230m / 240 / 310m
Tagesetappe: 19km + 21km + 17km
Gesamtstrecke: 26.179,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Kalter Rathaussaal ohne Toilette, Vaillant, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:36:00


Tag 1389: Frankreichs vergessene Heiligtümer – Geheimtipps für Frankreichreisende

Die Dinge sind eh wie sie sind

25.-26.09.2017 Jean, unser Gastgeber aus Chinon hatte uns von zwei Stätten in der Umgebung erzählt, die wir auf jeden Fall besuchen sollten. Es waren Heiligenorte an denen jeweils etwas besonderes passiert war. Leider sprach John ein so schnelles und gleichklingendes Französisch, dass wir nicht im Mindesten verstanden, was diese Plätze so besonders machte. Der erste Ort war eine Stadt mit 1700 Einwohnern und sein Stadtzentrum befand sich auf einer kleinen Insel im Fluss. Platz hätten hier bedeutend mehr gehabt, aber die Ortschaft war nahezu ausgestorben und hatte sich damit fast wieder auf den ursprünglichen Bevölkerungsstand reduziert. Bei seiner Gründung hatte der Ort nämlich tatsächlich nur aus der kleinen Insel mitten im Fluss bestanden. Dann hatte man eine Stadt außen herumgebaut, die nun niemand mehr wirklich brauchte. Das Santuario befand sich in der Stadtmitte, etwa 100 Meter von der Brücke entfernt und war ebenso verschlossen, als wir eintrafen, wie alles andere auch. Es bestand aus einer kleinen Pilgerherberge und einer winzigen Kapelle, die hinter einer massiven Stahltür verborgen lag. Obwohl wir später nahezu jeden Verantwortlichen des Heiligtums kennenlernten, bekamen auch wir keine Gelegenheit, diese Kapelle zu besuchen.Wir erfuhren lediglich von einem alten Mann, dass es sich auch bei diesem Ort hier um einen Marienerscheinungsort handelte, ähnlich wie Lourdes. Später wurden wir eingeladen (oder genötigt) einen Dokumentationsfilm über das Heiligtum und die Kapelle zu sehen. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich geschlafen, da der Film für unsere Ohren vollkommen unverständlich war. Doch selbst Menschen, die Französisch fließend beherrschten mussten es noch immer unmöglich finden, bei diesem Film aufmerksam dabei zu bleiben. Zusammenfassend können wir über diesen Heiligenort also sagen, dass hier irgendwann einmal eine Maria aufgetaucht ist und irgendeine Botschaft für ein paar Kinder hatte. Das ist dann auch schon alles. Die Stadt selbst und auch das Heiligtum waren leider nicht sonderlich sehenswert, zumindest nicht, solange man nicht auf Geisterstädte mit leerstehenden Geschäften und toten Häusern steht. Warum dieser Ort Jahr für Jahr nicht ganz so viele Touristen anlockt wie beispielsweise Lourdes war damit dann auch geklärt. Einen Tag später erreichten wir den zweiten Ort, der uns von Jean empfohlen wurde. Hier gab es keine Heiligenstätte, dafür aber eine kirchliche Jugendherberge in einem alten Landgut. Als wir eintrafen wurden wir als erstes auf eine Schulklasse aufmerksam, die im Schlosspark spielte und für einen Moment zweifelten wir, ob dies wirklich ein Platz für uns ist. Unsere Erfahrungen mit Jugendherbergen voller gelangweilter Schüler waren in der Vergangenheit nicht allzu überragend gewesen und brauchte nicht unbedingt eine Auffrischung. Doch es gab ausreichend Gebäude und wir bekamen eine kleine Pension mit Küche und Bad in einem Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Anwesens, so dass wir von den Schülern nichts weiter mitbekamen. Dafür tauchte ein alter Mann auf, der beschlossen hatte, genau heute direkt vor unserem Fenster die Fußballfeld große Wiese zu mähen. Wieder einmal kamen wir uns ein bisschen vor wie in de Muppetshow, oder wie bei „Versteckte Kamera“. Es war wie verhext, egal was wir uns auch für Ruheoasen suchten, sobald wir irgendwo eintrafen wurde es laut. Und ja, es war kein Zufall! Es war genau das, was wir anzogen, um lernen zu können, dass wir selbst unsere Welt gestalten. Unser Fokus lag durch die Filme der Vergangenheit auf „Es gibt keine Ruhe!“ also bewiesen wir es uns jeden Tag selbst. Genau auf die gleiche Weise schaffte ich es auch, dass sich mein Glaubenssatz „Ich habe nie genug Zeit!“ stets aufs neue wahr wurde. Langsam gelang es uns nun jedoch schon immer mehr, die Sache mit Humor zu sehen. Als der Rasenmäher begann mussten wir unwillkürlich schmunzeln. „Alles Klar! Es geht wieder los!“ war nun nur noch der Gedankengang. Noch immer waren wir weit davon entfernt hier wirklich die Kontrolle zu übernehmen, aber es war schon mal der erste Schritt. Annehmen was ist und zwar mit einem Lächeln anstelle eines Grollens.
 
Lektion des Tages: Die Dinge sind eh wie sie sind, also kann man sich auch entspannen und die Show genießen! Dies ist der erste Schritt aus der Negativität hin zu einem zufriedenen, selbstbestimmten Leben in Freiheit und Glückseligkeit.
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.122,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:33:01


Tag 1388: Frankreichs vergessene Heiligtümer – Geheimtipps für Frankreichreisende

Die Dinge sind eh wie sie sind

25.-26.09.2017 Jean, unser Gastgeber aus Chinon hatte uns von zwei Stätten in der Umgebung erzählt, die wir auf jeden Fall besuchen sollten. Es waren Heiligenorte an denen jeweils etwas besonderes passiert war. Leider sprach John ein so schnelles und gleichklingendes Französisch, dass wir nicht im Mindesten verstanden, was diese Plätze so besonders machte. Der erste Ort war eine Stadt mit 1700 Einwohnern und sein Stadtzentrum befand sich auf einer kleinen Insel im Fluss. Platz hätten hier bedeutend mehr gehabt, aber die Ortschaft war nahezu ausgestorben und hatte sich damit fast wieder auf den ursprünglichen Bevölkerungsstand reduziert. Bei seiner Gründung hatte der Ort nämlich tatsächlich nur aus der kleinen Insel mitten im Fluss bestanden. Dann hatte man eine Stadt außen herumgebaut, die nun niemand mehr wirklich brauchte. Das Santuario befand sich in der Stadtmitte, etwa 100 Meter von der Brücke entfernt und war ebenso verschlossen, als wir eintrafen, wie alles andere auch. Es bestand aus einer kleinen Pilgerherberge und einer winzigen Kapelle, die hinter einer massiven Stahltür verborgen lag. Obwohl wir später nahezu jeden Verantwortlichen des Heiligtums kennenlernten, bekamen auch wir keine Gelegenheit, diese Kapelle zu besuchen.Wir erfuhren lediglich von einem alten Mann, dass es sich auch bei diesem Ort hier um einen Marienerscheinungsort handelte, ähnlich wie Lourdes. Später wurden wir eingeladen (oder genötigt) einen Dokumentationsfilm über das Heiligtum und die Kapelle zu sehen. Ich muss zugeben, die meiste Zeit habe ich geschlafen, da der Film für unsere Ohren vollkommen unverständlich war. Doch selbst Menschen, die Französisch fließend beherrschten mussten es noch immer unmöglich finden, bei diesem Film aufmerksam dabei zu bleiben. Zusammenfassend können wir über diesen Heiligenort also sagen, dass hier irgendwann einmal eine Maria aufgetaucht ist und irgendeine Botschaft für ein paar Kinder hatte. Das ist dann auch schon alles. Die Stadt selbst und auch das Heiligtum waren leider nicht sonderlich sehenswert, zumindest nicht, solange man nicht auf Geisterstädte mit leerstehenden Geschäften und toten Häusern steht. Warum dieser Ort Jahr für Jahr nicht ganz so viele Touristen anlockt wie beispielsweise Lourdes war damit dann auch geklärt. Einen Tag später erreichten wir den zweiten Ort, der uns von Jean empfohlen wurde. Hier gab es keine Heiligenstätte, dafür aber eine kirchliche Jugendherberge in einem alten Landgut. Als wir eintrafen wurden wir als erstes auf eine Schulklasse aufmerksam, die im Schlosspark spielte und für einen Moment zweifelten wir, ob dies wirklich ein Platz für uns ist. Unsere Erfahrungen mit Jugendherbergen voller gelangweilter Schüler waren in der Vergangenheit nicht allzu überragend gewesen und brauchte nicht unbedingt eine Auffrischung. Doch es gab ausreichend Gebäude und wir bekamen eine kleine Pension mit Küche und Bad in einem Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Anwesens, so dass wir von den Schülern nichts weiter mitbekamen. Dafür tauchte ein alter Mann auf, der beschlossen hatte, genau heute direkt vor unserem Fenster die Fußballfeld große Wiese zu mähen. Wieder einmal kamen wir uns ein bisschen vor wie in de Muppetshow, oder wie bei „Versteckte Kamera“. Es war wie verhext, egal was wir uns auch für Ruheoasen suchten, sobald wir irgendwo eintrafen wurde es laut. Und ja, es war kein Zufall! Es war genau das, was wir anzogen, um lernen zu können, dass wir selbst unsere Welt gestalten. Unser Fokus lag durch die Filme der Vergangenheit auf „Es gibt keine Ruhe!“ also bewiesen wir es uns jeden Tag selbst. Genau auf die gleiche Weise schaffte ich es auch, dass sich mein Glaubenssatz „Ich habe nie genug Zeit!“ stets aufs neue wahr wurde. Langsam gelang es uns nun jedoch schon immer mehr, die Sache mit Humor zu sehen. Als der Rasenmäher begann mussten wir unwillkürlich schmunzeln. „Alles Klar! Es geht wieder los!“ war nun nur noch der Gedankengang. Noch immer waren wir weit davon entfernt hier wirklich die Kontrolle zu übernehmen, aber es war schon mal der erste Schritt. Annehmen was ist und zwar mit einem Lächeln anstelle eines Grollens.
 
Lektion des Tages: Die Dinge sind eh wie sie sind, also kann man sich auch entspannen und die Show genießen! Dies ist der erste Schritt aus der Negativität hin zu einem zufriedenen, selbstbestimmten Leben in Freiheit und Glückseligkeit.
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.122,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:33:01


Tag 1387: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 3: Gemeinderaum der Stadt, Poinson-Les-Grancey, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:20


Tag 1386: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 2: Gästemmer in privatem Chateau, Moitron, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:18


Tag 1385: Chinon - Geheimtipp für Individualurlauber in Frankreich

Übernachten in Chinon

24.09.2017 Wenn man an die Top-Urlaubsregionen in Frankreich denkt, dann wird der Stadtname Chinon bei den meisten Menschen wohl kaum auf der Liste auftauchen. Auch wir müssen zugeben, dass wir von diesem Ort noch nie etwas gehört haben, bis wir plötzlich mitten in seiner Altstadt standen. Dabei hätte er einen internationalen Ruf als touristische Sehenswürdigkeit durchaus verdient! Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern liegt am Ufer der Vienne im Herzen von Frankreich und wird von Weinbergen und urigen Wäldern gesäumt. Das besondere ist, dass sie direkt in die Klippen gebaut wurde und somit mehr oder minder auf mehreren Etagen existiert. Ganz oben, hoch über den Häusern trotzt eine mittelalterliche Sandsteinburg, in der man bis heute die alten Königsgemächer besichtigen kann. Einziger Haken an dem ansonsten durchaus beeindruckenden Rundgang ist, dass die Einrichtung der Burg entfernt und gegen moderne Kunst ersetzt wurde, die leider keinen Hauch einer Burgatmosphäre mehr erzeugen kann. Anders ist es jedoch im Burghof, in dem noch immer die alten Kriegsmaschinen wie Trebuchets, Katapulte und Kanonen ausgestellt werden. Leben wie die Höhlenmenschen Weitaus interessanter als die Burg selbst sind jedoch die Höhlen, die ein Stockwerk tiefer in den Fels geschlagen wurden. Heute sind sie leider größtenteils verfallen und werden von den Jugendlichen der Stadt als Party- und Abhängplätze sowie für Graffitti-Übungen missbraucht. Doch man kann sie zum Teil noch immer besichtigen und dabei ihre einstige Größe erahnen. Früher waren es einmal richtige Häuser, die hier zum Teil in die Felsen hineingeschlagen und zum Teil davor gemauert wurden. Man kann sogar noch die alten Kamine erkennen und im inneren die Zimmeraufteilung. Teilweise sind auch noch Fußböden und andere Wohnelemente erhalten. Sowohl von den Höhlen, als auch von de Festung aus hat man einen absolut einzigartigen Blick über den Fluss, die Weinberge und die angrenzenden Wälder Auch die Altstadt ist definitiv sehenswert. Schade ist hier nur, dass ähnlich wie bei den Höhlen ein relativ großer Teil der Häuser dem Verfall überlassen wurde. Viele der prunkvollen Gebäude sind unbewohnt und der Sandstein bröckelt wo er nur kann. Doch auf seine spezielle Art und Weise macht genau dies wohl auch den Charme der Altstadt aus. Übernachten in Chinon Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Pensionen und Hotels gibt es viele, aber da diese bereits recht gut belegt waren, versuchten wir unser Glück wieder bei der Kirche, wo man ja bereit über unser Kommen Bescheid wusste. Trotz der Größe der Stadt und der Menge an kirchlichen Gebäuden, die es hier durchaus gab, hatte der Hauptpfarrer keine Idee, wo er uns unterbringen sollte. Stattdessen meldete sich ein junger Mann, der ehrenamtlich in der Kirche arbeitete und der einen bei weitem tieferen Glauben hatte, als der Pfarrer selbst. Er lebte in einer winzigen Wohnung und hatte noch nicht einmal seine Umzugskartons ausgepackt. Dennoch zögerte er keine Sekunde, uns aufzunehmen und da er ein überaus ruhiger und zuvorkommender Zeitgenosse war, konnten wir seine Einladung annehmen, ohne dass wir uns in den kleinen Räumlichkeiten auf die Nerven gingen. Für ihn war unser Besuch das beste, das ihm hatte passieren können, denn so schaffte er es nun endlich doch noch seine Wohnung aufzuräumen und es sich zumindest ein bisschen wohnlich zu gestalten.
 
Höhenmeter 150m / 190m / 310m
Tagesetappe: 12km + 16km + 17km
Gesamtstrecke: 26.087,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel 1: Rathaussaal, Duesme, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-28 07:26:16


Tag 1383: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Chaume-lés-Baigneux , Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1382: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Bussy-le-Grand, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1381: Weinernte und Atomkraft

„Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf

23.09.2017 Zum ersten Mal in diesem Jahr wurden wir heute mit frischem Wein von den Feldern beschenkt. Also genaugenommen, waren die Felder einfach nur da, aber wir haben sie kurzerhand als Geschenk betrachtet. Zumindest an den Orten, an denen nicht gerade ein Bauer mit seinem Vollernter unterwegs war. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal einem Weinvollernter zugeschaut habt, aber es ist durchaus ein beeindruckendes Gerät. Zu aller erst ist er einmal beeindruckend laut. Es macht ungefähr so viel Lärm wie ein Mähdrescher, obwohl er nur ein Drittel seiner Größe besitzt. Dafür ist er relativ lustig aufgebaut, extrem schlank und hoch, so dass er mitten über eine Weinrebe fahren kann, die er dann so schüttelt, dass alle Weintrauben abfallen und in seitlichen Greifarmen liegen bleiben. Binnen Sekunden hat er eine Rebe fast vollständig leer geschüttelt, wofür ein einzelner Arbeiter mindestens 10 Minuten gebraucht hätte. Selbst wenn der Vollernter also das Zehnfache an der Pflanze zurücklässt, wie ein Feldarbeiter, lohnt sich das Gerät noch immer. Anders hingegen war es bei der Apfelernte. Hier musste noch immer von Hand gepflückt werden und dies rief wieder ein ganzes Bataillon an Gastarbeitern auf den Plan. Dieses Mal stammten sie aus Polen aber ansonsten unterschied sich nichts zur Arbeitssituation in Italien, Bulgarien und Rumänien. Nahrungsmittelproduktion ist früher wie heute fest mit Sklavenarbeit verbunden. Daran hat sich in all den Jahren der Zivilisation niemals etwas geändert. Wir beuten unsere heutigen Felsarbeiter noch genauso aus wie die Römer ihre versklavten Wilden und die amerikanischen Siedler, die schwarzafrikanischen Sklaven. Es sieht heute ein bisschen anders aus, es gibt ein paar mehr Rechte und man bekommt einen lächerlichen Geldbetrag, aber sonst ist alles beim Alten. Zumindest überall dort, wo man keine vollautomatischen Maschinen einsetzen kann, die in gewisser Weise dann so eine Art Sklave auf Kunststoff und Stahl sind. Ein frühes Ankommen ist uns auch heute nicht vergönnt gewesen. Wir sind einfach auf dem Stand von Irland, dass muss man im Moment akzeptieren. Wenn es nicht später Nachmittag ist, klappt nichts, also beschlossen wir, dass wir dann ebenso gut auch chillen und die Sonne genießen konnten, bevor wir unsere zweite Hälfte der Wanderung antraten. Bei dieser kamen wir dann wieder an einem Atomkraftwerk vorbei, das alles bisher dagewesene zu übertreffen schien. Wieder hatte man Gewächshäuser und Weinstöcke direkt daneben gepflanzt und wieder gab es regelrechte Kühlturmhaufen, die unvorstellbare Ausmaße hatten. Erst deutlich später wurde mir bewusst, dass die vielen Ähnlichkeiten von diesem und unserem letzten Atomkraftwerk darauf zurückzuführen waren, dass wir uns wieder an exakt der gleichen Stelle befanden. Es war genau das gleiche Kraftwerk, an dem wir nun zufällig wieder vorbei kamen. Nur eben von der anderen Seite, weshalb es uns nicht sofort auffiel. Stattdessen aber merkte man von dieser Seite aus den Verfall, den die Gebäude aufzuweisen hatten. Teilweise waren aus den Nebengebäuden sogar die Fenster ausgeschlagen worden. Die Reaktorkuppel war von einer dicken Schicht Rost und Moos bedeckt und an mehreren Stellen ragten dicke Metallträger aus den Kühltürmen, die nicht wirkten, als gehörten sie dort hin. Wenn Atomkraft wirklich so gefährlich wäre, wie wir glauben, dann dürfte so etwas in unserer Gesellschaft nicht vorkommen. Ebenso erstaunlich waren die zwei kleinen Stromleitungen, die vom Kraftwerk wegführten. Dies war das größte Atomkraftwerk, das wir je gesehen hatten und gerade einmal zwei winzige Leitungen wurden davon in die Umgebung geleitet? Erinnert ihr euch noch an die Umspannwerke in Schottland und England, die überhaupt keine Kraftwerke in der Nähe hatten und von denen so überdimensionierte Leitungen abgingen, dass wir uns nicht auch nur im Ansatz dessen Sinn erklären konnten? Wie passten diese beiden Entdeckungen zusammen? Irgendetwas stimmt hier doch ganz und gar nicht, oder? Der Bürgermeister und seine Assistentin zeigten sich bei unserer Ankunft wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. Die Assistentin erwischte ich persönlich, bzw. am Küchenfenster, durch das sie mir permanent Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Der Bürgermeister selbst wurde am Telefon hinzugeschaltet. Gemeinsam überlegten sich die beiden dann in einer langwierigen Diskussion, welche der vielen Möglichkeiten hier im Ort wohl die schlechteste und schäbigste war. Es gab einen Städtischen Campingplatz mit Pavillons, eine städtische Urlaubspension, einen Festsaal, einen Besprechungssaal, ein Vereinshaus und einen Sportplatz mit Umkleidekabinen. Doch alles war zu gut für uns. Stattdessen boten sie uns schließlich den Fahrradschuppen des Gästehauses an, der komplett offen war und sich nur dadurch von einem Platz auf der Straße unterschied, dass man ihn mit einem Gitter verschließen konnte. Wer hätte gedacht, dass es nach der Hundehütte, die wir gestern vom Pfarrer angeboten bekommen hatten, heute sogar noch einmal eine Steigerung geben würde? Dass ich der Frau diesen Platz um die Ohren schlug ist sicher keine Frage. Sie war deshalb nicht einmal überrascht, sondern sondern fühlte sich eher bestätigt. Doch so schnell wurde sie uns dennoch nicht los, denn wir trafen auf einen kleinen, etwas schmudddeligen aber sehr freundlichen Herren, der gerade dabei war die Kirche aufzuschließen. Von ihm und seiner Frau bekamen wir den Kommunionsraum zur Verfügung gestellt. Dabei erfuhren wir noch ein weiteres Detail über das angrenzende Atomkraftwerk, das wir kaum glauben konnten. Das es alt war, hatten wir uns ja bereits gedacht, aber nicht, dass es bereits 1956 in Betrieb genommen wurde. Dieses Kraftwerk läuft also seit über 60 Jahren!!! Könnt ihr euch das vorstellen? Der Bau musste also fast direkt nach dem zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar schon vor Kriegsende begonnen haben. Seitdem ist es fast ununterbrochen durchgelaufen und läuft noch immer... Unser Räumchen war ein üblicher Kommunionsraum, der seinen Zweck erfüllte und ansonsten auf jeden überflüssigen Luxus verzichtete. Das einzige, das es hier wie immer in diesen Räumen gab, waren Süßigkeiten. Es war fast ein bisschen so, als wollte man die Kinder mit kleinen Naschereien zum Glauben bekehren. Ihr kennt sicher die T-Shirts mit der Aufschrift „Come to the Dark Side! We have cockies!“ Die Christen scheinen nun mit Weingummi nachzuziehen. Ob man Kindern wohl deswegen verbietet, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen? Nicht weil sie entführt werden könnten, sondern weil es heißt „Du sollst keinen anderen Süßigkeitenspender neben mir haben!“?
 
Spruch des Tages: „Come to Jesus! We have sweets, too!“ (Spruch auf einem T-Shirt)
Höhenmeter 180m / 220m / 130m
Tagesetappe: 22km + 21km + 11km
Gesamtstrecke: 26.042,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Saint-Euphrône, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:41:58


Tag 1380: Dinner der Spitzenklasse

Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann i

22.09.2017 Langsam werden wir wieder schneller, wenn es darum geht, zu entscheiden, was wir wollen und was nicht. Von einem Pensionierten Pfarrer bekamen wir eine Obdachlosenunterkunft angeboten, die gewissermaßen auf der Hauptstraße lag. Sie befand sich an einer Kreuzung, an der von allen Seiten LKWs auf einander einschossen und sie hatte hauchdünne, Einglasfenster und eine Tür, die man nicht mehr richtig schließen konnte. Der Pfarrer selbst war erschrocken, als er diesen Raum sah. Er hatte, soweit wir es verstanden haben, beim Rathaus nach einer Lösung für uns gefragt, da er selbst keine Räume mehr hatte. Schon während seiner Amtszeit hatte ihm die Stadt die Verfügbarkeit der Kommunionsräume gestrichen und nun da er im Altenheim lebte, hatte er nicht einmal mehr ein Pfarrhaus im Angebot. Dennoch hatte er sich aufgemacht, um eine Lösung für uns zu finden und war vom Rathaus mit diesem Verlies abgespeißt worden. Eine harte Nummer für den armen Kerl, denn er wollte wirklich helfen und konnte und nichts anderes anbieten. Auch er fühlte sich hier nicht wohl, aber dass wir sein Angebot ablehnten verstand er trotzdem nicht. „Wieso? Ihr habt doch nichts, wohin ihr sonst gehen könnt?“ fragte er verwirrt. „Stimmt“, antwortete Heiko, „Aber wir werden schon etwas finden, machen Sie sich keine Sorgen!“ Ich fürchte, das mit dem keine Sorgen machen, klappte nicht ganz, denn er schaute ziemlich nachdenklich, als wir uns verabschiedeten. Doch es gab tatsächlich keinen Grund dafür. Acht Kilometer weiter bekamen wir ein Zimmer in einem Logis Hotel. Dieses Mal führte unser Zimmer zum Hof hinaus, hatte anständige Fenster und sah auch bedeutend schnuckeliger aus, als die Obdachlosenunterkunft. Alles in allem also ein super Schlafplatz, den wir auch anderen Reisenden empfehlen können, die es in diese Gegend verschlägt. Dabei können wir übrigens auch empfehlen, euch einmal in diese Gegend verschlagen zu lassen. Sie ist nämlich durchaus sehenswert. Nicht unbedingt spektakulär, aber es gibt weite Wälder und einige sehr schöne Schlösser und Chateaus. Neben unserem Zimmer bekamen wir dieses Mal sogar auch eine Essenseinladung in das Restaurant. Dennoch drehte ich eine kleine Runde durch den Ort, um ein paar Snacks für den Abend einzusammeln. Dabei stieß ich auf ein Behindertenwohnheim, in dem ich gleich ganz freudig von den Bewohnern begrüßt wurde. Es waren viele Bewohner mit Down-Syndrom sowie einige Autisten dabei, die ihre ganz eigene Sicht auf die Welt hatten. Es tat gut sie zu sehen, denn sie zeigten mir noch einmal, wie frohmütig man sein kann, auch wenn man ganze LKW-Ladungen an Lebensthemen auf seinen Schultern trägt und nicht wie ich nur eine Feder. Nachtrag: Um es in einfachen Worten auf einen Punkt zu bringen: Das Abendessen war der Hammer! Das Hotel hier in La-Breille-les-Pins ist nicht schlecht, aber verglichen mit seiner eigenen Hotelküche ist es kaum erwähnenswert. Der Koch, der übrigens der selbe Mann war, der uns unseren Aufenthalt hier überhaupt ermöglichte, war ein Künstler, was die französische Küche anbelangt und dies gleich in doppelter Hinsicht. Jeder Gang war sowohl ein Kunstwerk für die Augen, als auch für den Gaumen. Mit einem Mal verstanden wir wieder, warum die französische Küche Weltkulturerbe ist. Nach den vielen eher mäßigen Erfahrungen hatten wir dies schon fast nicht mehr glauben können, doch es ist bei weitem nicht so, dass sie es nicht verdient hat. Es stirbt nur leider aus und es gibt heute kaum noch jemanden, der diese Kunst beherrscht. Aber hier haben wir definitiv jemanden gefunden!
 
Lektionen des Tages:
Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann ist sie es auch nicht! Verlasse sie, schau nicht zurück und denke keine Sekunde mehr darüber nach. Es kommt etwas besseres!
Jedes Wesen, dem du begegnest ist ein Mentor, von dem du viel lernen kannst, vor allem, wenn du es nicht erwartest.
Fröhlichkeit und Lebensfreude sind Geschenke.
Höhenmeter 190m / 280m
Tagesetappe: 13km + 18km
Gesamtstrecke: 25.978,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Courcelles-Frémoy, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:36:19


Tag 1379: Dinner der Spitzenklasse

Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann i

22.09.2017 Langsam werden wir wieder schneller, wenn es darum geht, zu entscheiden, was wir wollen und was nicht. Von einem Pensionierten Pfarrer bekamen wir eine Obdachlosenunterkunft angeboten, die gewissermaßen auf der Hauptstraße lag. Sie befand sich an einer Kreuzung, an der von allen Seiten LKWs auf einander einschossen und sie hatte hauchdünne, Einglasfenster und eine Tür, die man nicht mehr richtig schließen konnte. Der Pfarrer selbst war erschrocken, als er diesen Raum sah. Er hatte, soweit wir es verstanden haben, beim Rathaus nach einer Lösung für uns gefragt, da er selbst keine Räume mehr hatte. Schon während seiner Amtszeit hatte ihm die Stadt die Verfügbarkeit der Kommunionsräume gestrichen und nun da er im Altenheim lebte, hatte er nicht einmal mehr ein Pfarrhaus im Angebot. Dennoch hatte er sich aufgemacht, um eine Lösung für uns zu finden und war vom Rathaus mit diesem Verlies abgespeißt worden. Eine harte Nummer für den armen Kerl, denn er wollte wirklich helfen und konnte und nichts anderes anbieten. Auch er fühlte sich hier nicht wohl, aber dass wir sein Angebot ablehnten verstand er trotzdem nicht. „Wieso? Ihr habt doch nichts, wohin ihr sonst gehen könnt?“ fragte er verwirrt. „Stimmt“, antwortete Heiko, „Aber wir werden schon etwas finden, machen Sie sich keine Sorgen!“ Ich fürchte, das mit dem keine Sorgen machen, klappte nicht ganz, denn er schaute ziemlich nachdenklich, als wir uns verabschiedeten. Doch es gab tatsächlich keinen Grund dafür. Acht Kilometer weiter bekamen wir ein Zimmer in einem Logis Hotel. Dieses Mal führte unser Zimmer zum Hof hinaus, hatte anständige Fenster und sah auch bedeutend schnuckeliger aus, als die Obdachlosenunterkunft. Alles in allem also ein super Schlafplatz, den wir auch anderen Reisenden empfehlen können, die es in diese Gegend verschlägt. Dabei können wir übrigens auch empfehlen, euch einmal in diese Gegend verschlagen zu lassen. Sie ist nämlich durchaus sehenswert. Nicht unbedingt spektakulär, aber es gibt weite Wälder und einige sehr schöne Schlösser und Chateaus. Neben unserem Zimmer bekamen wir dieses Mal sogar auch eine Essenseinladung in das Restaurant. Dennoch drehte ich eine kleine Runde durch den Ort, um ein paar Snacks für den Abend einzusammeln. Dabei stieß ich auf ein Behindertenwohnheim, in dem ich gleich ganz freudig von den Bewohnern begrüßt wurde. Es waren viele Bewohner mit Down-Syndrom sowie einige Autisten dabei, die ihre ganz eigene Sicht auf die Welt hatten. Es tat gut sie zu sehen, denn sie zeigten mir noch einmal, wie frohmütig man sein kann, auch wenn man ganze LKW-Ladungen an Lebensthemen auf seinen Schultern trägt und nicht wie ich nur eine Feder. Nachtrag: Um es in einfachen Worten auf einen Punkt zu bringen: Das Abendessen war der Hammer! Das Hotel hier in La-Breille-les-Pins ist nicht schlecht, aber verglichen mit seiner eigenen Hotelküche ist es kaum erwähnenswert. Der Koch, der übrigens der selbe Mann war, der uns unseren Aufenthalt hier überhaupt ermöglichte, war ein Künstler, was die französische Küche anbelangt und dies gleich in doppelter Hinsicht. Jeder Gang war sowohl ein Kunstwerk für die Augen, als auch für den Gaumen. Mit einem Mal verstanden wir wieder, warum die französische Küche Weltkulturerbe ist. Nach den vielen eher mäßigen Erfahrungen hatten wir dies schon fast nicht mehr glauben können, doch es ist bei weitem nicht so, dass sie es nicht verdient hat. Es stirbt nur leider aus und es gibt heute kaum noch jemanden, der diese Kunst beherrscht. Aber hier haben wir definitiv jemanden gefunden!
 
Lektionen des Tages:
Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann ist sie es auch nicht! Verlasse sie, schau nicht zurück und denke keine Sekunde mehr darüber nach. Es kommt etwas besseres!
Jedes Wesen, dem du begegnest ist ein Mentor, von dem du viel lernen kannst, vor allem, wenn du es nicht erwartest.
Fröhlichkeit und Lebensfreude sind Geschenke.
Höhenmeter 190m / 280m
Tagesetappe: 13km + 18km
Gesamtstrecke: 25.978,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Kloster Abbatiale Sainte-Marie, südlich von Saint-Léger-Vauban, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:36:09


Tag 1378: Das Alt-Erschaffene annehmen – Wie funktioniert Konstruktivismus?

Wir erschaffen die Welt

21.09.2017 Auch heute wollte sich noch kein Fluss der Leichtigkeit einstellen und das obwohl es nun rein äußerlich keine Begründung und keine Ausrede mehr dafür gab. Wir waren nicht mehr in einer Touristenregion, wir waren nicht am Jakobsweg und die Ortschaften in die wir kamen waren klein, schnuckelig und idyllisch, so dass hier eigentlich jeder freudig und fröhlich hätte sein müssen. Stattdessen wurde Heiko sogar von der Wiese vertrieben, die zum städtischen Festsaal gehörte, anstatt dass wir selbigen Saal zum Schlafen bekamen. Mein Frustrations-Selbstmidleits-Memmen-Ich klopfte schon wieder an die Tür und frage: „Na, immer noch überzeugt, dass nicht alles scheiße ist? Soll ich nicht doch noch mal kommen und auf die Tränendrüse drücken? Dann kannst du so richtig schön über die Menschen hier fluchen! Ich glaube das würde dir jetzt gut tun!“ „Schnauze jetzt und zurück ins Körbchen!“ rief ich und begann sofort mit den Übungen zum inneren Lächeln die wir euch in unserem Wiki festgehalten haben. Es dauerte einen Moment, aber dann gelang es mir die Situation wieder so anzunehmen wie sie war. Immerhin half das schöne Wetter etwas dabei, denn so machte das Wandern durchaus Spaß, auch wenn es weiter war, als geplant. Trotzdem fragte ich mich, was gerade los war. Wieso wurden wir ausgerechnet jetzt so sehr ausgebremst, wo es doch so viel zu organisieren gab und wo ich nach meiner langen Downphase doch nun mit frischer Motivation ans Werk gehen wollte? War es eine Art Prüfung, durch die ich zeigen sollte, dass ich es wirklich ernst meine? Oder lag es vielleicht daran, dass wir nun beschlossen hatten, nicht mehr wegzulaufen und uns dem Verwirrer zu stellen, der uns nun ordentlich verdreschen konnte. „Netter Gedanke!“ meinte Heiko, „hat aber nichts damit zu tun!“ Denk nochmal ein bisschen weiter und überlege dir, nach welchen Regeln das Erschaffen funktioniert!“ Und dieses Mal ging mir ein Licht auf! „Ist ja klar!“ sagte ich, durch all die Negativität mit der ich die Welt betrachtet habe, habe ich genau das hier selber erschaffen. Man erschafft ja nie im Moment, sondern immer im Voraus. Also das, was wir hier nun sehen und erleben ist quasi die Ernte von dem, was ich in der letzten Zeit mit meinen Überzeugungen gesät habe!“ „Genau!“ sagte Heiko, „jetzt bist du auf der richtigen Spur!“ „Ok, das heißt, ich habe nun wieder die Entscheidung! Entweder ich lasse mich von dem Alten Erneut frustrieren und verfalle wieder in die Negativität in dem ich sage, dass ja eh alles keinen Zweck hat. Damit erschaffe ich mir dann gleich wieder die nächste Hölle für die Zukunft. Oder aber ich nehme das was ist als meine eigene Schöpfung an, in der Gewissheit, dass es das beste und einzige war, das ich zuvor hatte erschaffen können, und freue mich darüber, dass es sich in Zukunft wandeln wird. Bzw. dass es sich ja längst gewandelt hat nur eben noch nicht sichtbar ist. Wenn mir das gelingt, dann erschaffe ich genau in diesem Moment eine Welt der Leichtigkeit und Freude, in die wir eintauchen können, sobald die Ernte der letzten Negativ-Überzeugungen aufgebraucht ist.
 
Lektionen des Tages: Wir erschaffen die Welt in der wir leben mit unseren meist geglaubten Gedanken und Überzeugungen, jedoch immer mit einer Zeitverzögerung. Wenn wir unsere Überzeugungen ändern, dauert es also erst noch eine Weil bis sich auch eine Änderung in der Außenwelt einstellt. Dies ist eine kritische Phase, denn hier gerät man leicht in Versuchung zu sagen, dass es ja doch nicht klappt, und schon ist man wieder in der alten Spirale. Deswegen ist es wichtig, diese Phase zu kennen und über sie Bescheid zu wissen, damit man locker damit umgehen kann und sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Wichtigster Grundsatz: Alles ist gut so wie es ist. Alles wurde von dir erschaffen. Begrüße es mit einem Lächeln, denn es ist das beste, das du in diesem Moment erschaffen konntest.
Höhenmeter 190m / 120m
Tagesetappe: 13km + 12km
Gesamtstrecke: 25.946,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Hotel, Dun-les-Places, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:33:26


Tag 1377: Das Alt-Erschaffene annehmen – Wie funktioniert Konstruktivismus?

Wir erschaffen die Welt

21.09.2017 Auch heute wollte sich noch kein Fluss der Leichtigkeit einstellen und das obwohl es nun rein äußerlich keine Begründung und keine Ausrede mehr dafür gab. Wir waren nicht mehr in einer Touristenregion, wir waren nicht am Jakobsweg und die Ortschaften in die wir kamen waren klein, schnuckelig und idyllisch, so dass hier eigentlich jeder freudig und fröhlich hätte sein müssen. Stattdessen wurde Heiko sogar von der Wiese vertrieben, die zum städtischen Festsaal gehörte, anstatt dass wir selbigen Saal zum Schlafen bekamen. Mein Frustrations-Selbstmidleits-Memmen-Ich klopfte schon wieder an die Tür und frage: „Na, immer noch überzeugt, dass nicht alles scheiße ist? Soll ich nicht doch noch mal kommen und auf die Tränendrüse drücken? Dann kannst du so richtig schön über die Menschen hier fluchen! Ich glaube das würde dir jetzt gut tun!“ „Schnauze jetzt und zurück ins Körbchen!“ rief ich und begann sofort mit den Übungen zum inneren Lächeln die wir euch in unserem Wiki festgehalten haben. Es dauerte einen Moment, aber dann gelang es mir die Situation wieder so anzunehmen wie sie war. Immerhin half das schöne Wetter etwas dabei, denn so machte das Wandern durchaus Spaß, auch wenn es weiter war, als geplant. Trotzdem fragte ich mich, was gerade los war. Wieso wurden wir ausgerechnet jetzt so sehr ausgebremst, wo es doch so viel zu organisieren gab und wo ich nach meiner langen Downphase doch nun mit frischer Motivation ans Werk gehen wollte? War es eine Art Prüfung, durch die ich zeigen sollte, dass ich es wirklich ernst meine? Oder lag es vielleicht daran, dass wir nun beschlossen hatten, nicht mehr wegzulaufen und uns dem Verwirrer zu stellen, der uns nun ordentlich verdreschen konnte. „Netter Gedanke!“ meinte Heiko, „hat aber nichts damit zu tun!“ Denk nochmal ein bisschen weiter und überlege dir, nach welchen Regeln das Erschaffen funktioniert!“ Und dieses Mal ging mir ein Licht auf! „Ist ja klar!“ sagte ich, durch all die Negativität mit der ich die Welt betrachtet habe, habe ich genau das hier selber erschaffen. Man erschafft ja nie im Moment, sondern immer im Voraus. Also das, was wir hier nun sehen und erleben ist quasi die Ernte von dem, was ich in der letzten Zeit mit meinen Überzeugungen gesät habe!“ „Genau!“ sagte Heiko, „jetzt bist du auf der richtigen Spur!“ „Ok, das heißt, ich habe nun wieder die Entscheidung! Entweder ich lasse mich von dem Alten Erneut frustrieren und verfalle wieder in die Negativität in dem ich sage, dass ja eh alles keinen Zweck hat. Damit erschaffe ich mir dann gleich wieder die nächste Hölle für die Zukunft. Oder aber ich nehme das was ist als meine eigene Schöpfung an, in der Gewissheit, dass es das beste und einzige war, das ich zuvor hatte erschaffen können, und freue mich darüber, dass es sich in Zukunft wandeln wird. Bzw. dass es sich ja längst gewandelt hat nur eben noch nicht sichtbar ist. Wenn mir das gelingt, dann erschaffe ich genau in diesem Moment eine Welt der Leichtigkeit und Freude, in die wir eintauchen können, sobald die Ernte der letzten Negativ-Überzeugungen aufgebraucht ist.
 
Lektionen des Tages: Wir erschaffen die Welt in der wir leben mit unseren meist geglaubten Gedanken und Überzeugungen, jedoch immer mit einer Zeitverzögerung. Wenn wir unsere Überzeugungen ändern, dauert es also erst noch eine Weil bis sich auch eine Änderung in der Außenwelt einstellt. Dies ist eine kritische Phase, denn hier gerät man leicht in Versuchung zu sagen, dass es ja doch nicht klappt, und schon ist man wieder in der alten Spirale. Deswegen ist es wichtig, diese Phase zu kennen und über sie Bescheid zu wissen, damit man locker damit umgehen kann und sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Wichtigster Grundsatz: Alles ist gut so wie es ist. Alles wurde von dir erschaffen. Begrüße es mit einem Lächeln, denn es ist das beste, das du in diesem Moment erschaffen konntest.
Höhenmeter 190m / 120m
Tagesetappe: 13km + 12km
Gesamtstrecke: 25.946,27km
Wetter: herbstlich, regnerisch, kalt
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Brassy, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:33:16


Tag 1376: Höre immer auf dein Bauchgefühl!

Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situatio

20.09.2017 Heute schenkte uns das Leben eine der vielleicht wichtigsten Lektionen, die man überhaupt bekommen kann und die wir unbedingt an euch weitergeben möchten. In der Theorie kannte ich das Konzept bereits, aber heute wurde es wirklich klar und spürbar. Ihr müsst wissen, dass wir Menschen von Natur aus intuitive Wesen sind, denen man eigentlich nichts vormachen kann. Jeder Mensch spürt sofort, ob etwas angenehm oder unangenehm ist, ob es ihn bereichert oder nicht und vor allem, ob er eine Wahrheit oder eine Lüge hört. Der einzige Grund, warum wir auf eine Lüge hereinfallen ist unsere eigne Gier. Wenn wir etwas dringend wollen und sei die Absicht dahinter noch so nobel, dann sind wir in der Lage, unsere Intuition vollkommen auszuschalten und alle Warnhinweise zu ignorieren. Wir verhalten uns ein bisschen, wie ein Drogenjunkie, der genau spürt, dass die Rauschgifte seinen Körper zerstören, der dieses Empfinden jedoch vollkommen ausblendet, weil sich seine ganze Aufmerksamkeit nur noch im die Suchtbefriedigung dreht. Ich selbst kannte das Gefühl ganz gut von mir, wobei es vor allem dann aufkam, wenn ich hoch motiviert war. Es gab so viele Dinge, die ich gerne erledigen wollte und ich hatte richtig Lust darauf, anzukommen, mich an den Computer zu setzen und durchzustarten. Prompt tauchten natürlich genau die Situationen auf, die mir meine Gier spiegelten. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wählten wir heute einen Zielort aus, den wir kurz vor 12:00 Uhr erreichen würden, so dass das Rathaus auf jeden Fall geöffnet haben musste. Anders als sonst schlenderten wir also nicht gemütlich wie zwei Wildkatzen vor uns hin, sondern schauten immer wieder auf die Uhr und beschleunigten unsere Schritte, um gerade noch rechtzeitig anzukommen. Nun waren wir jedoch gestresst und ausgelaugt und nicht freudig entspannt wie sonst. Prompt sage uns das Rathaus ab, wodurch der ganze Stress des Vormittages hinfällig wurde. Um die Sache zu kitten versuchte ich auf andere Weise im gleichen Ort einen Schlafplatz aufzutreiben, was mich auch schließlich gelang. Ein Barkeeper hatte uns an ein befreundetes, älteres Pärchen vermittelt, das wir nun besuchten. Gleich zur Begrüßung eröffnete uns die Frau, dass ihr Mann mit dem Besuch gar nicht einverstanden war und als dieser vor die Tür trat, machte auch er keinen Hehl daraus. Alles, die Straße, das Haus, die alten Leute, alles schien uns anzuschreien: „Geht weiter! Das bringt hier nichts!“ Doch die Idee, den Nachmittag zum Arbeiten zu haben, war so präsent, dass ich diese Schreie überhörte. So verbrachten wir die nächsten Stunden in einem kleinen ungemütlichen Raum direkt neben der Hauptstraße. Die Fenster, die uns von der Straße trennten hatten den einzigen Effekt, dass ihre Scheiben jedes Mal im Tackt klirrten, wenn außen ein LKW vorbeirauschte. Geräusche abschwächen war hingegen weniger ihr Ding. Nach gut drei Stunden hätte uns eigentlich ein Mann abholen und zu unserem wirklichen Schlafplatz bringen sollen. Als er auch nach 4 Stunden noch nicht da war, ging ich zurück zu der Bar, dessen Besitzer den Kontakt vermittelt hatte und fragte noch einmal nach dem Stand der Dinge. Unser Gastgeber steckte irgendwo auf der Autobahn fest und kam vermutlich innerhalb der nächsten Stunde. Vielleicht aber auch erst in zwei oder drei Stunden, je nachdem, wie sich der Stau entwickelte. Diese Nachricht bestätigte nur, was wir von Anfang an wussten: Der Platz hier war einfach nichts für uns. Der alte Mann war in den vergangenen Stunden noch immer nicht aufgetaut und sah uns noch genauso missmutig und ablehnend an, wie bei unserer Ankunft. Die Atmosphäre war kalt und unangenehm und das obwohl der Platz selbst bei einer Traumfamilie schon grenzwertig gewesen wäre. Noch eine Stunde in diesem Unbehagen verbringen zu müssen und dann keine Ahnung zu haben, ob es hinterher besser würde, waren einfach nicht die Aussichten, auf die wir uns gefreut hatten. Da war es doch 1000x besser trotz der späten Stunde wieder aufzubrechen und notfalls im Zelt zu schlafen, wo wir wenigstens für uns waren und eine Filmnacht veranstalten konnten,. Also bedankten wir uns bei der alten Dame für ihre Einladung, packten unsere Sachen und brachen noch ein zweites Mal zu einer Wanderung auf. Diese Mal jedoch wanderten wir bereits in die Dämmerung hinein. Ein Umstand der unser Vertrauen noch einmal mehr auf die Probe stellte. Nach einigen Fehlschlägen gelangten wir schließlich zur Familie des stellvertretenden Bürgermeister, die uns zwei Gästezimmer anbot. Obwohl es nun bereits 20 Uhr war, als wir unsere Quartiere bezogen und obwohl wir im Anschluss noch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu Abend aßen, war die kurze verbleibende Zeit die wir hier zum Arbeiten nutzen konnten, noch immer produktiver und effektiver als die vier Stunden im Lärmhaus zuvor. Sich diesen Vergleich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen, sagte viel über die Lebenssituationen aus. Es macht einfach keinen Sinn, irgendetwas erzwingen zu wollen. Entweder eine Situation passt so wie sie ist und dann fühlt sie sich gut an, oder sie passt nicht und dann bringt es auch nichts, irgendeinen Kompromiss zu suchen oder gegen das Unbehagen anzukämpfen. Es vergeudet nur Zeit und Lebensfreude. Auf der einen Seite waren wir stolz auf uns, wie konsequent wir in diesem Bereich schon geworden sind, denn vor zwei Jahren wären wir einfach bei der Oma und ihrem Miesmuffelmann geblieben. Auf der anderen Seite zeigte uns die Situation aber auch, dass wir noch immer deutlich strikter werden konnten und sollten, wenn wir wirklich zu uns stehen wollten.
 
Lektion des Tages: Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann kann sie auch nichts Gutes oder Positives hervorbringen.
Höhenmeter 130m / 230m
Tagesetappe: 23km + 13km
Gesamtstrecke: 25.921,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeinderaum der Stadt, Mhere, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:28:57


Tag 1375: Höre immer auf dein Bauchgefühl!

Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situatio

20.09.2017 Heute schenkte uns das Leben eine der vielleicht wichtigsten Lektionen, die man überhaupt bekommen kann und die wir unbedingt an euch weitergeben möchten. In der Theorie kannte ich das Konzept bereits, aber heute wurde es wirklich klar und spürbar. Ihr müsst wissen, dass wir Menschen von Natur aus intuitive Wesen sind, denen man eigentlich nichts vormachen kann. Jeder Mensch spürt sofort, ob etwas angenehm oder unangenehm ist, ob es ihn bereichert oder nicht und vor allem, ob er eine Wahrheit oder eine Lüge hört. Der einzige Grund, warum wir auf eine Lüge hereinfallen ist unsere eigne Gier. Wenn wir etwas dringend wollen und sei die Absicht dahinter noch so nobel, dann sind wir in der Lage, unsere Intuition vollkommen auszuschalten und alle Warnhinweise zu ignorieren. Wir verhalten uns ein bisschen, wie ein Drogenjunkie, der genau spürt, dass die Rauschgifte seinen Körper zerstören, der dieses Empfinden jedoch vollkommen ausblendet, weil sich seine ganze Aufmerksamkeit nur noch im die Suchtbefriedigung dreht. Ich selbst kannte das Gefühl ganz gut von mir, wobei es vor allem dann aufkam, wenn ich hoch motiviert war. Es gab so viele Dinge, die ich gerne erledigen wollte und ich hatte richtig Lust darauf, anzukommen, mich an den Computer zu setzen und durchzustarten. Prompt tauchten natürlich genau die Situationen auf, die mir meine Gier spiegelten. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wählten wir heute einen Zielort aus, den wir kurz vor 12:00 Uhr erreichen würden, so dass das Rathaus auf jeden Fall geöffnet haben musste. Anders als sonst schlenderten wir also nicht gemütlich wie zwei Wildkatzen vor uns hin, sondern schauten immer wieder auf die Uhr und beschleunigten unsere Schritte, um gerade noch rechtzeitig anzukommen. Nun waren wir jedoch gestresst und ausgelaugt und nicht freudig entspannt wie sonst. Prompt sage uns das Rathaus ab, wodurch der ganze Stress des Vormittages hinfällig wurde. Um die Sache zu kitten versuchte ich auf andere Weise im gleichen Ort einen Schlafplatz aufzutreiben, was mich auch schließlich gelang. Ein Barkeeper hatte uns an ein befreundetes, älteres Pärchen vermittelt, das wir nun besuchten. Gleich zur Begrüßung eröffnete uns die Frau, dass ihr Mann mit dem Besuch gar nicht einverstanden war und als dieser vor die Tür trat, machte auch er keinen Hehl daraus. Alles, die Straße, das Haus, die alten Leute, alles schien uns anzuschreien: „Geht weiter! Das bringt hier nichts!“ Doch die Idee, den Nachmittag zum Arbeiten zu haben, war so präsent, dass ich diese Schreie überhörte. So verbrachten wir die nächsten Stunden in einem kleinen ungemütlichen Raum direkt neben der Hauptstraße. Die Fenster, die uns von der Straße trennten hatten den einzigen Effekt, dass ihre Scheiben jedes Mal im Tackt klirrten, wenn außen ein LKW vorbeirauschte. Geräusche abschwächen war hingegen weniger ihr Ding. Nach gut drei Stunden hätte uns eigentlich ein Mann abholen und zu unserem wirklichen Schlafplatz bringen sollen. Als er auch nach 4 Stunden noch nicht da war, ging ich zurück zu der Bar, dessen Besitzer den Kontakt vermittelt hatte und fragte noch einmal nach dem Stand der Dinge. Unser Gastgeber steckte irgendwo auf der Autobahn fest und kam vermutlich innerhalb der nächsten Stunde. Vielleicht aber auch erst in zwei oder drei Stunden, je nachdem, wie sich der Stau entwickelte. Diese Nachricht bestätigte nur, was wir von Anfang an wussten: Der Platz hier war einfach nichts für uns. Der alte Mann war in den vergangenen Stunden noch immer nicht aufgetaut und sah uns noch genauso missmutig und ablehnend an, wie bei unserer Ankunft. Die Atmosphäre war kalt und unangenehm und das obwohl der Platz selbst bei einer Traumfamilie schon grenzwertig gewesen wäre. Noch eine Stunde in diesem Unbehagen verbringen zu müssen und dann keine Ahnung zu haben, ob es hinterher besser würde, waren einfach nicht die Aussichten, auf die wir uns gefreut hatten. Da war es doch 1000x besser trotz der späten Stunde wieder aufzubrechen und notfalls im Zelt zu schlafen, wo wir wenigstens für uns waren und eine Filmnacht veranstalten konnten,. Also bedankten wir uns bei der alten Dame für ihre Einladung, packten unsere Sachen und brachen noch ein zweites Mal zu einer Wanderung auf. Diese Mal jedoch wanderten wir bereits in die Dämmerung hinein. Ein Umstand der unser Vertrauen noch einmal mehr auf die Probe stellte. Nach einigen Fehlschlägen gelangten wir schließlich zur Familie des stellvertretenden Bürgermeister, die uns zwei Gästezimmer anbot. Obwohl es nun bereits 20 Uhr war, als wir unsere Quartiere bezogen und obwohl wir im Anschluss noch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu Abend aßen, war die kurze verbleibende Zeit die wir hier zum Arbeiten nutzen konnten, noch immer produktiver und effektiver als die vier Stunden im Lärmhaus zuvor. Sich diesen Vergleich noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen, sagte viel über die Lebenssituationen aus. Es macht einfach keinen Sinn, irgendetwas erzwingen zu wollen. Entweder eine Situation passt so wie sie ist und dann fühlt sie sich gut an, oder sie passt nicht und dann bringt es auch nichts, irgendeinen Kompromiss zu suchen oder gegen das Unbehagen anzukämpfen. Es vergeudet nur Zeit und Lebensfreude. Auf der einen Seite waren wir stolz auf uns, wie konsequent wir in diesem Bereich schon geworden sind, denn vor zwei Jahren wären wir einfach bei der Oma und ihrem Miesmuffelmann geblieben. Auf der anderen Seite zeigte uns die Situation aber auch, dass wir noch immer deutlich strikter werden konnten und sollten, wenn wir wirklich zu uns stehen wollten.
 
Lektion des Tages: Höre auf dein Bauchgefühl! Wenn sich eine Situation nicht gut anfühlt, dann kann sie auch nichts Gutes oder Positives hervorbringen.
Höhenmeter 130m / 230m
Tagesetappe: 23km + 13km
Gesamtstrecke: 25.921,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Holländisches Gästehaus, Epiry, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:28:55


Tag 1374: Neue Herausforderung

It never gets easier – you just get better (Werbes

19.09.2017 Nach dem Beschluss von gestern, mein Trauerklos-Selbstmitleids-die-Welt-ist-Scheiße-Ich hinter mir zu lassen bekam ich heute gleich einmal die erste große Herausforderung geschenkt. Ein bisschen so, als wollte das Universum fragen: „Na, ist die Welt nicht vielleicht doch scheiße?“ Ganz Ehrlich? Immer gelang es mir nicht, in der Rolle des Träumenden zu bleiben und die Dinge so anzunehmen, wie sie waren. Um es in den Worten eines ehemaligen Seminarteilnehmers zu sagen: Es gab Situationen, da ging mit der Arsch an die Decke. Aber es zog mich nicht mehr runter. Es war eben wie es war und dazu gehörte auch mein Ärger im entsprechenden Moment. Doch sobald wir wieder draußen auf unserem Weg waren, uns sie Sonne entgegen scheinen ließen, den Bäumen, Wiesen und Vögeln zuschauten und gemächlich wieder Stille einkehren ließen, war es eine vollkommen neue Situation, in der ich nicht mehr herumschmollen musste. Und tatsächlich, am Ende ging auch heute wieder alles gut aus und wir bekamen einen schönen, ruhigen Platz von einem jungen Mann, dessen Name lustigerweise ebenfalls Francoir war. Offensichtlicher konnte man also kaum noch einmal zusammenfassen, dass jeder Mensch, den ich heute getroffen hatte, ich war.
 
Spruch des Tages: It never gets easier – you just get better (Werbespruch unserer Work-Out-App)
Höhenmeter 230 m
Tagesetappe: 24 km
Gesamtstrecke: 25.885,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Villa einer Millionärsfamilie, Crux-Ville, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:26:58


Tag 1373: Weg mit dem Miesepeter! - Wandlung ins Positive

Es ist wichtig, immer wieder zu prüfem, ob man noc

In den letzten Tagen kam in mir immer wieder die Frage auf, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin, oder ob ich mich vor allem mit dem Blog in etwas verrannt hatte, das mich nun nicht mehr weiter brachte. Als wir vor knapp vier Jahren zu unserer Reise aufgebrochen sind, ging es uns vor allem um eines: Wir wollten weg! Uns war klar, dass das Leben zuhause nichts mehr für uns war. Es war nicht nur einfach nicht mehr das Gelbe vom Ei, es brachte uns Buchstäblich um. Jahre zuvor hatten wir eine Wildnisschule gegründet mit dem Plan, dadurch unser Darma leben zu können. Wir wollten als Mentoren andere auf ihrem eigenen Lebensweg begleiten und ihnen den Mut, die Anstöße und die Impulse geben, die sie brauchten, um ihr volles Potential entwickeln zu können. Wir wollten Menschen dabei helfen, herauszufinden wer sie wirklich waren und dieses Selbst dann auch in vollem Maße zu leben und zu lieben. Und wir wollten die Verbindung zwischen Mensch und Natur wieder herstellen, wollten das alte, native Wissen über Heilung neu beleben und wollten erreichen, dass es eine Generation an Kindern gibt, die die Natur wieder liebt und als ihre Mutter betrachtet. Was man liebt kann man nicht zerstören und so hatten wir die Hoffnung, das Thema Naturschutz, ein für alle Mal vom Tisch zu bekommen. Stellt euch einmal vor wie es wäre, wenn allein alle Kinder unter 12 Jahren einen engen und intensiven Naturbezug hätten, der von Abenteuerlust, Verbundenheit, Tierliebe, Fürsorge und Rücksicht geprägt ist, so das sie ganz natürlich und ohne Zwang oder Überwindung dafür sorgen, dass unsere Natur und unsere Umgebung erhalten und gepflegt werden! Irgendwann hatten wir jedoch feststellen müssen, dass wir mit dieser Idee gegen Windmühlen kämpften. Von der Generation an Kindern, die es zu wandeln galt bekamen wir gerade einmal einen winzigen Bruchteil zu greifen und selbst bei ihnen blieb unsere Arbeit ein Tropfen auf den heißen Stein. So jedenfalls fühlte sich bei uns an. Das bedeutet nicht, dass es nicht eine wichtige Arbeit war, doch wir merkten, dass es längst nicht mehr unsere Arbeit war. Man kann nur das wirklich gut tun, woran einem das Herz hing. Und unsers trieb uns hinaus in die weite Welt. Doch zunächst war dieser Aufbruch ins Unbekannte natürlich vor allem ein Weglaufen von dem Alten. Wie hätte es auch anders sein sollen, denn wir kannten ja noch nichts neues, auf das wir hätten zugehen können. So wurden die ersten Jahre der Reise vor allem Jahre des Loslassens. Loslassen meiner Eltern, meiner Familie, Loslassen alter Bekannte, alter Gewohnheiten, Hobbies und Vorlieben aber auch alter Muster und Blockaden. Ganz langsam und schleichend sind wir dabei jedoch nun an einen Punkt gekommen, an dem dieses Weglaufen und Loslassen abgelöst wurde, durch das hinzuströmen auf etwas Neues. Die Präsenz liegt nun nicht mehr auf dem Sesshaftigkeits-Alltag hinter uns, dem wir entkommen wollen, sondern auf dem Nomadenleben vor uns, in das wir immer tiefer eintauchen und das wir stets weiter ausbauen und noch angenehmer, schöner, produktiver und Lebenswerter gestalten wollen. Der Fokus liegt nun darauf, das Leben als Herde zu Dritt mit Shania vorzubereiten, einen Weg zu finden durch die USA zu reisen, ein Begleitfahrzeug zu erschaffen, das uns vollkommene Unabhängigkeit. Und unter diesem neuen Fokus betrachtet, ist vieles von dem was ich bisher auf der Reise getan habe so nicht mehr stimmig. Darunter auch der Blog. Er war stets ein Weg um zu reflektieren, was in mir los ist und welche Entwicklungsschritte gerade anstehen. Er war stets meine Form, mein neues Leben als Wandermönch zu reflektieren und mich selbst so etwas besser zu verstehen. Er war in gewisser Weise meine beste Freundin, der ich mein Herz ausschütten konnte und das habe ich auch in vollen Zügen genutzt. Dabei habe ich jedoch außer acht gelassen, was eine solche Freundschaft ausmacht. Natürlich geht es auch darum, immer wieder einmal das Herz auszuschütten, doch es darf nicht dazu verkommen, dass der andere ein Seelischer Mülleimer wird. Die Präsenz muss stets auf der Frage liegen, was die Freundschaft benötigt, um für beide bereichernd und wertvoll zu sein. Daher war es nun an der Zeit, mir einige harte Fragen zu stellen und diese ehrlich zu beantworten: Trägst du mit deinen Artikeln wirklich zur Inspiration der Leser bei? Oder sorgst du teilweise vielleicht sogar für Abschreckung, in dem du dich immer wieder auf die Hürden und Schwierigkeiten des Lebens konzentrierst? Wie viel Humor, Leichtigkeit, Begeisterung und Lebensfreude bringst du rüber? Wie hilfreich bist du wirklich? Schreibst du Artikel aus denen andere etwas lernen können, so dass sie es auf ihrem Weg leichter haben? Ich muss mir wohl eingestehen, dass all diese Aspekte vor allem in der letzten Zeit deutlich zu kurz kamen. All zu Oft liegt mein Fokus nicht auf den 90% des Lebens, die absolut hervorragend und großartig sind, sondern auf den 10% in denen es noch Verbesserungsbedarf gibt. Und davon in den meisten Fällen auch noch auf das 1% bei dem ich keine Lösung habe und das mir deshalb übermächtig vor kommt. Ein Mann, den wir vor kurzem trafen hat dieses Phänomen sehr schön und anschaulich beschrieben. Er sagte: „Was passiert, wenn du einem Menschen ein weißes Blatt mit einem winzigen schwarzen Punkt darauf gibst und fragst: `Was siehst du?`- Richtig! Er wird dir antworten: `Einen schwarzen Punkt!` Das strahlend weiße Papier, das er in den Händen hält, hingegen hat für ihn keine Bedeutung“. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber als ich diese Geschichte hörte, fühlte ich mich sofort ertappt. Selbst bei der Erzählung war mein erster Gedanke „schwarzer Punkt“ gewesen. Wie oft durchschreiten wir wunderschöne Landschaften, besuchen großartige Plätze, bekommen hervorragendes Essen und dürfen den ganzen Reichtum von Mutter Erde erfahren, während ich mich in Gedanken an irgendeiner Kleinigkeit aufhänge und deshalb nichts davon wahrnehmen kann? Doch mir wurde noch mehr bewusst. Man sagt nicht umsonst: „Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Wirklichkeit!“ Bereits unsere Gedanken haben eine immense Schöpfungskraft, die natürlich noch bedeutend verstärkt wird, wenn man sie mit Überzeugung ausspricht. In meinem Fall hatte ich sie aber sogar niedergeschrieben und damit für alle Ewigkeit manifestiert. Negativität und der Fokus auf Jammern, Meckern und Fluchen zieht noch mehr Negativität und somit noch mehr Gründe zum Jammern, Meckern und Fluchen an. Wie oft hatte ich also auf Unüberlegtheit in mein Reisetagebuch geschrieben: „Liebes Universum, bitte mache mein Leben schwer und hart, nimm mir so viel Freude und Leichtigkeit wie du nur kannst und lass mich immer wieder an mir und meinem Weg zweifeln!“ War das wirklich sinnvoll? Wohl kaum! War das wirklich hilfreich? Nein, ganz bestimmt nicht! Es war wichtig gewesen, um mich selbst darin zu erkennen und um überhaupt erst einmal wahrzunehmen, dass ich nicht der Optimist bin, für den ich mich immer gehalten habe. Nun aber ist es an der Zeit den Fokus noch einmal zu wandeln und mich wieder auf das Licht, anstatt auf den Schatten zu konzentrieren. So wie in unseren ersten Texten für die Wildnisschule und unsere Bücher lege ich meinen Fokus nun wieder darauf, inspirierend und hilfreich zu sein und den Geist vorn Freiheit und Lebensfreude nach außen zu tragen. Dies wird auch bedeuten, dass ich zukünftig nicht mehr täglich einen Bericht schreibe, sondern mich auf die wirklich wichtigen und interessanten Punkte konzentriere. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, durch irgendetwas dazu verpflichtet zu sein, jeden Tag möglichst alles aufzuschreiben, was passiert war, auch wenn es dahinter keine echte Geschichte gab. Doch ein Tagebuch zu schreiben nur um Seiten zu füllen hilft niemandem sondern produziert nur Stress und sorgt dafür, dass ich das Gefühl habe, hinten und vorne mit den Dingen, die ich erledigen will, nicht zurecht zu kommen. Es wird also in Zukunft weniger Tagesberichte geben, die dafür aber gezielter gewählt sind und die Kernessenzen dessen um was es geht stärker einfangen. Gleichzeitig gibt es nun auch mehr themenbezogene Artikel, die euch bei gezielten Fragen weiterhelfen können. Und dann liegt natürlich ein Großteil des Fokusses im Moment auch auf dem neuen Geschenke-Portal, das zukünftig die Basis unseres Nomadenlebens darstellen wird. Vor vier Jahren sind wir als Gesellschaftsflüchtlinge aufgebrochen und haben euch berichtet, was passiert wenn man die alten Wege verlässt. Nun machen wir und gemeinsam daran, neue Wege zu erschließen und uns eine Existenz als Webnomaden und Wanderheiler aufzubauen, die mit jedem neuen Schritt einen Funken mehr Licht in die Welt bringen.
 
Spruch des Tages: Es ist wichtig, immer wieder zu prüfem, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.
Höhenmeter 180 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.861,27km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Veranstaltungssaal der Gemeinde, Nolay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:25:28


Tag 1372: Der 72. Geburtstag

Alles Gute zum 72. Geburtstag

Zunächst möchten wir uns erst einmal ganz herzlich bei Daniel Volke für die Spende bedanken! 19.09.2017 Gemütlichkeit ist verpönt Warum steht eigentlich niemand mehr auf Gemütlichkeit? Es scheint fast eine art Mode zu sein, sich sein Leben so einzurichten, dass es gerade so eben nicht angenehm ist. Unsere Gastfamilie von gestern war dafür ein hervorragendes Beispiel. Er war Tierarzt, sie Krankenschwester, wobei Sie Ihren Job vor ein paar Jahren gegen den einer Assistentin für den Bischof getauscht und er seinen Aufgabenbereich in den administrativen Bereich verlegt hat. Man kann also sagen, dass beide nicht schlecht verdienten und auch ihr Haus, in dem man sich locker hätte verlaufen können, unterstütze diesen Eindruck. Und doch wirkte es, als wären sie das Ärmste Ehepaar, das wir auf der Reise getroffen haben. Draußen peitschte der Wind den Regen um das Haus und es war nass, kalt und ungemütlich. Trotzdem wurde innen nicht geheizt, so dass eine konstante Raumtemperatur von etwa 17°C herrschte. Im Wohnzimmer gab es einen großen Kachelofen, der jedoch nur am Abend für einen kurzen Moment befeuert wurde. Gerade so lange, bis die Steine begannen, die gespeicherte Hitze auch wieder nach außen abzugeben. Um den Raum zu wärmen reichte es leider nicht. Eine Etage darüber befand sich das Arbeitszimmer unseres Gastgebers, das ebenfalls direkt über dem Kamin lag. Wäre man die Sache geschickt angegangen, hätte man mit einem Kleinen Feuer unten im Wohnzimmer also gleich zwei Räume heizen können. Mehr noch! Der Kamin befand sich in der oberen Etage direkt hinter dem Schreibtisch. Hätte man ihn also richtig eingeheizt, hätte man sich hier biem Arbeiten angenehm warme Luft ins Kreuz strahlen lassen können. Stattdessen hatte man den Schornstein abgedichtet und ein paar Kisten voll Lego hinein gestellt. Ähnlich war es auch mit dem Essen. Es gab einen riesigen Garten mit Obstbäumen und der Möglichkeit, Nahrung für ein ganzes Bataillon anzubauen und doch hatten die beiden so gut wie nichts im Haus. Ihr Lager im Schuppen bestand aus einem Regal mit etwa 40 Gläsern Marmelade und einem einzigen Kürbis. Wie konnte das sein? Es war Ernte-Zeit! Allein wenn ich an den Keller meiner Oma zurückdenke, dann war dieser um diese Jahreszeit gefüllt wie eine mittelgroße Aldi-Filliale. Dies hier war Frankreich und noch dazu ein privater Hof in einem kleinen Dorf. Hier hätten hunderte von Kürbissen herumliegen müssen, gemeinsam mit Kartoffeln, Möhren, Tomaten und wer weiß was sonst noch. Entsprechend knapp viel auch unser Abendessen aus. Es war wirklich lecker zubereitet und bestand aus frischen Gartengemüse mit hausgemachter Sauce. Doch für Heiko oder mich allein wäre die Portion schon etwas klein gewesen, die es nun für uns alle vier gab. Das bedeutet: Selbst ohne Gäste hatten sie ihr Abendessen so kalkuliert, dass sie unmöglich satt werden konnten. Die Frage war nur warum? Es wäre ja ein leichtes gewesen, noch ein halbes Kilo Reis oder meinetwegen auch Nudeln dazu zu kochen, so dass jeder etwas im Magen gehabt hätte. Doch es gab nur das Gemüse ohne jede Beilage. Dazu ein winziges Stückchen Baguette für jeden. Im zweiten Gang gab es dann aber edlen Käse in fünffacher Ausführung der mindestens 60€ Wert war, so wie er hier auf dem Teller lag. Die Tatsache, dass es sonst nichts gab, führte natürlich dazu, dass wir hier ordentlich zulangten um zumindest das Magengrummeln zu beseitigen. Denn es gab auch jetzt wieder nur ein winziges Stückchen Brot und für jeden drei Salat-Blätter dazu. Eine ordentliche Portion Salat und eine mit bloßem Auge sichtbare Menge an Brot, hätten dazu geführt, dass sie hier eine Menge Geld gespart hätten. Irgendwie tat es uns schon fast etwas weh, so viel von dem guten Käse, einfach rein zufuttern, aber der Überlebensinstinkt siegte über den Anstand. Und sie nahmen es uns auch nicht übel, sondern freuten sich sogar, dass es uns schmeckte. Trotzdem war es insgesamt ein komisches Gefühl. Unerwartete Geburtstagsäste Heute sah es hingegen etwas anders aus. Unser Etappenziel war eine Stadt mit rund 11.000 Einwohnern, in der es wieder einmal einen Pfarrer gab, den wir nach Ende der Sonntagsmesse abpassen konnten. Dieser wollte uns jedoch nicht weiterhelfen und beharrte auf der Aussage keinen verfügbaren Raum zu haben, obwohl es mehr als 6 Kirchen in der Stadt gab, die alle ihre Gemeinderäume hatten. Während ich auf ihn wartete, wurde ich jedoch von einem freundlichen alten Herren angesprochen, der mich einfach auf den Kopf hin fragte, ob ich schon eine Bleibe für die Nacht habe. Als der Pfarrer das mitbekam, war er natürlich begeistert, da er nun beides mit einem Schlag los war, uns und sein schlechtes Gewissen. Was wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wussten war, dass die Frau des freundlichen Rentners heute ihren 72. Geburtstag feierte und dass zu diesem Anlass die ganze Familie zusammen gekommen war. In diesem Fall bedeutete „ganze Familie“ tatsächlich, dass wir uns in einer Partygesellschaft wieder fanden, die fast epische Ausmaße hatte. Die beiden alten Herrschaften hatten 4 Kinder, die es insgesamt wiederum auf 18 Enkelkinder brachten, von denen eine ihnen bereits wieder zwei Urenkel geschenkt hatte. Alles in allem waren wir also eine Tafelrunde von 30 Männern und Frauen. Ich kann nicht genau sagen, was es war, aber in einem solchen Familienverbund aufzuwachsen machte etwas mit einem Menschen. Klar, war es nicht gerade angenehm, mit 30 Leuten auf engem Raum zusammen zu sitzen, aber es war bei weitem ruhiger und harmonischer als wir es in vielen Kleinfamilien erlebt hatten. Jeder der Anwesenden hatte von klein auf gewisse Regeln gelernt, die für ein Zusammenleben in dieser Konstellation dringend erforderlich waren, die aber sonst heute kaum noch jemand beherrschte. Es waren Kleinigkeiten, die kaum auffielen, die aber einen riesigen Unterschied machten. Jeder wusste zum Beispiel, wann wer wo durch musste und ob er gerade irgendwo im Weg stand, so dass er intuitiv ausweichen konnte. Wo es normalerweise permanente Zusammenstöße oder andauerndes gegenseitiges Ausbremsen gab, ging es hier eher zu wie in einem Ameisenhaufen. Obwohl offensichtlich kein Platz für Bewegung war, flossen alle aneinander vorbei. Auch die Gespräche bei Tisch blieben in einem lautstärketechnischen Rahmen, der zwar noch immer nicht angenehm, für solch eine Gruppe aber dennoch erstaunlich war. Niemand versuchte, den andere zu übertönen, um mehr Aufmerksamkeit zu ergattern. Stattdessen entstanden Dynamische Gesprächsrunden, bei denen jeder etwas einbringen konnte, wenn er es wollte. Damit es ein anständiges Geburtstagsessen gab, waren die Männer heute in der Früh in den Wald gezogen und hatten ein Reh geschossen. Es war der erste Tag des Jahres, an dem die Jagdsaison eröffnet wurde und sie hatten die Gelegenheit gleich einmal beim Schopf gepackt. Danach gab es hausgemachten Kuchen mit Früchten aus dem Garten und schließlich ging es hinaus ins Grüne um noch einen Kaffee zu trinken. Dann wurde der offizielle Teil der Feier beendet, die ersten Gäste gingen nach hause und wir zogen uns auf unser Zimmer zurück. Das Haus erinnerte uns ein bisschen an den Fuchsbau von den Weasleys aus Harry Potter. Es lag oben auf einer Klippe über der Stadt, war über und über mit Artefakten, Gemälden, antiken Waffen und allerlei Sonderlichkeiten gefüllt und schien, obwohl es von außen eher unscheinbar war, im inneren schier unendliche Ausmaße zu haben.
 
Spruch des Tages: Alles Gute zum 72. Geburtstag
Höhenmeter 210m
Tagesetappe: 19km
Gesamtstrecke: 25.847,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Pilgerherberge, Guérigny, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:19:41


Tag 1371: Wunderheilung bei Krebs

Fünf Minuten vor deinem Tod ist es noch früh genug

16.09.2017 Seit Beginn unserer Reise haben wir immer wieder Menschen getroffen, die schwere Krankheiten hatten und von diesen auf wundersame Weise geheilt wurden, ohne sicher sagen zu können, wie dies möglich war. Uns persönlich geben diese Geschichten jedes Mal aufs neue Hoffnung, denn sie beweisen, dass schwere Krankheiten wie Krebs und chronische wie Diabetes oder Parkinson keineswegs unheilbar sind. Denn wenn eine Krankheit unheilbar ist, dann bedeutet dies logischer Weise, dass sie nicht heilen oder geheilt werden kann, und nicht dass es immer wieder Beispiele von Menschen gibt, die einfach so wieder gesund werden. Heute im Kloster trafen wir einen Mann, der ebenfalls eine solche Geschichte zu erzählen hatte. Er war Vater von zwei Kindern und hatte viele Jahre lang in einem normalen Haus in einer französischen Kleinstadt gelebt, war einem normalen Job nachgegangen und hatte sich in all den Jahren nie wirklich von seinen Nachbarn unterschieden. Dann hatte er vom Arzt die Diagnose bekommen. Er habe Krebs und insgesamt nicht mehr als ein paar Monate zu leben. Im Angesicht des Todes ein neues Leben beginnen Für ihn war diese Botschaft jedoch viel weniger ein Grund zur Trauer und Panik, als viel mehr ein Weckruf, der ihm sagte: „Junge, du musst was ändern, sonst machst du das hier nicht mehr lange mit!“ Sein erste Reaktion war es, zuhause wie in der Arbeit alles stehen und liegen zu lassen und sich als Pilger auf den Jakobsweg von Mont Saint Michelle nach Santiago zu machen. Dies hatte ihm zum ersten Mal die Augen geöffnet. Es waren das Wandern und das allein Sein mit sich selbst, das ihn so faszinierte. Zum ersten Mal in seinem Leben, hatte er das Gefühl, runter zu kommen, abschalten zu können und wirklich ganz er selbst sein zu dürfen. Wenn er jetzt an diese Zeit zurückdenkt, taucht noch immer sofort ein Strahlen auf seinem Gesicht auf. Nachdem die Reise beendet war, stand für ihn fest, dass es kein Zurück mehr in sein altes Leben gab. Dieses war immerhin dabei, ihn zu töten und wenn das als Grund für eine Wandlung nicht ausreichte, was dann? Er kehrte zurück und berichtete seiner Familie von seinem Entschluss. Doch obwohl sie wussten, wie es um ihn stand, konnten sie seine Entscheidung zunächst überhaupt nicht nachvollziehen. Für Sie war es, als gäbe ihr Vater ihnen die Schuld an seiner Krankheit und als würde er sie nun verstoßen, um Heilung zu finden. Er versuchte ihnen zu erklären, dass dies nicht stimmte, hatte jedoch nur wenig Erfolg damit. Vor allem seine Tochter empfand die Entscheidung als Hochverrat und reagierte so heftig, dass er um ein Haar alles abgeblasen und doch geblieben wäre, nur um sie zufrieden zu stellen. Dann aber kam er wieder zur Besinnung und sagte sich: „Ein toter Vater hilft meiner Tochter weit weniger, als einer auf den sie Wütend ist. Irgendwann wird sie es schon verstehen können.“ Einen eigenen Heilungsplatz finden Während seiner Pilgerreise war er unter anderem auch hier im Kloster vorbeigekommen und hatte sich hier von Anfang an wohl gefühlt. Nun kehrte er hierher zurück, kaufte sich ein kleines Häuschen direkt neben dem Kloster, in dem er von nun an als eine Art Gastmönch lebte. Inzwischen war er zu einer Art Klostermaskottchen geworden und kümmerte sich täglich um die Gäste, die hier ebenfalls nach Heilung und Entspannung suchen, so wie einst er selbst. Seither waren mehr als 15 Jahre vergangen und der Krebs war nie wieder ein Thema geworden. Er hatte nicht einmal mehr einen weiteren Arzt aufgesucht, um sich untersuchen zu lassen. Er fühlte, dass er wieder gesund war, und das reichte ihm. Viele Jahre später war dann seine Tochter zum ersten Mal zu Besuch gekommen, um zu sehen, wie ihr Vater hier lebte und warum er dieses Leben, dem Leben mit der Familie vorzog. Als sie das Klostergelände betrat, hatte sie das Selbe Empfunden, wie ihr Vater viele Jahre zuvor. „Waow! Was für ein friedlicher und harmonischer Ort!“ sagte sie anerkennend und langsam verstand sie, warum ihr Vater hier leben wollte. Gemeinsam schauten sie sich eine Heiligenstätte ganz in der Nähe an, an der es viele Jahre zuvor eine Marienerscheinung gegeben hatte. Er konnte nicht erklären warum, oder was hier genau geschehen war, aber kurz bevor sie die Kapelle erreicht hatten, begann seine Tochter plötzlich aus vollem Leib zu weinen und zu schluchzen. Sie wusste selbst nicht genau, was mit ihr los war, aber plötzlich hatte sie das Gefühl, ihrem Vater damals großes Unrecht getan zu haben. Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, dass sie damals von ihm verlangt hatte, in den Tod zu gehen, nur damit sie sich einen Moment lang besser fühlen konnte. Hätte er damals auf sie gehört, dann wäre er nun tot und es wäre ihre Schuld gewesen. Das jedenfalls fühlte sie in diesem Moment. Seither hatte er wieder ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter, wenngleich sie sich noch immer nur sporadisch sahen. Sie kam jedoch hin und wieder zu Besuch, meist dann wenn sie spürte, dass ihr Alltag zu stressig wurde und dabei war, sie krank zu machen. Dann suchte sie das Kloster als Rückzugsort auf um neue Kraft zu tanken, sich zu sammeln und sich anhand des Beispiels ihres Vaters daran zu erinnern, dass es noch weit mehr gab, als nur die Arbeit und den Alltagsstress.
 
Spruch des Tages: Fünf Minuten vor deinem Tod ist es noch früh genug um dein Leben zu ändern.
Höhenmeter 130m
Tagesetappe: 29km
Gesamtstrecke: 25.828,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Kinder-Bastel-Pavillon, Champvoux, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:15:00


Tag 1370: Unterschiedliche Vorstellungen von Stille

Lisren to the Sound of Silence

14.09.-15.09.2017 Egal welche Religion oder Lebensphilosophie man sich auf der Welt auch anschaut, alle enthalten immer das Element der Heiligen Stille, als ein Schlüssel um den Weg zu Gott oder zur Urquelle zu finden, wie immer sie dort auch genannt wird. Fast jede Kultur enthält dafür Traditionen, Routinen, Meditationen und Rituale, um sich zu zentrieren und in diese göttliche Stille zu gelangen. Eine einfache Übung dazu ist es beispielsweise, sich auf den eigenen Atem oder besser auf die winzigen Pausen dazwischen zu konzentrieren. Jedes Mal, wenn wir vom Einatmen ins Ausatmen wechseln, entsteht genau am Scheitelpunkt ein winziger Moment in dem wir gar nicht Atmen. In diesem Moment ist es, als würde unser Organismus vollkommen stehen bleiben, wodurch wir für einen winzigen Augenblick die Möglichkeit haben, hinter die Fassade der Traumgebildes zu blicken, das wir unser Leben nennen und das göttliche, formlose Sein des Allbewusstseins dahinter zu erkennen. Es ist ein bisschen wie bei einer Schiffsschaukel, die mit hoher Geschwindigkeit hin und her pendelt. Sie bewegt sich so schnell, dass wir die Landschaft um uns herum nur verschwommen, wahrnehmen können. Lediglich im Scheitelpunkt, wenn wir von der Rückwärts- in die Vorwärtsbewegung übrgehen oder anders herum, halten wir für einen Moment an und können klar sehen. Aber natürlich nur, wenn wir unseren Fokus auf diesen Moment legen und ihn ganz bewusst wahrnehmen. Wenn nicht huscht er einfach an uns vorbei und wir merken nicht einmal, dass er je dagewesen ist. Uns für diesen Moment zu sensibilisieren, so dass wir durch die Fassade des Offensichtlichen hindurch ins göttliche sehen können, ist Ziel und Zweck unzähliger Meditationsformen, Gebete und Routinen überall auf der Welt. So sind beispielsweise Klöster egal welcher Religion in ihrem Ursprung immer als Orte der Stille gedacht gewesen, die es einem ermöglichen sollten, die innere und äußere Unruhe des Alltags hinter sich zu lassen und Stille zu finden. Im laufe der Zeit haben sich die Ideen darüber, was diese Stille eigentlich ist und wie sie praktiziert werden sollte, allerdings sehr stark gewandelt und so gibt es heute eine unglaubliche Vielzahl an Definitionen und Vorstellungen zum Thema „Heilige Stille“. Erstaunlicher Weise haben die meisten davon mit einer geradezu beeindruckenden Menge an Geräuschen zu tun. Das durften wir auch heute wieder erleben, als wir nach unserer 15km langen Wanderung die uns durch eine Stadt und am Ufer eines Flusses entlang führte, schließlich wieder in einem Kloster der Zisterzienser ankamen. Pater John-Pasqual hatte uns bereits angekündigt und so war klar, dass wir hier übernachten konnten. Wir mussten nur einen Moment warten, da wir gerade genau während der Mittagszeremonie ankamen, zu der auch das Essen in „vollkommener Stille“ gehörte, was das Empfangen von Gästen natürlich irgendwie ausschloss. Da saßen wir nun also umgeben von den alten Klostermauern in der Sonne, an einem Ort, der vor über 700 Jahren als Ort des Rückzugs und der Stille erschaffen worden war, und drückten gewissermaßen auf die Pausetaste. Bis zu unserem Treffen mit Bruder Alexandre dauerte es noch etwa 15 Minuten und anschließend würden auch wir etwas zu essen bekommen. Es gab also nichts praktisch oder körperlich sinnvolles, das wir hätten tun können, außer uns zurückzulehnen und uns in der Welt zu beobachten. Was also wäre besser geeignet gewesen, um in die heilige Stille zu kommen, als dieser Moment? Lehn dich zurück! Schließe die Augen und horche auf das was in dir und um dich herum wahrzunehmen ist! Zunächst einmal nahmen wir wahr, dass sich die Mönche vor 700 Jahren wohl nicht hätten träumen lassen, dass man ihnen eines Tages eine Staustufe mit einer Turbine zur Stromgewinnung direkt vor die Tür bauen würde, die ein konstantes Rauschen, Wasser plätschern und Pfeifen verursacht. Dabei die Stille wahrzunehmen war nun schon eine Herausforderung. Doch mit etwas Training konnte man es schaffen, gewissermaßen an dem Störgeräusch vorbei zuhören. Wenn einem dies gelang, dann nahm man Plötzlich die Autos auf der nun angrenzenden Hauptstraße wahr, die über den rauen Asphalt polterten. Konzentriere dich! Achte auf die Stille zwischen den Geräuschen! Denn hier findest du das wahre... Blätterrascheln? Ach komm schon! Irgendjemand hatte den Klosterhof mit hohen Pappeln zu gepflanzt, deren Blätter sich im Wind ein bisschen wie Plastiktüten verhielten und die so ein wahres Knisterkonzert ertönen ließen, sobald auch nur eine leichte Brise aufkam. Doch wir hatten keine Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, welcher Scherzkeks auf die Idee gekommen war, gerade diese Bäume in einen Klostergarten zu pflanzen, denn in diesem Moment kehrten die 6 Militär-Düsenjets zurück, die bereits ein paar Mal über unsere Köpfe hinweg geschossen sind. Wir hatten sie das erste Mal kurz nach Verlassen der Stadt Laval gehört und seither immer mal wieder. Nun jedoch schien es, als hätten wir sie wie ein paar Luftballons hinter uns her gezogen und hier an einen Baum gebunden, denn für die nächsten Zwei Stunden kreisten sie direkt über dem Kloster. Sie flogen in engen Formationen und wirkten, als würden sie für eine Flugshow trainieren. Sogar bunte Rauchschwaden ließen sie ab um damit Linien an den Himmel zu malen. Abgesehen vom ohrenbetäubenden Lärm, den sie dabei verursachten, war es sogar ganz nett. Fassen wir also noch einmal zusammen: Aus dem einstigen Ort der Stille ist nun ein Platz der lauten Geräusche geworden, der so ziemlich alles vereinte, was einen davon abhalten konnte, in die Stillemeditation zu gelangen, von lauten Raschelbäumen bis hin zu Düsenjets. Was uns an der ganzen Sache jedoch wirklich irritierte war der Umstand, dass es trotz allem hier im Klostergarten noch immer am Angenehmsten war. Denn „Essen in vollständiger Stille“ bedeutete in diesem Fall wieder einmal, dass zwar nicht gesprochen werden durfte, dass aber über blecherne Lautsprecher wieder einmal eine Lesung abgehalten wurde. Der Essenssaal der Stille wurde also vollbeschallt und dies in einer Lautstärke, dass wir es nicht einmal für ein einziges Glas Wasser darin aushielten und sofort wieder nach draußen flüchteten.
 
Spruch des Tages: Lisren to the Sound of Silence...
Höhenmeter 55m
Tagesetappe: 14km
Gesamtstrecke: 25.799,27km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Gästezimmer in einem Schloss, südlich von Garigny, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:13:44


Tag 1369: Es regnet mal wieder!

Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich

Das ist ja nichts neues für dieses Jahr, aber es ist so ziemlich das einzige, was man heute überhaupt erwähnen kann. Langsam aber sicher müssen wir uns wohl damit anfreunden, das so etwas wie ein Sommer nicht mehr kommen wird. Wir hatten ja gehofft, nach unserer trüben Zeit in Irland noch einmal so richtig die Sonne genießen zu können, aber daraus wird wohl nichts. Es gibt (das kann man nicht verleugnen) einen klaren Unterschied, zwischen den südlichen und den nördlichen Regionen. Am deutlichsten wird es, wenn man einen Blick auf unsere Sonnenölflasche wirft. Letztes Jahr hatten wir uns zu beginn des Sommers eine eineinhalb Liter Flasche mit einer Ölmischung aus Kokosöl, Sesamöl, Olivenöl und einigen anderen Ölsorten, schicken lassen, die zusammen einen hervorragenden Sonnenschutz ergeben. Diese Flasche mussten wir zwei Mal mit etwa einem Liter Olivenöl strecken, damit wir damit über den Sommer kamen. Dieses Jahr haben wir uns ein kleines Fläschchen mit 250ml schicken lassen und haben noch immer nicht den Flaschenhals freigeschaufelt. Dafür gab es aber auch erst zwei oder drei Tage, an denen es so warm war, dass das Öl wirklich flüssig wurde. An allen anderen Tagen hatte es aufgrund des Kokosöls eine eher chremige Konsistenz. Unser Weg führte uns heute an einem Flussufer entlang nach Süden bis in einen Ort namens Montflours, wo wir recht unkompliziert einen kleinen Raum für uns bekamen. Trockene Minuten gab es seit dem Aufstehen keine mehr, aber dafür haben wir dieses Mal eine Heizung, mit der wir es uns zumindest innen gemütlich machen können. Zwei kleine Heizkörper und ein Wasserkocher, um sich einen heißen Tee zu machen. Man brauchte wirklich nicht viel, was den Unterschied zwischen Alltag und gnießen ausmachte.
 
Spruch des Tages: Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch! (Karl Valentin)
Höhenmeter 40m
Tagesetappe: 13km
Gesamtstrecke: 25.785,27 km
Wetter: sonnig und warm, immer wieder leichter Regen
Etappenziel: Veranstaltungshaus der Gemeinde, Saligny-le-Vif, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:12:32


Tag 1368: Wie im amerikanischen Film

Welcome to the Hotel California!

12.09.2017 Seit unserem ersten Aufenthalt in Frankreich vor fast vier Jahren gab es hier immer wieder Hoch- und Tiefphasen in denen man entweder super durchkam, sofort einen Schlafplatz und gutes Essen hatte, oder eben nicht. Gerade waren wir mal eher wieder in einer schwereren Phase, was wahrscheinlich auch mit einer ganzen Reihe von Lösungsprozessen zusammenhängt, die gerade anstehen. Auf jeden Fall wollten und Pfarrer und Bürgermeister wieder einmal nicht aufnehmen. Stattdessen bekamen wir aber Hilfe von ganz unerwarteten Seiten. In der Früh fragten wir beim einzigen Bäcker im Umkreis von 10km nach Brot für die Reise. Die Frau schaute mich nur grimmig an und hätte mir in zehn Jahren nichts gegeben, aber plötzlich stand ein kleines Kind hinter mir, tippte mich an und hielt mir einen 10-Euro-Schein hin. Im Hintergrund stand der Papa, lächelte und nickte zustimmend. Ähnlich unerwartet war es heute Nachmittag, als wir eine Einladung in ein Hotel bekamen. Es trägt den Namen Best Hotel und ist das kurioseste Hotel in dem ich je gewohnt habe. Ihr kennt diese Art von Hotels alle aus Amerikanischen Filmen. Es sind die, die immer an grauenhaften Orten stehen, wie beispielsweise mitten in der Texanischen Steppe an der einzigen Autobahn. Es war eines jener Hotels, die keinen Innenbereich haben, sondern nur die Zimmer, die man von einem Balkon aus erreicht. Mir fielen auf Anhieb zehn amerikanische Filme ein, in denen so ein Hotel vorkam. Allerdings war keiner dabei, in dem nicht auch irgendjemand genau in so einem Hotel erschossen wurde. Ob das ein gutes Zeichen war? Passend dazu bestanden unsere einzigen Nahrungsquellen aus den Lebensmittelbuden eines nahegelegenen Industriezentrums. Die meisten hatten jedoch entweder geschlossen oder wollten nichts geben, weshalb wir letztlich gegen all unsere Überzeugungen bei McDonnalds landeten.
 
Spruch des Tages: Welcome to the Hotel California!
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 31 km + 18 km
Gesamtstrecke: 25.772,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Private Gästezimmer bei Hobbitleuten, Cornusse, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:10:28


Tag 1367: Wie im amerikanischen Film

Welcome to the Hotel California!

12.09.2017 Seit unserem ersten Aufenthalt in Frankreich vor fast vier Jahren gab es hier immer wieder Hoch- und Tiefphasen in denen man entweder super durchkam, sofort einen Schlafplatz und gutes Essen hatte, oder eben nicht. Gerade waren wir mal eher wieder in einer schwereren Phase, was wahrscheinlich auch mit einer ganzen Reihe von Lösungsprozessen zusammenhängt, die gerade anstehen. Auf jeden Fall wollten und Pfarrer und Bürgermeister wieder einmal nicht aufnehmen. Stattdessen bekamen wir aber Hilfe von ganz unerwarteten Seiten. In der Früh fragten wir beim einzigen Bäcker im Umkreis von 10km nach Brot für die Reise. Die Frau schaute mich nur grimmig an und hätte mir in zehn Jahren nichts gegeben, aber plötzlich stand ein kleines Kind hinter mir, tippte mich an und hielt mir einen 10-Euro-Schein hin. Im Hintergrund stand der Papa, lächelte und nickte zustimmend. Ähnlich unerwartet war es heute Nachmittag, als wir eine Einladung in ein Hotel bekamen. Es trägt den Namen Best Hotel und ist das kurioseste Hotel in dem ich je gewohnt habe. Ihr kennt diese Art von Hotels alle aus Amerikanischen Filmen. Es sind die, die immer an grauenhaften Orten stehen, wie beispielsweise mitten in der Texanischen Steppe an der einzigen Autobahn. Es war eines jener Hotels, die keinen Innenbereich haben, sondern nur die Zimmer, die man von einem Balkon aus erreicht. Mir fielen auf Anhieb zehn amerikanische Filme ein, in denen so ein Hotel vorkam. Allerdings war keiner dabei, in dem nicht auch irgendjemand genau in so einem Hotel erschossen wurde. Ob das ein gutes Zeichen war? Passend dazu bestanden unsere einzigen Nahrungsquellen aus den Lebensmittelbuden eines nahegelegenen Industriezentrums. Die meisten hatten jedoch entweder geschlossen oder wollten nichts geben, weshalb wir letztlich gegen all unsere Überzeugungen bei McDonnalds landeten.
 
Spruch des Tages: Welcome to the Hotel California!
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 31 km + 18 km
Gesamtstrecke: 25.772,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Veranstaltungshaus der Gemeinde, Vornay, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:10:18


Tag 1366: Maue Beute

In der Not frisst der Teufel Fliegen

11.09.2017 Aus irgendeinem Grund, ist es in dieser Gegend sogar noch schwerer, etwas zum essen aufzutreiben, als in Irland. Jedenfalls, wenn es um die Hilfsbereitschaft der gewöhnlichen Einwohner geht. In Sachen Klischee-Erfüllung liegt man hier hingegen wieder recht weit vorn, was ja auch schon mal was wert ist. Aber im Ernst, so heftige und menschenfeindliche Reaktionen haben wir auf der ganzen Reise nicht bekommen. Irgendetwas ist hier anders. Oder etwas ist mit uns anders und wir haben noch nicht durchschaut, was es ist. Meine Highlights von gestern Abend waren vier Familien hintereinander, die nicht einmal bereit waren, uns ein bisschen Salz zu spenden. Kein Witz! Die Frage lautete: „Hätten Sie vielleicht etwas Salz für uns!“ und die Antwort war: „Nein, das tut mir sehr Leid, aber wir haben leider kein Salz, das wir euch geben könnten.“ Die beste Antwort war aber immer noch die von unserer Nachbarin, die uns bereits am Mittag mit der stellvertretenen Bürgermeisterin gesehen hatte: „Haben Sie meine Nachbarn schon gefragt? Die sind doch bestimmt nett, sollen die doch etwas geben! Warum sollte ich das denn tun!“ Letztlich waren es genau zwei Familien, die uns komplett versorgten. Eine von ihnen spendete eine Schachtel Kekse. Heute sah es nicht viel besser aus, nur dass mir größtenteils schon die Tür vor der Nase zugeknallt wurde, ehe ich auch nur etwas sagen konnte. Am Ende hatten wir dann zwar trotzdem ein Festmal, doch wiederum verdankten wir das meiste davon einer einzigen Familie. Und bei ihr handelte es sich auch noch um Ausländer. Wie geht so etwas? Man fragt wirklich ein ganzes Dorf und bekommt nur Hass und Geringschätzung entgegen gebracht und dann trifft man auf eine einzige Familie mit afrikanischem Ursprung, die mit sieben Kindern in einem kleinen Häuschen lebt und wird mit Gaben geradezu überschüttet. Und das aber ohne einen einzigen Funken des Misstrauens oder des Argwohns. Die Kinder rennen zur Tür, strahlen einen freudig an, man fühlt sich sofort willkommen, während man ein Haus zuvor beim Anblick des Eigentümers das Gefühl hatte, es würde einem die Seele eingefroren. Die zweiten, die uns einen Teil unseres Abendessen spendeten, waren die Besitzer eines kleinen Restaurants, die ebenfalls zugereiste waren. Als ich erfuhr, dass die Besitzerin Englisch sprach, witterte ich die Chance, die ich schon so lange gesucht hatte. Endlich konnte ich fragen, was zur Hölle mit den Menschen hier nicht stimmte! Ja, ich weiß, mit den Menschen ist alles in Ordnung, denn es sind ja nur Spiegelpartner, die mir das zeigen, was gerade in mir los ist. Aber es tat trotzdem gut die Frage zu stellen und ein bisschen von meinem Frust zu teilen. Anscheinend hatte es in der Gegend wohl schon öfter Übergriffe gegeben, bei denen ältere Leute ausgeraubt wurden, von fremden, die an der Tür klingelten. Die Frau hatte jedenfalls die gleiche Erfahrung gemacht wie ich. Aus irgendeinem Grund waren die Menschen hier ängstlicher, ablehnender und voreingenommener als irgendwo sonst. Dafür musste man sagen kamen wir dann aber doch wiederum recht gut durch. Wie hatten wir am Anfang der Reise immer so schön gesagt: Es reicht, wenn es einen einzigen netten Menschen an einem Ort gibt. Man muss ihn nur finden.
 
Spruch des Tages: In der Not frisst der Teufel Fliegen
Höhenmeter 50 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.723,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Saint Florent-sur-Cher, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:07:45


Tag 1365: Raumakustik

In der Stille liegt die Kraft!

10.09.2017 Es mag komisch klingen, aber es gab heute eine Sache, die uns mehr als alles andere in Faszination und Begeisterung versetzt hat. Es war der Moment, in dem wir nach einer kurzen und entspannten Wanderung, den ersten Schritt in unser neues Schlafquartier setzten. Normalerweise achtet man nicht besonders intensiv darauf, wie sich die Geräusche verändern, wenn man einen Raum betritt. Das erste Mal war uns diese Veränderung aufgefallen, als wir vor einigen Jahren mit der Blindentour unterwegs waren, und die Welt ohne unseren Sehsinn wahrnehmen durften. Damals hatten wir zum ersten Mal so richtig bewusst gemerkt, dass sich die gesamte Hintergrundakustik, die wir ununterbrochen wahrnehmen extrem stark verändert, je nach dem ob man sich im Freien, oder in einem Raum aufhält. Geübte Blinde können nur aufgrund dieser Tatsache sofort beim Betreten eines Raumes erkennen, wie groß er ist, auf welche Art er eingerichtet wurde und vieles mehr. Vor der Tour war uns dies immer wie ein Hexenwerk vorgekommen, doch nun da wir selbst darauf achteten, stellten wir fest, dass es ganz offensichtlich und überhaupt nicht schwer zu erkennen war. Dennoch geriet es zunächst einmal wieder in Vergessenheit. Klar nahmen wir auch weiterhin die Raumakustik in unseren unterschiedlichen Schlafräumen wahr und waren nicht selten absolut entsetzt davon, wie schlecht diese war. Doch es waren meist Eindrücke, die mit der Zeit auftauchten, wenn man einen Raum eine Weile in Beschlag genommen hatte. Schalldämmung – Kleine Maßnahmen für große Erfolge Heute hingegen war es etwas vollkommen anderes. Man betrat den Raum und spürte es sofort, selbst wenn man keinerlei Vorstellung von Akustik hatte. Augenblicklich kehrte eine Ruhe in einem ein. Alles war plötzlich sanfter, harmonischer, und friedlicher. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, was hier los war. Beim Bau dieser Sporthalle, in der wir uns nun befanden, hatte man auf die Innenraumakustik wert gelegt und Decken und Wände mit einer einfachen aber effektiven Schalldämmung ausgestattet. Im Grunde war es nicht mehr als ein paar Bretter, in die man Löcher gebohrt und die man dann an die Wände geschraubt hatte. Dahinter befand sich eine einfache Folie, die Schwingungen der Schallwellen aufnahm und absorbierte. Das ganze hatte man dann noch mit einer Trittschalldämmung im Boden kombiniert und fertig war eine Sporthalle in der man sich von der ersten Sekunde an wohl fühlte. Der Erfolg war gigantisch. Die Schritte hallten nicht zehn mal durch den ganzen Raum, sondern waren nur ein einziges mal als sanftes Tappen auf dem Boden zu hören. Die eigene Stimme bekam einen ruhigen, leicht gedämpften und dadurch beruhigenden klang, so als würde man eine Gruppe durch eine Traumreise führen. Der Saal wurde früher als Tischtennishalle benutzt und die Tische standen noch immer darin. Heiko ließ einen Ball auf eine der Platten fallen und auch dies versetzte uns in Erstaunen. Erst vor kurzem hatten wir uns gefragt, wie wie je hatten Tischtennis spielen können, wo diese Sportart doch eine der lautesten aller Zeiten zu sein schien. Nun verstanden wir es wieder, denn wenn der Klang des Balls so war, dann verdiente dieser Sport den Beinamen Ping-Pong und musste nicht in so etwas wie Bäng-Boom umbenannt werden. Es war also möglich! Man konnte Räume und sogar große Hallen so bauen, dass sie angenehm waren und man sich gut in ihnen aufhalten, ja dass man sogar in ihnen zur ruhe finden konnte.
 
Spruch des Tages: In der Stille liegt die Kraft!
Höhenmeter 55 m
Tagesetappe: 32 km
Gesamtstrecke: 25.704,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Verlassenes Kloster „La Prée“, Südlich von Saint Ambroix, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-05-14 08:05:10


Tag 1364: Pilgerreise nach Mount Saint Michelle

Der zweite Besuch beim Michael!

Der Pilgerweg nach Mount Saint Michelle Als wir in der Früh aufbrachen, lag noch ein leichter Nebel in der Luft, der jedoch schon bald von den ersten Sonnenstrahlen aufgelöst wurde. Für einen Moment sah es aus, als würde es ein freundlicher und sonniger Tag werden, doch dann entschloss sich Mount Saint Michelle offenbar, uns doch lieber mit Wolken und kaltem Wind zu empfangen Von unserem Campingplatz aus waren es noch gut 10km, bis man den Berg des heiligen Michael das erste Mal in der Ferne über dem Meer ausmachen konnte. Etwa zu diesem Zeitpunkt trafen wir auch Jonas wieder, der heute Morgen einige Zeit nach uns mit seinem Fahrrad aufgebrochen war. Er beschloss sein Rad zu schieben und uns für den weiteren Weg zu begleiten. Zunächst wanderten wir am Strand entlang und nutzen dabei die Trampelpfade, die über die saftig grünen Überschwemmungswiesen führten. Immer wieder gab die Küste dabei den Blick auf die magische Insel frei und man verstand sofort, warum die Menschen hier so begeistert und stolz waren, sie ihr eigen nennen zu dürfen. Es war nur ein winziger Berg verglichen mit der weiten Küste und dem gigantischen Ozean, aber er veränderte das Bild vollkommen und verlieh der gesamten Region eine sonderbar mystische und anmutige Stimmung. Man spürte sofort, dass von dieser Insel eine besondere Kraft ausging. Bevor wir uns jedoch wirklich aufmachen konnten, um die Insel zu erobern, brauchten sowohl Jonas als auch wir zunächst eine Basis. Jonas fand seine in Form eines Campingplatzes, etwa 3km von der Ortschaft entfernt, in der wir eine Verabredung mit der Sekretärin des Bürgermeisters hatten. Diese tauchte kurz nach unserem Anruf auf und zeigte uns einen kleinen, schlichten Raum direkt neben der Hauptstraße. Unter anderen Umständen wären wir unsicher gewesen, ob wir ihn wirklich genommen hätten, da man im Inneren jedes noch so kleine Motorengeräusch hören konnte, als fuhren die Autos mitten durch den Raum. Aber wir hatten ja heute ohnehin nicht vor, uns hier lange aufzuhalten und wenn wir zurückkamen war es bereits so spät, dass kaum noch ein Auto fahren sollte. Das Touristenzentrum auf dem Festland Früher einmal war Mount Saint Michelle nur über einen schmalen Pfad zu erreichen, der nur bei Ebbe begehbar war. Heute hingegen wird die Insel über eine solide Straße mit dem Festland verbunden, über die sogar ganze Touristenbusse fahren, um gehunfreudige direkt bis an das Eingangstor zu bringen. Am Fuße dieser Verbindung auf Seiten des Festlandes befindet sich heute ein Touristen- und Informationszentrum, das die eigentliche Insel an Größe wahrscheinlich bei weitem Übertrifft. Neben Informationsschaltern und Souvenirläden findet man hier vor allem Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten vom Zeltplatz bis zum Hotelzimmer. Man kann also nicht behaupten, dass hier versäumt wurde, die alte Klosterinsel touristisch zu erschließen. Wie erschlossen sie in dieser Hinsicht wirklich war, stellten wir jedoch erst deutlich später fest. Vom Touristenzentrum aus floss ein permanenter Strom von Besuchern über die Hochstraße auf die Insel zu. Menschen allen alters und aller Nationen waren hier vertreten und obwohl es kalt, ungemütlich und außerhalb der Saison war, konnte man sich kaum vorstellen, wie das kleine Stückchen Fels am Ende der Straße, all diese Menschen aufnehmen sollte. Mount Saint Michelle von außen Was wir auf jeden Fall jedem Mount-Saint-Michelle-Besucher empfehlen können ist, die Insel während der Ebbezeit aufzusuchen. Denn zu diesem Zeitpunkt liegt sie mitten im Wattenmeer, was einem die Gelegenheit verschafft, sie einmal zu Fuß zu umrunden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass diese Rundwanderung, bei der man den emporragenden Felsen einmal von jeder Seite aus betrachten konnte, das Schönste und Beeindruckendste an diesem Tag war. Natürlich ist Mount Saint Michelle auch von innen heraus sehenswert, doch von dieser Perspektive ist es vor allem eine nette kleine Mittelalterstadt mit steilen, engen Gassen, wie man sie in ähnlicher Form überall in Europa findet. Wirklich einzigartig ist sie hingegen von außen und hier hatten wir das Gefühl, uns daran überhaupt nicht sattsehen zu können. Mit jedem einzelnen Schritt veränderte sich die Perspektive und jedes Mal war es, als würde man einer völlig neuen Insel gegenüber stehen. Das Innere der Klosterinsel von Mount Saint Michelle Die Insel selbst bestand aus einer Wehrmauer, die unten um den Felsen herumführte und früher einmal Eindringlinge abgehalten hat. Heute stehen die Tore hingegen jedem offen und dies wird Jahr für Jahr von rund 3,5 Millionen Besuchern auch gerne genutzt. Damit liegt der kleine Inselberg auf Platz Neun der meistbesuchten Touristenziele Frankreichs. Oberhalb der Mauern beginnt der Ort „Le Mount Saint Michelle“, in dem bis vor einigen Jahren tatsächlich auch noch immer normale Bürger gelebt haben. Heute gibt es hier jedoch nur noch Restaurants, Musen, Souvenirläden und Ferienwohnungen. Durch Zufall lernten wir auf der Suche nach einem kleinen Picknick etwas später am Tag zwei Brüder kennen, deren Familie Rekordhalter im Hausbesitzen auf Mount Saint Michelle war. Das Haus, in dem sie heute Ihr Schnellrestaurant betrieben, lag seit vielen Generationen im Familienbesitz und hatte bis vor kurzem auch noch immer als Wohnhaus gedient. Mit zunehmendem Touristenstrom war es irgendwann jedoch nicht mehr angenehm gewesen, hier zu leben und so waren sie aufs Festland gezogen und hatten ihr haus zu einem Restaurant ausgebaut. Was nebenbeigesagt natürlich auch viel profitabler war. Die Geschichte von Mount Saint Michelle Vielleicht erinnert ihr euch an unseren Bericht aus Italien, als wir über unseren Besuch in Monte Saint Angelo erzählt haben. Die beiden Heiligenstätten haben nicht zufällig einen so ähnlichen Namen, sie sind tatsächlich mit einander verwandt. Beide basieren auf einer Erscheinung des Erzengel Michael vor rund 1400 Jahren und beide liegen auf einer auffällig genauen Energielinie, die noch einige andere Erscheinungsorte des Erzengels miteinander verbinden. In Italien hatte man uns außerdem von einem Energiedreieck erzählt, dass auch Monte Saint Angelo, Mount Saint Michelle und einem weiteren dritten Erscheinungsort bestand, dessen Namen und Position wir bislang jedoch nicht in Erfahrung bringen konnten. Seit den Erscheinungen im 6. Jahrhundert hatte sich eine Art Michaels-Kult entwickelt, der bis heute existierte und der sich besonders mit dem Erzengel auseinander setzte. Was es genau mit ihm auf sich hat, kann ich leider noch immer nicht sagen, aber sicher ist, dass eine besondere Kraft von den Erscheinungsorten ausgeht. Das traf auf den Monte Saint Angelo in Italien zu und das trifft auch hier wieder auf den Mount Saint Michelle zu. Das Kloster von Mount Saint Michelle Ganz oben auf dem Gipfel des Inselberges liegt das Kloster, das seiner Zeit dem heiligen Michael geweiht wurde. Zu unserer Überraschung fanden wir dort jedoch anders als in Monte Saint Angelo keine freundlichen Mönche vor, sondern nur eine Reihe von mürrischen und äußerst Geschäftstüchtigen Kassierern, die strengstens darauf achteten, dass niemand das Kloster betrat, der nicht zuvor auch gezahlt hatte. Als ich versuchte, mit einer der Damen über das Thema Geld zu sprechen bekam ich nicht nur sämtliche Haare auf ihren Zähnen zu spüren, ich biss auch auf Granit, der härter war, als das Gestein des Felsens auf dem wir uns befanden. Sie erklärte mir den erstaunlichen und leicht verstörenden Umstand, dass das Kloster von Mount Saint Michelle schon seit langem nicht mehr zur Kirche gehörte, sondern sich viel mehr im Besitz einer privaten Organisation befand, die rein auf den Profit durch den Tourismus ausgelegt war. Es war ihr also vollkommen egal, ob ich Mönch war oder nicht und es interessierte sie auch nicht die Bohne, dass wir bereits mehr als 25.000 Kilometer hier her gewandert waren. Ohne Geld kam man nicht an ihr vorbei! Basta! Einer ihrer weniger unterkühlten Kollegen steckte mir jedoch nach dem abrupten Ende der besagten Unterhaltung, dass es durchaus einen Weg gab, auch ohne Geld das Kloster zu besuchen. Man musste dafür jedoch bei den letzten noch verbliebenen Mönchen anfragen, die unten im Ort ein Pilgerhaus betreuten. Denn auch wenn das Kloster keine Funktion als Kloster mehr hatte, wurden in Mount Saint Michelle noch immer einige Mönche geduldet, damit der Anschein des Heiligenortes nicht verloren ging. Und diesen hatte man tatsächlich ein kleines Kontingent an Freikarten eingeräumt, dass sie vergeben durften, wenn sie selber ausreichend gute Arbeit leisteten. Leicht frustriert über diese Entwicklung der Ereignisse trat ich zurück vor die Klostermauern, wo sich Heiko bereits wieder mit Jonas unterhielt. Gemeinsam statteten wir den Mönchen einen Besuch ab, der uns jedoch ebenfalls nicht weiter brachte. Denn von den vier verbliebenen Mönchen war lediglich der Superior in der Position, eine Freikarte auszustellen. Dieser war heute jedoch irgendwo auf dem Festland unterwegs und konnte daher nicht helfen. „Aber keine Sorge!“ vertröstete uns der kleine dicke Mann im Jogginganzug mit der Rocker-Frisur, der sich als Brother Alfred vorstellte. „Der Superior sei sicher bald wieder da!“ In den folgenden Stunden schauten wir uns daher den Rest der Insel an und kehrten immer wieder zum Pilgerhaus zurück, um jedes Mal auf´s neue um etwa eine Viertelstunde vertröstet zu werden. Schließlich aber hatten wir Glück und die Tür wurde nicht von dem bekannten Gesicht geöffnet, sondern von einem leicht gereitzten älteren Herren mit kurzen grauen Haaren und brauner Jacke. Rein theoretisch war er nun durchaus bereit, uns eine Karte zur Verfügung zu stellen, doch wie sich zeigte war es nun bereits kurz nach 18:00 Uhr, was bedeutete, dass das Kloster vor wenigen Minuten für diesen Tag seine Pforten für Touristen verschlossen hatte. Abgesehen von dieser etwas ärgerlichen aber auch irgendwie amüsanten Situation muss ich sagen, dass ich von einem Mönchsorden an so einem Ort durchaus etwas mehr erwartet hätte. Dass Mönche an Touristenorten meist nur noch Schauspieler und Statisten für die gewünschte Atmosphäre waren und ihren spirituellen Auftrag nicht mehr ernst nahmen, waren wir ja bereits gewohnt. Aber dass sie hier nicht einmal mehr ihren repräsentativen Auftrag ernst nahmen und nicht einmal versuchten, auch nur den Anschein zu erwecken, dass ihnen ihr Mönchsleben und auch die Zufriedenheit der Besucher irgendwie am Herz lagen, zeichnete schon ein etwas schwaches Bild. Wenigstens die Kleidung hätten sie ja ein bisschen repräsentativ wählen können. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass es so durchaus ehrlicher war. Denn letztlich entsprach ihr Job hier auf der Insel ja auch zu 100% ihrem Auftreten. Das Museum des Grauens Am wahrscheinlich erstaunlichsten bei der ganzen Geschichte war jedoch, dass uns zwar die Klostertore verschlossen blieben, die Museumstüren jedoch nicht. Obwohl der Betreiber des Museums sogar offiziell ein rein kommerzielles Unternehmen leitete, dass nur darauf aus war, mit dem Geld der Touristen Profit zu erwirtschaften, war dieser Geschäftsmann erstaunlich offen für unsere Anfrage. Anders als das Kloster musste er nicht so tun, als sei er ein Heiliger, sondern konnte einfach er selbst sein und daher auch Begeisterung zeigen, wenn ihn etwas ansprach. So bekamen nicht nur Heiko und ich eine Freikarte für das Museum, sondern auch Jonas, einfach, weil er bei uns war. Das Museum selbst zeigte die Geschichte dieses Ortes und seiner Umgebung, wobei es sich nicht unmotiviert auch dem Thema der mittelalterlichen Folter widmete. So schön das Leben ohne Autos, Überbevölkerung und lärmender Technik auch gewesen sein mochte, es gab auch damals durchaus schon Mittel und Wege, mit denen man einem so richtig den Tag vermiesen konnte. Heimreise und Fazit Schließlich traten wir gemeinsam mit Jonas den Rückweg in unser Quartier an, wobei wir den Tag noch einmal Revue passieren ließen. Alles in allem konnte man sagen, dass Mount Saint Michelle auf jeden Fall einen Besuch wert war und dass man die Insel als Reisetipp ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen konnte. Schade war nur, wie sehr sich hier alles darauf konzentrierte, den Tourismus bis in den letzten Tropfen hin auszuquetschen. Klar, die Leute lebten davon und die Insel verdankte es dieser Politik, dass sie vom sonst in Frankreich üblichen Verfall religiöser Monumente verschont blieb. Ein klein wenige mehr Offenheit würde hier trotzdem nicht schaden und es würde der Insel sicher auch ein bisschen was von seiner ursprünglichen spirituellen Tiefe wiedergeben. Denn so magisch und mystisch Mount Saint Michelle von der Ferne aus auch anmutet, einmal im Ort fühlt es sich hier so wenig nach einem heiligen Kraftplatz an, wie an noch keinem Pilgerort, den wir bislang besucht haben. Die Stadt mitsamt des Klosters ist ein Museum. Ein durchaus sehenswertes Museum, aber eben auch nicht mehr als das. Wer also auf eine spirituelle Erfahrung hofft, ist definitiv in Fátima, Medjugorje oder Monte Saint Angelo besser aufgehoben. Als wir unser Schlafgemach erreicht hatten, war es nun auch Zeit sich von Jonas zu verabschieden. Er machte sich nun wieder auf den Weg zu seinem Campingplatz um ab morgen der Französischen Küste weiter zu folgen, bis sein Urlaub vorbei war. Und wir? Wir hatten nun einen Teil der Reise vor uns, den man als eine Art Winterpause bezeichnen könnte. Klar würden wir auch weiterhin täglich unsere Strecke wandern, doch bis wir im Frühjahr nach Schweden übersetzen wollten hatten wir nun kein konkretes Ziel mehr. Die Aufgabe war nun: Verbringt so viel Zeit wie möglich damit, von hier bis nach Dänemark zu wandern. Und dies taten wir, indem wir zunächst einmal einen großen Schlenker in Richtung Süden einschlugen, um die letzten Sonnentage des Jahres zu erhaschen, bevor wir dann den längsten und härtesten Winter unserer Reise erleben sollten.
 
Spruch des Tages: Der zweite Besuch beim Michael!
Höhenmeter 95 m
Tagesetappe: 26 km
Gesamtstrecke: 25.672,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Mönchskloster „Sacré Coeur“, Issodun, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:53:49


Tag 1363: Vorübergehende Sinnkrise

Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide

Den Großteil der Nacht verbrachte ich nicht in unserem Weinfass, sondern im angrenzenden Sanitätshaus des Campingplatzes, wo ich mir ein kleines Büro zum Arbeiten einrichtete. Alles war perfekt hergerichtet und ich war nun bereit, mich ans Werk zu machen, um all die Dinge zu erledigen, die noch offen auf meiner To-Do-Liste herumstanden. Doch es kam wieder einmal anders. Die Müdigkeit übermannte mich stärker als ich es erwartet hatte und so wechselte ich in der Nacht vor allem zwischen einem Schlafen im Liegen und einem Davonschlummern im Sitzen. Ein Zustand, der mich noch oft begleiten sollte und der in den meisten Fällen zu wenig Erholung aber viel Frust und Unzufriedenheit führte. Es fühlte sich jedes Mal nach Versagen an, so als hätte ich keinerlei Kontrolle über mich selbst und wäre wie ferngesteuert. Was wahrscheinlich nicht einmal ganz falsch ist. An diesem Tage jedoch führte die Enttäuschung darüber, dass ich wieder keinen Schritt weitergekommen war, obwohl ich so viel hätte erledigen können, zu einer regelrechten Sinnkriese im Bezug auf meine Arbeit im Allgemeinen und auf den Blog im Besonderen. Seit knapp vier Jahren schrieb ich nun täglich einen Bericht und hatte dennoch nicht das Gefühl, damit besonders viel erreicht zu haben. Plötzlich stellte ich alles in Frage. Machte es überhaupt einen Sinn, die Zeit auf diese Weise zu investieren, vor allem, wenn ich insgesamt so ineffektiv arbeitete? Interessierte es überhaupt jemanden, was ich hier schrieb? Oder war der Blog nur noch eine Art Jammerkasten, dem ich meine Probleme erzählte und durch den ich mich auf die Dinge im Leben versteifte, die gerade noch nicht so gut liefen? Konnte ich wirklich dazu beitragen, jemanden zu einem freien Leben zu inspirieren, oder hielt ich am Ende sogar Menschen davon ab, weil ich oft dieses Gefühl von Schwere übermittelte, so als wäre mein Leben hart, schwierig und unangenehm? Die Fragen trafen mich so hart, dass ich in den nächsten Tagen einfach nicht in der Lage war, einen Tagesbericht zu schreiben. Es kam mir nicht richtig vor und so konzentrierte ich mich auf andere Aufgaben, wie beispielsweise unsere Erlebnisseite, die ja ebenfalls viel Zeit und Pflege brauchte. Zum Glück verliefen die ersten Tage recht Ereignislos und bestanden nun nur noch aus dem Wandern entlang des Greenways, dem Ankommen in irgendeiner Herberge und der Arbeit an der Seite. Teilweise wurde es nun wieder schwerer, einen Platz zu finden und gerade an den Tagen an denen ich das Gefühl hatte, niemals einen Schritt weiter zu kommen, verging die Zeit dabei wie im Flug. Schließlich erreichten wir eine kleine, etwas verbaut wirkende Stadt mit einer recht ungewöhnlichen Kirche, die nur noch eine Tagesetappe von Mount Sant Michelle entfernt lag. Nach einem kurzen hin und her bekamen wir hier einen Schlafplatz auf einem Campingplatz, der nicht gerade in unsere Memmoiren als einer der Top-Schclafplätze einging. Rein Prinzipiell war es nicht einmal verkehrt. Es war ein kleines Häuschen, dass als Aufenthaltsraum für den Friedhof diente. Er hatte jedoch einige Haken, die uns erst im Laufe der Zeit bewusst wurden. So befanden wir uns zum einen auf dem ersten Campingplatz dieses Reiseabschnittes, der auch im Winter belebt war. User Schlafplatz wurde also immer wieder von anderen Campern aufgesucht, die an „unserem“ Tisch aßen, neben uns Fernsehen schauten oder sich einfach nur unterhalten wollten. Da der Campingplatz zunächst vollkommen verlassen gewirkt hatte und wir unseren Raum bereits als unser privates Wohn- und Schlafzimmer anerkannt hatten, war dies zunächst etwas befremdlich. Es führte aber auch dazu, dass wir einen jungen Mann kennen lernten, der gerade dabei war, mit dem Fahrrad die gesamte Französische Küste abzufahren. Er war bereits nahezu am Ende seiner Reise und trug daher sehr gemischte Gefühle in sich. Auf der einen Seite trauerte er bereits jetzt darum, dass seine Zeit der Freiheit und Unbestimmtheit bald vorbei war, auf der anderen Seite freute er sich aber auch darauf, wieder etwas mehr Bequemlichkeit und Komfort und weniger Anstrengung und Kälte in sein Leben zu lassen. Auch er hatte vor, am Folgetag Mount Saint Michelle zu besuchen und so sollte unser Zusammentreffen in dem Gemeinschaftsraum nicht unsere letzte Begegnung bleiben. Der zweite große Haken, den unser Schlafplatz hatte war der, dass man keine Kontrolle über das Licht hatte. Es wurde durch eine zentrale Stelle des Campingplatzes automatisch ein und ausgeschaltet. So kam es, dass dieses Mal Heiko in die Toilette auswanderte, da es auch weit nach Mitternacht noch immer taghell war. Dafür durfte ich dann die zweite Hälfte der Nacht mit einer Taschenlampe im Dunkeln arbeiten, bis es gegen halb sechs plötzlich wieder Hell wurde.
 
Spruch des Tages: Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide falsch (Spruch auf einer Postkarte)
Höhenmeter 80 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.646,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Brion, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:50:07


Tag 1362: Bungee-Jumping vom Aquädukt

Nichts für schwache Nerven

Glücklicher Weise ist in den letzten Tagen nicht allzu viel passiert, weshalb ihr nicht wirklich etwas verpasst, wenn ich nicht täglich einen Bericht schreibe. Die Gegend in der wir uns befinden ist nun deutlich industrieller angehaucht und dadurch auch stärker bewohnt und befahren. Es ist deshalb nicht mehr ganz so traumhaft schön hier, wie zu beginn, vor allem aufgrund der zunehmenden Lautstärke. Hier noch ruhige Plätze zu finden erschien nahezu unmöglich. Dennoch ist es einfach grandios, wie geschickt der Greenway hier durch die Lande führt. Die meiste Zeit über führt er auf verlassenen Bahnlinien nahezu eben durch ein ansonsten extrem hügeliges Gebiet und selbst in den Städten, schaffte er es in der Regel, einen so hindurch zu lotsen, dass man stets die ruhigsten und abgelegensten Sträßchen und Gassen erwischt. Vorgestern kamen wir an einem alten, ehemaligen Aquädukt vorbei, das in einen Abenteuerpark umgebaut wurde. Das Aquädukt führte einst hoch über eine Schlucht und bestand heute nur noch aus den Brückenpfeilern, die man nun als Basis für Outdoor-Action-Angebote verwendete. Eine Schmale Brücke führte vom ersten zum zweiten, auf dem ich zunächst eine Aussichtsplattform befand. Von hier aus gelangte man wiederum auf einen kleinen Balkon, der als Startpunkt für Bungee-Jumping genutzt wurde. Zwei Mal konnten wir zusehen, wie sich ein Mann von hier aus in die Tiefe stürzte. Von einer zweiten Terrasse aus gelangte man zu einer Big-Swing, einer Riesenschaukel, in die man sich in einem Gurt einklinken konnte, um dann über das ganze Tal zu schaukeln. Im Tal selbst gab es unter anderem eine Sommerrodelbahn, sowie einen kleinen Touristenzug, der die Besucher bei bedarf nach oben zu den Plattformen oder wieder hinunter brachte. Obwohl noch immer Sommerferien waren, war jedoch erstaunlich wenig Betrieb. Der Abenteuerpark erinnerte uns nicht nur an unsere Zeit als Erlebnispädagogen zurück, in der wir selbst noch als Trainer auf derartigen Türmen, Klippem und Plattformen standen, um Menschen in die Tiefe hin abzuseilen, sondern auch an unsere Erlebnisseite, die wir gerade aufbauen. Sie ist ein weiterer grund dafür, dass ich mit dem Verfassen und Einstellen der Berichte im Momenr so im Hinrertreffen bin, denn sie entpuppte sich schon vor einiger Zeit als ein Großprojekt, dessen Ausmaße wir vollkommen unterschätzt hatten. Wenn sie aber natürlich fertig ist, wird sie unser ganz spezielles Baby und man kann sagen, dass es auch eine Menge Spaß macht, an ihr zu arbeiten. Wenn ihr wollt könnt ihr ja schon einmal einen Blick darauf werfen und uns gerne auch schon ein erstes Feedback geben. Die Adressd lautet www.erlebnis-geschenk.eu. Viel Spaß beim Stöbern! Schlafen konnten wir in den letzten Nächten zwei Mal auf einem Campingplatz und zwei Mal in Festsälen, wobei es zu einem Phänomen zu werden schien, dass direkt neben uns jemand mit dem Rasenmähen anfing, sobald wir an einem Platz ankamen. In unsererer ersten Campingplatznacht schliefen wir wieder einmal in einem Mobil-Haus, ähnlich wie vor einigen Wochen in Schottland. Heute bekamen wir einen kleinen Bungalow, bzw. eher eine Art Holzfass in dem angeblich bis zu vier Personen übernachten können. Zu zweit war es ein bisschen eng weshalb ich Nachts wieder auf die Duschräume auswanderte, aber für eine einzelne Person war es durchaus ein passables Haus für nahezu kein Geld. Zum ersten Mal seit Tagen hatten wir hier außerdem einen sehr ruhigen Standort, an dem man mal nichts rauschen oder brummen hörte. Das der ansonsten vollkommen verlassene Campingplatz am Abend von Jugendlichen zum Abhängen genutzt wurde, machte uns erst ein paar Bedenken. Doch die Jugendlichen hier waren mit denen in England nicht zu vergleichen. Höflich und etwas vorsichtig klopfte einer der Jungs bei uns an, bat um Entschuldigung und frage mich: „Bist du ein Mönch?“ Es war das letzte Ferienwochenende und es grauste de Jungs bereits wieder vor der Schule. Unser Gast war daher sehr interessiert daran zu erfahren, auf welche Weise man noch leben konnte. Später kam er dann noch einmal vorbei und brachte und Äpfel und Eier aus dem eigenen Garten. Das ist irgendwie ein ganz anderer Bezug, als mit Steinen beworfen zu werden.
 
Spruch des Tages: Nichts für schwache Nerven
Höhenmeter 80 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.646,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Stadt, Levroux, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:48:13


Tag 1361: Keine Sonne, Keine Kraft – Wie gewinne ich neue Lebensenergie?

Was immer mir auch widerfährt, es dient meiner Ent

30.08.-02.09.2017 Verdammt! Er hat uns wieder eingeholt. Zehn Tage haben wir uns vor dem Regen verstecken können, doch jetzt ist er wieder da. Wahrscheinlich hat er erst nicht gemerkt, dass wir mit der Fähre aus Irland geflüchtet sind, weil wir plötzlich so viel schneller waren als üblich. Jetzt wird er wohl bemerkt haben, dass seine Tropfen unsere Köpfe verfehlen und schon ist er hinterher gereist. Und er macht gleich erst einmal genau so weiter, wie er in Irland aufgehört, oder besser nicht aufgehört hatte. Es dauerte nur Minuten und wir waren zwei begossene Pudel. Drei Tage lang begleitete uns der Dauerregen nun auch hier und spiegelte damit recht treffend die düstere Stimmung wieder, die ich in mir trug. Ich habe das Thema Energielosigkeit und Müdigkeit ja schon ein paar Mal erwähnt, aber nun hatte es noch einmal ein neues Level erreicht und ich war kurz davor durchzudrehen. In den letzten Tagen wurde mein Müdigkeitensyndrom so stark, dass es meine Arbeiseffektivität auf Null setzte und mich fast vollkommen übermannte. Sobald ich mich auch nur an einen Computer setzte, schlief ich augenblicklich ein. Nicht einmal mehr einen einzigen Satz konnte ich flüssig zuende schreiben, ohne dabei ins Traumland abzudriften. Jetzt gerade scheint es etwas besser zu sein, denn in diesem Abschnitt sind mir bislang nur ein einziges Mal die Augen zugefallen. Aber ihr merkt, es sind erst fünf Zeilen und das ist bei weitem noch keine Glanzleistung. Normalerweise könnte man ja sagen: „Was solls, dann schlaf eben einfach eine Runde, irgendwann wirst du schon wieder wach werden!“ Aber so einfach war es leider nicht. Denn kurioser Weise hatte ich nicht das Gefühl, als hätte mein Energielevel auch nur das geringste mit der Menge an Schlaf zu tun, die ich mir gönnte. Oftmals fühle ich mich nach dem Schlaf sogar noch ausgelaugter und Müder als zuvor, gerade, wenn ich lange schlafe. Manchmal verfalle ich nach dem Aufstehen auch in eine Art Delirium, das sich wahrscheinlich mit dem Zustand vergleichen lässt in den man kommt, wenn man unter starken Drogen steht. Ich habe die ganze Zeit über das Gefühl, ich könnte bewusst und aktiv handeln, kann es aber nicht. Ich bin wie in einer Traumblase gefangen aus der ich nicht herauskomme. Das Problem dabei ist, dass ich im Moment einiges an wirklich wichtigen Dingen zu tun hätte, die ich auch wirklich tun will, weil ich ihren Sinn und ihren Nutzten erkennen kann, weil ich sehe, wie wichtig sie sind und weil mir klar ist, dass sie uns alle immer tiefer in die Unabhängigkeit und Freiheit führen werden. Doch anstatt motiviert und voller Elan durchzustarten, tue ich überhaupt nichts mehr. Denn jedes Mal, wenn ich es versuche, fallen mir sofort die Augen zu und ich bin wie betäubt. Es fühlt sich nicht wirklich wie schlafen an, eher wie ohnmächtig werden, oder hypnotisiert werden. Jedes Mal wenn dies passiert, stauen sich Dinge auf, die erledigt werden wollen, aber nicht erledigt werden. Dadurch steigt permanent der Druck und das Gefühl, mir so etwas wie Erholung und Schlaf überhaupt nicht mehr leisten zu können, da ich dadurch ja nur immer noch weiter ins Hintertreffen gerate. Aus diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der mich immer tiefer und noch tiefer in die Energielosigkeit und in die Unproduktivität treibt. Für beides verurteile ich mich dann. Ich hasse mich sogar dafür, nicht Herr meiner Sinne sein zu können. Ich hasse mich für die permanente Müdigkeit und dafür, nichts auf die Reihe zu bekommen. Es ist, als würde ich alles sabotieren, was uns und mich selbst auch nur im entferntesten voranbringen könnte. „Irgendetwas stimmt doch mit diesem Kerl nicht, in dessen Haut ich da stecke!“ huscht es immer wieder durch meinen Geist. Dabei ist die ganze Geschichte weder dramatisch noch negativ, wenn man sie aus ein bisschen Distanz betrachtet. Um genau zu sein hatte ich mir ja sogar selbst so etwas in der Richtung gewünscht. Bei unserem letzten Ritual hatte ich die Vorlagen meines Krafttiertattoos verbrannt und meine Krafttiere darum gebeten, mich zu unterstützen ins Erwachen zu kommen. Ich bat sie, mir dabei zu helfen, zu erkennen, wer ich wirklich bin. Erkennen, dass ich das Alles bin und nicht nur dieser unbeholfene Mensch, der meist schon mit den einfachsten Aufgaben überfordert ist und der sich noch immer verhält, wie eine funktionierende (oder inzwischen defekte) Maschine. Es war ja immer klar gewesen, dass ich aus diesem Bereich nicht herauskommen würde, wenn ich keinen Leidensdruck bekam, der mich antrieb. Und wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, man hätte mich auch an keiner besseren Stelle treffen können, als mir die Energie auszusaugen und zu sagen: „Entweder du schaffst es jetzt, zu erkennen, dass du mit der Allenergie verbunden bist und daher niemals energielos sein kannst, oder du wirst vollkommen lahmgelegt.“ Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich den Druck, der so groß wurde, dass ich immer mehr Panik bekam. Ich spürte, wie mir die Zeit und mein Leben durch die Finger rann und ich dabei war, mich selbst umzubringen, einfach nur weil ich nicht erkennen wollte, wie ich mich selbst permanent blockiere und sabotiere. Die Frage war nur: „Warum kann ich nicht einfach loslassen? Warum halte ich so sehr an der Idee fest, ein unbedeutender unfähiger und weinerlicher Junge zu sein, der nichts auf die Reihe bekommt, anstatt das anzuerkennen, was ich eh schon weiß: All dies ist eine Illusion, ein Traum oder besser eine Matrix, die ich mir selbst erschaffen hatte. Faktisch war oder ist mein Problem also kein echter Energiemangel, denn es gibt ja überall immer ausreichend Energie, die mir uneingeschränkt zur Verfügung steht. Das Problem bestand viel mehr darin, dass ich mich ganz bewusst davon abkapsle. Aus irgend einem Grund habe ich sämtlichen Bezug zu mir selbst und zum Rest des Universums verloren. Bislang habe ich vor allem drei Hauptgründe dafür erkannt. Der erste ist mein Hang zur Negativität und zum Schwarzmalen. Alles, was nicht perfekt funktioniert ist schlecht. Aus irgendeinem Grund habe ich es mir zu einer Art Hobby gemacht, permanent über alles zu meckern, zu fluchen und mich zu beschweren. 99% einer Sache sind super und ich schaffe es trotzdem, mich auf das 1% zu konzentrieren und darüber zu meckern. Dies bedeutet natürlich auch, dass ich ständig mehr in mein Leben ziehe, über das ich meckern und und fluchen kann. Je mehr ich mich also darüber aufrege, dass ich müde und energielos bin, desto müder und energieloser werde ich. Der zweite Punkt ist meine Angst davor, was passiert, wenn ich mich selbst wirklich annehme. Heiko beschäftigt sich in letzter Zeit sehr intensiv mit heiliger Sexualität und damit, wie man sich mit einem Partner gemeinsam so unterstützen kann, dass jeder ins Erwachen kommt. Ich selbst habe mich hingegen für den Weg des Eremiten entschieden, was bedeutet, dass ich das, was die beiden über ihre Partnerschaft und ihre Sexualität gewinnen können, mit Hilfe von spiritueller Praxis gewinne. Oder besser: eigentlich gewinnen sollte, denn wie erwähnt klappt es ja leider noch gar nicht. Spirituelle Praxis heißt, sie permanent darin zu üben, sich selbst und alles um einen herum im Gegenwärtigen Augenblick so bewusst wie möglich zu fühlen. Den eigenen Atem zu spüren, den Körper wahrzunehmen und genau zu erkennen, was er wann benötigt und warum. Dies ist nun so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich mein Leben lang versucht habe. Ich war ja bereits immer wieder auf den Schluss gekommen, dass ich Angst vor dem fühlen hatte, Gefühle zuzulassen. Bislang hatte ich jedoch immer gedacht, dass es dabei bloß um Emotionen ging. Aber es war weit mehr. Es ging darum, jede einzelne Zelle seines Körpers bewusst zu spüren und sich seiner selbst vollkommen gewahr zu werden. Dementsprechend steckten natürlich auch noch mehr Ängste dahinter, die ich bislang nicht bewusst wahrgenommen hatte. Da war zunächst die Partner-Thematik. Vom Lebensweg her ist es kein bisschen besser oder schlechter ob man einen Spiegelpartner bzw. eine Spiegelpartnerin an der Seite hat, oder ob man sein eigener Spiegelpartner ist. Alles ist eins, man ist also eh immer jedes Wesen in seinem Leben, egal ob dieses Wesen eine Stimme im eigenen Kopf ist, oder eine äußere Person. Trotzdem gab es einen Teil in mir, der noch immer beleidigt war, weil körperliche Liebesbeziehungen und Sexualität nicht zu meinem Leben gehörten. Ich glaube, es war sogar weniger der Weg selbst der mich störte, als viel mehr das Gefühl, es selber verbockt zu haben. Die Spirituelle Praxis nun anzunehmen und mich vollkommen in ein Leben als Mönch einzufügen, bedeutete also auch, zu akzeptieren, dass der andere Weg für dieses Leben endgültig ausgeschlossen war. Doch stattdessen versuchte ich schon wieder Schlupflöcher zu finden, mit denen ich die Sache umgehen kann. Mein aktueller Lieblingsplan: als Mönch in die Erleuchtung und ins Erwachen zu kommen, so dass ich dann in der Lage bin, alles umzuschreiben um wieder zurückzukehren und es dann noch einmal mit einer Partnerin zu versuchen. Das konnte natürlich nicht klappen, denn zum einen wäre dies nur wieder eine Methode, um ein Ziel zu erreichen, ohne den Weg gegangen zu sein, was ich gerne versuchte, ohne dass es je funktionierte. Und zum anderen Endete der Lebenstraum ja mit dem Erwachen. Man konnte ja nach einem Nachttraum auch nicht noch einmal an dessen Start zurückkehren und alles umschreiben, nur weil man am Morgen gemerkt hat, dass es ein Traum war. Aber da war noch mehr. Ins fühlen zu kommen bedeutete, alles zu fühlen, was ich mir selbst je angetan hatte. Jede Minute in der ich gegen mich selbst gekämpft habe, in der ich mich verbogen, verleugnet oder selbst ausgebeutet hatte. All dies würde spürbar werden. Ich wusste ja, wie ich mich bislang geschlagen hatte und es gab einen guten Grund dafür, warum ich es vermied, mich jemals genauer anzuschauen. Dem musste ich mich nun wohl stellen und dies bedeutete auch meine eigene Dummheit zu erkennen. Zu erkennen, dass ich nie wirklich hilfreich gewesen war und mein eigenes Leben bewusst selbst so unangenehm, leidvoll und schwer gemacht hatte, wie nur irgend möglich Das war meine Angst! Die Angst, in meinen eigenen Abgrund zu blicken. Deswegen suchte ich mir einen Grund es nicht tun zu können und was war dafür besser geeignet, als permanente Energielosigkeit? Seit Tagen hadere ich nun schon mit mir, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Gestern Abend kam ich dann zum ersten Mal auf einen Punkt, den ich als wirklich hilfreich empfand: In gewisser Weise war dieser Energiemangel meine Form von Heikos Tinnitus. Er war mein Mentor um in einen Fokus zu kommen. Meine Aufgabe, mit der ich umzugehen lernen musste. Ich war natürlich grauenhaft schlecht darin, aber nun wurde mir klar, dass es ums lernen ging. Und ich glaube, als Lernaufgabe kann ich es nun langsam annehmen, ohne mich darüber permanent aufregen zu müssen.
 
Spruch des Tages: Was immer mir auch widerfährt, es dient meiner Entwicklung
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.615,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, Pellevoisin, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:46:37


Tag 1360: Sommer in Frankreich

Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide

28.-29.08.2017 Die Entscheidung, Irland zeitig zu verlassen und den Rest des Sommers in Frankreich zu verbringen, war definitiv richtig. Wir sind nun eine gute Woche hier, hatten noch kein einziges Mal Regen, Kälte oder Sturm und sind nie später als 15:00 irgendwo angekommen. Heute wurden wir das erste Mal von einem Rathaus abgelehnt und mussten noch einmal 3km weiter ziehen. Aber gleich im nächsten Ort bekamen wir dann einen Platz unter dem Pfarrhaus. Er war nicht schön und so voller Riesenspinnen, dass man sich wunderte, nicht in ein riesiges Netz gesponnen und wie eine Fliege ausgesaugt zu werden, aber es war ein Platz und er erfüllte seinen Zweck. Am Abend bekamen wir dann sogar noch eine Essenslieferung aus dem Rathaus. Sie erinnerte uns daran, warum wir vor einigen Monaten aus dem Land hatten fliehen wollen. Ich sage nur „Dosenfraß vom Feinsten!“ Es war nicht so dass wir keinen Hunger hatten, aber mehr als einen Teller voll brachte keiner von uns herunter. Nicht einmal Nachts war mir danach, obwohl ich normalerweise in meinen Wachphasen im Moment immer wieder Fressflashs bekomme. Zum Glück bekamen wir von einer Familie aus der Nachbarschaft noch 14 Eier geschenkt, mit denen wir ein XXL-Omelette machen konnten. Heute führte uns ein wunderschöner, an einem ruhigen Fluss gelegener Wander- und Fahrradweg nach Sant Lo, der Hauptstadt der Normandie. Früher musste diese Stadt einmal eine beeindruckende Festungsstadt gewesen seien, die als mittelalterliche Burg oben in einer Flussbiegung auf einem Berg thronte. Anhand einiger Ruinen, sowie der alten Burgmauer lässt sich dies noch immer erkennen, auch wenn die Stadt heute nahezu jede Schönheit verloren hat. In den Weltrkiegen wurde ihr Zentrum weitgehend zerbombt, darunter auch die zentrale Kirche. Einige der alten Gebäude hatte man wieder aufgebaut, andere durch modernere, dafür aber leider vollkommen stillose Häuser ersetzt. Bei der Kirche selbst hatte man beides gleichzeitig getan. Ein Teil war noch immer der alte, verschnörkelte Sandsteinbau, aber ein Teil war auch durch schlichte, moderne Wände ersetzt worden, was der Kirche ein äußerst skurriles Aussehen verlieh. Es wirkte, als wäre sie gleichzeitig aus zwei Welten, oder als hätte man in der Mitte ein Stück herausgeschnitten. Dank der Vorankündigung unseres gestrigen Gastgebers bekamen wir auch heute sofort wieder einen Platz zum Schlafen. Besser könnten die äußeren Umstände also kaum sein und doch haben wir noch immer das Gefühl, niemals mit der Zeit hinkommen zu können. Es war nun unmöglich, jemand anderem dafür die Schuld zu geben, denn klarer als jetzt konnte es nicht mehr werden, dass es rein um innere Blockaden geht, die irgendwie aufgelöst werden wollen.
 
Spruch des Tages: Wenn ich dir Recht gebe, dann liegen wir ja beide falsch (Spruch auf einer Postkarte)
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.603,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Kommunionssaal der Kirche, Palluau sur Indre

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:44:46


Tag 1359: Gegenseitiges Vertrauen

Es gibt ihn noch, den Glauben an das Gute im Mensc

25.08.2017-27.08.2017 Wenn hier ein Ort klein ist, dann ist er auch unkomplex. Selbst dann, wenn das Rathaus geschlossen hat. Heute brauchten wir nur bei einem beliebigen Anwohner zu fragen, der uns zum Sohn des Bürgermeisters führte. Dieser wiederum fuhr mich kurz zum Haus seines Vaters und der gab uns die Schlüssel für das Rathaus. Hier durften wir dann alles nutzen, den Konferenzsaal, ebenso wie das Sekretatiat incl. Internetzugang. „Naja, ich denke wir können euch ja trauen!“ meinte die Sekretärin nur kurz und drückte uns den Schlüssel in die Hand. Zwei Tage später erlebten wir das gleiche mit einer Privatfamilie. Kurz bevor wir den Ort erreichten, an den wir eigentlich gehen wollten, trafen wir auf ein älteres Pärchen in einer Pferdekutsche. Sie sprachen uns an und wir plauderten ein bisschen, da wir jeweils fasziniert von der Reisemethode der anderen waren. Nur das Pferd langweilte sich und wollte weiter. Schließlich luden uns die Beiden in ein Gästezimmer und ein nicht mehr verwendetes Wohnzimmer in ihrem Haus ein. Kaum hatten wir uns eingerichtet, verschwanden sie auch schon wieder, denn sie hatten eigentlich vor gehabt mit der Kutsche ihren Sohn zu besuchen. Das taten sie nun auch und ließen uns im Haus alleine, ohne auch nur den Gedanken daran, dass wir etwas klauen oder kaputt machen könnten. Es gab also doch noch so etwas wie vertrauen und es war schön zu sehen, wie frei und leicht es einen Menschen machte. Ihr Haus war vollgefüllt mit allem möglichen Gerümpel von dem nichts einen echten Wert hatte, aber sie fühlten sich hier wohl. Anders als in so vielen Luxusvillen in Großbritannien spürte man hier Leben. Die Leute waren einfach gerne hier und aufgrund der eigenen Zufriedenheit gab es keinerlei Misstrauen anderen gegenüber. Als sie schließlich zurück kamen, schauten sie kurz bei uns vorbei, fragten, ob alles gut sei und gingen dann wieder eigenen Tätigkeiten nach um uns den unseren zu überlassen. Gestern war es ähnlich entspannt. Wir bekamen einen Kommunionsunterrichtsraum vom Pfarrer und waren den Rest des Tages für uns. Es war ein schäbiger Raum, so wie wir es von diesen Räumen gewohnt waren, aber wir mussten feststellen, dass wir es sogar ein bisschen vermisst hatten. Irgendwie hatten sie immer ihren ganz eigenen Charme, mit den halbfertigen Bildern an der Wand, den kaputten Schränken und dem Spielzeug, das irgendwo in einer Ecke herum lag. Gerade wo wir nun so viel Zeit geschenkt bekamen, war es umso ärgerlicher, dass ich sie im Moment aufgrund meiner Müdigkeit nur so schlecht, oder besser überhaupt nicht nutzen konnte.
 
Spruch des Tages: Es gibt ihn noch, den Glauben an das Gute im Menschen.
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 11 km
Gesamtstrecke: 25.589,27 km
Wetter: regnerisch, kühl
Etappenziel: Kommunionssaal der Kirche, Châtillon sur Indre, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:43:31


Tag 1358: Müdigkeitensyndrom

Man kann doch nicht ständig so Müde sein...

24.08.2017 In letzter Zeit werde ich immer wieder von spontanen Müdigkeitsattacken heimgesucht. Ich bin hell wach und plötzlich von einer Sekunde auf die andere Schlafe ich ein. Manchmal nur für eine Sekunde, manchmal auch für fünf oder zehn Minuten. Meist wenn ich am Computer sitze oder wenn wir mit Leuten zusammen am Tisch sitzen und quatschen, ohne dabei etwas zu Essen. Wenn ich etwas Esse, dann passiert es nicht. Vor ein Paar Tagen bin ich nach einer Pause sogar eingeschlafen während ich mir die Schuhe angezogen habe. Mitten in der Bewegung. Bin ich ein Schlaf-Handler? Heute Nacht war es ähnlich. Ich hatte mir eigentlich einen Wecker gestellt, oder besser gesagt sogar zwei. Danach hatte ich das Handy auf meinen Nachttisch gelegt und bin eingeschlafen. Heute in der Früh wachte ich stunden nach dem Weckerklingeln auf ohne dass ich nur einen einzigen Laut bewusst wahrgenommen hatte. Doch anstatt auf dem Nachttisch lag das Handy nun in meinem Bett. Ich musste es also genommen und zwei Mal hintereinander ausgeschaltet haben, ohne es auch nur im Ansatz mitbekommen zu haben. Langsam wurde die Sache etwas unheimlich. Es schien, als hätte ich phasenweise keinerlei Kontrolle mehr über das was ich tue oder nicht tue. Mein erster Gedanke beim Aufwachen war: „Mal sehen wie viel Zeit ich noch habe, bevor der Wecker klingelt. Als ich dann danach greifen wollte, war ich vollkommen verwirrt, warum es nicht auf dem Nachttisch lag. Um es im Dunkeln überhaupt zu finden, musste ich mich von der Steckdose aus mit der Hand am Kabel entlang tasten. Das fühlte sich auf jeden Fall nicht so an, als hätte ich etwas im Dämmerzustand getan, sondern viel mehr, als wäre es zu 100% ohne meine Anwesenheit geschehen. So als ob ich Schlafgehandelt hätte und nun vor dem Ergebnis meines Tuns stand, ohne zu wissen, wie es geschehen war. Seelenrisse – Wo und wie verliere ich meine Energie? Bei Darrel hatten wir damals etwas über Seelenrisse und Seelenfragmata gehört, also Schäden in unserem Energiesystem, durch das die Energie einfach raus lief und verschwand. Genau so fühlte es sich bei mir nun an. Es war nicht das Gefühl, unausgeschlafen zu sein, weil ich mir einen neuen Schlafrhtythmus antrainiert hatte und daher nun weniger schlief als zuvor. Viel mehr hatte ich das Gefühl, auch 7 Tage durchschlafen zu können, ohne dadurch nur ein bisschen munterer oder wacher zu werden. Es fühlte sich an, wie bei Heikos Computer, als er den Akkuschaden hatte. Egal wie viel Energie man auch hinein pumpte, nach wenigen Minuten war sie aufgebraucht und man versank in den Ruhezustand. Ein Hauptpunkt zu diesem Thema schien ein Problem mit meinem Beckenboden zu sein. Die Bedeutung dieses Muskelareals war mir bislang nie bewusst gewesen, doch offensichtlich hatte ich damit schon seit langem Probleme. Der Beckenboden ist auf energetischer Ebene der Kelch des Lebens, also eine Art Schale, in der sich unsere Lebensenergie wie auch unsere Gefühle sammeln. Ein schlaffer Beckenboden führt zu Mattheit, Energielosigkeit, Konzentrationsschwäche, fehlender Körperspannung, fehlendem Gleichgewicht und vielen mehr. Bei Frauen ist es außerdem die Ursache für ein Absinken der Gebärmutter und wenn der Beckenboden zu sehr erschlafft ist außerdem Inkontinenz sowohl in Bezug auf die Blase als auch auf den Darm die Folge. Mehr über den Beckenboden findet ihr im Artikel „Beckenboden“ Müdigkeit als erste Folge des Frei-Seins Auf der energetischen Ebene habe ich bis vor Kurzem noch an den Marionettenfäden meiner Mutter gehangen, die ich nun nach und nach durchtrenne. Der Nebeneffekt, der sich daraus ergibt, ist jedoch, dass ich nun erst einmal meine gesamte Körperspannung verliere. Wie jede Marionette, die man abschneidet sinke ich erst einmal in mich zusammen, da ich ja nie gelernt habe, auf eigenen Füßen zu stehen. Dazu gehört auch die Spannung in meinem Beckenboden, die ich nicht halten kann und durch die nun eine energetische Öffnung entsteht, die all meine Lebensenergie hinausfließen lässt. Daher versuche ich nun schon seit ein paar Tagen, meinen Beckenboden zu trainieren, bislang offenbar leider nur mit mäßigem Erfolg, denn wirklich fitter geworden bin ich noch nicht und die Energie fließt noch immer aus mir heraus wie sie es will. Dadurch werde ich nun natürlich auch wieder unachtsamer gegenüber Fremdsteuerungen, was den Kontrollverlust nur noch mehr steigert. Nach der heutigen Austestung kam heraus, dass ich nun wieder überhaupt keine Kontrolle mehr über meinen Schlafzyklus habe. Meine Mutter, oder die Kraft in mir, die ich ihr zuschreibe, kann mich nun herumschubsen wie sie es will, mich einschlafen oder aufwachen lassen, so wie es ihr gerade passt. Ich kann es nicht verhindern und nicht beeinflussen. Doch genau das gilt es nun zu ändern. Bislang habe ich immer wieder Rituale gemacht oder mich mit Heilungen versucht, die hätten funktionieren sollen, bei denen es aber auch keinen direkten Nachteil gab, wenn es nicht klappte. Es blieb dann eben alles beim Alten, was zwar nicht gut war, aber ja auch nicht neu. Nun spüre ich zum ersten Mal einen echten Druck. Brauch eine Heilung die Funktioniert, sonst rinnt mit die Lebensenergie davon und ich kann überhaupt nichts mehr machen. Leider habe ich noch keine wirklich bahnbrechende Idee. Irgendwie muss ich lernen, die Kontrolle über mich zu übernehmen, und das von Grund auf und zwar in letzter Konsequenz und fein säuberlich, nicht husch husch, wie sonst. Das Gute ist, dass ich mich dieses Mal wirklich darauf einlassen kann, ohne Angst zu haben, dadurch etwas zu vernachlässigen. Denn noch ineffektiver als jetzt kann ich nicht mehr werden.
 
Spruch des Tages: Man kann doch nicht ständig so Müde sein...
Höhenmeter 120 m
Tagesetappe: 26 km
Gesamtstrecke: 25.578,27 km
Wetter: Wetter gemischt aber überwiegend trocken
Etappenziel: Umkleidekabine der Sporthalle, Bridoré, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:41:56


Tag 1357:

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:41:55


Tag 1356: Auf dem Greenway von Cherbourg nach Mont Sant Michelle

Trink nicht alles, was auf dem Tisch steht.

22.08.2017 Sonderbare Nachbarn Eine kleine Merkwürdigkeit gab es gestern in unserer Pension dann doch noch. Die Damen aus dem Rathaus hatten uns bereits darauf hingewiesen, dass unsere Nachbarin von gegenüber einige geistige Probleme hatte und dass wir sie aus diesem Grund besser nicht ansprechen sollten. Was es genau war erfuhren wir nicht und wir bekamen sie auch nur einmal kurz zu Gesicht, doch irgendetwas an ihr schien tatsächlich sehr merkwürdig zu sein. Nachdem wir für die Lokalzeitung interviewt wurden und sich die Reporterin wieder auf den Weg machte, meinte sie beim öffnen der Tür: „Oha, in eurem Treppenhaus riecht es aber streng!“ Das war sogar noch etwas untertrieben, es stank geradezu nach einem penetranten und nicht unbekannten Geruch, den wir jedoch nicht gleich einordnen können. Auf der Treppe waren mehrere dunkle Flecken zu erkennen und Heiko vermutete für einen Moment, dass es sich dabei um Hundescheiße handeln könnte. Tatsächlich wirkte es bei genauerer Betrachtung jedoch eher wie trockenes Blut vermengt mit irgendeiner Art von Schleim. Jetzt erkannten wir auch, woher wir den Geruch kannten. Es war Aasgeruch. Es roch nach verfaultem, verwesendem Fleisch. Die Leiche im Treppenhaus Der Geruch begann unten im Eingangsbereich und verbreitete sich über das ganze Treppenhaus, doch am intensivsten war er vor der Tür unserer Nachbarin. Irgendetwas totes hatte sie also vor kurzem mit nach Hause gebracht, denn zuvor war der Geruch noch nicht da gewesen. Wir vermuteten, dass sie ein totes Tier gefunden und mitgenommen hatte, das wahrscheinlich schon lange irgendwo herum lag. Ein Menschenopfer konnten wir uns weniger vorstellen, aber wir waren auch nicht allzu erpicht darauf, das herauszufinden. In Momenten wie diesen waren wir dann doch wieder froh, dass wir nur eine einzige Nacht hier verbrachten. Dadurch konnte man die Dinge etwas lockerer sehen und da unsere Eingangstür eine sehr gute Geruchsbarriere darstellte, sahen wir in der Situation kein allzu großes Problem. Unterwegs auf dem Greenway Die Wanderung heute war eine der schönsten die wir in diesem Jahr überhaupt erlebt haben. Mit Verlassen unseres Übrnachtungsortes gelangten wir auf den Greenway, also einen europäischen Fernradweg, der Cherbourg mit Mont Saint Michelle verband. Die Route war großartig gelegt und führte zunächst auf schmalen und komplett unbefahrenen Sträßchen durch kleine Wälder, Wiesen und Felder. Zum ersten Mal seit Monaten gab es wieder eine echte Harmonie. Die Vögel sangen und schrien nicht. Blätter raschelten sanft anstatt laut zu rauschen und außer den Geräuschen der Natur hörte man für lange Zeit überhaupt nichts. An einigen Stellen war der Weg etwas irreführend ausgeschildert und einige der Zeichen waren hinter Büschen oder auf der Rückseite von Zäunen versteckt. Aber abgesehen davon bekam der Weg von uns die volle Punktzahl. Hier mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein war ein wahres Vergnügen. Dabei waren die Erbauer des Weges auf alle Bedürfnisse von Radfahrern und Wanderern eingegangen. Es gab Picknickplätze an schönen Orten mit Tischen, Bänken Mülleimern und sogar Wasserhähnen, es gab ruhige, gut ausgebaute Wege, eine durchgängige Beschilderung und nur wenige echte Aufstiege. Auf diese Weise konnte man stundenlang vor sich hin wandern ohne dem je überdrüssig zu werden. In der zweiten Hälfte des Weges führte die Route dann auf eine stillgelegte Bahnstrecke, die sich fast spiegel-eben durch das ansonsten hügelige Land schlängelte. So in der Art wird der Weg nun bis hinunter nach Mont Sain Michelle führen und dort auf ähnliche Wege stoßen. Wie der weitere Verlauf ist, können wir natürlich noch nicht sagen, aber den Anfang können wir schon einmal wärmstens empfehlen. Im Zisterzienser-Kloster Unser Etappenziel war dieses Mal wieder ein Zisterzienser-Kloster, das etwas abseits vom Weg lag. Wir wurden hier ähnlich unkomplex empfangen wie bei dem letzten Zisterzienser-Kloster in Irland und hatten nach einer kurzen Einführung den restlichen Tag vollkommen für uns alleine. Auch hier wurden wir mit Essen versorgt, wobei es dieses Mal bedeutend besser war, als bei den Brüdern in Irland. Es gab sogar frisches Obst und eine Auswahl an französischem Käse. Man konnte es nicht leugnen, das Leben hier war einfach ein anderes. Lediglich der Apfelsaft war eine Enttäuschung. Eisgekühlt mit saftigen Äpfeln auf dem Etikett stand er vor uns und gab ein erfrischendes Zischen von sich als Heiko ihn öffnete. Sofort dachten wir an den frischen, gespritzten Apfelsaft, den wir in Österreich immer wieder bekommen hatten. Heiko goss ein und leerte das erste Glas zur Hälfte mit nur einem Zug. „Ahhhh!“ machte er in der Erwartung von köstlich spritzigem Apfelsaft, und dann „Urgh!“ als der Geschmack die Erwartung überlagerte und er erkannte, was er da wirklich vor sich hatte. Es war ein Sidre. Also ein gespritzter Apfelwein mit 5% Alkohol. „Oh mein Gott, was ist denn das?“ prustete er, „das ist ja schrecklich!“ Wie kann man den armen Äpfeln nur so etwas antun?“ Da mein Glas ebenfalls voll war und es keine Blumenvase gab, um es heimlich zu entsorgen, kostete ich auch einen Schluck. Es war tatsächlich widerlich! Bitter, vergoren, fad im Abgang. Man schmeckte mit jeder Zelle der Zunge heraus, dass dies ein verwesendes Getränk war. Warum machen wir so etwas? Nein im Ernst, wenn man wirklich einmal genau hin schmeckt, dann ist es unmöglich, dass jemand diesen Geschmack mögen kann. Vor allem nicht, wenn man echten, gespritzen Apfelsaft kennt. Beim Wein ist es ja nichts anderes. Die frischen Trauben gehören zu den köstlichsten Dingen, die unsere Natur zu bieten hat und wenn man einen Saft daraus macht, könnte man sich hineinlegen und nie wieder aufstehen. Wir aber machen Wein daraus, was nichts anderes bedeutet, als dass wir die Trauben kaputt gehen lassen, bis sie halb in Verfall und Verwesung übergehen um dann den verdorbenen Saft zu trinken. Passiert das gleiche, was mit den Weintrauben passiert mit einer Majonäse, werfen wir sie weg und sagen, sie sei giftig. Bei Obst hingegen freuen wir uns und verkaufen das ganze als Spezialität. Dabei bekommt man die gleichen Symptome, wie wenn man verdorbene Majonäse ist. Einem wird schlecht und etwas schwindelig, und wenn man Pech hat bekommt man Durchfall oder muss sich übergeben. Bei dem einen ist das ein Grund, ins Krankenhaus zu fahren, beim anderen nennt man es Party. Und da sag noch einer wir Menschen seien rationale Wesen.
 
Spruch des Tages: Trink nicht alles, was auf dem Tisch steht.
Höhenmeter 60 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.536,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Städtisches Gästehaus, Sepmes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:38:20


Tag 1355: Wie zuhause!

Frankreich, wir haben dich vermisst!

21.08.2017 Waow, ist es schön wieder hier zu sein! Dieses mal fühlt es sich wirklich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Trotz der Wolken war es milder und angenehmer, die Straßen waren ruhiger und, die Landschaft freie und irgendwie heimeliger. Wir brauchten fast den ganzen Vormittag, um Cherbourg hinter uns zu lassen und doch hatten wir nicht das Gefühl, inmitten einer Großstadt zu sein. Kleine Schleichwege führten mitten durch einen Wald in einer Schlucht entlang, in der Man glaubte, irgendwo weit außerhalb unserer Zivilisation zu sein. Einige einsame, urige Häuschen standen am Straßenrand und luden gerade zu ein, hier ein Aussteigerleben zu führen. Und das mitten in der Stadt! Kaum hatten wir das obere Ende der Schlucht erreicht, befanden wir uns in einem gewaltigen Einkaufskomplex, in dem es nahezu jeden Laden gab, den man sich nur vorstellen konnte. Allein vier oder fünf Schuhgeschäfte waren vertreten, dazu zwei Elektronikläden, zwei Supermärkte, ein Haustiergroßfachhandel, drei Baumärkte, ein Gartencenter und vieles mehr. Und trotz allem war es uns möglich, mitten hier hindurch zu gehen, ohne komplett wahnsinnig zu werden. Wer hätte gedacht, dass so etwas möglich sein könnte? Kurz vor zwölf erreichten wir einen Ort namens Brix, wo wir ganz gemütlich in das Rathaus gingen, unser Projekt vorstellten und kurz darauf ein eigenes Apartment auf der anderen Seite des Friedhofs beziehen durften. Zwei der Damen Mitarbeiterinnen kamen kurz darauf mit einer Einkaufstüte voller Lebensmittel vorbei, die die Größe einer Ikea-Tasche hatte. Damit waren wir mehr als nur ausreichend versorgt und das nicht etwa mit Dosenbohnen und Toastbrot, sondern mit frischem Gemüse, knusprigem Baguette, Orangensaft, Obst und vielen mehr. Darunter natürlich auch eine Menge Süßkram, aber das lag daran, dass wir vergessen hatten darauf hinzuweisen, dass wir eigentlich keinen Zucker wollten. Später am Nachmittag kam eine weitere Rathausmitarbeiterin zu Besuch, die uns für einen Artikel in der Lokalzeitung interviewte. Unser Französisch war nach der langen Zeit nun noch grauenhafter als es ohnehin schon war, aber sie schien damit zurecht zu kommen und dennoch einen Großteil zu verstehen. Plötzlich hatten wir wieder Zeit, um entspannt zu arbeiten und Energie zu tanken, um wirklich an Themen dran zu bleiben, um kleine Pausen zu machen, um Routinen einzuhalten und um immer wieder ans Fenster zu treten und die gigantische Aussicht über das Land zu genießen. Nun schien sogar die Sonne und tauchte alles in ein friedlich, freundliches Licht. So hatten wir uns das Reisen vorgestellt. Nicht dass unsere Zeit in Großbritannien und Irland schlecht gewesen wäre, das keineswegs! Aber es war doch etwas anderes, entspannt reisen zu können, oder sich in einem permanenten Grundstress zu befinden. Die Englischsprachigen Länder waren eine ereignisreiche, aufwühlende und bewegende Zeit gewesen, nun ist wieder die Phase der Erholung und der Regeneration dran. Und auch wenn Frankreich nicht immer eitel-Sonnenschein sein wird, es bereitet uns doch zumindest einen schönen, warmen Empfang!
 
Spruch des Tages: Frankreich, wir haben dich vermisst!
Höhenmeter 60 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.536,27 km
Wetter: sonnig und warm
Etappenziel: Städtisches Gästehaus, Sepmes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:36:04


Tag 1354: Sehenswürdigkeiten in Cherbourg

Frankreich, wir haben dich vermisst!

20.09.2017 Kaum etwas hatte uns je in unserem Leben so froh gemacht, wie der Umstand, dass wir die Fähre verlassen und wieder auf festen, nicht vibrierenden Boden treten durften. Frankreich empfing uns mit geschlossener Wolkendecke aber warmen Temperaturen und auch wenn der Hafen selbst noch nicht allzu einladend aussah, freuten wir uns doch wieder hier zu sein. Es war absolut faszinierend! Cherbourg war definitiv alles andere als eine schöne Stadt. Es war, verglichen mit vielen anderen sogar eine durchaus hässliche Stadt, so wie es von einer großen Hafenstadt ja auch zu erwarten gewesen war. Und dennoch war es um ein hundertfaches angenehmer, hier an der Hauptstraße entlang in die Innenstadt zu laufen, als in Großbritannien auf irgendeiner Nebenstraße durch eine X-beliebige Kleinstadt gehen zu müssen. Allein der Asphalt machte einen so großen Unterschied aus, dass man es kaum in Worte fassen kann. Und das war noch nicht alles. Es gab hier eine Fußgängerzone und einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem nahezu keine Autos fuhren. Die Geschäfte lagen an kleinen Gassen in der Innenstadt verstreut und nicht aneinander gereiht zu beiden Seiten der Hauptstraße. Auch hier waren viele Häuser schäbig, verfallen und heruntergekommen aber trotzdem hatten sie ihren Charme und einen besonderen Stil. Der Unterschied bestand darin, dass die Menschen hier eine gewisse Liebe zum Detail hatten. Die Stadt als ganzes war hässlich, keine Frage, aber man fand überall kleine Akzente, die einen sofort wieder versöhnlich stimmten. Hier eine kunstvolle Fassade, dort ein schönes Bild an der Wand, da ein paar bunte Blumen. Irgendwie steckte leben in der Stadt und man spürte, dass die Menschen versuchten, das beste aus ihrer Situation zu machen. Und das funktionierte, denn auf diese Weise entstanden immer wieder kleine Oasen, in denen man sich wirklich gut aufhalten konnte. In denen man Teilweise sogar vergaß, dass man sich im Hafenviertel einer Großstadt befand. Vor unserer Überfahrt hatten wir bereits eine Verabredung mit dem örtlichen Pfarrer getroffen, der uns die Nacht über bei sich aufnehmen wollte. Das Pfarrhaus befand sich gute zwei Kilometer außerhalb in einem Vorort und als wir dort eintrafen kam Pater John-Philipp gerade mit einer Tüte vom Einkaufen zurück. Ursprünglich war das Pfarrhaus nur als Gemeindezentrum gedacht gewesen, doch heute lebten drei Pfarrer in den Gebäuden, weshalb sich die Gemeinschaftssäle mit den Privatgemächern mischten. Wir setzen uns ins Wohnzimmer, während John-Philipp mit dem kochen begann. Auch das war noch einmal ein großer Unterschied. Es gab kein Fastfood, sondern frisch zubereitetes Gemüse mit Reis und Lammfleisch. Den Nachmittag verbrachten wir zur Hälfte mit einer Sight-Seeing-Tour durch die Innenstadt und zur anderen Hälfte damit, uns zu erholen und liegengebliebene Arbeiten aufzuholen. Erst jetzt spürte ich das laute Dröhnen in meinem Kopf, in dem noch immer die Schiffsmotoren nachhallten.
 
Spruch des Tages: Frankreich, wir haben dich vermisst!
Höhenmeter 135 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.522,27 km
Wetter: überwiegend sonnig
Etappenziel: Gemeindesaal, Nouâtre, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:35:04


Tag 1353: Weltweite Armut

Die einen haben kein Geld, die anderen können nich

Zwei Arten von Armut Noch etwas fiel uns auf. Wir hatten vor einiger Zeit, als wir noch in Südeuropa waren die Theorie aufgestellt, dass man aus irgendeinem Grund dafür sorgte, dass ein Land umso Ärmer sein musste, je reicher seine Natur war. Auffällig war ja dabei, dass gerade die Länder arm waren, in denen die meiste Nahrung wuchs und in denen man am lockersten auch ohne Geld würde leben können. Das fing bei Spanien an und ging über Rumänien, Bulgarien und Albanien bis hin zu Afrika und Indien. Indien ist ein hervorragendes Beispiel, den hier werden teilweise bis zu drei oder vier Fruchtfolgen im Jahr angebaut, wo bei uns gerade mal eine möglich ist. Und trotzdem leiden hier mehr Menschen an Hunger als wir uns überhaupt vorstellen können. Länder, in denen man nahezu nichts anbauen kann, wie hier in Großbritannien und Irland, sind hingegen die reichsten Länder der Welt. Zumindest was das Geld anbelangt. Was uns bislang jedoch nicht klar war ist, dass diese Länder auf eine andere Art und Weise genauso arm gehalten werden, wie die Dritte-Welt-Länder. Es ist subtiler und findet auf eine Weise statt, die uns nicht bewusst ist, aber es ist genauso dramatisch. So wie in den Südländern eine Verknappung an Geld erzeugt wird, erzeugt man hier eine Verknappung an Nahrung. Letztlich gibt es in der heutigen Welt keinen Grund mehr, warum man hier nicht ebenso leicht an frisches Obst und Gemüse gelangen sollte, wie im Süden. Wir sind in der Lage, Waren innerhalb von 48 Stunden einmal komplett um die Welt zu transportieren und egal ob dies nun sinnvoll ist oder nicht, wir machen es auch ständig. Krabben beispielsweise werden in der Nordsee geangelt, dann nach Holland zu einem Logistik-Unternehmen verschifft, anschließend nach Marokko gefahren, da dort die billigsten Arbeiter zum Pulen zu finden sind und am Ende fährt man sie den ganzen Weg zurück, um sie direkt an der Deutschen Nordseeküste an einem Krabbenstand zu verkaufen. Dieser vollkommen sinnlose Aufwand ist für uns kein Problem, aber bei frischem Obst und Gemüse soll es plötzlich nicht möglich sein? Auch hier ist es ja nicht so, als würden wir diese Lebensmittel nicht um die halbe Welt fahren. Äpfel zum Beispiel kommen hier in der Regel aus Neuseeland, obwohl sie auch direkt in Großbritannien angebaut werden. Doch all dies funktioniert angeblich nur, wenn die Waren grün geerntet werden und dann unter Schutzatmosphäre nachreifen. Warum? Weil der Transport angeblich zu lange dauert, so dass reifes Obst und Gemüse kaputt gehen würde. Wenn aber ein LKW von Spanien nach England doch nur zwei Tage braucht und das Gemüse später bis zu einer Woche im Laden und bei uns zuhause herum liegt, muss man sich doch fragen, ob dieses Argument wirklich gültig ist. Oder wird hier vielleicht ganz bewusst darauf geachtet, dass die Lebensmittelqualität besonders niedrig ist? Denn auffällig ist ja, dass ein Land umso stärker in der Fastfood-Kultur verhaftet ist, desto mehr Geld es hat. Je Reicher ein Land also an finanziellen Mitteln ist, desto ärmer ist es an Lebensmitteln. In Indien hungern die Menschen offensichtlich, weil sie keine Nahrung abbekommen und daher deutlich erkennbare Symptome von Mangelernährung zeigen. Hier hungern sie jedoch ebenfalls, nur merkt man es nicht, weil sie mit vollem Magen hungern. Die Masse an Nahrung reicht hier aus, doch ist sie leer und tot. Nährstoffe, Vitamine, Energie und Spurenelemente enthält sie so gut wie keine mehr, wodurch auch hier die Menschen deutlich Zeichen einer Mangelernährung zeigen. Aber weil sie dabei fett sind, merken wir es nicht. Preisvergleich – So unterschiedlich ist der Wert unseres Geldes Wir selbst verließen den Laden mit ziemlich genau 16€ weniger in der Tasche, ohne dabei das Gefühl gehabt zu haben, dass wir irgendetwas gekauft haben. Nicht einmal Wurst und Käse hatten wir uns gegönnt, da dieses jeweils ab vier Euro aufwärts ging. Alles in allem besaßen wir nun etwas Brot und Baguette, ein Glas Erdnusbutter, zwei kleine Fertigsalate, die heruntergesetzt waren, weil morgen ihr Verfallsdatum ablief, zwei große Flaschen Wasser, eine Knoblauchbutter, eine Tütte Tortilla-Chips und ein paar Bananen. Das war alles und damit lagen wir bei 16€. Ist das nicht Wahnsinn? Noch wahnsinniger war allerdings, dass wir im Restaurant nebenan je einen Becher Suppe und etwas Brot mit Butter bekamen, die fast ebenso viel gekostet hätten, wenn wir sie hätten zahlen müssen. Das wir sie bekommen haben ist natürlich super, aber dass man regulär knapp 7€ für einen Becher zahlen musste, das sprengte schon einige Grenzen finde ich. Überlegt euch mal. Wenn man dies jeden Tag tun würde, läge man damit im Monat bei 210€. Das sind 20€ mehr, als ich damals für meine Studentenbude gezahlt habe. Klar war es ein schäbiges Loch, da will ich nichts gegen sagen, aber es ist doch heftig zu sehen, dass man für das gleiche Geld entweder ein Obdach mit Vollmöblierung, Warmwasser, Heizung, Internet und Strom inklusive haben kann, oder einen kleinen Teebecher voll Suppe.
 
Spruch des Tages: Die einen haben kein Geld, die anderen können nichts kaufen. Das nennt man wohl ausgleichende Ungerechtigkeit.
Höhenmeter 765 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.499,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Pilgerherberge, L'Ile Bouchard, Frankreich
11km, 65hm, erst Regen, dann sonnig warm, Christliche Jugendherberge, Chézelles

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:33:34


Tag 1352: Fährfahrt von Rosslare nach Cherbourg

Diese Seefahrt war mal alles andere als Lustig...

Die Fährfahrt beginnt. Mit unserem kleinen aber kostbaren Schatz im Gepäck machten wir uns nun auf zum Hafen, wo unsere Fähre bereits bereit stand. Besonders vertrauenerweckend wirkte sie nicht gerade. Irgendwo hatten wir gelesen, dass Rosslare auch einer der Häfen gewesen war, an dem die Titanic anlegte, bevor sie ihre schicksalshafte Fahrt nach Amerika antrat. Dieses Schiff hier sah aus, als wäre es aus der gleichen Zeit, nur bei weitem nicht so luxuriös und solide gebaut. Während wir auf unser Ticket warteten, kamen allerlei skurrile Gestalten an uns vorbei, darunter auch eine Pfadfindergruppe, die mit Fahnen und Trompeten aus einem Bus stieg und sich dann über den Hafenterminal verteilte. Einer von ihnen sah sonderlicher aus als der nächste, bis hin zu einem Jungen, der ohne erkennbaren Grund weiße Samthandschuhe trug. Da waren sie also, die Eliteschüler aus den englischen Internaten, bereits für einen Sommeraustausch mit ihren französischen Kollegen. Ich muss sagen, so ein klein wenig beunruhigend war es schon, sich vorzustellen, dass dies die neue Elite werden würde, die in ein paar Jahren unsere Welt beherrschen würden. Aber es erkläre auch ein bisschen, warum die Dinge in unserer Gesellschaft liefen, wie sie liefen. Eine Viertelstunde später begann die längste und grauenhafteste Fährfahrt unseres Lebens. Die Details darüber haben wir noch einmal separiert im Testbericht über die „Stena Horizon“ zusammengestellt. Hier daher nur ein paar kurze Sätze dazu. Die Kabine, die wir extra gebucht hatten, damit wir unsere Ruhe haben, lag genau über dem Maschinenraum und war somit der lauteste Platz, den man auf dem Schiff finden konnte. Abgesehen vom Maschinenraum selbst natürlich. Hinzu kam, dass Boden und Wände wie ein Presslufthammer vibrierten und dass etwa jede Stunde eine laute und übersteuerte Durchsage gemacht wurde, die einen jedes Mal wieder aus dem hart erkämpften Schlaf riss. Dass ich in dieser Nacht überhaupt ein Auge zubrachte, lag vor allem daran, dass ich im Moment eine Dauermüdigkeit in mir trage, die dazu führt, dass ich fast permanent unter allen Bedingungen einschlafe. Erholsam war dieser Schlaf aber trotzdem nicht. Heiko Trick war da um einiges besser. Ihm gelang es, sich in einer Meditation in eine Kindheitserinnerung zurückzuversetzen, in der er mit seinen Eltern im Auto in den Urlaub gefahren ist. Dadurch setzte sein Geist neue Verknüpfungspunkte und drosselte den Lärm der Schiffsmotoren in seiner Wahrnehmung aus das brummen des Automotors von früher. Auch die Vribrationen sanken auf den Level, den das Auto verursacht hatte und zu denen er sogar einen positiven Bezug hatte. Der Effekt war gigantisch. Trotz der widrigen Umstände schlief Heiko so entspannt und seelenruhig wie damals als Kind, als ihn das sanfte Brummen der Urlaubsfahrt in den Schlaf wiegte.
 
Spruch des Tages: Diese Seefahrt war mal alles andere als Lustig...
Höhenmeter 65 m
Tagesetappe: 12km
Gesamtstrecke: 25.511,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Christliche Jugendherberge, Chézelles, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:30:40


Tag 1351: Lebensstil-Kontrolle durch Lebensmittelpreise

Der Preis macht die Musik...

Im Supermarkt wären uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als wir die Preise sahen. Mit einem Schlag verstanden wir auch, warum es so schwer war, in diesem Land Nahrungsspenden von den Privatpersonen zu bekommen. Sie mochten hier vielleicht Geld haben, aber Nahrung kaufen konnten sie damit nicht. Wenn wir an einem Haus gefragt haben und darauf lediglich ein oder zwei Bananen bekommen haben, dann war uns dies im Vergleich zu anderen Ländern geizig vorgekommen. Rein vom finanziellen Aufwand her hatten uns die Menschen hier mit ihren Bananen aber oft mehr oder zumindest genauso viel gegeben, wie die Menschen in Frankreich mit einem halben Gericht. Es war auch nicht so, dass es hier kein anständiges Brot gab, es war nur einfach vollkommen unerschwinglich. Für rund 2€ bekam man eines der ekehaften Toastbrote. Ein Baguette mit halbem Gewicht lag beim gleichen Preis. Für ein echtes Brot zahlte man hingegen locker 4-5€, ohne dabei in die gehobene Preisklasse vorgedrungen zu sein. Obst und Gemüse war sogar noch teurer und außerdem meist in einem erbärmlichen Zustand. Die meisten Möhren hatten jetzt schon Schimmelflecken und wurden noch regulär verkauft. Erschwinglich waren vom Preis wie von der Haltbarkeit an sich nur die Fertig- und Dosenprodukte, was wiederum erklärte, warum man sich hier ausschließlich davon ernährte. Dabei fiel uns eine Beobachtung wieder ein, die wir bereits mehrere Male gemacht hatten. Das Toastbrot, das man hier kaufen konnte wurde grundsätzlich genau einen Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum schimmlig. Nicht einen Tag zuvor und nicht zwei Tage danach, sondern genau einen. Wie funktionierte das? Wir hatten stets unterschiedliches Brot dabei und es herrschten immer wieder neue Bedingungen. Manchmal bewahrten wir es fest verschlossen in mehreren Tüten auf, manchmal lag es einfach oben auf dem Wagen. Manchmal regnete es fast durchgängig, manchmal war es trocken, manchmal warm und manchmal kalt. Und trotzdem sah dieses Kunstbrot bis zur letzten Sekunde stets genau gleich aus. Es war egal, ob man es frisch gekauft oder schon ein paar Tage mit sich herumgetragen hatte. Es wurde nicht trocken oder hart sondern blieb immer genau gleich. So lange, bis das Verfallsdatum ablief. Am Vortag war es noch zu 100% in Ordnung und dann zeigten sich plötzlich überall grüne Schimmelflecken, ganz so, als hätte man es vorprogrammiert. Man konnte seine Uhr danach stellen. Mit rechten Dingen ging das sicher nicht zu. Wenn ihr mich fragt, dann wurde hier ganz gezielt nachgeholfen, genau wie bei technischen Geräten mit der künstlichen Obsoleszenz. Denn anders als bei unserem Brot, das nach ein paar Tagen ungenießbar wird, könnte man dieses hier sonst ewig weiterverwenden und das soll natürlich nicht sein.
 
Spruch des Tages: Der Preis macht die Musik...
Höhenmeter 765 m
Tagesetappe: 11km
Gesamtstrecke: 25.499,27 km
Wetter: erst Regen, dann sonnig warm
Etappenziel: Pilgerherberge, L´ille-Bouchard, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:28:32


Tag 1350: Our Ladys Island – Unsere letzte Sehenswürdigkeit in Irland

Wir fahr´n heut übers Meer, übers Meer...

19.08.2017 Heute war es dann soweit. Unser letzter Tag auf den Inseln war gekommen und vor uns lag die längste Fährfahrt unseres bisherigen Lebens. Wir verabschiedeten uns von Pater John und machten uns auf jenen Pilgerweg, der bald einmal das Finale von Johns neuer Pilgerroute bilden sollte. Ziel war die Halbinsel mit dem klangvollen Namen „Our Lady´s Island“ - „Die Insel unserer Herrin“ Der erste Teil der Strecke war tatsächlich ein schöner Pilgerweg. Er war abgeschieden, und führte auf kleinen Sträßchen durch ein ruhiges Hinterland. Kurz vor seinem Ende hatten wir eine kurze und etwas unwirkliche Begegnung mit einer jungen Frau, die aus dem Auto sprang, und eine Wasserflasche schenkte, den restlichen Weg beschrieb und wieder verschwand. Von ihrem ganzen Auftreten, ihrer Art und ihrer inneren, wie äußeren Erscheinung, schien sie wie eine Art Werbeträger für ein ruhiges, sesshaftes Leben auf dem Land am Meer zu sein. Heiko kam es so vor, als wollte sie sagen: „Schau mal, ist es nicht doch besser, eine ganz normale Beziehung hier im idyllischen Süden von Irland zu führen, mit allen Sicherheiten, mit einem schönen, ruhigen Hof in entspannter, ruhiger Atmosphäre und mit einer adretten, hübschen Frau ohne Extravaganzen?“ „Wieso habe ich nur das Gefühl,“ meinte Heiko später, „dass uns hier alles ein schlechtes Gewissen machen will? So als wollte uns gerade alles verunsichern und in eine andere Richtung verführen, obwohl wir uns doch längst entschieden haben.“ Tatsächlich geschah auch dies nicht umsonst, denn es bildete die Grundlage für eine wichtige Inspiration, die Heiko einige Tage später in den Grundstock für ein neues Buch einfließen lassen konnte. Wir folgten der Beschreibung der jungen Frau und bogen in die letzte Straße nach „Our Lady´s Island“ ein. Zu unserer Überraschung war diese Straße nun plötzlich voll befahren und ganz und gar nicht mehr schön. Auch das Pilgerziel selbst war mehr als nur enttäuschend. Es gab nichts weiter zu sehen, als eine flache, grüne Wiese, die von drei Seiten von einem See umgeben war, und auf der die letzten Reste einer Burgruine standen. Zu sehen waren lediglich noch ein paar Mauerreste und ein verfallener Turm. Das alles war nicht hässlich, aber es rechtfertigte auch den Andrang nicht, der hier herrschte und vor allem nicht den Verkehr. Der Hafen von Rosslare Zwei Kilometer weiter wurde es wieder Ruhig, als wäre nichts gewesen. Von hier aus waren es nun nur noch 7km bis zum Hafen von Rosslare. Das schöne war, dass man fast bis zur Fähre gehen konnte, ohne dabei eine Hauptstraße nutzen zu müssen. Leider nur fast, denn das letzte Stück des Weges war durch ein paar große Tore versperrt worden. Wenn man die Dinge hier nicht kompliziert machen konnte, war man eben nicht glücklich. Rosslare-Harbour war eine eher niedliche Kleinstadt. Nicht schön natürlich, wo käme man denn dahin, aber durchaus winzig. Es gab nur eine einzige Straße, die direkt zur Fähre führte und an der ein einzelnes Einkaufszentrum lag. Da wir leider noch keine Nahrungsvorräte hatten auftreiben können, mussten wir nun doch die 16€ Opfern, die wir von Pater John zu diesem Zweck bekommen hatten und ganz normal im Supermarkt einkaufen.
 
Spruch des Tages: Wir fahr´n heut übers Meer, übers Meer...
Höhenmeter 70 m
Tagesetappe: 10km
Gesamtstrecke: 25.488,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Winzige Wohnung eines Theologiestudenten, Chinon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:24:28


Tag 1349: Irische Jakobswege

Langsam sind wir wieder reif für das Festland.

18.08.2017 Reif für das Festland Heute ist unser letzter Tag in Irland, bevor es zur Fähre geht und wir auf unseren Kontinent zurückkehren. Die Zeit auf den Britisch-Irischen-Inseln war gut und ich möchte sie um keinen Preis der Welt missen. Aber wird sind auch froh, sie nun wieder verlassen und einer entspannteren, ruhigeren und gemäßigteren Zeit entgegen gehen zu können. Es war eine der anstrengendsten Phasen unserer Reise und ich schätze, es war wohl auch die Phase, die mich am meisten in meine Wut gebracht hat. Ich könnte mich noch immer viele Stunden lang über so viele Dinge aufregen, aber keine Angst, ich werde es nicht tun. Jedenfalls nicht hier. Ich verstehe ja, wofür alles da ist und ich weiß, dass es darum geht zu lernen, die Dinge so anzunehmen wie sie sind und zu erkennen, dass alles gut ist. Hier gibt es offenbar noch viel Lernpotential. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits für unsere Ankunft in Frankreich einen Schlafplatz im Pfarrhaus haben und uns somit keine Gedanken über eine verwirrende Platzsuche in einer großen Hafenstadt machen müssen. Wir können also wirklich aufatmen, wenn wir die Fähre erreicht haben und ganz in Ruhe dem guten alten Festland entgegenschippern. Jakobswege in Irland Unser heutiger Gastgeber, empfing uns mit weitaus mehr Begeisterung als der letzte, was unter anderem an seinem großen Interesse am Pilgern lag. Er war gerade dabei, einen neuen Pilgerweg quer durch Irland auszuarbeiten, der alle wichtigen, heiligen Plätze miteinander verbindet. Er beginnt im Nordwesten und endet an einem Platz mit dem Namen „Our Lady Island“. Es ist jener Pilgerort, an den auch die Pfarrer aus New Ross und Horeswood pilgerten, als wir sie vor ein paar Tagen besuchten. Vielleicht werden wir der Insel morgen auch noch einen kurzen Besuch abstatten, denn sie liegt fast auf unserem Weg nach Rosslare Harbour und bis zur Fähre haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Wir gaben Pater John den Tipp, Kontakt mit der Jakobsgeselschaft aufzunehmen und seinem Pilgerweg am Ende einen kleinen Schlenker von 7km hinzuzufügen. Denn wenn er dies tat und ihn nicht auf Our Lady Island sondern im Hafen von Rosslare enden ließ, dann hatte er eine direkte Verbindung nach Frankreich, oder besser gesagt nach Cherbourg. Von dort aus führte dann ein Pilgerweg über Le Mont Sant Michelle bis nach Sant Jean Piet de Port. Der kleine Schlenker und die offizielle Zusammenarbeit mit der Jakobsgesellschaft würden aus dem lokalen Irischen Pilgerweg also einen neuen Jakobsweg machen, der den Nordwesten Irlands direkt mit Santiago de Compostela verband. Was dies für seine Popularität ausmachen würde war kaum abzuschätzen. Und wer weiß, wenn es normal wurde, dass auch in Irland Menschen zu Fuß gehen und von einem heiligen Ort zum nächsten pilgern, wenn es normal wurde, dass es auch außerhalb der Touristenregionen fremde gab, die einfach für einen oder zwei Tage vorbei schauten, dann würden die Iren vielleicht auch einen Teil ihrer Angst verlieren, würden ihre Skepsis abbauen und vielleicht sogar so etwas wie eine Gastfreundschaft gewinnen, die zukünftigen Wanderern wie auch ihnen selbst, das Leben bedeutend erleichtern würde. Das Beste kommt zum Schluss In Sachen Arbeitsproduktivität war auch der heutige Tag mal wieder eine Katastrophe, aber daran hatten wir uns ja nun bereits gewöhnt. Stattdessen wurde es jedoch in anderer Hinsicht ein recht spannender Tag. Alles, was heute passierte wirkte ein bisschen so, als wollte es uns noch einmal ein schlechtes Gewissen machen. So als wollte es sagen: „Ihr seit doch zu schnell über diese Insel gehuscht, denn dadurch habt ihr nun alles schöne verpasst!“ Es begann mit den Erzählungen von John über seinen neu geplanten Jakobsweg und die vielen schönen Pilgerziele, an denen er vorbei führen sollte. Hier ein Kloster, da ein Schloss, dort ein anderer historisch bedeutsamer Ort. Mit einem Mal hatte man den Eindruck, als wimmelte es in Irland nur so vor Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen durfte, wenn man jemals wieder Freude in seinem Leben erfahren wollte. Dann führte uns Pater John selbst noch zu einigen sehenswerten Orten in der Umgebung. Zum Mittagessen fuhren wir in das Café eines alten Schlosses, nahe seiner Heimatstadt. Hier saßen wir mit einigen Pfauen im Außenbereich, bis es zu regnen begann und wir weiter getrieben wurden. Als Pater John ein Kind war, hatte er hier mit seinen Freunden im Park gespielt. Heute war alles streng geordnet und man musste für jeden Schritt Eintritt zahlen. Allein die Genehmigung in den Park zu fahren, so dass man nur in das Café gelangen konnte, kostete den Pfarrer bereit 12€. Drei kleine belegte Brötchen für uns alle zusammen noch einmal 18€ und wenn wir das Museum ebenfalls noch hätten ansehen wollen, wären weitere 15€ fällig geworden. Das Schloss selbst war schön aber bereits seit Jahrzehnten ungenutzt und bestand nur noch aus einer Fassade. Auf seine Art wirkte es ein bisschen wie ein trauriges Symbol für diese Gegenden. Einst ein stolzes Königreich war nun nur noch die leere, tote Hülle übrig und mit der machte man mehr Geld, als man sich vorstellen konnte. Zum Abendessen unternahmen wir dann noch einmal einen weiteren Ausflug. Dieses Mal führte uns unser Gastgeber in eine kleine Hafenstadt, in der er noch eine Hochzeit vorbereiten musste. Wir nutzten diese Zeit, um schon einmal Fisch and Chips für uns drei zu bestellen, uns ein Eis zu besorgen und eine Runde durch den Hafen zu drehen. Es war so windig, dass es uns ein paar Mal fast ins Wasser geworfen hätte und mit Gemütlichkeit oder Genuss hatte das alles wenig zu tun. Aber trotzdem hatte dieser Platz etwas spezielles. Er wirkte ein bisschen wie aus einer anderen Welt, die uns sagen wollte: „Schaut, das wäre das richtige Irland gewesen, das ihr hättet sehen können, aber leider verpasst habt!“ Natürlich war dies eine Lüge, denn bereits hier merkte man, dass man unmöglich entlang der Küste wandern konnte. Dies war der Bereich, von dem der Pfarrer gesagt hatte, dass er keinen Tourismus abbekam und doch erschien uns bereits das viel zu viel zu sein. Wie dann erst die Touristenregionen aussehen mochten, wagten wir uns nicht einmal vorzustellen. Und auch hier spürte man, wie viel letztlich doch wieder nur Fassade war. Von Weitem sahen die Rieddachhäuser bezaubernd aus, aber aus der Nähe sah man, dass ihr Lack schon vor Ewigkeiten abgeblättert war. Dennoch durften wir einige magische Momente erleben, in denen sich der Nebel weit über das offene Hügelland legte und in der die letzten Sonnenstrahlen auf den schroff hereinfallenden Wellen tanzten. Wir holten unsere Fastfoodtüten ab und fuhren mit dem Auto auf einen Parkplatz oberhalb der Dünen, von dem aus wir beim Essen einen herrlichen Blick über die Bucht hatten. Sie war menschenleer und die Wellen rauschten im Halbkreis vom Meer hinein. Draußen wurde einem der Kopf weggeblasen, aber hier im Auto war es angenehm. Neben uns parkte ein zweiter Wagen, aus dem ein junger Mann stieg, der sich in einen Neoprenanzug zwängte und sich dann sein Surfboard schnappte. „Sind das nicht großartige Wellen?!“ rief er uns zu und lief Richtung Meer. „In Irland ist es etwas anders, als in anderen Ländern!“ erklärte uns der Pfarrer, „Hier tut man Dinge einfach wenn man sie tut! Würde man auf passendes Wetter warten, würde man niemals irgendetwas machen!
 
Spruch des Tages: Langsam sind wir wieder reif für das Festland.
Höhenmeter 90 m
Tagesetappe: 26km
Gesamtstrecke: 25.478,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Gemeindesaal der Kirche, Savigny-en-Véron, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:23:02


Tag 1348: Irische Traditionen

Zahnarzttag

16.08.2017 Zum Abschluss unserer Zeit auf der Insel haben wir noch einmal die wichtigsten, irischen Traditionen erleben dürfen. Es begann mit traditionell irischem Wetter, das uns von der Früh an begleitete und noch immer vor unserem Fenster wütet. Die Rede ist hier natürlich von Regen. Aber dieses mal war es der stärkste und fieseste, den wir seit unserer Ankunft auf den Britisch-Irischen Inseln hatten. Ein starker Wind schlug uns die Tropfen direkt ins Gesicht, so dass man immer wieder das Gefühl bekam, sie wollten einem die Augen ausstechen. Trotz Regenmantel war meine Robe am Ende so nass, dass ich fast einen Liter aus ihr heraus wringen konnte. Dafür wurden wir dann bei Pater Gerry jedoch mit einem traditionellen Mittagessen empfangen. Es nannte sich Bacon and Cabbich und bestand aus Kartoffeln, Kohl und einer Art Kesselfleisch. Zu unserem großen Glück waren wir nämlich genau an dem einen Tag in der Woche gekommen, an dem Gerrys Haushälterin kam, die auch die Küche übernahm. Man muss sagen, wenn hier alles so gut gewesen wäre, hätten wir mit der Nahrungsmittelaufnahme keine Probleme bekommen. 17.08.2017 Zahnarzttag Falls es bislang noch irgendeinen Zweifel daran gab, dass der Zustand der Zähne vor allem von der Ernährungsweise abhängt, haben wir nun den Beweis dafür. Seit dreieinhalb Jahren kümmern wir uns nun selbst um unsere Zahnpflege und führen (mehr oder weniger) regelmäßig eine Zahnsteinentfernung durch. Als wir letztes Jahr durch Osteuropa reisten lag fast ein ganzes Jahr zwischen zwei Terminen und trotzdem gab es beim zweiten Mal kaum etwas zu beanstanden. Dieses Mal haben wir die letzte Zahnreinigung zu Beginn unserer Zeit in England gemacht und heute erneut, kaum ein viertel Jahr später. Trotzdem waren die Zähne so übersät mit Zahnbelag, dass man es sich kaum vorstellen konnte. Teilweise musste ich regelrechte Sprengungen vornehmen, um überhaupt noch durchzukommen. Bei dem immensen Zucker- und Weizenkonsum ist das natürlich auch kein Wunder. Küstenchaos Nach Süden hin waren es nun nur noch 6km, nach Westen 30km zur Küste. Die Nähe reichte aus, um auch hier weder für das Übliche Chaos, zu sorgen, das man an Küsten in der Regel findet. Selbst auf den kleinen Nebenstraßen herrschte plötzlich vier mal so viel Verkehr, wie sonst und versaute uns unsere Tour. Etwa vier Kilometer vor dem Ziel wurden wir von einem Auto angehalten, als wir gerade eine Hauptstraße hinter uns gelassen hatten. Wie sich herausstellte war der Fahrer unser potentieller Gastgeber. Er hatte einen Anruf bekommen, dass er spontan in ein Krankenhaus fahren musste, um einem Verstorbenen dort die letzte Salbung zu geben. Hätte er uns nicht hier auf dem Weg getroffen, hätten wir bis zum späten Nachmittag vor verschlossener Tür gestanden. Seine erste Idee war nun, dass wir entlang der Hauptstraße zu ihm wandern sollten, um Zeit zu sparen. Eine Hauptstraße, die er selbst als „Hochzone für tödliche Unfälle“ bezeichnete, da sie extrem stark befahren, schmal und kurvenreich war und die Menschen auf ihr rasten, sie die Teufel. Unter anderem auch deshalb, weil sie wie unser Pfarrer, stets das Gefühl hatten in extremer Eile zu sein. Letztlich war der Streckenabschnitt dann glücklicher Weise aber doch so lang, dass auch diese Variante ausfiel, Weshalb mich der Pater kurz nach hause fuhr um einen Zweitschlüssel zu holen und uns dann in Ruhe weiterwandern ließ.
 
Spruch des Tages: Zahnarzttag
Höhenmeter 130 m
Tagesetappe: 27km
Gesamtstrecke: 25.452,27 km
Wetter: sonnig, angenehm, leichter Wind
Etappenziel: Hotel L'oree Des Bois, La-Breille-les-Pins, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:21:53


Tag 1347: Saunatag

Rasieren in der Sauna verboten!

15.08.2017 Irland hat wirklich zwei Gesichter! So hart und unwirtlich es auf der einen Seite ist und so oft es uns auch in die Weißglut treibt, so sehr zeigt es sich dann wieder versöhnlich. Gestern beispielsweise hatten wir nach dem langen, anstrengenden und äußerst nervigen Tag ein ganzes Kloster für uns alleine, konnten ungestört in der Küche kochen, die Waschmaschine nutzen und es uns gut gehen lassen. Heute lag dann wieder eine 33km Wanderung vor uns, jedoch mit dem Unterschied, das von Anfang an klar war, wo wir ankommen würden und dass dort bereits ein Platz auf uns wartete. Bis auf einen kleinen Schauer war es trocken, sonnig und freundlich und die Gegend war so abgeschieden und ländlich, dass wir insgesamt sogar ganze fünf Menschen wandern oder Fahrrad fahren gesehen haben. Das war mehr als bislang in ganz Irland. So etwas wie einen ruhigen Platz ohne Straßenlärm, Hundegebell, Kettensägen oder ähnliches gab es natürlich trotzdem nicht, aber das wäre hier wohl auch zu viel erwartet. Dennoch konnten wir drei Pausen machen und in einer davon sogar einige Minuten dösen. In einer zweiten reparierten wir unsere Wagen und ölten die Bremsen neu, so dass sie wieder richtig griffen, Dabei kam auch einiges an Fett an unsere Griffe, das wir gerne mit einem Tuch weggewischt hätten. Leider hatten wir keines und so fragten wir einen vorbeifahrenden Autofahrer. Er durchsuchte sein Handschuhfach und sämtliche Ablagen, stellte aber fest, dass er auch keines besaß. Halb so schlimm, dachten wir, nutzten etwas Gras und Moos für die Reinigung und hakten das Thema damit ab. Für den Mann war es aber noch ganz und gar nicht abgehakt, denn er dachte permanent darüber nach, wie er uns doch noch helfen könnte. Wenige Minuten später hielt er noch einmal neben uns an, hatte aber noch immer kein Taschentuch. „Wartet da unten ein paar Minuten an der Straße!“ sagte er, „Ich komm dann gleich noch einmal wieder und bringe euch ein Taschentuch!“ Es war echt lieb, wie bemüht der Mann war, aber leider deutete er auf eine Ecke, die von einer Kettensäge, einem Traktor und einem Hund um die Wette terrorisiert wurde. Ein paar Minuten versuchten wir dennoch auf ihn zu warten, doch dann dauerte es einfach zu lange und der Preis wurde zu hoch für ein Taschentuch. Auch das ist etwas, das man hier lernen muss: Was die Leute hier tun, ist die Sache der Leute, und nicht die von einem selbst. Es ist nett, uns ein Taschentuch schenken zu wollen, aber es ginge zu weit, sich deshalb verpflichtet zu fühlen, stundenlang an einem Ort auf jemanden zu warten, der vielleicht kommt, vielleicht aber auch nicht. Irgendwo muss man einem Taschentuch schon auch den Wert geben, den es hat und der liegt sicher nicht über dem des eigenen Wohlbefindens. Unser Zielort für heute trug den Namen New Ross und war eine beeindruckend unästhetische Stadt am Rande eines Flusses. Der Grund, warum wir ausgerechnet hier her kamen und nicht in einen schöneren Ort wanderten war der, dass man besagten Fluss nur an einer einzigen Stelle überqueren konnte. Nämlich hier. Die letzten drei Kilometer spürte man den Einfluss der großen Stadt bereits deutlich und wir gerieten zudem noch in den Feierabendverkehr. Schließlich lag das Zentrum vor uns, lediglich verdeckt von einigen alten verlassenen und halb verfallenen Fabrikhallen. Wer hätte gedacht, dass es einmal Orte geben würde, neben denen Städte wie Sarajevo geradezu gemütlich wirkten? Gut, dass wir uns hier nicht lange aufhalten mussten, sondern bereits eine feste Adresse und eine feste Verabredung hatten. An der Hauptkirche trafen wir uns mit Pater Tom, der uns ins Pfarrhaus führte, in dem er gemeinsam mit Pater Richard und Pater John lebte. Pater Richard kam wenige Minuten später nach hause und machte sich gleich daran, seine Sachen für eine Pilgerreise zu organisieren, die er morgen starten würde. Gemeinsam mit einer Gruppe aus seiner Pfarrgemeinde wanderte er gerade in 6 Jahresabchnitten von Saint Jean Piet de Port nach Santiago. Dieses Jahr war die vorletzte Etappe an der Reihe und morgen ging der Flug dafür von Dublin aus fliegen. Trotz der Vorbereitungen ließ er es sich aber trotzdem nicht nehmen, auch heute seiner täglichen Schwimm- und Sauna Routine nachzugehen und er lud uns ein, ihn dabei zu begleiten. Da ließen wir uns natürlich nicht zwei Mal bitten und schon standen wir wenige Minuten später im örtlichen Schwimmbad, bereit für die Enstpannungseinheit des Tages. Es war das fünfte Mal auf unserer Reise, dass wir in die Sauna gehen konnten. Auf gewisse Weise ähneln sich die Wellnessbereiche öffentlicher Schwimmbäder überall in Europa sehr stark. Meist gibt es eine oder zwei Saunen, ein Dampfbad, einen oder mehrere Whirlpools und ein paar warme und kalte Duschen. So war es auch hier und doch war dieser Saunabereich so ganz anders, als man es bei uns von einem Saunabereich erwarten würde. Bei und und wahrscheinlich auch nirgendwo sonst auf der Welt, käme man beispielsweise auf die Idee, einen Fernseher in den Zwischenbereich zu hängen und dort ein Fußballspiel zu übertragen. Ins Café nebenan, meinetwegen, aber definitiv nicht in den Wellnessbereich, der hier sogar „Gesundheitsbereich“ genannt wurde. Einen Ruheraum gab es nicht, dafür aber immerhin eine einzige Bank und einen Wasserspender. Das beste waren jedoch die Schilder, die groß und deutlich neben den Eingängen zur normalen Trockensauna und zur Dampfsauna hingen: „Das Rasieren in der Sauna ist verboten!“ Ich dachte erst, dass „Shaving“ vielleicht noch eine andere Bedeutung hatte, oder dass es sich dabei um eine Art Witz handelte, den wir nicht richtig verstanden. Doch Pater Roger bestätigte uns, dass diese Schilder genau das waren, wonach sie aussahen. Und vor allem, dass es tatsächlich nötig war, sie hier aufzustellen. „Es gibt einige ethnische Gruppen“, erklärte er, „für die es tatsächlich ganz normal ist, sich an solchen Orten zu rasieren und die dies auch immer wieder tun.“ Heiko und ich staunten. Wir hatten ja schon viel verrücktes gehört und gesehen, aber das jemand wirklich auf die Idee kam, sich in einer Sauna rasieren zu wollen? Im Whirlpool ok und vielleicht noch in der Dampfsauna. Aber warum sollte man dazu denn in eine normale Sauna gehen? Es gab hier ja nicht einmal Wasser, abgesehen vom eigenen Schweiß. Neugierig geworden fragten wir, um was für exotische „ethnische Gruppen“ es sich dabei wohl handeln würde. „Unterschiedliche!“ sagte Roger, „aber vor allem Iren!“ Die Sauna selbst hatte auch ihre Eigenheiten, mit denen wir erst einmal zurecht kommen mussten. So war es zum Beispiel verboten Wasser auf den Saunaofen zu gießen, was so etwas wie einen Saunaaufguss natürlich etwas schwierig gestaltete. Roger war sogar überrascht, dass wir auf diese Idee kamen, da es sich ja um eine Trockensauna handelte. Offenbar war die ganze Tradition finnischer Saunakultur noch nicht bis hier her vorgedrungen. Ebenso sonderbar war, dass man kein Handtuch mit in die Sauna nehmen sollte. Es war nicht explizit verboten, aber eben auch nicht erwünscht, oder gar gefordert. In Ungarn wurde ich vor ein paar Jahren einmal fast aus einer Sauna hinausgeworfen, weil mein Fuß halb neben meinem Handtuch stand. Und hier setzte sich jeder mit seinem Schweißtriefenden Hintern einfach auf die nackte Bank und es war vollkommen in Ordnung. Ich finde, dies zeigt noch einmal, dass wir mit unserer Bakterienangst vollkommen auf dem falschen Dampfer sind. Wenn wir wirklich durch Infektionen krank werden könnten, müsste jeder Saunabesucher im Anschluss tot umfallen. Wir blieben etwa eine Dreiviertelstunde, was für einen Saunabesuch nicht übermäßig lang ist, in diesem Fall aber vollkommen ausreichte. Der einzige Ort, an dem man tatsächlich entspannen konnte, war die Sauna selbst und in der hielt man es eben nicht ewig aus. Spannend war aber, dass in der Zeit in der wir dort waren gerade einmal fünf Personen die Sauna nutzten. Drei davon waren Pater Roger, Heiko und ich. Wenn man bedenkt, dass dies das einzige Schwimmbad mit Termalbereich im Umkreis von gut 200km ist, ist das eher mal niedlich. Wir wurden einfach die Frage nicht los, wie es sein kann, dass es in einem so nasskalten Land wie Irland keine Saunakultur gab. Wie funktioniert so etwas, dass es in Finnland, Schweden und Norwegen kaum jemanden gibt, der nicht seine eigene Sauna oder wenigstens einen Zuber im Garten hat, während man hier nicht einmal weiß, wie eine Saunazelebration überhaupt aussieht? Überhaupt ist es ein Rätsel, dass es hier trotz all der Ungemütlichkeit nichts gibt, mit dem man es sich gemütlich machen kann. Nahezu niemand hat eine Badewanne und auch Kaminöfen waren eher selten. Selbst die Duschen waren größtenteils so konstruiert, dass man sie nicht richtig genießen konnte, weil sie entweder das Geräusch eines Elektrogenerators von sich gaben, sobald man sie einschaltete, weil der Wasserdruck dem eines Niselregens entsprach oder weil das Wasser einfach nicht warm werden wollte. Als wir uns auf den Weg zum Ausgang machten, fand im großen Schwimmerbecken gerade die Wassergymnastik mit den großen Schwimmnudeln statt. Vor dem Becken stand eine junge Frau mit der gleichen Nudel, die die Rentnerinnen im Wasser anleitete. Als wir jedoch an ihr vorüber gingen, geschahen zwei Sachen gleichzeitig, die beide zur Folge hatten, dass die Damen im Wasser nur noch bedröppelt herumstehen konnten. Zum einen konnte die junge Frau nicht mehr mit dem Starren aufhören, als sie uns sah und begann sofort, uns mit ihren Blicken auszuziehen. Zum anderen war ihr plötzlich die Wassergymnastik die sie hier anleitete so peinlich, dass sie nicht weiter machen konnte. Sie klammerte sich an ihre Schwimmnudel und bewegte sich keinen Millimeter mehr, bis wir in der Umkleide verschwanden.
 
Spruch des Tages: Rasieren in der Sauna verboten!
Höhenmeter. 130 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.425,27 km
Wetter: sonnig, angenehm, leichter Wind
Etappenziel: Festsaal der Stadt, Cuon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:20:35


Tag 1346: Zwischen Wut und Liebe

Poliertes Messing ist besser an die Leute zu bring

14.08.2017 Dieses Land stellt mich gerade wirklich vor eine meiner größten Herausforderungen. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, aber es gibt einfach so unendlich viele Dinge, die mich hier ununterbrochen wütend machen. Ich glaube ich habe von keinem Land bisher einen so schlechten Eindruck gehabt wie von diesem. Wenn ich ein Rating machen müsste, mit den schönsten, angenehmsten und bereisenswertesten Ländern Europas, Irland käme mit weitem Abstand an letzter Stelle. Ich kann nicht verstehen, wieso es heißt, die Iren wären so ein freundliches und offenes Volk. In meinen Augen sind sie die wohl am wenigsten angenehmen, hilfreichen und freundlichen Menschen der Welt. Nur weil jeder „How ya do-in?“ also „Wie gehtsn?“ statt „Hallo!“ sagt, wenn man begrüßt wird, hat das noch nichts mit Freundlichkeit zu tun. Es ist ja eine reine Floskel und niemanden interessiert, wie es einem wirklich geht. Ich finde, das allein zeigt schon viel zur Grundhaltung der Leute hier. Am Morgen haben wir eine junge Deutsche getroffen, die seit einem knappen Jahr hier als Freiwillige in einer Behinderteneinrichtung arbeitet. Sie war zu höflich, um es gleich zu sagen, hatte aber über die Monate ein sehr ähnliches Bild bekommen. Am meisten störte sie die offenbar vollkommen fehlende Fähigkeit zur Selbstreflexion. „Es ist nicht so, als wären sie schlecht darin!“ meinte sie, „es ist, als käme die Idee dazu nicht einmal in ihrem Geist vor!“ Ich kann gar nicht genau sagen was es alles ist, das mich stört, weil es so viele Kleinigkeiten sind. Dieses Grundablehnende, dieses ständige angestarrt werden als sei man ein Verbrecher, die permanente Scheinhöflichkeit. Eine Sache zum Beispiels ist, dass man immer wieder bewusst Dinge angeboten bekommt, von denen von vorn herein klar ist, dass man sie niemals annehmen kann. Wie oft Menschen neben uns anhalten und fragen, ob sie uns mitnehmen können, obwohl sie winzige Autos haben. Es ist schwer zu beschreiben, denn es gab Länder, in denen das wirklich nett gemeint war. Hier hat man aber immer nur den Eindruck, dass es ihnen darum geht, einen Grund zu finden, um einen anzuquatschen, ohne in Gefahr zu geraten wirklich etwas dafür tun zu müssen. Es gibt selten die Frage: „Kann ich euch irgendwie helfen?“ oder „Braucht ihr irgendwas?“ sondern meist ganz gezielt die Frage nach etwas, von dem man genau weiß, dass es nicht gebraucht wird. „Habt ihr euch verlaufen?“ ist beispielsweise so eine beliebte Frage, die aber nicht kommt, wenn man verloren aussieht, sondern, wenn man gerade gemütlich irgendwo sitzt und Picknick macht oder wenn man es geschafft hat, einer Hauptstraße auszuweichen und endlich irgendwo ist, wo man es zumindest ein bisschen ruhiger und schöner hat. Es geht einfach nicht darum, jemandem Hilfe anzubieten, sondern darum, jemandem ein Gespräch aufzudrängen von dem man der Meinung ist, dass er hier nichts verloren hat. Ich glaube das ist es, was mich so stört, das Gefühl, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen wer man ist, nur weil man hier zu Fuß geht. Und das alles so komplex sein muss, dass man nicht einfach irgendwo hingehen kann, ankommt und einen Platz hat, sondern jeden Tag 10 Telefonate führen, von einem Ort zum nächsten und zurück laufen muss, das jeder erst einmal überredet werden will, einem überhaupt nur zuzuhören, das alles voll von Verbotsschildern und Kameras ist, die einem permanent das Gefühl geben, Gefangener in einem Hochsicherheitsgefängnis zu sein, dass es hier nichts gemütliches gibt, man ständig nass geregnet wird und dazu nichts einmal etwas anständiges zum Essen bekommt. Und vor allem, dieses Gefühl, festgehalten zu werden und niemals auch nur ein Stück voranzukommen. Dabei ist es so schade, dass sich gerade jetzt zum Ende unserer Zeit auf den Inseln diese Negativeindrücke so häufen. Denn es war ja keine schlechte Zeit und wir haben eine Menge geniale Dinge erlebt. Es fühlt sich einfach gerade an, als sollte uns jetzt am Ende noch einmal alles so richtig vermiest werden. Auf der anderen Seite weiß ich aber natürlich auch, dass all dies nicht von Irland, sondern von mir ausgeht. Es ist mein Spiegel. Es ist die Reflexion dessen, was in mir los ist. Alles was mich im Außen nervt und wütend macht, sind Anteile von mir, die ich ablehne und je mehr ich darüber verbittere, desto schlimmer muss es natürlich werden.Gerade deshalb ist es so wichtig, den Fokus eben nicht auf dieses unangenehme zu legen. Es gibt ja jeden Tag aufs Neue immer mindestens genauso viel Positives. Ich meine, trotz allem, haben wir noch kein einziges Mal keinen Schlafplatz bekommen, mussten kein einziges Mal hungern, haben immer wieder auch nette Menschen getroffen, die uns großzügig unterstützt oder einfach nur mit einer freundlichen Begegnung aufgemuntert haben und hatten trotz der Regenreichheit dieses Landes immer wieder Sonnenstunden. Ich bin es ja, der entscheidet, dass er sich mehr vom Unangenehmen annerven als vom angenehmen begeistern lässt. Das wurde heute auch noch einmal deutlich, als mich Heiko nach dem Telefonat mit einem Pfarrer etwas coachte. So sehr wie mir am Anfang der Sinn für´s Verkaufen gefehlt hatte, so sehr versteifte ich mich nun darauf, wodurch nur noch mein eigener Vorteil präsent war, es mir aber nicht mehr darum ging, herauszufinden, was der andere gerade benötigt. Gerade diese enorme Skepsis und die Grundablehnung der Menschen sind ja eine Chance um wirklich etwas zu lernen. Jemandem etwas zu verkaufen, von dem er eh schon begeistert ist, ist keine Kunst, aber zu erkennen, was er wirklich braucht um Ja sagen zu können, die Kontrolle über das Gespräch zu übernehmen und ihn behutsam aber sicher genau dorthin zu führen, wo er sich öffnen kann, so dass ein Austausch zum gegenseitigen Vorteil stattfinden kann, das erfordert Können. Ich habe mich ja immer wieder gefragt, wie ich Selbstkontrolle erlernen kann und genau hier liegt eine der größten Chancen, wenn alles eins ist und somit alles Ich bin, dann ist jede Form der Kontrolle, eine Form der Selbstkontrolle. Ganz offensichtlich ist nun die Zeit, um das Steuer wirklich in die Hand zu nehmen und das Gefühl, ein unbeteiligter Spielball der äußeren Umstände zu sein, hinter mir zu lassen.
 
Spruch des Tages:Poliertes Messing ist besser an die Leute zu bringen als stumpfes Gold. (Philip Dormer Stanhope Lord Chesterfieldk)
Höhenmeter. 80 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.397,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Corzé, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-03-19 18:18:40


Tag 1345: Entspannen und Genießen

Relax! Take it Easy!

12.08.2017 Heute war seit langem endlich mal wieder ein entspannter Tag. Er verlief an sich so, wie normalerweise unsere Tage fast immer verliefen, aber weil es so lange schon nicht mehr vorgekommen ist, fühlt es sich fast ein bisschen nach Urlaub an. Wir kamen in der Früh relativ pünktlich los, wanderten gute 18km auf kleinen Nebenstraßen durch Wälder, Heideflächen und Moore, kamen um 13:20 Uhr entspannt an unserem Ziel an und wurden hier bereits vom Pfarrer erwartet. Pünktlich um 14:00 Uhr konnte ich meinen Mittagsschlaf machen, der in der letzten Zeit mit viel Glück zwischen 18:00 und 20:00 Uhr stattgefunden hatte, oder oft sogar ganz ausfallen musste. Nun haben wir eine ganze Weile Zeit für uns alleine, um in Ruhe zu arbeiten und gegen 15:00 grillt uns der Pfarrer ein paar saftige Steaks mit Salat und Pellkartoffeln. So entspannt kann es doch auch gehen! 13.08.2017 Was das Genießen anbelangt schien unser Gastgeber eine einzigartige Ausnahme in diesem Land zu sein. Er liebte es zu kochen, sah das Leben entspannt, ging gerne Golfen und ließ sich von nichts und niemandem stressen. Der Konsens bei den Iren im Allgemeinen sah hingegen etwas anders aus, was gerade jetzt durch die lange Trockenperiode deutlich wurde. Normalerweise war das Wetter immer grauenhaft, so dass man es gut vor sich rechtfertigen konnte, keine Gelegenheit für Genuss zu haben. Wenn es doch einmal sonnig und warm war, dann rannte man nach draußen um sie sonnigen Stunden mit Rasenmähen, Zaun streichen, Hecken schneiden, Auto waschen oder Unkraut jäten zu verbringen. Normalerweise reichte dies aus, um die wenigen Sonnenstunden tot zu schlagen, so dass man anschließend guten Gewissens zurück ins Haus gehen und sich nach Herzenslust über den ständigen Regen ärgern konnte. Nun aber war es bereits seit Tagen trocken und langsam aber sicher war jeder Rasen geschnitten, jedes Auto gewaschen, jeder Zaun gestrichen, jede Hecke gestutzt und jedes Unkraut gejätet. Was also sollte man nun mit der Zeit anfangen? Heute war Sonntag und für hiesige Verhältnisse hatten wir herrliches Wetter. Und doch sah man niemanden im Garten. Nirgendwo wurde gegrillt, nirgendwo gab es einen genutzten Liegestuhl oder auch nur ein bereit gelegtes Buch, das auf eine Nutzung hätte hindeuten können. Ein einzelner Junge stand in einer Hofeinfahrt vor einer grauen Betonmauer und schlug lustlos einen Ball dagegen, den er immer wieder auffing. Das war alles, was wir heute sahen, das so etwas wie menschlichen Leben nahe kam. Wie selten hier jemand im Freien unterwegs ist, zeigte sich auch deutlich an einem Warnhinweisschild, an einer der Straßen auf denen wir wanderten. Dort stand tatsächlich allen ernstes „Achtung! Es könnten sich Fußgänger auf der Fahrbahn befinden!“ Die Straße war kaum breiter als ein Feldweg und somit prädestiniert für Wanderungen. Es sollte also eigentlich das normalste der Welt sein, dass man auf Sträßchen wie diesen Wanderer und Spaziergänger antrifft. Doch es war so eine Seltenheit, dass man an Stellen, an denen es eine Art offiziellen Wanderweg gab, tatsächlich eine Warnung aufstellen musste. So fern den Einheimischen das Genießen lag, so fern lag ihnen leider auch jede Form von Praktikabilität. Es war ja nicht so, als würde uns hier keine Gastfreundschaft begegnen, sie war nur um so ein vielfaches komplexer als überall sonst auf der Welt. Heute bekamen wir Nummern und/oder Adressen von drei Klöstern, zwei Pfarrern, einem Altenheim und zwei Gemeindemitgliedern, die uns einen Platz hätten beschaffen können. Bis kurz vor 18:00 Uhr und ohne eine Distanz von gut 35km war es unmöglich, auch nur einen von ihn zu erreichen. Und diejenigen, die wir erreichten kosteten uns insgesamt 3,5 Stunden Zeit, nur um irgendwo ankommen zu können. Dabei waren die Leute in der Regel nicht einmal bewusst unfreundlich, sondern nur ängstlich und verklemmt, was dazu führte, dass sie sich und anderen, das Leben unnötig schwer machten. Die Mutteroberin des Nonnenklosters erfand sogar eine hanebüchene Geschichte darüber, dass das zu ihrem Kloster gehörende Collage gerade abgerissen worden sei, und sie daher keine Räume mehr hätten. Später kamen wir am Kloster vorbei und sahen hier einen noch größeren Komplex als beim Zisterzienser-Kloster vor ein paar Tagen, der ganz und gar nicht abgerissen aussah. Das Gebot mit „Du sollst nicht lügen“ wurde hier offenbar nicht allzu ernst genommen. Die Frau im Altenheim hingegen war nicht einmal bereit, den Pfarrer auf seinem Handy für uns anzurufen. Sie fühle sich nicht wohl dabei, einen Telefonanruf für einen Fremden zu tätigen und hätte es lieber, wenn ich wieder hinaus auf die Straße gehen und dort mein Glück versuchen würde. Selbst die Brüder, die wie wir ja nur wenige Tage zuvor gehört hatten, laut eigenem Regelwerk jeden aufnehmen mussten, waren so skeptisch, dass sie nicht „Ja“ sagen wollten, ohne zuvor von irgend jemandem eine Bestätigung zu bekommen, dass wir vertrauenswürdig waren. Und die Frau, die zu diesem Zeitpunkt bei uns war und die als Messnerin direkt für den Pfarrer arbeitete, der uns eigentlich hätte helfen wollen, wenn er im Ort gewesen wäre, war nicht bereit, auch nur die geringste, positive Aussage über uns zu treffen. „Ich kann leider nichts über die Männer sagen! Ich kenne nur ihre Namen und kann bestätigen, dass sie aus Deutschland sind!“ Kein Bauchgefühl, keine persönliche Einschätzung, keine Fragen, nichts. Zum Glück reichte dies den Brüdern aus.
 
Spruch des Tages: Relax! Take it Easy!
Höhenmeter. 80 m
Tagesetappe: 28km
Gesamtstrecke: 25.397,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Corzé, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:28:30


Tag 1344: Ursachen von Energielosigkeit

Ich bin alles, was existiert.

11.08.2017 Leerer Akku Nachdem wir von unserer Klosterführung zurück auf unsere Zimmer gekehrt waren, wollte ich eigentlich gleich damit beginnen, die neuen Informationen über das Mönchsleben festzuhalten und mich dann an weitere Berichte setzen. Doch es ging nicht. Mein Kopf glühte wie ein Bügeleisen und ich fühlte mich schwach und leer wie ein ausgesaugter Akku. Sobald ich auch nur einen Satz tippen wollte, fielen mir die Augen zu und ich schlief für drei bis zehn Minuten ein. Dabei war es egal, ob ich am Tisch oder auf dem Bett saß, ob ich kniete, hockte oder mich hinstellte. Wenn ich stand schlief ich zwar nicht, fühlte mich aber so schwach, dass ich kaum eine Taste drücken konnte. An so etwas wie Klarheit oder Konzentration in meinem Kopf war ohnehin nicht zu denken. Das Phänomen mit der spontanen und allgegenwärtigen Müdigkeit war nicht neu, wenngleich es nun so akut und extrem war wie nie zuvor. Ich hatte das Gefühl, keinerlei Kontrolle über mich oder meinen Körper zu haben, so als hätte man mich unter Drogen gesetzt oder mit einem psychotoxischen Mittel vergiftet. Gleichzeitig rumorte es in meinem Magen wieder wie verrückt, fast noch schlimmer als am Vortag. Immer wieder bekam ich Magenkrämpfe und mein Bauch blähte sich auf, als wolle er zerplatzen. Gegen 21:30 Uhr besuchte ich Heiko auf seinem Zimmer. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade einmal eine knappe Seite an Tagesbericht zu Papier gebracht, während Heiko gerade an seiner 21. schrieb. Man konnte also ohne schlechtes Gewissen sagen, dass ich nicht ganz auf der Höhe war. Irgendetwas ging in mir vor sich und ich verstand nicht was. Zunächst einmal waren da natürlich die akuten Themen. Meine in letzter Zeit immer mehr aufkochende Wut, die meine Leber zum überschäumen brachte und so mein Magen-Darm-System ins Chaos stürzte. Außerdem hatte ich Fieber und befand mich offenbar in irgendeinem heftigen, körperlichen Umbruchsprozess. Verwirrende Fehlprogrammierungen Gleichzeitig machten diese akuten Verstärker meiner Situation aber auch noch einmal meine chronischen Themen deutlich, mit denen ich schon lange kämpfte, ohne Fortschritte zu machen. Ich hatte immer angenommen, dass meine extreme Müdigkeit mit Schlafmangel zusammen hing, dem ich mich ja immer mal wieder aussetzte. Wäre dies der Fall, hätte es nun mit dem neuen Schlafrhythmus jedoch deutlich besser werden müssen, denn auch wenn ich damit insgesamt nicht mehr stunden Schlaf abbekomme, erholen mich die übrigen jedoch deutlich stärker, so dass ich eigentlich top fit sein müsste. Auch reichen die Erinnerungen an eine konstante Dauermüdigkeit bereits sehr lange zurück, bis weit in die Zeit vor unserer Reise, also in einen Bereich meines Lebens, der faktisch nicht einmal real war. Also muss etwas anderes dahinter stehen. Zunächst fiel mir auf, dass es einen klaren und äußerst unvorteilhaften Zusammenhang, zwischen meiner Konzentration und der Müdigkeit gibt: Je stärker ich mich auf etwas konzentrieren will, desto müder werde ich. Und je mehr ich versuche, einen Fokus zu setzen und meine Absicht auf einen bestimmten Punkt auszurichten, desto mehr zerstreuen sich die Gedanken in meinem Kopf, so dass ich abdrifte und schläfrig werde. Aus irgendeinem Grund gab es hier eine geistige Blockade in mir, die Konzentration automatisch mit Müdigkeit verknüpfte und mich so immer genau dann vollkommen ausknockte, wenn ich versuchte, besonders klar und zielorientiert zu sein. Es ging sogar noch weiter. Die Situation, die wir nun im Außen erlebten, mit all den Widrigkeiten, Zeiträubern und Ablenkungen, die dafür sorgte, dass wir nicht einmal mehr die einfachsten Tagesroutinen einhalten konnten, war ebenfalls nichts anderes als ein Spiegel dieser Fehlschaltung in meinem Kopf. Je klarer und effektiver ich an einem Thema dranbleiben wollte, desto mehr Dinge geschahen, die mich genau davon abhielten. Als ich Heiko davon erzählte und wir einige Austestungen zu dem Thema machten tastete ich mich Stück für Stück an den Kernpunkt heran. Warum hatte ich diese Verknüpfung in mir, die mir das Leben und vor allem meinen Entwicklungsprozess so schwer machte? Wechsel zwischen Menschbewusstsein und Gottbewusstsein Zunächst einmal hatte ich das Problem, dass ich noch immer versuchte aus meinem beschränkten Mesnchsein heraus einen Fokus zu finden, anstatt aus dem allbewusstsein heraus. Ich versuchte meine Konzentration krampfhaft oder im Kampf aufzubauen, anstatt ins Vertrauen zu kommen, es fließen zu lassen, zu wissen, dass ich als göttliches Wesen immer konzentriert und aufmerksam bin. Ich bin die Konzentration und muss sie nicht erreichen. Leider ist das viel leichter gesagt, als getan, den faktisch habe ich keine Ahnung was das bedeutet, und was ich nun mit dieser Information anfangen soll. Ich merke nur, dass ich Dauermüde bin und auch schon wieder beim Schreiben von diesem Text ständig einschlafe, dass mit die Zeit durch die Finger rinnt wie Wasser durch ein Sieb und dass ich ständig abgelenkt und aufgehalten werde und keine Ahnung habe, was ich dagegen tun soll. Dennoch half mit das Gespräch zumindest die Hintergründe ein bisschen besser zu verstehen und ein Gefühl dafür zu bekommen, warum ich an dem Punkt stehe, an dem ich stehe. Diese ganze Thematik mit Langsamkeit, auf der Stelle treten, keinen Fokus halten und nichts lernen zu können ist genau mein zentrales Lebensthema, bzw. das Thema mit dem ich überhaupt ins Leben komme. Am Anfang von dem, was wir „Leben“ nennen, werden wir durch den Verwirrer zunächst einmal möglichst weit von unserem Sein weggebracht, damit wir dann durch das wiedererkennen unserer Selbst die Liebe möglichst stark ausdehnen können. (Genaueres dazu findet ihr im Artikel Alles ist eins) Um dies zu erreichen gibt es immer wieder die gleiche Strategie, die sich in unterschiedlichen Formen bei allen Menschen wiederfinden lässt. Man bekommt die Illusion vorgespielt, dass einem eine bestimmte Sache sehr leicht fällt und man sie gut kann, ohne etwas dafür tun zu müssen. Doch anstatt das dieses Talent oder diese Gabe dazu führt, dass man Freude, Leichtigkeit und Glück im Leben erfährt, wird sie mit unangenehmen, negativen Erfahrungen und Gefühlen verknüpft. Obwohl man hier gut ist, bekommt man keine Anerkennung, Dankbarkeit oder Wertschätzung dafür, sondern Ablehnung, Leid und Zurückweisung. Bei Shania war dies unter anderem die Kunst der Verführung und das Ausleben ihrer Weiblichkeit. In den Illusionsfilmen, zu beginn ihres Lebens bekam sie gezeigt, dass sie ohne etwas dafür tun zu können anziehend und verführerisch auf Männer wirkte und dass sie eine natürliche, feminine und gleichzeitig geheimnisvolle Präsenz hatte, die ihr Sein wiederspiegelte. Dadurch konnte sie unter anderem auch mit Leichtigkeit als Messehostess arbeiten und bekam ohne jede Anstrengung Geld dafür, dass sie einfach nur da war und zumeist noch Spaß haben durfte. Doch zur gleichen Zeit war dies immer auch mit Schmerz und Leid verbunden. Ihre freunde unterdrückten sie, machten sie runter und schränkten sie ein, sie rutschte in die Drogensucht ab, erlebte Prostitution und Vergewaltigung und sammelte dadurch so viele Negativassoziationen, dass sie ihr Sein schließlich vollkommen vergrub und ablegte. Dann kam der Punkt, an dem sie aus den Illusionsfilmen ins Realleben überging und hier wirkten sich nun die zuvor verknüpften Negativassoziationen so aus, dass sie das genaue Gegenteil erlebte. Alles was zuvor leicht und locker war, wurde nun plötzlich schwer und anstrengend. Um auch nur die Voraussetzungen für eine weibliche Präsenz zu erschaffen, wurden nun eine ganze Reihe von Wandlungsschritten nötig, die zum Teil mit Schmerzen, Kosten und hohem Aufwand verbunden waren. Dadurch musste sie nun einen Job bei einer Versicherungsagentur annehmen, der sie zwang, Tag für Tag in einem Großraumbüro an einem winzigen Schreibtisch zu sitzen und hunderte von Telefonate zu führen, was sie nicht selten in den Wahnsinn trieb. Alles von dem, was sie in den Filmen als einfach und fluschig, dafür aber Leidbringend gezeigt bekommen hatte, war nun also plötzlich schwer, anstrengend und hart, gleichzeitig aber auch der Schlüssel in die Freiheit. Nicht anders war es auch bei mir. Meine Verknüpfungspunkte lagen im Bereich Lernen, Verstehen, Wissen und logisches Denken. Glaubte ich meinen Erinnerungen an meine Kindheit und Jugendzeit, dann war ich stets der Musterschüler, der mit Leichtigkeit durch den Schulalltag tänzelte, ohne sich je für eine Prüfung anstrengen zu müssen. Der Unterrichtsstoff floss geradezu in mein Hirn und wurde sofort behalten, verarbeitet und umgesetzt. Ich verstand Dinge so schnell und leicht, dass ich meinen Mitschülern Nachhilfe gab, die den Stoff gemeinsam mit mir, vom gleichen Lehrer erklärt bekamen. Ich war also stets einer der Schlausten und Intelligentesten Menschen in meiner Umgebung. Und doch brachte mir dies keinerlei Vorteile. Im Gegenteil. Ich wurde gehänselt, gemobbt und ausgegrenzt. Ich war der Streber, den niemand mochte, gerade weil er schlau war und der daher stets versucht war, seine Leistungen und seine Fähigkeiten herunter zu spielen und hinter dem Berg zu halten. Selbst von Seiten der Eltern gab es kein Lob und keine Anerkennung für positive Leistungen in diesem Bereich. Es war ja normal, dass ich gute Noten heim brachte, warum also hätte man dies großartig erwähnen sollen? Die erste Frage, die sich aufdrängt, wenn man auf diese Erinnerungen zurückblickt lautet: „Kann dies real gewesen sein?“ Wenn doch alles Liebe ist und somit auch alles auf Wachstum und Entwicklung ausgerichtet ist, wieso sollte einen das Leben dann gerade dafür bestrafen, dass man seine Talente lebt? Wie würde dies zu der Aussage passen, dass einem das Leben stets genau die Hinweise schickt, die man braucht, um sein Darma zu finden und um auf seinem Lebensweg weiter voranzukommen? Das passt nicht zusammen. Jede Form von Leid ist eine Illusion. Jede Form von Negativität ist eine Illusion, da alles, was existiert nur der Ausdehnung der Liebe dient. Somit kann dieser Tobias Krüger, an den ich mich da erinnere nicht real gewesen sein. Er ist nicht mehr, als eine Filmschauspielrolle, die ich gezeigt bekommen habe, um mich genau von den Punkten wegzubringen, die meinem wahren, göttlichen Sein entsprechen. Der erste Punkt, an dem ich gerade festhake ist also der, dass ich meine Tobias-Rolle noch immer als real ansehe und mich daher selbst für einen von allem getrennten Menschen halte. Selbst wenn es mir hin und wieder gelingt, das alte Loszulassen und zu erkennen, dass Tobias eine Illusion und tot ist, dann tausche ich dabei diese alte Rolle lediglich gegen die neue des Franz ein, der in meinen Augen aber noch immer ein von allem getrennter Mensch ist. Und hier ist nun der Knackpunkt: Warum glaube ich, dass ich ein getrenntes Einzelwesen bin, das sich alleine seinen Weg durchs leben kämpfen muss? Komplett kann ich die Frage leider noch immer nicht beantworten, aber ein wichtiger Grund ist, dass ich stets alles nur aus meiner Perspektive sehe. Mir fehlt es an Empathie. Auch dies ist so eine Eigenschaft, die mir in den Filmen immer als etwas Leichtes verkauft wurde, das mir jedoch keinen Vorteil einbrachte. Früher glaubte ich, mich in alles und jeden hineinversetzen zu können, ohne mich dafür auch nur im Geringsten anstrengen zu müssen. Doch ging es dabei immer nur darum, die Harmonie zu waren und mich selbst noch besser anpassen und verbiegen zu können. Heute fällt es mir schwer, auch nur die oberflächlichsten Hinweise auf das Seelengeflecht eines anderen Menschen oder Wesens zu sehen. Es fühlt sich an, als wäre ich in dieser einen Perspektive gefangen oder eingerostet, so dass ich nicht mehr hin und her wechseln kann. Doch gerade das ist wichtig um zu erkennen, dass man eben kein einzelnes, getrenntes Wesen ist. Ich bin nicht nur Franz, der durch Irland wandert und sich über die lauten Straßen und die kläffenden Hunde ärgert. Ich bin auch die Autos, die an mir vorbeirauschen. Ich bin der Asphalt mit den groben Steinen darin. Ich bin der Hund, der gelangweilt im Regen unter dem Dachvorstand liegt und sich darüber freut, dass endlich jemand vorbeikommt, an dem er mit lautem Bellen seinen Frust ablassen kann. Ich bin auch der Regen, der Frust und der Dachüberstand. Vor allem aber bin ich derjenige, der all dies erschaffen hat. Warum also ärgere ich mich die ganze Zeit überall die Dinge, dich ich zuvor selbst habe entstehen lassen? Meine Aufgabe ist also, wieder zwischen den Perspektiven hin und her zu wechseln, um zu erkennen, dass alles ein uns das selbe ist und um das „Menschsein“ aufzulösen. Wie ich das genau anstelle weiß ich noch nicht, aber ich hatte heute zumindest schon einmal einen Geistesblitz, der mich auf eine alte Technik brachte, mit der ich den Perspektivenwechsel üben kann. Bei meinem Wildnismentoring gab es immer wieder das Thema „Shadowing“, als eines der wichtigsten Lernwerkzeuge überhaupt. Auch in unserem Buch „Die natürliche Heilkraft der Bäume“ spielte es eine wichtige Rolle und doch habe ich nun noch einmal das Gefühl, es auf eine völlig neue Weise verstanden zu haben. Bislang dachte ich immer, dass es darum ging, ein anderes Wesen zu imitieren um von ihm zu lernen, um nachfühlen zu können, was es fühlt, und um zu verstehen, warum es so ist, wie es ist. Das ist natürlich auch ein wichtiger Teil davon, aber der Punkt um den es eigentlich geht ist, zu erkennen, dass man das andere Wesen ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen ihm und uns. Wir sind eins.
 
Spruch des Tages: Ich bin alles, was existiert.
Höhenmeter. 90 m
Tagesetappe: 35 km
Gesamtstrecke: 25.379,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Ehemaliges Pfarrhaus, Montreuil-Juigné, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:27:48


Tag 1343: Das Zisterzienser-Kloster

So ist das mit den guten Vorsätzen.

Fortsetzung von Tag 1342: Ziel unserer Reise war heute das Zisterzienser Kloster von Roscrea, von dem uns bereits einige Pfarrer erzählt haben. Es war ein gewaltiger Komplex, zu dem unter anderem auch eine Eliteschule und ein Gästehaus gehörten. Zum ersten Mal in Irland bekamen wir hier ohne irgendwelche Komplikationen einen Schlafplatz, da das Gästehaus speziell zu diesem Zweck geschaffen wurde. Unsere Gefühle beim Betreten des Komplexes waren dennoch etwas gemischt, denn mit unserer Vorstellung von einem Kloster hatte dies mal wieder sehr wenig zu tun. Vor allem irritierte uns der viele Verkehr, denn obwohl der Tag nicht gerade ruhig gewesen war, fuhren hier auf dem Klostergelände mehr Autos an uns vorbei, als auf der ganzen Strecke zuvor. Die meisten von ihnen waren Luxuskarossen, die auf ein eher gehobeneres Klientel schließen ließen. Später fanden wir heraus, das heute gerade Tag der offenen Tür im College war, an dem sich die potentiell zukünftigen Schüler und deren Eltern ihre neue Schule zeigen lassen konnten. In diesem Rahmen gab es auch eine kleine Klosterführung, die vom Abt veranstaltet wurde und an der auch wir teilnehmen durften. Dabei erzählte er uns einige spannende Hintergründe über das Leben als Mönch und die Entstehun des Mönchstums an sich, die wir für euch im Artikel „Geschichte der Mönche“ zusammengefasst haben. Lustigerweise kam er dabei auch auf das Thema des Aufweichens der Regeln und die Probleme zu sprechen, die es mit sich brachte, wenn ein Kloster zu reich wurde. Er erzählte es als ein Problem aus der Vergangenheit, beschrieb damit aber genau den gegenwärtigen Zustand seines Klosters. Er erwähnte aber auch, dass nicht nur die Franziskaner, sondern alle Orden, die auf den heiligen Benedikt zurück ginge, Gastfreundschaft als einen festverankerten Grundsatz hatten. Jeder Gast, so stand es im Regelwerk festgeschrieben, sollte empfangen werden, als wäre er Christus selbst. Und dies unabhängig davon, welchen Glauben und welche Einstellung er hatte oder aus welchem Grund er eine Unterkunft suchte.
 
Spruch des Tages: So ist das mit den guten Vorsätzen.
Höhenmeter. 40 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.344,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Gemeindesaal der Stadt, Daon, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:27:08


Tag 1342: Was ist eigentlich Heimweh?

Nur weil man an einem Ort geboren wurde, muss man

Die Hälfte der Strecke hatten wir heute einen Wandergefährten, oder besser einen Radlergefährten. Es war ein junger Mann, der vor acht Jahren nach Australien ausgewandert war, gerade seine Familie und seine Freunde besuchte und an seinem letzten Tag noch einmal sein Heimatland mit dem Rad durchstreifen wollte. Was seine Meinung zu diesem Heimatland anbelangte, war er äußerst geteilt. Auf der einen Seite freute er sich immer wieder auf die grünen Hügel und die weiten Wege durch die Natur. Die Farbe Grün war in Australien, zumindest in Melbourne, also in dem Bereich in dem er lebte, eher eine Mangelware. Dafür regnete es dort natürlich auch keine 300 Tage im Jahr, wie es hier an einigen Orten der Fall war. 300 Tage Gesamtregen! Könnt ihr euch das vorstellen? Er befand sich spürbar in der gleichen Zwickmühle, die auch wir vor unserem letzten Deutschlandbesuch durchlebt hatten. Auf der einen Seite wusste er um die vielen Nachteile seines Landes und er war sich auch durchaus bewusst, dass es neben der hübschen Australierin, die ihn nach Down-Under verschlagen hatte durchaus weitere Gründe gab, warum er das Land verlasen hatte. Auf der anderen Seite spürte er aber auch, dass in Australien auch nicht alles Milch und Honig war und dass der Ortswechsel alleine ihn nicht glücklich machte. Also begann er Irland auf ein Podest zu stellen, in dem alles besser, schöner und einfacher war als in Australien. Er wusste dass es nicht stimmte und er war sich vollkommen im Klaren darüber, dass sein Leben unendlich viel komplizierter und anstrengender werden würde, wenn er hier her zurück kehrte. Aber irgendetwas in ihm, löste dennoch diesen Impuls aus. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Nur weil man an einem Ort geboren wurde, muss man dort nicht zwangsläufig zuhause sein.
Höhenmeter. 140 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.330,27 km
Wetter: windig, aber trocken und leicht sonnig
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Château-Gontier, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:26:24


Tag 1341: Fährenbuchung mit Hindernissen

Wie schön, dass die moderne Technik unser Leben er

10.08.2017 Es heißt, „wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mach einen Plan!“ In unserem Fall hatte Gott heute mal wieder ein bisschen mehr zu lachen. Da planten wir nun bereits seit über einer Woche, unsere Fähre von Cork aus nach Frankreich zu nehmen und richteten unseren kompletten Tagesablauf auf dieses Ziel aus. Nun stellte ich zufällig fest, dass die Fähre, die einmal in der Woche von diesem Hafen aus abfuhr, bereits vollkommen ausgebucht war. Wir hatten uns Gedanken darüber gemacht, ob wir für die 15 Stunden Fahrt wohl noch eine Kabine bekommen würden und nun bekamen wir nicht einmal mehr einen Platz an Deck. Hätten wir uns darauf verlassen, dass diese Fähren ähnlich funktionieren wie die von Igumenitsa oder Caley aus, hätten wir uns weitere 10 Tage durch das komplexeste Gebiet unserer Reise gekämpft, durch eine Industriegroßstadt gequält und am Ende festgestellt, dass wir in der Fall saßen. So aber machte ich eine sonderbare Entdeckung. Wir hatten sämtliche Alternativfähren ausgeschlossen, weil diese von einem Punkt im Südosten der Insel aus fuhren, was uns wie ein übertriebener Umweg vorkam, den wir zwingend vermeiden wollten. Tatsächlich aber hatte die Geografie des Landes getäuscht und der Alternativhafen lag sogar gute 20km näher als der Hafen von Cork. Zudem gab es, wie wir später erfuhren sogar ein Franziskanerkloster in der angrenzenden Stadt, was unsere Punktlandung deutlich erleichtern könnte. Um nicht schon wieder ins offene Messer zu rennen, riefen wir gleich von unterwegs die Hotline der Fähre an und bestellten uns einen Platz. Das war nicht so leicht, wie es vielleicht klingen mag, denn ich verstand ungefähr jedes zweite Wort der Telefonistin und sie in etwa jedes zweite von mir. Allein herauszufinden, ob es noch freie Kabinen gab, wurde zu einem Staatsakt und an ein Gespräch über Sponsorpartnerschaften war nicht einmal zu denken. Bleibt nur zu hoffen, dass die geduldige Dame unsere Kreditkartennummer, die Namen und unsere Mailadresse nach dem siebten Buchstabierungsversuch richtig verstanden hat. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Wie schön, dass die moderne Technik unser Leben erleichtert.
Höhenmeter. 140 m
Tagesetappe: 17 km
Gesamtstrecke: 25.311,27 km
Wetter: Regen und peitschender, kalter Wind
Etappenziel: Privates Gästezimmer, Saint-Sulpice, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:19:21


Tag 1340: Burger im Nobelrestaurant

Ein nobles Resraurant bedeutet noch kein gutes Ess

Fortsetzung von Tag 1339: Kurze Zeit später bekamen wir dann doch noch einen Rückruf von unserem Pfarrer. Er selbst war leider nicht zu hause, doch er würde uns eine Frühstückspension organisieren und dafür sorgen, dass wir etwas zum Mittag bekamen. Die Pension war leider wieder einmal erst ab 17:00 Uhr geöffnet, aber das waren wir ja nun bereits langsam gewöhnt. Mittagessen bekamen wir in einem alten Schloss, etwa 2km außerhalb des Ortes, das in ein Hotelrestaurant umgebaut worden war. Es war ein recht nobles Etablissement das von seinem Ambiente fast an unser Luxusrestaurant in Österreich heranreichte. Umso mehr wunderte es uns, dass es sich bei acht der zehn Speisen auf der Tageskarte um Burger oder Sandwichs handelte. Die beiden übrigen Gerichte waren Nudeln und Fisch. Bereits seit gestern Abend war ich gesundheitlich etwas angeschlagen. Shania hatte einige hundert Kilometer von uns entfernt einen weiteren wichtigen Wandlungsschritt durchlaufen und so wie es aussah hatte ich einen Teil ihrer Angst übernommen, der sich nun bei mir in Form einer Magen-Darm-Verstimmung äußerte. Anders als ich es gehofft hatte, führte das fettige und schwere Essen in der Burg nicht dazu, dass es besser wurde, sondern trug viel mehr dazu bei, dass ich am Abend vollkommen ausgeknockt war. Es war eine Kombination auf mehreren Dingen, die hier zusammenkam. Zum einen war da das Sympathisieren mit Shania und zum anderen eine Menge aufgestauter Wut und Ärger darüber, wie sich die Dinge hier gerade gestalteten. Es regte mich auf, das hier alles so anstrengend und zeitraubend war, und dass ich mit nichts wirklich voran kam. Es wollte mir einfach nicht gelingen, das ganze als Lernprozess und wichtige Erfahrung zu sehen, weshalb meine Leber nun langsam am Überkochen war. Am Abend versuchten wir es daher einmal mit einer Ohrakupunkturbehandlung, um Magen und Leber zu beruhigen. Der Erfolg bei meiner Leber war eher mäßig, aber zumindest beruhigte sich mein Magen-Darm-Trakt wieder.
 
Spruch des Tages: Ein nobles Resraurant bedeutet noch kein gutes Essen.
Höhenmeter. 30 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 25.294,27 km
Wetter: Sonnig, leichter Wind
Etappenziel: Kloster „Abbatiale du Port Salut“, Entrammes, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:18:33


Tag 1339: Warum wird Torf abgebaut?

Wenn es um die Zerstörung unseres Planeten geht, l

09.08.2017 Zunächst sah es aus, als wäre unsere Glückssträhne in Sachen Schlafplatzorganisation erst einmal wieder abgebrochen Pater Guinan versuchte zwar den zuständigen Kollegen in unserem Zielort zu erreichen, hatte damit aber keinen Erfolg. Es blieb also nichts als zu vertrauen, dass es auch so irgendwie klappen würde. Auch heute hatten wir wieder herrliches Wanderwetter und kamen dabei sogar ganz ohne Schauer aus. Das Kommentar eines Mannes, der uns auf halber Strecke mit Essen versorgte lautete: „So viel Sonne auf einmal ist äußerst abnormal für unsere Gegend hier!“ Bereits in den letzten Tagen waren wir immer wieder an kleineren und größeren Torfabbaugebieten vorbei gekommen und die Frau von der Gemeindehalle hatte uns gestern einiges darüber erzählt. Einen professionellen, großindustriellen Abbau gab es ihrer Ansicht nach nicht. Es ging viel mehr um die Privatversorgung der Einheimischen, die ausschließlich oder zu großen Teilen mit Torf heizten. Dazu konnte man bestimmte Flächen im Moor für ein Jahr kaufen, die dann als Trocknungsbereiche dienten. Hier her bekam man seinen Torf geliefert, den man dann in die handlichen Würste presste und zum Trocknen auslegte. „Glaubt es oder nicht!“ hatte die Frau gesagt, „Aber aus irgendeinem Grund trocknet der Torf dabei obwohl er im Freien liegt und obwohl es hier ständig regnet.“ Sorgen darüber, dass der Torf eines Tages abgebaut sein könnte, so dass nichts als totes Land übrig blieb, machte sie sich nicht. „Es gibt unendlich viel Moor hier, das kann man gar nicht aufbrauchen!“ meinte sie. Heute auf unserer Wanderung bekamen wir dazu jedoch einen anderen Eindruck. Das Moor mochte unvorstellbare Ausmaße haben, aber dass es hier keinen industriellen Großabbau gab, konnte man leider nicht behaupten. Vor uns lag eine Verwüstung, die fast bis zum Horizont reichte und in der man das hübsche Heidemoor in eine trostlose Marslandschaft verwandelt hatte. Dass sich das Material als Brennstoff eignete zeigte sich dabei unter anderem auch an den vielen Warnhinweisen für Feuergefahr, den Verkehrsüberwachungskameras und den strickten Verboten, irgendeine Form von offenem Feuer zu verursachen. Die Traktoren, die auf der Abbaufläche patrouillierten hatten sogar Feuerlöscher an der Vorderseite montiert, mit denen man einen evtl. auftauchenden Schwelbrand sofort löschen konnte.
 
Spruch des Tages: Wenn es um die Zerstörung unseres Planeten geht, lernt der Mensch wohl nie.
Höhenmeter. 20 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 25.279,27 km
Wetter: Windig aber sonnig
Etappenziel: Pfarrhaus, Changé, Pays de la Loire Mayenne, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:17:45


Tag 1338: Die Geschichte Irlands in Kurzform

Es ist bedeutend leichter, einen unangenehmen Umst

08.08.2017 Warum Irland ist, wie es ist... Unser Pfarrer war kein besonders spiritueller Mann, ähnlich wie die meisten Pfarrer die wir in letzter Zeit getroffen haben. Wo ich das gerade erwähne fällt mir auf, dass dies hier ein weitverbreitetes Phänomen ist. Ein Pfarrer sieht sich hier selbst in der Regel nicht als Mann des Glaubens oder der Spiritualität, sondern eher als einen Religionswissenschaftler an, der versucht, den Menschen den geschichtlichen, praktischen und gedanklichen Nutzen von Religion nahe zu bringen. Es geht nicht darum, die Menschen zu Gott zu führen, also ihnen aufzuzeigen, wie sie in ihre eigene Kraft, ins Vertrauen, in die Erleuchtung, ins Erwachen kommen können, sondern eher, sie davon zu überzeugen, dass der eigene Dienstleistungsanbieter in Form der Religionszugehörigkeit der beste ist. Wir haben nun schon sehr viele Pfarrer besucht und uns mit vielen auf gut unterhalten, doch ging es dabei fast nie um Glaubensfragen oder etwas in der Richtung. Tatsächlich hatte ich das tiefste und intensivste Gespräch über Glauben und die Frage, wer oder was Gott eigentlich ist, mit einem afghanischen Dönerbudenbesitzer, während ich auf meine Pizza wartete. Es ist schon etwas kurios, dass man hier als christlicher Mönch und Pilger täglich mit christlichen Priestern zu tun hat und den einzig nennenswerten Austausch über Spiritualität, bei dem ein tiefes, gegenseitiges Verständnis und eine Offenheit für den anderen spürbar wird, mit einem muslimischen Fastfood-Koch stattfindet. Aber zurück zu unserem Pfarrer. Worin der Mann bewandert war, was Geschichte, vornehmlich die Geschichte Irlands. Als wir am Abend in seiner Küche kochten, erzählte er uns einige Hintergründe, die uns halfen die Einheimischen und ihre Kultur etwas mehr zu verstehen. Anders als ich es geglaubt hatte, blickte Irland nicht auf fünf oder sechs Jahre des Bürgerkriegs mit Großbritannien zurück, sondern auf rund 1000 Jahre. Seit des frühen Mittelalters hatte es hier schon immer Kriege und Auseinandersetzungen mit den Briten gegeben, stets mehr oder minder erfolgreich versuchten, die Iren zu unterdrücken und zu versklaven. Es begann mit simplen Gebietskämpfen irgendwann um 11.000 nach Christi und wurde mit der Rebellion von Henry VIII gegen den Papst so richtig akut. Zumindest wenn man der offiziellen Geschichtsschreibung glaubt, dann basiert die gesamte Geschichte und religiöse Entwicklung Britanniens darauf, dass sich Papst Clemens VII aus irgendeinem Grund weigerte, die Eheschließung des englischen Königs mit seiner Braut anzuerkennen. Darüber war Henry so erzürnt, dass er beschloss, mitsamt seines Königreichs aus der katholischen Kirche auszutreten und sich selbst zum Oberhaupt einer neuen Kirche zu machen. Dies war die Geburtsstunde der anglikanischen Kirche, mit der wir ja schon einige Erfahrungen gemacht haben. Irland hingegen wollte bereits damals nicht Teil des britischen Königreichs und erst Recht nicht Teil dieser komischen, neuen Glaubensgemeinschaft sein, sondern hielt dem Papst die Treue. Ich kann nicht sagen, was wirklich dahinter steckt, denn wie immer bei religiösen Konflikten wird auch hier mehr dahinter sein, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Aber von diesem Moment an begann eine Odyssee der Intrigen, der Meuchelmorde und kriegerischen Auseinandersetzungen. Vater Noonan kannte jedes Detail davon und erzählte und genau, wann welcher König von seinem Sohn, Bruder, seiner Frau oder seiner Oma ermordet wurde, um den Thron zu übernehmen und die Macht an sich zu reißen. Dabei kam es fast immer auch zu einem Wechsel zwischen katholischen und anglikanischen Machthabern, wobei die Religion hier meines Erachtens rein als Werkzeug und Rechtfertigung genutzt wurde. Für Irland bedeutete dies jedoch fast immer, dass es auf die eine oder andere Weise von den Briten unterdrückt wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg, gehörten fast alle Ländereien auf der irischen Insel englischen Adelsfamilien, die zumeist irgendwo in Britannien wohnten und ihr Land nur über Mittelsmänner verwalten ließen. Die Iren, die hier lebten mussten Steuern und abgaben zahlen und sich an die Regeln halten. Hin und wieder gab es dabei natürlich Aufstände in denen die Iren versuchten frei und unabhängig zu werden. Der bekannteste wurde von einem Mann namens Boykott angeführt, der die Strategie wählte, sämtliche Forderungen und Regelungen der Briten mit Ignoranz zu strafen. Daher kommt auch das Wort boykottieren, um auszudrücken, dass man jemanden ignoriert oder ausschließt um seinen Willen durchzusetzen. Diese Fehde setzte sich permanent fort und mündete schließlich in dem Krieg von vor einigen Jahren, in dem weniger mit Boykottierungen und mehr mit Bombenanschlägen gearbeitet wurde. Die Angst vor Übergriffen steckt also seit vielen Generationen tief im Ahnengedächtnis der Einheimischen hier fest. „Was die vielen Zäune und Verbotsschilder betrifft“, fuhr der Pfarrer fort, „habe ich zwei Ideen, die das erklären könnten. Zum einen müsst ihr euch vorstellen, dass wir Iren seit Generationen auf fremdem Land gelebt haben. Alles um uns herum gehörte fremden Briten, die niemand je zu Gesicht bekam und deren es nur um ihren finanziellen Vorteil ging. Nun haben wir zum ersten Mal seit knapp 1000 Jahren unser eigenes Land und das wollen wir nun natürlich beschützen. Ich glaube das hier nun viel so ein Gefühl auftaucht von 'Das ist nun meins, deswegen darf es niemand mehr betreten oder anfassen.' Der zweite Faktor ist, dass sich in Irland von Seiten der Rechtslage und der Versicherungen das gleiche System etabliert, das es auch in Amerika gibt. Das bedeutet, dass man jeden erst einmal für alles haftbar machen kann, solange dieser nicht beweisen kann, dass man selber schuld ist. Verstauche ich mir beispielsweise den Knöchel, wenn ich auf der Straße gehe, dann ist das meine Schuld. Verstauche ich ihn mir, wenn ich mich auf deinem Land befinde, kann ich dich dafür verklagen. Es sei denn, du hast mir ausdrücklich verboten, dein Land zu betreten, denn dann habe ich gegen ein Recht verstoßen und die Haftung erlischt.“ Ein weiterer Faktor, der zur Skepsis und zur generellen Verschlossenheit beitragen könnte ist der, dass es eine recht eigensinnige Art von Interirischem Tourismus gibt. Wanderer aus dem Ausland kennt man so gut wie gar nicht und wenn man einen Fremden sieht, assoziierte man ihn als erste mit dem hier bekannten irischen Campertourismus. Die Campingurlauber sind jedoch alles andere als beliebt und haben den Ruf, laut, dreist unverschämt und nicht selten sogar etwas kleptomanisch veranlagt zu sein. Wenn sie irgendwo klingeln, dann fragen sie nicht nach irgendetwas, sie fordern es ein und dies meist ohne die geringste Höflichkeit. Dies führt natürlich dazu, dass man Fremden gegenüber erst einmal skeptisch ist. Auf der einen Seite waren diese Erklärungen sehr einleuchtend und halfen uns dabei, die Iren noch einmal in einem anderen Licht zu sehen. Auf der anderen Seite musste man allerdings sagen, dass man sich auch nicht zu sehr darauf ausruhen durfte. Wenn man sich beispielsweise die Geschichte des Balkans anschaut, dann sieht diese sehr ähnlich aus und ist ebenfalls von Kriegen, Konflikten und Unterdrückung geprägt. Und doch haben sich die Menschen dort bei weitem mehr Offenheit und Zwischenmenschlichkeit bewahren können. Heute in der Früh bereitete uns Pater Noonan noch ein Müsli-Frühstück zu und führte einige Telefonate mit Pfarrern in der Umgebung. Der Zuständige Priester für unseren geplanten Zielort war mal wieder im Urlaub und so planten wir die gesamte Route kurzerhand um. Am Ende landeten wir bei Pater Guinan, einem rüstigen Rentner, der fast sein ganzes Leben in Amerika verbracht hatte. Wir hatten uns um 15:00 Uhr mit ihm an seiner Kirche verabredet, doch wie in diesem Land offenbar üblich klappte dies mal wieder nur bedingt. Er war auf einer Beerdigung, die sich bedeutend länger hinzog, als er es erwartet hatte und so kam er erst eineinhalb Stunden später. In der Zeit saßen wir bei einem Tee und einigen Marmeladentoast in der anliegenden Gemeindehalle. Langsam aber sicher spürten wir, dass wir es einfach akzeptieren mussten, dass man in diesem Land niemals vor 17:00 Uhr irgendwo ankommen konnte und dass man einfach nur noch Nachts arbeiten konnte.
 
Spruch des Tages: Es ist bedeutend leichter, einen unangenehmen Umstand anzunehmen, wenn man versteht warum er ist, wie er ist.
Höhenmeter. 50 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 25.267,27 km
Wetter: Dauerregen ohne Ende
Etappenziel: Besprechungssaal, Montflours, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-26 09:17:02


Tag 1337: Irlands Schönheit

Bei Sonnenschein sieht doch gleich alles wieder ga

07.08.2017 „Man braucht Sonne, um Irlands Schönheit erkennen zu können!“ Dieser Satz des Pfarrers kam uns heute einige Male in den Sinn, denn heute hatten wir das erste Mal einen wirklich sonnigen und sommerlichen Tag. Und der Mann hatte Recht gehabt. So bei Sonne betrachtet und gerade hier im Zentrum, wo es etwas weiter und offener wurde, wirkte tatsächlich alles bedeutend schöner und angenehmer. Unsere Tagesetappe betrug auch heute wieder 32km und wir waren rechtschaffen kaputt, als wir am Ziel ankamen. Aber es war wieder ein Wandern und nicht nur ein abreißen von Strecke. Bei unserer Halbzeitstation bekamen wir sogar ein Eis mit auf den Weg. Was brauchte es also mehr, um ein echter Sommertag zu sein. Wie häufig solche Tage hierzulande sind erkannte man recht gut am Kommentar des Pfarrers, als er heute morgen den wolkenlosen Himmel sah: „Oh, na dann regnet es wohl heute erst am Nachmittag!“ Auch damit sollte er Recht behalten, aber es gab nur einen kurzen Schauer, der fast nicht der Rede wert war, so dass man den Tag quasi also komplett trocken durchgehen lassen konnte. Der Weg führte uns dabei auf kleinen, überwiegend einsamen Straßen durch ein Moor, in dem großflächig Torf abgebaut wurde. Man nutzte ihn hier zum Heizen, wobei er in kleine wurstähnliche Ballen gepresst und im Freien getrocknet wurde. Wie das in einem Land mit permanentem Dauerregen funktionierte war uns zwar ein Rätsel, aber offenbar funktionierte es. Ähnlich wie die Schotten mit ihren Wäldern hielten auch die Iren dabei offensichtlich nicht allzu viel von nachhaltigem Rohstoffabbau. Es sei denn natürlich, man bezieht das „nachhaltig“ auf „Abbau“ und nicht auf „Rochstoff“. Denn wenn man hier mit dem Abbau einmal fertig war, dann blieb nichts übrig als tote Erde. Das Moor war also durchaus nachhaltig entfernt worden, genau wie die Schottischen Wälder nach der Rodung für immer oder zumindest für sehr lange Zeit verschwanden. Die Engländer waren mit ihren Kohlevorkommen ja auch nicht anders vorgegangen, nur waren sie schon fertig und es war nichts mehr übrig, deswegen fiel es nicht mehr so auf. Man verstand nun aber, warum die Briten schon seit Jahrhunderten weltweit führend darin waren, Länder und Ressourcen auszubeuten und zu unterwerfen. Sie gingen mit sich selbst kein bisschen anders um. Mitten durch das Moor führten auch zwei Radwege, von denen einer nach Dublin führte. Sie waren bei Touristen sehr beliebt und dies wiederum führte dazu, dass sich das Ortsbild entlang des Weges spontan änderte. Plötzlich war alles gepflegt und geordnet. Die Gärten waren mit Blumen verziert, die Gräber prunkvoll geschmückt und die Straßen bestens instand gehalten. Es gab Informationstafeln, Parkanlagen und sogar die alten, verfallenen Baracken waren hübsch angestrichen. Nur 100m weiter hatte alles sofort wieder das übliche, trostlose grau und die Spuren des Verfalls, doch solange man sich am Touristenweg aufhielt, war es schön und einladend. Eine nette Abwechslung nach den letzten Tagen. Einzig der Wind und die vielen aggressiven Hunde, die uns bei 9 von 10 Häusern kläffend hinterher rannten waren etwas störend. Schade war auch, dass es hier nahezu keine Ortschaft gab, die nicht an einer grauenhaften Hauptstraße lag, so dass man am liebsten gleich wieder zurück ins Moor laufen wollte, wenn man dort ankam. Es war einfach nicht sinnvoll, Straßen mit einem Belag zu bauen, der weit mehr an Waschbeton, als an Asphalt erinnerte. Dann noch ein paar kreischende Teenie-Mädchen, ein Rasenmäher direkt neben der Kirche, ein paar Motorräder, die ihre Motoren aufheulen lassen und eine schrille Sirene im Hintergrund. Was braucht man mehr, um einen Ort zu erschaffen, an dem sich jeder rundum wohl fühlt und sicher ganz und gar nicht geisteskrank wird?
 
Spruch des Tages: Bei Sonnenschein sieht doch gleich alles wieder ganz anders aus!
Höhenmeter. 430 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 25.249,27 km
Wetter: Sturm, leichter Regen
Etappenziel: Best Hotel, Sant Baudelle, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:16:04


Tag 1336: Ohne Geld durch Irland

Spruch des Tages

Fortsetzung von Tag 1335: Das Land wandelt sich Auch wenn die Landschaft selbst noch immer überall aussieht wie an unserem ersten Tag auf diese Insel, gibt es doch einige auffällige Veränderungen. Die Kirchen werden nun immer kleiner und gewöhnlicher, je mehr wir uns aus dem Grenzgebiet und damit auch aus dem früheren Kriegsgebiet entfernten. Es wurde also noch einmal deutlich, dass all der Prunkt und all die Größe nichts mit dem Glauben an sich, sondern nur mit dem Konkurrenzkampf jener zu tun hatten, die die Religion für ihre Machtspielchen und ihr Ego missbrauchten, ähnlich wie es auch in Bosnien der Fall gewesen war. Seltsam war jedoch, dass sich auch die Pfarrern selber komplett zu wandeln schienen. Dort, wo im Norden nur pompöse und gut gepflegte Kirchen gewesen waren, haben wir auch nur penible, ordentliche und zumeist etwas spießige Pfarrer getroffen, die stets dafür sorgten, dass Kirche wie Villa in bestem Zustand waren. Hier im Süden trafen wir hingegen nur Messis, deren Häuser innen wie außen in einem katastrophalen Zustand waren und die zumeist ein schlampiges Jungegesellenleben führten. Dies war bislang keine Tendenz sondern ein Switch, der mit Grenzübertritt begonnen hatte und seither zu 100% zutraf. Aber auch die Häuser und Gärten der Privatpersonen wandelten sich, wobei ich noch nicht sicher bin, ob mir die Wandlung gefällt. Die Häuser werden zunehmend schäbiger und ärmer. Farben gibt es fast keine mehr und viele der noch immer bewohnten Häuser wirken verlassen und verfallen. Selbst die Häuser der Reichen waren hier kalt, steril und trostlos. In Deutschland hatten wir oft festgestellt, dass die Menschen in einer Art Museum lebten, die zwar schick aussahen, in denen es aber kein Leben gab. Hier gab es nun nicht einmal mehr Ausstellungsstücke, sondern nur noch die leeren, kalten und kahlen Museumsräume und Museumsgärten. Viele der Häuser hatten große Grundstücke, die jedoch zu mehr als der Hälfte von Einfahrten und Privatstraßen belegt waren, die einmal um das ganze Haus führten. Der Rest des Gartens bestand in der Regal aus kahlen, eckigen Grünflächen mit kurzgeschorenem Rasen. Beete oder gar Blümchen auf der Wiese gab es so gut wie nie. Die Menschen bleiben gleich Was sich hingegen leider überhaupt nicht zu ändern schien waren die Menschen selbst. Natürlich gab es immer wieder einzelne Zuckerstücke, also Menschen, die herausstachen, die freundlich, hilfsbereit und ermutigend waren und ohne deren Hilfe wir längst vollkommen aufgeschmissen wären. Aber die Grundhaltung in diesem Land war eine ablehnende und kaltherzige, stärker als wir es je zuvor irgendwo erlebt hatten. Es begann bereits damit, dass hier noch mehr Verbotsschilder und schriftliche Drohungen zu sehen waren, als in England. „Keep Out“, „Betreten verboten!“, „Ballspielen Verboten!“, „Parken verboten!“ „Leben verboten!“ Sogar die ältesten und abgeranztesten Bruchbuden hatten hier ein oder zwei Kameras und große Schilder mit „Warnung vor unseren Wachhunden!“ „Achtung: Videoüberwachung.“ Sobald man in die Nähe eines Hauses kam, wurde man von mindestens zwei Hunden angekläfft, die über die Wiese auf einen zugerast kamen, um einen aus sicherem Abstand zu belagern. Sie spiegelten die Haltung ihrer Besitzer recht gut wieder, die ebenfalls am liebsten alles verbellt hätten, was ihnen Fremd war. Nirgendwo zuvor waren hatten wir es erlebt, dass man uns erst von weitem zugröhlte, und sich dann kichernd in kleinen Gruppen zusammenstellte um mit dem Finger auf uns zu zeigen. Das passierte bei Kindern wie auch bei Jugendlichen und Erwachsenen. Auf der anderen Seite konnte man es auch irgendwo schon fast wieder verstehen, wenn man bedachte, wie langweilig es den Menschen hier war. Es gab einfach nichts zu tun, weder für die Kinder, noch für ihre Eltern. Sich um drei Uhr nachmittags in einem Pub zu treffen war nicht ungewöhnlich. Zwei kleine Mädchen zeigten recht deutlich, wie man hier seine Ferienzeit verbrachte. Sie saßen vor einer kleinen Wohnsiedlung auf einer eiskalten, nassen Steinmauer und versuchten Hämorrhoiden zu bekommen. Mehr konnte man hier einfach nicht tun. Nicht einmal im Balkan war es den Kindern so langweilig gewesen und die hatten wenigstens noch den Vorteil gehabt, dass ihre Mauern von der Sonne angewärmt waren.
 
Höhenmeter. 190 m
Tagesetappe: 23 km
Gesamtstrecke: 25.231,27 km
Wetter: bewölkt, leicht sonnig, hin und wieder Regen
Etappenziel: Ehemaliger Kindergarten, 53100 Châtillon-sur-Colmont, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:14:33


Tag 1335: Müdigkeit greift über

Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nich

06.08.2017 Ich weiß, es mag sich etwas seltsam anhören, aber heute morgen wachte ich um sieben Uhr in der Früh auf, und merkte, dass ich vollkommen verschlafen hatte. Mein Wecker hätte vor rund 3 Stunden klingeln sollen und genau jetzt in diesem Moment wäre eigentlich meine 2. Schlafphase des Tages vorbei gewesen. Ich habe euch ja erzählt, dass ich vor einiger Zeit meinen Schlafrhythmus geändert habe, so dass ich nun in mehreren Phasen am Tag schlafe. Eine Zeit lang klappte das auch sehr gut und ich fühlte mich deutlich wacher und aufmerksamer als zuvor. Aber dann kamen immer mehr Faktoren hinzu, die das Einhalten sämtlicher Tagesroutinen mehr und mehr erschwerten, wozu auch meine täglichen Schlafeinheiten gehörten. In den letzten Wochen gelang es mir daher nahezu nie, meine Schlafphasen so einzuhalten, dass es eine Regelmäßigkeit darin gab. Oft schaffte ich es nicht einmal, mich überhaupt am Nachmittag oder Abend hinzulegen. Dadurch verlor ich die Wachheit wieder und das alte Muster kehrte zurück. Ich wurde müder und müder und teilweise brauche ich nur stehen zu bleiben und mir fallen bereits die Augen zu. Texte im Sitzen zu schreiben wurde zu einer schier unlösbaren Aufgabe, da ich immer wieder darüber einnickte. Also suchte ich mir Plätze in Stehen, Knien oder Hocken um zumindest einen Teil der Wachheit zurückzuerlangen. Am härtesten war es kurioserweise stets nach der Drei-Stunden-Phase. Hier fühlte ich mich oft wie unter Drogen, so als hätte ich keinerlei Kontrolle mehr über meinen Körper und meine Gedanken. Ich kämpfte dagegen an, verfiel der Müdigkeit aber immer wieder und schlief mitten in der Bewegung ein. Und nun schaffte ich es nicht einmal mehr aufzuwachen. Wie ich von Heiko später erfuhr, lag dies jedoch nicht daran, dass ich meinen Wecker falsch programmiert hatte, denn sogar er war in der Nacht davon aufgewacht und hatte sich gefragt, warum er so lange bimmelte. Ich hatte ihn also einfach überhört, obwohl er direkt neben meinem Kopf lag. Irgendetwas passte hier also noch gar nicht! Die letzte Stunde zwischen 7:00 und 8:00 Uhr, die ich noch zum Arbeiten hatte, war ich zwar recht produktiv, aber abgesehen davon war ich den Tag über nicht munterer als sonst. Woher kam diese Müdigkeit also? Und woran lag es, dass ich den Fokus nicht halten konnte, so dass es mir möglich war, meinen Schlafrhythmus auch wirklich einzuhalten? Bislang sind die meisten Fragen dazu noch offen. Ich weiß nur, dass es sich anfühlt, wenn ich müde bin, als wäre ich nicht Herr meiner selbst sondern ein fremdgesteuertes Wesen. Den ersten, kurzfristigen Austestungen zufolge, steckte hier noch immer mein Mutterthema dahinter. In gewisser Weise war es also meine Mutter, bzw. das geistige Konzept von ihr, dass die Kontrolle über mich übernahm, wann immer ich müde und unaufmerksam war. Was das genau bedeutet müssen wir noch herausfinden, aber dazu war heute leider wieder keine Zeit, denn auch heute war es uns nicht vergönnt, zu einer humanen Uhrzeit anzukommen. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nicht, dass dadurch alles besser wird.
Höhenmeter. 190 m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.231,27 km
Wetter: bewölkt, leicht sonnig
Etappenziel: Sporthalle, Larchamp, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:11:25


Tag 1334: Reiseerfahrungen in Irland

Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nich

05.08.2017 Wir sind nun rund 10 Tage in Irland und seither hat sich die Insel vom Landschaftsbild selber noch kein einziges Mal verändert. Das einzige, was tatsächlich immer wieder einen großen Unterschied ausmacht ist das Wetter. Der Pfarrer vor einigen Tagen hatte Recht: Man braucht Sonne, um die Schönheit von Irland erkennen zu können. Heute, da immer mal wieder die Sonne schien und alles in ihrem Licht erstrahlen ließ, sah es wirklich an vielen Ecken sehr schön aus. Und das obwohl sich das Bild, das man sehen konnte, nicht im Geringsten von dem unterschied, das wir an früheren Tagen im Regen zu Sicht bekommen hatten. Bei genauerer Betrachtung blieb es auch eine reine Oberflächenschönheit. Denn soweit das Auge reichte gab es keinen einzigen Meter echte Natur. Es wirkte so, weil immer wieder Bäume auftauchten, die Landschaft von Hecken aufgelockert wurde und weil alles so grün war. Aber im Grunde war es nichts anderes, als die gigantischen Maisfelder in Rumänien. Es war totes Land, das vom Menschen so verändert worden war, dass jedes natürliche Leben aus ihm verbannt wurde. Alles war penibel in fast gleichgroße rechteckige Bereiche eingeteilt wurden, die mit Hecken, Gattern und Stacheldrahtzäunen umgeben waren. Dazwischen befanden sich reine Graswiesen auf denen nicht einmal ein Gänseblümchen wuchs. War es wirklich das, wofür Irland auf der ganzen Welt so berühmt war? Anders als in England, wo man ja auch auf das Einkästeln und Zerstückeln der Welt in kleine, handliche Stücke stand, boten hier jedoch nicht einmal die Gebäude einen sehenswerten Anblick. Wir fühlten uns fast wieder wie in Osteuropa, wenn wir irgendwo in einen Ort kamen. Es gab natürlich immer wieder Villen und prunkvolle Anwesen, aber die meisten Gebäude waren graue Betonklötze, die schäbig, verfallen, ranzig und verlassen aussahen, obwohl sie bewohnt waren. Auch die berühmten Irisch Pups, die wir hier sahen hatten so gar nichts von dem Flair, den man ihnen im Ausland nachsagte. Es waren zwielichtige, schäbige Alkoholiker-Kneipen mit schmutzigen Fenstern und verblichenen Werbeschildern. Der Irish Pub wie wir ihn kennen, muss eine Erfindung für Touristen sein oder vielleicht sogar rein im Ausland existieren. Was jedoch kein Mythos war, war die Aussage, dass die Iren sehr gesellige Leute sind, die gerne und groß feiern. Ob sie es wirklich gerne tun bin ich mir nicht sicher, aber bei „groß“ sind sie dabei. In unserem geplanten Zielort wurde gerade eine Hochzeit abgehalten. Erst wunderten wir uns darüber, dass so viele Autos an uns vorbei fuhren obwohl wir auf den kleinstmöglichen Straßen unterwegs waren. Dann wunderten wir uns, warum sie immer in unsere Richtung fuhren, egal wie oft wir auch abbogen. Schließlich fiel Heiko auf, dass alle außergewöhnlich fein und festlich gekleidet waren und so waren wir uns schließlich sicher, dass es sich nur um eine Hochzeit handeln konnte. Und richtig. Als wir an der Kirche eintrafen war der große Parkplatz mit gut 200 Autos befüllt. Langsam verstanden wir nun auch, warum die Kirchen im Norden so imposant waren. Es ging hier nie um sie Messen, sondern um Hochzeiten, Kommunionen und Taufen, für die stets das halbe Land zusammen kam. Selbst aus 100 Meter Entfernung konnte man die Menschen im Inneren der Kirche noch singen, grölen und klatschen hören, was uns nicht unbedingt das Gefühl gab, hier besonders richtig aufgehoben zu sein. Eine ältere Dame stieg mit ihrem Enkelkind aus einem neu angekommenen Auto und wir fragten, ob sie etwas über die Hochzeit hier wisse. Sie war kein Mitglied der Hochzeitsgesellschaft, sondern gehörte zur Kirche selbst und war gerade dabei dem Pfarrer Tee und Sandwiches zu bringen. „Die Messe muss jeden Moment vorbei sein!“ sagte sie, „deswegen bin ich ja hier!“ Tatsächlich strömten bereits wenige Minuten später die ersten Gäste aus der Kirche und beglückwünschten das Brautpaar, dass sich vor dem Eingangsportal positionierte. Die letzten ankommenden Autos hatten uns gerade einmal zwanzig Minuten zuvor überholt, also dauerte eine Hochzeitsmesse hier offenbar nicht einmal eine halbe Stunde. Besonders Ereignisreich konnte so eine Trauung also nicht sein, denn in zwanzig Minuten brachte man ja kaum mehr als das Ja-Wort und ein paar Lieder unter. Wahrscheinlich hieß es am Ende: „Sie dürfen die Braut nun Küssen! Aber gehen Sie dafür doch ruhig schon einmal vor die Tür, denn wir würden dann hier auch gerne Feierabend machen.“ Es war nicht die erste Hochzeitsgesellschaft in die ich während unserer Reise hineinplatzte, um den Pfarrer zu sprechen. Aber es war die bei weitem unangenehmste. So viele abwertende Blicke auf einen Haufen habe ich in meinem Leben wohl noch nie geerntet. Es war fast Ekel, der da in den Blicken der Leute lag, die die Nase rümpften, mich anstarrten und dann ein gutes Stück zur Seite auswichen. Dabei waren die Männer zu großen Teilen in Anzüge gezwängt, die zwar teuer und edel waren, aber so wenig zu ihnen passten, wie eine Bananenschale. Die Frauen trugen bunte Kleider und in dazu passenden Farben kleine, schiefe Hütchen auf dem Kopf, die so dämlich aussahen, dass ich mir nicht sicher war, ob sie sich dadurch nicht das Recht verspielten, irgendjemanden aufgrund seines Aussehens abzuwerten Grüßen tat keiner, nicht einmal wenn ich damit anfing. Der Vorteil war aber, dass ich relativ leicht in die Kirche kam, obwohl diese mit gut 600 Gästen bis zum Platzen gefüllt war. So musste sich dann wohl Moses gefühlt haben, als er das Meer geteilt hat. Nur dass es vom Wasser dabei wohl nicht so angewidert begafft wurde. Am Altar stand ein alter man mit schütterem, grauen Haar. „Sind sie der Gemeindepfarrer?“ fragte ich. „Hä?“ antwortete er und deutete auf ein großes, schweres Hörgerät, das von seiner Ohrmuschel kaum mehr getragen werden konnte. „Du musst lauter sprechen! Ich hör nicht mehr so gut!“ „SIND SIE DER GEMEINDEPFARRER?“ fragte ich erneut. Der Mann lachte. „Nein, ich helfe hier nur aus, damit die Rente nicht so langweilig ist!“ „Wo kann ich den Pfarrer finden?“ „Na wo wohl? Er sitzt in der Sakristei und trinkt Tee! Warten Sie ich führe Sie hin!“ Und da saß er tatsächlich, gemeinsam mit der Frau und der Enkelin vom Parkplatz, ließ die Hochzeitsgesellschaft Hochzeitsgesellschaft sein, lehnte sich in einem bequemen Stuhl zurück, trank genüsslich seinen Tee und freute sich über Kekse und Sandwich. Er selbst, wie auch die anderen Anwesenden lebten leider nicht hier im Ort, sondern irgendwo in der Gegend verstreut. Hier konnten sie uns daher nichts anbieten, denn es gab nichts außer der Kirche selbst und auf der lag mal wieder der Fluch eines Kirchenrates, der sich über alles und jeden beschwerte. Die Kirche, die sich 6km weiter befand, konnte er uns aber zur Verfügung stellen. Eine gute Stunde später kamen wir dann im Nachbarort an, wo wir ein Treffen mit einer sonderbaren Frau vereinbarten, deren Stimme tiefer und männlicher war, als die von Luis Armstrong. Die Kirche war eine kleine Kapelle mit einer simplen Sakristei und einer Toilette. Und doch schaffte sie es, uns über eine Stunde mit irgendwelchen Erklärungen und hinweisen aufzuhalten. Am Ende war es genau wie an den letzten Tagen wieder 17:00 Uhr als wir damit beginnen konnten, uns einzurichten. Und das obwohl wir um 14:00 Uhr das erste Mal mit dem Pfarrer gesprochen haben. Ich habe keine Ahnung wie dieses Land das macht, aber es ist mit Abstand der größte Zeiträuber, den wir je hatten.
 
Spruch des Tages: Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nicht, dass dadurch alles besser wird.
Höhenmeter. 160 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 25.217,27 km
Wetter: bewölkt
Etappenziel: Gemeindesaal, Laignelet, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:09:51


Tag 1333: Wie funktioniert der Muskelreflexionstest?

Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nich

Fortsetzung von Tag 1332: Den Muskeln vertrauen Unser Schlafplatz war heute wieder etwas ganz besonderes und auch wenn es uns wieder einmal rund zwei Stunden Zeit kostete, ihn aufzutreiben, war die Art und Weise, wie ich ihn entdeckt hatte ebenfalls ein Schlüsselerlebnis für mich. Wir kamen in der Mitte des Ortes, genau zwischen zwei Kirchen an und befragten den Muskeltest, welche der beiden Kirchen wir aufsuchen sollten. Rechts lag die irische Kirche, bei der ich uns wenig Erfolg ausrechnete, links lag die katholische. Zu meiner Verwunderung wies uns der Muskeltest an, nach rechts zu gehen. Warum er das tat verstand ich nicht im geringsten, denn die Kirche war wie erwartet verschlossen und es gab auch keinen Pfarrer in der Nähe. Also gingen wir zurück den Berg hinauf und versuchten unser Glück bei der katholischen. Doch auch wenn diese normalerweise in Betrieb war, konnten wir niemanden antreffen, der uns helfen konnte. Eine Weile zog ich etwas planlos durch den Ort, bis mich eine Frau darauf aufmerksam machte, dass es nur wenige hundert Meter hinter der irischen Kirche eine Akademie für Landwirtschaft und Landschaftspflege gab, die auch Übernachtungsmöglichkeiten hatte. Und tatsächlich traf ich hier im Sekretariat eine Frau an, die uns ein Zimmer zur Verfügung stellte. Das Besondere für mich war dabei nicht das Zimmer, sondern die Tatsache, dass der Muskeltest vollkommen Recht gehabt hatte, mit der Richtungsangabe, auch wenn ich ihn vollkommen falsch verstanden hatte. Es zeigte mir jedoch noch einmal deutlich, dass ich darauf vertrauen konnte und das nicht nur in spirituellen und entwicklungstechnischen, sondern auch in ganz praktischen Fragen. Auch wenn ich das von der Theorie her wusste, habe ich doch immer einen Zweifel daran gehabt, der nun wieder um einiges kleiner geworden ist. Akademie für Landwirtschaft und Landschaftspflege Die Akademie selbst war das reinste Drecksloch, und das ist nicht abwertend gemeint. Das Zimmer, das wir bekamen, bestand aus zwei nackten Stahlbetten, einer Tür ohne Türklinke, einigen Schimmelflecken an der Wand, zwei kaputten Schränken mit Brandspuren von ausgedrückten Zigarettenkippen und einem fleckigen, dreckigen Teppich der seit mindestens einem Jahr nicht mehr gesaugt worden war. Damit lag unser Zimmer im oberen Durchschnitt von dem, was einem hier geboten wurde. Für uns war es kein Thema. Wir waren mehr als nur dankbar einen Platz im Trockenen zu haben, an dem wir Ruhe hatten und für uns sein konnten. Aber wenn wir uns vorstellten, dass hier normalerweise junge Erwachsene lebten, deren Eltern eine Menge Geld ausgaben, damit sie zur nächsten Generation an Landwirten ausgebildet wurden, dann machte das schon bedenken. Hier wurden die Menschen untergebracht, die uns in Zukunft mit Nahrung versorgen sollen, die also dafür zuständig sind, dass unsere Gesellschaft alles bekommt, was sie für ein gesundes, kraftvolles und nährstoffreiches Leben benötigt! Wunderte es da noch, dass die Dinge liefen, wie sie liefen? Wenn man bedachte, das im letzten Monat eine Schülergruppe aus Spanien hier zu Gast war, verstand man plötzlich auch wieder, warum man in diesen Ländern nur so grauenhaft schlechtes Obst bekam.
 
Spruch des Tages: Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nicht, dass dadurch alles besser wird.
Höhenmeter. 60m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 25.195,27 km
Wetter: bewölkt, teilweise Regen
Etappenziel: Gemeindesaal, Saint-Brice-en-Coglès, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:07:47


Tag 1332: Rumtreiber oder Segen?

Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nich

Fortsetzung von Tag 1331: Sind Sie ein Rumtreiber? In der nächsten Ortschaft wollte ich in einem Laden nach etwas zum Essen fragen und wurde von einer alten Frau angesprochen. „Are you a stranger?“ fragte sie, war übersetzt so viel heißt wie „Sind die ein Fremder“ oder ein „Rumtreiber“? Ich bejahte und erzählte, dass wir für einen guten Zweck umherreisten und dass ich hoffte etwas essen zu bekommen, damit wir am Abend nicht hungern müssten. Die Frau gab sich mitfühlend und interessiert, bis die Verkäuferin zurück kehrte und sagte: „Tut mir leid, aber der Chef ist nicht da, da kann ich nichts machen!“ „Oh, na dann noch einen schönen Abend!“ sagte die Alte schnell und verschwand hinter einem Warenregal. Die Segnung Später kam ich an das Haus des alten Pärchens, das als einziges neben der Landwirtschaftsschule lag, in der wir übernachten durften. Sie lebten in einem kleinen Häuschen direkt an der Hauptstraße und waren sichtlich vom Leben gezeichnet. Die Frau hatte keinen Zahn mehr im Mund und der Mann wirkte, als hätte er kaum mehr einen Tropfen Blut im Körper. Es wäre also nachvollziehbar gewesen, wenn sie frustriert oder ängstlich gewesen wären doch das war nicht der Fall. Vier Mal schaute die Frau in die Tüte mit Lebensmitteln, die sie uns zusammengestellt hatte, ging alles noch einmal durch prüfte, was noch fehlen könnte und legte noch etwas hinzu. „Ein Pfarrer sind Sie nicht, wenn ich das richtig verstanden habe!“ sagte sie dann, „aber ein Mönch, richtig?“ „Richtig!“ sagte ich. „Würden Sie mich und meinen Mann dann segnen?“ fragte sie hoffnungsvoll. Wir hatten selbst schon einige Segnungen von Pfarrern und Mönchen erhalten und es hatte meist sehr gut getan. Eine Segnung, so mystisch das zunächst auch klang, war letztlich nichts anderes, als die Aussprache guter Wünsche und kraftvoller Worte für den anderen, die vom Herzen kamen und bei denen man sich mit Gott, der Urquelle oder dem Alles verband. „Ja, sehr gern!“ antwortete ich. „Mann! Herkommen, es wird gesegnet!“ schrie sie ins Innere des Hauses, woraufhin ihr Mann an die Tür trat. Ich schloss die Augen, stellte mir vor, wie eine helle, liebende und schützende Lichtsäule zwischen uns dreien, Mutter Erde und dem Universum entstand und versuchte alles loszulassen, so dass die Worte durch mich hindurch fließen konnten. Die beiden waren christlich und brauchten daher auch christliche Symbole, um den Segen annehmen zu können. Also bekreuzigte ich mich und sagte: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!“ Dann legte ich je eine Hand auf ihre Köpfe und fuhr fort: „Lieber Vater! Bitte segne diese beiden Menschen, so dass sie ein erfülltes und glückliches Leben voller Gesundheit und Lebensfreude führen können, dass sie den Herbst Ihres Lebens genießen und die Früchte ernten können, die sie in den vergangenen Jahren gesät und gepflegt haben. Schenke ihnen liebe Menschen, die für sie da sind und die stets ein offenes Ohr für sie haben. Schenke ihnen deine Liebe und lass sie erkennen, dass du stets in allem bist, so dass sie sich vor nichts fürchten müssen. Amen.“ Die Frau war sichtlich gerührt und legte mir nun nach allem, was sie mir ohnehin schon geschenkt hatte auch noch einen Geldschein mit in die Tüte. „Falls ihr morgen Früh noch etwas braucht, bevor ihr weiter zieht, kommt gerne vorbei und fragt!“ sagte sie zum Abschied. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nicht, dass dadurch alles besser wird.
Höhenmeter. 60m
Tagesetappe: 17 km
Gesamtstrecke: 25.180,27 km
Wetter: bewölkt, teilweise Regen
Etappenziel: Mehrzweckraum der Stadt, Antrain, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:06:18


Tag 1331: Das Land der Extreme

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer kein

03.-04.08.2017 Wenn man eine Sache nach vier Monaten des Reisens über die britischen Inseln auf jeden Fall ohne ein schlechtes Gewissen sagen kann ist, dass sie das Gebiet mit den größten Extremen sind. Nirgendwo sonst haben wir so viel Ambivalenz bei den Menschen, wie auch beim Wetter und beim Wandern selbst erlebt. In England machten wir am Anfang im Schnitt 12km lange Etappen und hatten das Gefühl, niemals im Norden anzukommen. In Schottland und hier in Irland lag unser Schnitt dann plötzlich bei 25-30km am Tag, obwohl wir uns hier eigentlich Zeit lassen wollten. Nirgendwo sonst haben wir erlebt, dass das Wetter zum Teil 8 bis 10 Mal am Tag eine 180°-Wendung macht und zwischen Platzregen, Gewitter, Sturm und tropischer Sommer-Sonne wechselt. Nirgendwo sonst haben wir so viel schlechtes, ungesundes und unkulinarisches Essen bekommen wie hier und sind gleichzeitig im Wechsel immer wieder auch so reich beschenkt worden. Nirgendwo haben wir gleichzeitig so viel Armut und so viel Reichtum auf einen Haufen gesehen, erst recht nicht bei ein und denselben Menschen. Doch am heftigsten ist die Ambivalenz bei den Menschen selbst, wo sie fast schon an Perversion grenzt. Nirgendwo haben wir so viel Missgunst, Ablehnung und Misstrauen erfahren wie hier. Gleichzeitig haben wir aber auch nirgendwo so viele Spenden in so kurzer Zeit bekommen, wurden so oft für Vorträge und Fernsehberichte eingeladen und so sehr wie Ehrengäste behandelt wie hier. Wir haben heute beim Wandern die vergangenen Wochen noch einmal reflektiert und sind fast ein wenig erschrocken, was alles so passiert ist. Wir wurden bei der Polizei angezeigt, weil wir mit offizieller Erlaubnis der Gebäudeverwalterin in einer Kirche übernachtet haben. Wir wurden von Kindern belästigt und mit Steinen beworfen und anschließend wieder von der Polizei verhört, weil Heiko die Attacken unterbinden wollte. Man hat uns Essen geschenkt und danach unter wilden Beschimpfungen wieder weggenommen. Man hatte uns wie Verbrecher, Abschaum und Aussätzige behandelt, uns von Grundstücken verwiesen und als potentielle Terroristen aus einem Park geworfen. Und dann wiederum bekamen wir von einem vorbeifahrenden Auto 100€ in die Hand gedrückt, wurden als Maskottchen für eine ganze Ortschaft betrachtet, durften umsonst mit einer Fähre fahren und wurden als Heiler und Glaubensbringer geehrt uns geachtet. Heute wurde ich sogar gebeten, ein älteres Ehepaar zu segnen und vor einigen Wochen sollte ich zwei Halsketten durch ein Gebet mit einer heilenden und schützenden Kraft ausstatten. An Orten, wie Rannoch Station, an denen es nur zwei Menschen gab und sonst nichts, waren wir herzlich empfangen und aufgenommen worden, während man uns andernorts die Tür vor der Nase zu schlug. Attackierende Hunde Auch heute gab es wieder einige von solch bezeichnenden Situationen. Nach einer langen Wanderung durchs Grüne kamen wir an einem einzelnen Haus vorbei, in dessen Garten eine dicke Frau mit fünf Hunden stand. Alle fünf kamen laut kläffend auf uns zugerannt und umringten uns wie bei einer Herzjagd. Die Frau schaute nur zu, spielte in ihrem Handy und rief die Hunde einige Male motivationslos zu sich. Als niemand reagierte, gab sie es auf, bis Heiko schließlich der Kragen platzte und er mit der gleichen Aggressivität wie die Hunde zu verstehen gab, dass sie nun endlich ihre verfluchten Köter unter Kontrolle bringen sollte. Die Frau war sich nicht einmal einer Schuld bewusst sondern betonte nur immer wieder, dass Heiko kein Recht hatte, mit ihr zu sprechen, da er sich auf ihrem Privatgrundstück befand. „Ich stehe auf Ihrem Privatgrund?“ fragte er aufgebracht, „Sorgen Sie dafür, dass ihre Hunde nicht in meine Privatsphäre eingreifen, dann muss ich auch nicht ihr bescheuertes Grundstück betreten! Das ist Körperverletzung, was sie hier tun! Also sorgen Sie gefälligst dafür, dass sie das unter Kontrolle bekommen!“ „Wieso?“ fragte die Frau verständnislos, „Die Hunde beißen euch doch gar nicht! Sie bellen doch nur!“ Rechtlich gesehen hatte sie damit wahrscheinlich sogar Recht und das machte es gleich noch perverser. Die Situation war nicht anders, als wenn sie von fünf bewaffneten Männern umringt, verfolgt und bedroht worden wäre. Konnte man dann auch sagen: „Wieso regen Sie sich denn auf, es tut ihnen doch noch keiner was, die drohen doch nur?“ Muss man wirklich warten bis man gebissen oder verletzt wird, weil man sonst kein Recht hat, sich zu verteidigen? „Das sind eben Hunde, die bellen nun mal!“ sagen wir dann. Aber stimmt das? Ist es nicht sogar ein komplett unnatürliches und krankhaftes Verhalten eines Wolfes, laut herumzuschreien während entweder ein Feind oder eine Beute vor ihm steht? In beiden Fällen würde er in der Natur das Gegenteil von dem Erreichen, was er erreichen will und doch sagen wir, das Verhalten sei natürlich. Sich und andere zu zerstören ist für uns natürlich. Es entspricht dem Verhalten, das wir selbst permanent an den Tag legen. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand. (Charles Darwin)
Höhenmeter. 40m
Tagesetappe: 32 km
Gesamtstrecke: 25.163,27 km
Wetter: bewölkt, teilweise Regen, teilweise Sonne
Etappenziel: Konferrenzraum des Rathauses, Beauvoir, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 21:00:33


Tag 1330: Wandern in der Irischen Republik

Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nich

02.08.2017 Heute haben wir einen neuen Rekord aufgestellt, was das Nasswerden anbelangt. Die Schuhe waren trotz Heizung über Nacht nicht getrocknet und da es bereits regnete, als wir das Haus verließen, hatten sie innerhalb von Minuten den alten Stand wieder erreicht. Zunächst war es noch warm und schwül, so dass wir uns schwer damit taten, die Regenkleidung als unumgänglich zu betrachten und sie wirklich anzulassen. Dann plötzlich drehte der Wind und der Regen wurde eiskalt. Nun war die Frage nicht mehr, ob es eine Möglichkeit gab, trocken zu bleiben und sich dennoch kühler zu kleiden, sondern ob man nicht noch irgendetwas zum Drunt öc 
Spruch des Tages: Nur weil man eine Grenze überquert, heißt das nicht, dass dadurch alles besser wird.
Höhenmeter. 190m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 25.115,27 km
Wetter: bewölkt
Etappenziel: Gemeindehaus, Montigny, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 20:58:58


Tag 1329: Body, Mind and Spirit

Jede Zelle meines Körpers ist Glücklich

Fortsetzung von Tag 1328: Der Pastor war ein freundlicher und offenere Mann, der uns rein theoretisch sofort aufnahm. Praktisch fürchtete er jedoch, dass sein katholischer Kollege enttäuscht oder sauer sein könnte, wenn er erfuhr, dass wir als katholische Pilger von der Konkurrenz-Kirche abgegriffen wurden, ohne dass man ihn über uns informiert hatte. So wie es uns die einen schwierig machten, weil sie nicht wussten, ob es nicht besser war, uns auszuschließen, machte man es uns nun schwierig, weil man nicht wusste, ob man uns nicht vielleicht jemand anderem wegnahm. Erst als er ganz sicher war, dass sein katholischer Kollege im Urlaub und damit unerreichbar war, führte er uns in seine Gemeindehalle. Damit war nun aber noch immer nicht alles erledigt. Denn nun, da wir offiziell seine Gäste waren, sollten wir auch als Maskottchen fungieren und etwas Leben in seine Gemeinde bringen. Da passte es sich gut, dass ausgerechnet heute das Programm „Body, Mind and Spirit!“ für Frauen stattfand. Hätten wir gewusst, was es damit auf sich hatte, hätten wir uns nicht darauf eingelassen, doch der Pfarrer wusste, wie er Dinge verkaufen musste, dass sie sich gut anhörten. Laut seiner Angabe ging es darum, für 5 Minuten etwas über unsere Reise zu erzählen und dann mit Obstsalat und allerlei anderen Snacks verwöhnt zu werden. Im Endeffekt sah es jedoch so aus, dass wir in die Nachbargemeinde fuhren, dort erst einmal 10 Minuten warteten, dann 20 Minuten mit einem Frauenkreis wandern gingen, dann noch einmal eine Viertelstunde in einer Halle mit unangenehmer Atmosphäre herumstanden, etwas Obstsalat und jede Menge Süßigkeiten essen konnten und schließlich einen Vortrag hielten. Wieso wir nach einem 25km-Tag auf eine Wanderung eingeladen wurden, war uns ein Rätsel und der Umstand, dass wir auf diese Weise mehr als zwei Stunden der eh schon knappen Zeit verloren, trübte unsere Begeisterung über den freundlichen Pfarrer ein wenig. Wir fühlten uns ein wenig verkauft, als uns klar wurde, dass es ihm von Anfang an um diesen Vorteil ging. Deswegen war es ihm auch so wichtig gewesen, dass die Katholiken keinen Anspruch auf uns erheben konnten, denn nun konnte er ohne Bedenken in der Presse und in der Gemeinde Publik machen, wer hier zu Gast war und als Dozent an seinen Kursen teilnahm. Nicht, dass es nicht auch interessant gewesen wäre, denn auf diese Weise bekamen wir noch einmal einen Einblick in das Gemeinschaftsleben, dass sich hinter der Fassade des Glaubens verbarg. Viel war da ehrlich gesagt nicht. Die Kirche war hier, wie auch sonst in den meisten Fällen in der heutigen Zeit, ein Verein, der seine Mitglieder mit Bespaßungsprogrammen bei der Stange halten musste. Mit wahrem Glauben hatte dies so viel zu tun, wie unsere Erlebnispädagogik-Klassenfahrten von früher mit echter Persönlichkeitsentwicklung. Es ging rein darum, den Menschen irgendetwas zu bieten, das sie vom Alltag ablenkte. Nicht dass das schlecht war, aber es brachte eben auch niemanden wirklich weiter.
 
Spruch des Tages: Jede Zelle meines Körpers ist Glücklich, ...
Höhenmeter. 70m
Tagesetappe: 29 km
Gesamtstrecke: 25.093,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Holzfass auf dem Campingplatz, Sourdeval, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 20:57:33


Tag 1328: Wie finanziert sich die englische Kirche

Konkurenz belebt das Geschäft

Fortsetzung von Tag 1327: „Haben Sie eine Idee, wie die Kirchen sich hier finanzieren?“ fragte Heiko weiter und stieß damit auf ein weiteres interessantes Feld. Eine Kirchensteuer wie bei uns gab es auch hier nicht. Stattdessen wurden einmal in der Woche kleine Briefumschläge verteilt in denen jedes Gemeindemitglied eine Spende abgeben konnte. Wie hoch diese war, sei egal und das Verfahren war angeblich anonym. Dies wäre die Grundlage, auf der die Finanzierung hier läuft. Rechnete man das jedoch einmal nach, kam man auf diese Weise kaum damit hin. Eine kleine Kapelle zu finfanzieren, geschweige denn einen Kirchenkomplex wie den vom Vortag. Gehen wir einmal von 30 Gemeindemitgliedern aus, die pro Woche 5€ spenden, dann sind wir gerade einmal bei 6000€ im Monat, also 72.000€ im Jahr. Das reicht nicht einmal für die Instanthaltung, geschweige denn für den Bau einer 3 Millionen-Villa und einer Kirche, die dies um ein vielfaches übersteigen dürfte. Allein der Pfarrer selbst braucht ja schon ein Gehalt, das in Anbetracht des Lebensstils, den wir bislang mitbekommen hatten, sicher nicht klein war. Und selbst damit waren wir noch lang nicht am Ende. Das Spendengeld finanzierte hier sämtliche Kircheneinrichtungen, also auch Gemeindehallen und eventuelle kirchliche Tagesstätten, Kindergruppen und so weiter. Sogar die Sportplätze, die wir immer wieder gesehen hatten, gehörten nicht der Kommune, sondern der Kirche. Auch dies wiederum hatte zu einer unschätzbaren Absurdität geführt. Denn es ging nun bei den Fußballstadien und Sporthallen nicht darum, die Bevölkerung mit ausreichend Angeboten im sportlichen Bereich zu versorgen, sondern wieder darum, größer und besser zu sein, als die Konkurrenzkirche. Daher konnte es sein, dass ein Dorf mit 300 Einwohnern drei verschiedene Sportzentren hatte, die jeweils mehr als 5000 Personen fassen konnten. Der Gedanke war nicht: „Super, endlich haben wir Sportangebote in unserem Ort!“ Sondern: „Verdammt, diese Katholiken haben ein Sportzentrum gebaut, jetzt brauchen wir unbedingt auch eines!“ Damit das funktionieren kann, muss es also Einzelspender geben, die weitaus mehr als 5€ in der Woche in den Briefumschlag legen. Und zwar bedeutend mehr. Eher im Bereich von 5.000€ bis 10.000€ pro Woche. Die Frage ist nur: Was haben sie davon? Wer so viel Geld in etwas investiert, will ja auch einen Nutzen daraus. Wahrscheinlich ging es um Macht und darum, die Menschen irgendwie in einer Systemstruktur zu halten. Aber was genau dahinter steckte, erfuhren wir nicht. Klar war nur, dass die Angst, die der Krieg aufgebaut hatte, noch immer nicht aus den Menschen gewichen war. Unser Gesprächspartner brachte es ziemlich auf den Punkt: „Früher, zu Kriesenzeiten, da hätten Fremde wie ihr nicht einfach so herumgehen können. Jeder hätte erst einmal geschaut und wäre hingegangen um mit ihnen zu sprechen und zu prüfen, ob sie nicht irgendetwas im Schilde führten!“ Genau das war es, was er jetzt in diesem Moment tat. Dies erklärte natürlich auch ein Stück weit, warum man uns mit solch einer Skepsis und Ablehnung, begegnete. Fremde kamen in dieser Region einfach nicht vor und wenn, dann vermutete man gleich einen Attentäter, der es genau aus das eigene, kleine Häuschen abgesehen hatte. Wo aber war die Offenheit von der immer alle erzählten, die von Irland so begeistert waren? So wie es aussah, bezog sich diese wohl hauptsächlich auf die wenigen aber geballten Touristenregionen auf der Insel. Es gab einige Bereiche, in denen sich die Touristen nahezu auf den Füßen standen, wobei die meisten Touristen auch wieder aus dem eigenen Land stammten. Der Mann konnte diesen zentralisierten Andrang nicht verstehen. Klar waren die Strände im Süden nett, aber letztlich waren es auch nur Strände. Und sind Strände letztlich nicht doch immer wieder gleich? Was sich nach Aussagen des Mannes jedoch deutlich gewandelt hatte, war das Wetter. In seiner Jugend war es normal, dass der Schnee so hoch lag, dass man sich eine Schneise hindurch fräsen musste, wenn man irgendwo hin wollte. Heute schneite es höchstens noch ein paar Millimeter in der Nacht, so dass die Welt mit einer Zuckerschicht überzogen war, die bereits am Mittag wieder verschwand. Letztes Jahr hatte es etwas mehr Schnee gegeben, der auch einige Tage liegen geblieben war. Das galt nun schon bereits als Ausnahme und wurde von den Menschen als „ungewöhnlich“ empfunden., obwohl es vielleicht der einzige Winter war, der noch ein bisschen Natürlichkeit in sich hatte. Auch der Wind verhielt sich nun komplett anders als noch vor ein paar Jahren. Früher hatte es regelmäßige Herbststürme gegeben, die durchaus schon mal ein Dach abdecken oder ein paar Bäume entwurzeln konnten. Heut gab es solche Stürme fast nicht mehr, dafür windete es nun fast das ganze Jahr durch, was von den Einheimischen sogar als vrbesserung angesehen wurde. Im Verlauf des Tages bekamen wir beides noch einmal deutlich zu spüren, die Wetterveränderungen wie auch die Absurdität mit dem Kirchen-Konkurrenz-Kampf. Was das Wetter betrifft ist ein schöner, sonniger Tag hier ein Tag, an dem sich kurze Sonnenmomente mit einem plötzlich und unerwartet auftretenden Platzregen abwechselten. In einer Minute dachte man noch man vergeht vor Hitze und im nächsten Augenblick prasseln schon die dicken Regentropfen auf einen hernieder, die einen innerhalb von Sekunden vollkommen durchnässen, wenn man es nicht schafft, seine Regenkleidung schnell genug anzuziehen. Die Regenkleidung wird hier nun wirklich noch einmal aufs Extremste getestet und bis an ihr äußerstes Limit gebracht. Immer, wenn man gerade einmal ein bisschen getrocknet war, kam sofort der nächste Schauer und man war wieder komplett durchnässt. So war es auch, als wir unseren Zielort erreichten, der wie immer an einer äußerst unangenehmen Hauptstraße lag. Schön wäre also eine schnelle und unkomplexe Ankunft im Trockenen gewesen, doch das war hier leider nicht so einfach. Der katholische Pfarrer war nicht zu erreichen, doch stattdessen gelang es uns mit dem Reverent der irischen Kirche in Kontakt zu treten. Er traf uns neben einer Firma, die Gasflaschen verkaufte, die von einem jungen Mann mit Gabelstapler alle 4 Minuten laut scheppernd von A nach B verladen wurden. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Konkurenz belebt das Geschäft
Höhenmeter. 640m
Tagesetappe: 25 km
Gesamtstrecke: 25.064,27 km
Wetter: regnerisch
Etappenziel: Festsaal der Gemeinde, Carville, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 20:55:33


Tag 1327: Worum ging es im Krieg zwischen Irland und England?

Die Stasi verhört einen Kirchgänger

In einem der wenigen trockenen Augenblicke, in denen sogar die Sonne für einen Moment durch kam, machten wir eine kleine Picknick-Pause auf einer Bank. Gerade als wir wieder starten wollten, hielt ein Auto neben uns, dessen Fahrer auf einem kurzen Plausch bestand. Immerhin waren wir als Fremde in sein Land eingedrungen und waren damit verpflichtet, jedem eine Erklärung über unsere Anwesenheit zu liefern, der sie haben wollte. Trotz des etwas stasimäßigen Einstiegs wurde es ein recht interessantes Gespräch, das uns half, die Situation hier im Land ein bisschen besser zu verstehen. Denn wo der Mann schon einmal hier war, nutzten wir die Chance um ihm ein paar Fragen zu seinem Land zu stellen. Was hatte es eigentlich mit diesem ominösen Krieg hier auf sich? Worum ging es dabei? Wie war er entstanden? Hatte es sich wirklich um einen religiösen Krieg gehandelt, oder steckte wie immer mehr dahinter? Wer hatte einen Nutzen daraus? Und warum hatte er schließlich einfach wieder ein Ende gefunden, obwohl es hier noch immer Vertreter aller christlichen Ausrichtungen gab. Ich meine, wenn es doch bei dem Krieg um Religion und Glauben ging, so dass man nicht mit Vertretern anderer Ausrichtungen zusammenleben konnte und bereit war, für seine Überzeugungen zu sterben und zu töten, wieso konnte man dann heute problemlos akzeptieren, dass die eigene Kirche zwischen zwei anderen stand? Und vor allem: Wo war diese Überzeugung heute geblieben? Jemand, der bereit ist sein Leben zu riskieren um sich für seinen Glauben einzusetzen und der sogar bereit war, einen anderen im Namen seiner Überzeugung zu töten, der musste doch irgendeine ernstzunehmende Überzeugung haben. Davon spürte man heute jedoch so gut wie nichts mehr. Vor allem, wenn man an Pfarrer wie unseren lustigen Gollum dachte. Tatsächlich schien der gesamte Konflikt bereits von Anfang an vollkommen inszeniert zu sein. Es hatte nichts damit zu tun, dass die Katholiken nicht akzeptieren konnten, dass die Protestanten ihren Glauben auf eine etwas andere Art auslebten oder umgekehrt. Es ging um ganz irdische, praktische Themen, die man bewusst mit einer Religionszugehörigkeit verknüpfte, um das Potential für einen Konflikt zu erschaffen. Die Regierung stichelte wo sie nur konnte, bis sie das Land schließlich in ein Pulverfass verwandelt hatte, dass durch den kleinsten Funken zur Explosion gebracht werden konnte. So wurde man als Katholik in jeder nur erdenklichen Weise benachteiligt und unterdrückt, ganz bewusst, damit man sauer wurde. Wollte man beispielsweise als katholischer Familienvater mit fünf Kindern irgendwo ein kleines Häuschen kaufen, damit man nicht auf der Straße leben musste, dann konnte man davon ausgehen, dass dies nahezu unmöglich war. Von offizieller Seite her wurden einem so viele Steine in den Weg gelegt, dass man eher auf der Straße landete, als das Haus zu bekommen, selbst wenn man mehr als genug Geld hatte. Ein Protestant, der sich für das gleiche Haus interessierte, keine sozialrechtliche Dringlichkeit hatte, da er beispielsweise Single war, bereits eine passende Wohnung besaß und vielleicht nicht einmal das Geld parat hatte, bekam es jedoch ohne irgendwelche Probleme. Ähnlich war es auch mit Jobs, die für Katholiken nicht nur schwerer zu bekommen waren, sondern dann auch noch schlechter bezahlt wurden. Es wurde also ganz bewusst ein Ungerechtigkeitsgefühl im Volk erzeugt, so dass Unzufriedenheit und gegenseitiger Hass entstehen musste, damit es schließlich zur Eskalation kam. Nach Ende des Krieges kam heraus, dass dieser auch ganz bewusst von der Polizei vorangetrieben wurde, in dem beispielsweise die für Mordanschläge und Attentate verwendeten Waffen direkt von der Polizei gestellt und gewaschen wurden. Aus den polizeilichen Unterlagen ging hervor, dass immer wieder die gleichen Waffen für die Morde verwendet wurden, obwohl man sie nach jedem Anschlag fand und sicherstellte. Die ballistischen Tests waren immer wieder identisch, was bedeutete, dass die Attentäter direkt aus der Asservatenkammer mit ihrer Ausrüstung versorgt wurden. Gleichzeitig wurde so dafür gesorgt, dass niemals einer der Morde aufgeklärt wurde. Die Polizei untersuchte die Fälle und entfernte dabei selbst sogleich alle verdächtigen Spuren. Dies erschuf natürlich eine allgemeine Atmosphäre der Angst, da man niemals wusste, wer wo erschossen werden konnte und da man sich gleichzeitig bewusst darüber war, dass der Mörder mit keinerlei Konsequenz zu rechnen hatte. Als Katholik traute man sich daher kaum noch in eine protestantisch Region und anders herum. Vor allem Frauen, sagte er, würden sich nach Einbruch der Dämmerung niemals alleine auf die Straße trauen. Diese Aussage war vielleicht die erschreckendste, denn dies bedeutete, dass zu dieser Zeit Vergewaltigungen fast an der Tagesordnung gewesen sein mussten. Um das Gefühl von permanenter Gefahr und eigener Machtlosigkeit noch zu unterstützen, gab es in dieser Zeit etwa alle 2km einen Kontrollposten, an dem man sich ausweisen musste. Wie uns der Mann bestätigte, war der Wahnsinn mit den immer größeren und noch größeren Kirchen ebenfalls ein Symptom dieser Auseinandersetzungen und dieses Wettrüsten ging bis heute weiter. Die Kirche wie auch das Pfarrhaus in dem wir übernachtet hatten, waren gerade einmal zwei Jahre alt und die Gemeinde hatte in den letzten Jahrzehnten weder an Einwohnern noch an Gläubigen gewonnen. Zuvor hatte es bereits die kleine Kapelle und ein kleineres Pfarrhaus gegeben, was beides vollkommen ausgereicht hatte. Der Mann behauptete sogar, dass nicht einmal der Pfarrer selbst ein neues Haus hatte haben wollen, obwohl dies wohl eher dessen offizielle Einstellung nach außen war. Ein Mann, der sein Haus selbst bis auf die kleinste Schrankniesche plante, war wohl nicht wirklich dagegen, dass man ihm ein neues Haus baute. Dennoch war die Hauptmotivation der Kirche nicht, ihren Pfarrern das Leben so angenehm wie möglich zu machen, sondern ihre eigene Machtposition so gut wie möglich nach außen zu präsentieren. Der Plan schien zu funktionieren, denn so wie der Mann sagte, atmete man trotz des Friedens auch heute anscheinend noch immer erleichtert auf, wenn man als Katholik über die Grenze nach Südirland kam. Den Protestanten erging es andersherum wahrscheinlich genauso. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages:
Die Stasi verhört einen Kirchgänger: „Gibst du zu, dass du gerade in der Kirche warst?“ „JA!“ „Gibst du auch zu, dass du gerade die Füße von Jesus Christus am Kreuz geküsst hast?“ „JA“ „Würdest du auch die Füße unseres Genossen Honecker küssen?“ „Sicher! Wenn er dort hängen würde...“
Höhenmeter. 50m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 25.039,27 km
Wetter: Dauerregen
Etappenziel: Caravan auf dem Campingplatz, Pont Farcy, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 20:54:01


Tag 1326: Gedachte Unterstützung

Vom helfen wollen ist noch keinem geholfen.

01.08.2017 Es war schon paradox, wenn man bedachte, dass wir uns hier in einem 3 Millionen-Euro Anwesen befanden, in dem jedes Detail bis aufs letzte Durchorganisiert und stilgerecht ausgerichtet war, das auf der anderen Seite aber nicht einmal funktionierende Schlafzimmertüren hatte, so dass diese die ganze Nacht über offen stehen mussten. Wie viel Geld konnte man ausgeben, ohne dass dadurch so etwas wie Wohnlichkeit und Praktikabilität entstand? Wenn man sich alles ein klein wenig genauer betrachtete, dann war dies kein Wohnhaus, sondern ein Museum. Auch der Pfarrer lebte hier nicht, sondern war nur ein geduldeter Gast. Am auffälligsten waren die Bilder seiner Mutter, die einen in jedem Zimmer entgegen lachten. Die gute Frau wachte über jeden Schritt des Pfarrers und kontrollierte all sein Handeln. Das gesamte Haus schrie geradezu nach Mutterkomplex und um es noch ein bisschen offensichtlicher zu machen, bestätigte uns unser Gastgeber diese Familienverstrickungen beim Frühstück auch noch. Nachdem er sich nun ja hatte auf uns einstellen können, glänzte er vor Gastfreundschaft am morgen geradezu. Am Küchentisch hatte er uns ein Frühstück von solcher Pracht und Vielseitigkeit vorbereitet, dass wir uns zunächst an den falschen Tisch setzten, weil wir es gar nicht bemerkten. Es bestand aus zwei Tellern, einer Marmelade und einer Margarine, die in der übrigen Tischdeko vollkommen untergegangen waren. Dazu bekam jeder von uns zwei Scheiben Toastbrot. „Du bist der erste, der jemals in diesem Bett geschlafen hat, Franz!“ verkündete er stolz. „Es ist also eine Premiere! Und das Zimmer, Heiko, in dem du geschlafen hast, ist Mamis Zimmer!“ Er sagte tatsächlich „Mami“, nicht „Mum“ wie es im Englischen selbst bei Kindern üblich ist. Und er sagte allen Ernstes, dass in den zwei Jahren, in denen er nun in diesem Haus lebte, noch nie ein Gast hier übernachtet hatte, der nicht seine Mutter war. Da er selbst so darauf gepocht hatte, dass es wichtig war, einen Menschen im Voraus darüber zu informieren, dass man ihn besuchen wollte, baten wir ihn, seinen Kollegen in unserem Zielort anzurufen. Er verschwand im Nebenzimmer, plauderte knapp zehn Minuten mit irgendjemanden und kehrte dann mit Bedauern zurück. Er habe leider niemanden ausfindig machen können, da einer der Pfarrer Urlaub hatte und er ansonsten nichts hatte erreichen können. Am besten wäre es wohl, einfach loszuziehen und zu schauen, was passierte. So hätte es ja gestern auch funktioniert. Dabei schien er vollkommen vergessen zu haben, wie sehr er sich noch wenige Stunden zuvor gesträubt hatte uns ohne Voranmeldung aufzunehmen und wie knapp es war, dass wir um 23:00 Uhr nicht doch wieder auf der Straße gesessen wären. Dann aber brachte er die Aktion des Tages, die in dieser Form wohl unübertreffbar ist. In einem kurzen Anflug von Interesse und dem Gefühl, hilfreich sein zu wollen fragte er: „Nehmt ihr auf eurer Reise eigentlich ach Geld an?“ und hatte seine Hand dabei schon fast an seinem Portemonnaie. „Ja,“ antwortete ich, „wir nehmen beispielsweise Spenden für die Projekte entgegen oder um neue Standbeine aufzubauen, so dass neue Bücher und Internetpräsenzen entstehen können, die dann auch wieder den Menschen zu gute kommen, die Heilung oder anderweitige Hilfe brauchten.“ Der Mann zuckte zusammen und seine Hand befand sich sofort wieder dort, wo er sie sehen konnte. Es war ein bisschen, als hätten meine Worte in ihm ein Weckerklingeln ausgelöst, dass ihn aus dem Schlaf der Hilfsbereitschaft wieder heraus riss. „Aha!“ sagte er daher nur unberührt und ließ das Thema sofort wieder fallen. Heiko beschloss, ihn so leicht nun auch wieder nicht davon kommen zu lassen und ergänzte: „Außerdem dürfen wir natürlich Geld für Sonderausgaben wie beispielsweise die Fähre nach Frankreich verwenden. Hier ist es in der Regel so, dass wir in den letzten Tagen vor der Fähre bei den Leuten nach Geld fragen und darauf vertrauen müssen, dass wir rechtzeitig genügend zusammen bekommen.“ Der Pfarrer schaute auf und hielt einen Moment inne, so als überlegte er, ob er uns nicht doch etwas geben sollte. Dann sagte er: „Ich bin sicher, ihr werdet da jemanden finden, der euch unterstützt!“ Damit war das Thema dann vom Tisch. Wenige Minuten später begannen wir mit unserer Etappe zum letzten Schlafplatz in Nordirland, das wir nun durch dank der Komplexität in Sachen Bürokratismus und Aufnahmebereitschaft in gerade einmal 7 Tagen durchquert hatten. Wenn es so weiter ging, waren wir in Frankreich noch ehe wir auch nur das Wort „Fähre“ sagen konnten.
 
Spruch des Tages: Vom helfen wollen ist noch keinem geholfen.
Höhenmeter. 140m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 25.024,27 km
Wetter: Dauerregen
Etappenziel: Ehemalige Schule, Troisgots, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-10 20:51:52


Tag 1325: Der Blick für das Schöne

es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswer

Am bezeichnendsten war jedoch eine Situation am Abend, nachdem wir wieder einmal einen heftigen Regenguss und das dritte Gewitter des Tages überstanden hatten. Die kurze Phase direkt nach diesen spontanen Platzregen-Attacken bei denen man jedes Mal meint, die Welt ginge unter, sind die schönsten und friedlichsten Phasen in diesem Land. Es sind die Momente, in denen man das Gefühl hat, dass alles die Luft anhält und sich noch immer irgendwo hinter einer Fensterscheibe versteckt. Wenn dann die Sonne herauskommt und die Straßen zum Dampfen bringt, während sich ein seichter Nebel über die grünen Wiesen legt, dann hat diese Region wirklich etwas magisches. Und heute gab es einen Moment, an dem die Natur noch einmal einen drauf legte und mit all ihrer Farbenpracht einen perfekten, gestochen scharfen und klaren Regenbogen an den noch immer düsteren Himmel malte. Es war der schönste und klarste Regenbogen den ich je gesehen habe und nach einer kurzen Zeit erschien sogar noch ein zweiter direkt daneben. Genau in diesem Moment hielt ein Bully neben uns. Eine Fensterscheibe wurde herunter gekurbelt und ein Mann rief über die Köpfe seiner beiden Töchter hinweg: „Hey-Ya! Was machta denn da?“ „Fotos von einem Regenbogen!“ erklärte Heiko und ich fügte hinzu „Vom wahrscheinlich schönsten Regenbogen, den ihr jemals in eurem Leben gesehen habt!“ „Aha!“ gab der Mann zurück und beugte sich über die Kinder hinweg um aus dem Beifahrerfenster in die Richtung schauen zu können, in die Heiko das Foto machte. Er hob nicht einmal den Kopf in Richtung Himmel sondern stellte nur fest, dass er von dort aus nichts sehen konnte. Auch die Kinder schauten nicht nach oben und versuchten nicht einmal, einen Blick auf das faszinierende Naturschauspiel zu erhaschen. „Habt ihr ne Panne?“ fragte der Mann weiter, weil er sich offenbar noch immer nicht erklären konnte, warum wir hier einfach anhielten. „Nein!“ sagte Heiko kurz angebunden, da er sich ärgerte, dass der Mann einen der seltenen schönen Momente, die wir hier hatten mit seinem Motorenlärm zerstörte. Aber es war genau das, was wir hier in anderer Form ständig erlebten. Auf der einen Seite gab es so viel Reichtum und Schönheit und auf der anderen Seite war man es sich nicht einmal wert, auch nur für eine Minute den Motor auszuschalten, auszusteigen und die Schönheit zu genießen. Man raste in Hektik an ihr vorbei, ohne sie auch nur wahrzunehmen und die einzigen Momente in denen man überhaupt einmal einen Gang zurück schraubte waren Situationen, in denen man andere Menschen zuschwallen konnte. Dies machte wohl auch einen Großteil der immensen Lebensarmut aus, die hier permanent zu spüren war. Und es war wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum es für uns so komplex wurde. Es gab kein echtes Miteinander, keinen Austausch, kein persönliches Interesse und somit auch keine Dorfgemeinschaft. Es war das erste Land, in dem man in ein Dreißig-Seelen-Dorf kommen konnte, ohne jemanden zu finden, der wusste, wo der Pfarrer wohnte oder wer sonst für die Kirche verantwortlich war. Wir kamen heute durch drei verschiedene Orte in denen es jeweils mindestens zwei Kirchen, zwei Gemeindehallen und einen Sportplatz mit Aufenthaltsräumen und Umkleidekabinen gab und doch gab es keine Möglichkeit irgendetwas davon zu nutzen. Entweder, man erreichte überhaupt niemanden, oder man fand nur Menschen, die leider alleine nichts entscheiden, aber auch niemanden anrufen konnten, weil sie eben einfach nicht wollten. So viel Spießigkeit auf einem Haufen hatten wir unser Leben lang noch nicht erlebt. Der einzige, der uns an diesem Nachmittag wirklich half, war ein nahezu tauber und blinder alter Mann in einer kleinen Hütte, der uns mit Brot, Käse und Keksen versorgte. „Ihr könnt das haben, ich muss morgen eh einkaufen!“ meinte er und gab uns damit fast den gesamten Inhalt seines Kühlschrank. Dann versuchte er noch, uns einen Platz zum Schlafen in der kleinen Gemeindehalle auf der anderen Straßenseite zu organisieren, aber der Verantwortliche wimmelte ihn am Telefon mit der Aussage: „So etwas machen wir hier nicht!“ ab. Das wir schließlich überhaupt einen Platz zum Übernachten bekamen verdankten wir einer Kette von „Zufällen“ und „Glückstreffern“, die ich später am Abend noch einmal genau beschreiben musste, um nicht wieder auf die Straße gesetzt zu werden. Der Pfarrer von Churchtown war in die Jahre gekommen und ein paar Monate zuvor in ein Pfelgeheim eingewiesen worden, weshalb das Dorf nun pfarrerlos da stand. Eine alte Dame im Rollstuhl vermachte mir ihr Kirchenblättchen mit den Nummern aller Pfarrer in der Umgebung darauf, von denen die meisten jedoch nicht erreichbar waren. Der einzige, den ich ausfinden machen konnte war Pater Francis aus Coagh, der leider gute 23km nördlich von uns Wohnte. Er selbst konnte uns also nicht helfen, versuchte aber und an einen Kollegen auf unserer Route weiter zu vermitteln. Dieser Kollege sollte schließlich Pater David sein, der rund 25km weiter im Süden lebte. Bis wir seinen Wohnort erreichten, versuchten wir vergeblich alle 20 Minuten ihn anzurufen um uns bei ihm anzukündigen. Als wir schließlich an der Kirche eintrafen, war es bereits 21:00 Uhr und der Pfarrer war nicht zu hause. Dafür lernten wir einen freundlichen und hilfsbereiten Bauarbeiter kennen, der in der kleinen Kapelle saß und Zeitung las, was hier offenbar eine anerkannte Form des Betens war. Er tätigte ein paar Anrufe und trieb so die Handynummer von Pater David auf, den ich kurz darauf tatsächlich an die Strippe bekam. „Hallo!“ sagte ich, „Mein Name ist Franz Bujor und ich mache gemeinsam mit meinem Freund Heiko Gärtner eine Pilgerreise durch Eurpa, bei der wir bereits 23.000km zu Fuß unterwegs sind um vier soziale Projekte zu unterstützen. Ich habe Ihre Nummer von Pater Francis aus Coagh und er meinte, dass Sie uns helfen könnten, wenn es darum geht einen Schlafplatz für die Nacht zu finden.“ Die Reaktion war nicht ganz die, die ich mir daraufhin erhofft hatte: „Ich kenne keinen Pater Franzis aus Coagh und ich kenne Sie nicht! Auf Wiederhören!“ Dann folgte ein wenig vielversprechendes Tuten. Ich konnte es nicht fassen! Wir waren gerade zum vierten Mal nass geworden, der Himmel war schwarz wie Teer und die Nacht stand unmittelbar bevor. Und der Mann war nicht einmal bereit auch nur zuzuhören? Sicher hatte er mich einfach falsch verstanden! Meine nächste Idee war, ihn noch einmal direkt von Francis anrufen zu lassen, doch der Handerker kam uns zuvor. „Kein Problem!“ meinte er, „ich nehme euch einfach bei mir auf!“ Damit er das tun konnte, musste er uns jedoch zunächst den Weg zeigen, da er knapp zwei Kilometer außerhalb des Ortes lebte. So fuhren er und ich gemeinsam mit dem Auto zu seinem Haus, während Heiko unsere Wagen bewachte und versuchte nicht zu erfrieren. „Warte eine Minute!“ sagte der Mann, als wir in seinem Hof standen, „ich muss nur noch kurz mit meiner Frau sprechen!“ Er machte den Eindruck, als hätte er bis zu diesem Moment sehr erfolgreich verdrängt, dass er überhaupt eine Frau hatte, was man auch gut verstehen konnte. Guten Mutes, mit hoch erhobenem Haupt ging er zur Tür und tief gebeugt und betroffen kam er einige Minuten später wieder zurück. „Hast du die Nummer von Pater David noch?“ fragte er direkt um nicht auf die Situation mit seiner Frau eingehen zu müssen. Ich habe keine Ahnung wie es hatte passieren können, dass ein so herzensguter Mann an eine so grauenhafte Frau geraten war, aber sie war wirklich ein Hausdrache, wie er im Buche steht. Als ich mit ihrem Mann durch die Tür trat und freundlich grüßte, kam nicht einmal ein Blick von ihr zurück. In der ganzen Zeit, in der ich mich bei ihnen aufhielt, sprach sie kein einziges Wort mit mir und das obwohl sie sich an dem Gespräch über Lösungsmöglichkeiten außerhalb ihres eigenen Hauses beteiligte. Der Sohn, der kurz darauf ins Wohnzimmer kam, schlug glücklicherweise nach seinem Vater. Noch einmal riefen wir den Pfarrer an und dieses Mal begann der Bauarbeiter mit der Erklärung, bevor er mir den Hörer weiter reichte. Was nun folgte war eine Art polizeiliches Verhör in dem ich den Tathergang unserer heutigen Reise mit allen Details und Einzelheiten zu Protokoll geben musste, angefangen beim Vor- und Zunamen unseres letzten Gastgebers bis zu einer schlüssigen Begründung dafür, dass wir hier und nicht irgendwo anders aufgeschlagen waren. Dann endlich ließ er sich gegen all seine inneren Widerstände dazu hinreißen, uns doch noch aufzunehmen. Wir müssten nur bis um 23:00 warten, da er zuvor nicht im Haus war, aber wir könnten diese Zeit ja beim Bauarbeiter und seinem Hausdrachen verbringen. Wir lernten den Pfarrer gegen 22:15 kennen, während wir in der Gemeindehalle bei einer Portion Fish and Chips saßen. Es war mit gelungen, den Vorschlag mit unserer Wartezeit noch einmal abzuändern, so dass wir uns die Hin- und Herfahrerei sparen konnten. Ruhe und Zeit zum Arbeiten gab es aber dennoch nicht, denn die Halle wurde gerade umgeräumt und die Frauen, die dafür zuständig waren, hatten die dringende Order, uns nicht alleine zu lassen. „Wo ist denn Franz?“ erkundigte sich eine der beiden Frauen, bei Heiko, der versuchte, irgendwie trotz all der Widrigkeiten ein paar Bilder zu bearbeiten. „Er fragt im Ort nach etwas zum Essen!“ antwortete er, „Es ist gleich zehn und wir hatten den Tag noch nichts außer etwas angeschimmeltes Brot und ein paar Kekse!“ Sofort rief die Frau den Pfarrer an und fragte, ob sie uns nicht im Namen der Kirche und vor allem auch auf dessen Rechnung etwas zum Essen kaufen sollte. Der Pfarrer verneinte bekam aber einen halben Herzinfarkt, als er hörte, dass wir die Läden wegen kostenlosen Essensspenden ansprachen. Dieser Umstand sorgte wohl dafür, dass er sich mit seiner Heimreise deutlich mehr beeilte, als er es geplant hatte. Als er bei uns eintraf hatten wir beides, das Essen, das uns die Läden umsonst gegeben hatten und das Essen, das uns die Frau aus eigener Tasche bezahlt hatte. Nun da der Mann leibhaftig vor uns stand, wurde mir auch klar, warum es so schwer gewesen war, eine sinnvolle Vereinbarung mit ihm zu treffen. Er war ein Gollum-Artiges Wesen mit gebeugter Haltung und grauem, schütteren Haar, das in einzelnen Strähnen an seinem Kopf klebte. Sein Händedruck fühlte sich an wie der eines toten Fisches und seine Stimme überschlug sich immer wieder zu einer hohen Fistelstimme, so als wäre ihm gerade jemand auf den Hoden getreten. Nichts von dem, was mir machten oder warum wir hier waren interessierte ihn. Das einzige was er sehen wollte, war eine Bestätigung, dass wir uns wirklich auf einer Pilgerreise befanden, denn wenn das der Fall war, dann verpflichtete ihn seine Moral dazu, uns wirklich aufzunehmen. Ohne diese Bestätigung hätte er uns selbst jetzt um diese Urzeit noch immer vor die Tür gesetzt. So aber war er beruhigt und nahm uns mit hinüber in sein Haus. Die Villa die er bewohnte war gerade einmal zwei Jahre alt und Heiko schätzte allein den Wert der Inneneinrichtung auf eine gute Million Euro. Woher kam all dieses Geld? Wie konnte sich die Kirche hier solche Gebäude leisten, wenn doch kaum jemand in den Gottesdienst ging? Und warum leistete sie es sich? Welcher Vorteil entstand daraus? Was war die Absicht dahinter? Uns fiel auf, dass diese Frage im Allgemeinen noch ungeklärt war. Der Norden Irlands war, so arm er auch von der menschlichen Seite war, aus materieller Sicht eine der reichsten Regionen, die wir je gesehen hatten. Und doch schien es hier keine Arbeit zu geben. Nirgendwo sah man Firmen oder Unternehmen. Es gab ja nicht einmal mehr Supermärkte oder Bäckereien. Wie verdienten die Menschen also ihr Geld? Lebten hier wirklich nur die Firmenchefs und Bankmanager, die ihr Kapital aus Kapital schlugen und dadurch so viel Geld hatten, dass alle anderen für sie arbeiten konnten? Handwerker, Fensterputzer, Gärtner und ähnliches sah man ständig und überall. Es waren die einzigen, die man hier überhaupt arbeiten sah. Darüber hinaus blieb alles wie hinter einem Schleier. Von Seiten des Pfarrers bekamen wir unsere Schlafzimmer und je ein Glas Wasser angeboten. Dann entschuldigte er sich noch vier oder fünf mal, dass er nicht gastfreundlicher wirkte, da dies unter den gegebenen Umständen leider nicht möglich sei. Hätte er früher von uns gewusst, hätte er uns einen anständigen Empfang bereitet, aber so war leider nichts mehr zu machen. Schon spannend, wie unterschiedlich die Einstellung war. Pater John gestern hatte sich keinen einzigen Gedanken darüber gemacht, ob er nun gastfreundlich wirkte oder nicht und bei ihm hatte man sich sofort willkommen und heimisch gefühlt. Hier fühlte man sich wie ein Eindringling und traute sich nicht einmal, das Wasserglas auf dem Nachttisch abzustellen.
 
Spruch des Tages: es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen.
Höhenmeter. 40m
Tagesetappe: 14 km
Gesamtstrecke: 25.005,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Multifunktionsräume der Kirche, St. Lo, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 19:06:43


Tag 1324: Die Gefängnisse in unseren Köpfen

Ein Junger Mann ging zu einem weisen Meister und f

31.07.2017 Nachdem er am Vorabend gerade einmal einen einzigen Apfel im Haus hatte, hatte Pater John es irgendwie geschafft, einen ganzen Korb voller Früchte zu besorgen, aus dem wir uns nun unser Frühstück zusammenstellen konnten. Damit bekamen wir das erste gesunde und nahrhafte Frühstück, seit wir den Kontinent verlassen hatten. John verließ sein Haus ein paar Minuten vor uns und meinte wiederum nur vertrauensvoll, dass wir die Tür einfach zuziehen sollten, seine polnische Haushälterin würde dann später schon abschließen. Er verabschiedete sich, stieg in sein Auto und verschwand. Drei Minuten später sahen wir ihn dann aber schon wieder, denn er war lediglich zur Kirche hinüber gefahren. Prägnanter hätte man den Umgang mit Verkehrsmitteln in Britannien nicht auf den Punkt bringen können. Zugegeben, das Grundstück des Pfarrhauses war nicht klein und bis zum Gartentor waren es fast 100 Meter. Aber die Kirche lag gleich auf der anderen Straßenseite, insgesamt also keine 200 Meter weit entfernt. Und trotzdem fuhr man hier mit dem Auto hin. Es war also kein Wunder, dass überall ein Verkehr herrschte, den man sich zunächst nicht erklären konnte. Langsam hatten wir den Verdacht, dass man hier in den großen Villen eher durch eine Seitentür nach draußen ging und mit dem Auto einmal halb um das Haus fuhr, als durch das Haus hindurch auf die andere Seite zu gehen. Nach einer eingehenden Recherche bei Google-Maps hatte ich uns für heute und die nächsten tage eine Wegführung herausgesucht, die uns weitgehend von allen Formen der Zivilisation fern hielt. Sobald man den Menschen auswich und sich nur noch mit Kühen und Schafen auf den Feldern umgab, wurde es tatsächlich bedeutend schöner. Die überschwängliche Begeisterung für dieses Land konnten wir noch immer nicht teilen, aber es war nun zumindest so, dass wir nicht mehr das Gefühl hatten, sofort fließen zu müssen. Außerdem konnten wir uns nun langsam vorstellen, warum einem Irland gefiel, wenn man es sich nur flüchtig und oberflächlich anschaute. Durch die vielen Hügel wirkte es mit seinen vielen Wiesen und Feldern wirklich wie ein wildes, grünes und freies Naturparadies. Erst auf den zweiten Blick merkte man, dass dies eine Illusion war, und dass es weder Freiheit noch Natur gab, sondern nur kleine abgesperrte Privatfelder, die so viel mit Wildnis zu tun hatten, wie ein Vorgarten. Im Laufe des Tages erlebten wir eine ganze Reihe an Kuriositäten, die alle auf ihre Weise bezeichnend für dieses Land waren. Da waren die vielen halb verfallenen Häuser, mit den Schimmelflecken und dem abgeblätterten Putz, vor denen drei oder vier Sportwagen im Wert von insgesamt eine guten Million Euro standen. Oder das luxuriöse Einfamilienhaus im Grünen, neben dem man ein kleines Windrat aufgestellt hatte, das bei jeder Umdrehung quietschte wie ein verrostetes Gartentor, um das sich aber niemand kümmerte. Dann gab es den Vater und den Sohn, die während eines heftigen Platzregen mit voller Montur und vorbereiteter Ausrüstung in der Garage standen um sofort nach draußen rennen und mit dem Rasenmähen beginnen zu können, sobald es auch nur eine Minute zu regnen aufhörte. Tatsächlich waren dies die einzigen Momente, in denen wir Menschen im Freien sehen konnten. In ganz Irland waren uns drei Jogger und zwei Spaziergänger begegnet, wobei wir vermuteten, dass die letzten beiden wahrscheinlich nur zu Fuß unterwegs waren, weil sie zuvor eine Autopanne hatten. Alle anderen, die nicht in einem Haus, einem Auto oder einem Laden oder auf direktem Weg zu einem dieser Orte waren, mähten Rasen. Wir sahen Gärten, in denen es sogar Fußballfelder für Kinder und Enkelkinder gab, deren perfekt gepflegtes Grün aber bewies, dass hier niemals gespielt wurde. Kinder konnte man ohnehin so gut wie nie sehen, außer durch die Scheiben von Autos oder Zimmerfenstern. Man hätte aber auch nicht gewusst, warum sie nach draußen gehen sollten, denn es gab wirklich nahezu nichts, das man hier als Kind hätte tun können. So etwas wie Ballspielen war grundsätzlich durch eine regelrechte Schilderflut verboten. Wir sahen sogar Privatgärten in denen Schilder mit der Aufschrift „Ballspielen verboten!“ standen. Dass diese generelle Unfreiheit die Menschen nicht glücklich machte, sah man an der Länge der Gesichter, die einen von überall her anstarrten. Im Balkan hatten wir oft das Gefühl gehabt, dass die Menschen sehr aufdringlich sind und keine persönliche Distanzgrenze kennen. Hier war es noch bedeutend stärker. Dass Autos teilweise für mehrere hundert Meter direkt hinter einem fuhren, obwohl sie ausreichend Platz zum überholen hatten, nur um einen anzustarren, war uns in anderen Ländern noch nicht passiert. Auch die Häufigkeit, mit der wir hier aus dem Auto heraus bei laufendem Motor ohne eine Begrüßung, einen erkennbaren Grund oder eine ernst gemeinte Frage von der Seite angequatscht wurden, übertraf alle bisherigen Erfahrungen. Dabei empfanden wir die Menschen aber selten als freundlich. Gar nicht so sehr von ihrer aktuellen Tagesform her, oder ihrer Art uns gegenüber, sondern viel mehr von ihrer allgemeinen Grundhaltung. Man hatte das Gefühl, dass die Ihren zumindest hier im Norden ein grund skeptisches und grund ablehnendes Volk waren. Allein schon durch die Art und Weise, wie sie ihre Häuser und Grundstücke präsentierten. Wenn man irgendwo auf der Welt an einem Restaurant vorbei kam, dann sah man dort Schilder mit Aufschriften wie „Herzliche Willkommen im Restaurant zum tanzenden Wildschwein!“ oder „Unser heutiges Tages-Menü: …..“. Hier hingegen hingen zehn Schilder auf denen „Parken streng verboten“ stand. Auf einem Behindertenparklatz stand nicht „reserviert für Menschen mit Behinderungen“ sondern „Parken Verboten! Ausgenommen Menschen mit Behinderung“. Selbst auf öffentlichen Parkplätzen wie von Supermärkten oder Schnellrestaurants ist es ähnlich. Es heißt nicht „Kundenparkplatz von Kentucky Fried Chicken“ sondern „Jeder, der hier Parkt ohne das Restaurant zu besuchen wird kostenpflichtig abgeschleppt oder bekommt eine Reifenkralle!“Versteht ihr, was ich meine? Es sind Kleinigkeiten, aber sie machen den Unterschied aus, ob man einem Menschen erst einmal vor den Kopf stößt, oder ob man ihm das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Wie zum Beispiel auch bei kleinen Nebenstraßen, an denen häufig Schilder mit „Privatstraße – Durchfahrt verboten!“ stehen. Nicht etwa: „Reserviert für Anlieger, Fußgänger und Radfahrer“ sondern „generell Verboten!“ Das stimmt ja nicht, denn diejenigen, denen die Straßen gehört, müssen ja auch auf ihr Fahren um zum Haus zu kommen.
 
Spruch des Tages: Ein Junger Mann ging zu einem weisen Meister und fragte: „Wie kann ich mich nur von all den Dingen befreien, die mich davon abhalten wirklich frei zu Leben?“
Da sprang der Weise auf, lief zu einem Baum, krallte sich mit beiden Händen daran fest, so stark er nur konnte und rief mit gespielter Verzweiflung: „Wie kann ich mich nur von diesem grausamen Baum befreien, der mir die Freiheit raubt?“
Höhenmeter. 30m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 24.991,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Multifunktionsraum der Kirche, Pont Herbert, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 19:05:22


Tag 1323: Volksmedikamentation

Das bringt den Doktor um sein Brot: Der Menschen H

Fortsetzung von Tag 1322: Im Laufe des Abends kamen wir natürlich auch auf das Thema Gesundheit zu sprechen. Pater John war ein mitfühlender Mann, dem das Wohl seiner Gemeinde sehr am Herzen lag und der sich daher die Bürden der anderen gerne auch selbst aufbürdete. Neben zu hohem Blutdruck und einigen anderen Stresssymptomen führte dies auch dazu, dass sein Körper zu viele Blutplättchen produzierte. Das biologische Schutzprogramm dahinter war ebenso eigensinnig wie nachvollziehbar. Er empfand jede Wunde eines anderen, als eine Wunde bei sich selbst und so hatte sein Körper permanent das Gefühl, heilen und Blutungen stoppen zu müssen. Und dafür benötigte er natürlich Blutplättchen. Zumindest theoretisch, denn praktisch gab es die Wunden ja gar nicht und somit gab es auch keine Möglichkeit die Plättchen einzusetzen und so wieder zu verbrauchen. Lange Zeit hatte John daher als Spender für Chemo-Patienten gedient, die ja bekanntlich zu wenig Blutplättchen produzieren. Oder besser gesagt: Deren Blutplättchen-Produktion durch die Chemotherapie vollkommen unterbunden wird. Später hatten ihm die Ärzte jedoch gesagt, man habe einen Krebsindikator bei ihm festgestellt, wodurch er als Spender ausgeschlossen wurde. Was immer auch ein solcher Krebsindikator sein sollte. Stattdessen fuhr man nun eine andere Schiene. Er war älter als 50 Jahre und somit erfüllte er alle Bedingungen um an der britannienweiten Standartmedikamentation für Ü50-Personen teilnehmen zu können. Das ist kein Witz. Sobald man hier fünfzig wird bekommt man von seinem Arzt ein Medikament gegen die üblichen Altersleiden verschrieben. Es wird nicht einmal mehr geschaut, ob man Herzprobleme, einen erhöhten Cholesterinspiegel oder sonst etwas in der Richtung hat. Man bekommt einfach vorsorglich ein Medikament dagegen, das einfach mal alles behandeln soll, das im Alter so vor kommt. Es wird grundsätzlich verschrieben, doch im Falle unseres Pfarrers legte der Arzt noch einmal besonders viel Wert darauf, dass er es auch ja täglich einnahm. Denn in seiner Familie hatte es bereits einen Krebstoten und einen Herzinfarkt gegeben. Ein Blick auf die Verpackungsbeilage verriet jedoch, dass dieses Medikament garantiert nicht dazu beitragen würde, dass Pater John länger lebte. Im Gegenteil, es trug aktiv zu einer Beschleunigung des Verfalls seines Körpers bei. Das sahen sogar die Ärzte, die bereits einige Monate nach Beginn der Einnahme, eine leichte Schädigung der Leber aufgrund der Tabletten feststellten. Die Reaktion, die darauf erfolgte lautete: „Kein Problem! Noch sind die Vorteile, die Sie durch das Medikament erhalten größer als die Nachteile, die eine angeschlagene Leber mit sich bringt. Nehmen Sie die Tabletten daher auch ruhig weiterhin!“ Ist das nicht der Knaller? John zeigte uns den Beipackzettel und wir wussten nicht, ob wir darüber lachen oder weinen sollten. Ihr müsst bedenken, dass es sich hier um ein Volksmedikament handelt, also eines, dass nahezu das ganze Land einnimmt, sobald es das 50. Lebensjahr überschreitet. Damit dies auch funktioniert, besteht die erste Hälfte des Zettels erst einmal aus einer reinen Werbebotschaft mit verschiedenen Heilsversprechen. Würden wir auf diese Art und Weise über eine Therapieform oder ein Naturheilmittel sprechen, ohne hinzuzufügen, dass es sich um unsere eigene Meinung oder Erfahrung handelt, müssten wir fürchten, dafür verklagt zu werden. Auf einem Beipackzettel hingegen gibt es hier keine Probleme. Weitaus spannender waren jedoch die zweite Hälfte, sowie die Informationen, die nicht auf dem Zettel standen. So gab es an keiner Stelle auch nur einen leisen Hinweis darauf, welche Inhalts- und Wirkstoffe in den Tabletten enthalten waren. Der Bereich fehlte einfach völlig. Stattdessen gab es einen kurzen und unspektakulären Hinweis darauf, dass man die Tabletten nicht oder „eher nicht“ einnehmen sollten, wenn man Nierenprobleme oder Leberprobleme hatte, sowie wenn man asiatischer Abstammung war, zu Allergien oder Hautausschlägen neigte oder wenn man unter häufigen Muskelschmerzen litt. Mit anderen, klareren Worten: „Achtung, dieses Medikament ist so giftig, dass es sämtliche Entgiftungsorgane Ihres Körpers angreift!“ Noch etwas weiter unten standen dann die Risiken und Nebenwirkungen aufgelistet. An und für sich konnte man sagen, dass das Medikament wirklich harmlos war. Die kleinen Problemchen, die es evtl. verursachen konnte, waren eigentlich zu vernachlässigen! In gerade einmal 10% der Fälle löste es Diabetes aus und ebenso häufig führte es zu chronischen Gelenksentzündungen und Muskelschmerzen. Wenn nur jeder zweite, der das Medikament empfohlen bekam, die Tabletten auch wirklich einnahm, dann machte dies einer Gesamtbevölkerung von 50 Millionen Briten, von denen vielleicht 20 Millionen über 50 waren, noch immer 1 Million Menschen, die rein aufgrund dieses Vorsogremedikaments Diabetes und/oder chronische Gelenkschmerzen bekamen. Sofort mussten wir dabei an unseren Gastgeber vor ein paar Tagen denken, dem wir den strickten Essensplan aufgestellt hatten. Auch er hatte einen bunten Strauß an Tabletten, die er täglich nahm und die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass diese hier mit dazu gehörten. Nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll war, auf Zucker zu verzichten, aber wahrscheinlich könnte er seinen Gesundheitszustand schon deutlich verbessern, in dem er nur diese Giftpillen weg ließ. Das heftige auf der anderen Seite war, dass man rein aus diagnostischer Sicht durchaus begründen konnte, warum jeder Mensch über fünfzig ein Medikament wie dieses bekam. Es gab hierzulande tatsächlich nahezu niemanden, der in diesem Alter noch ein funktionierendes Herz-Kreislaufsystem hatte. Auch Pater John sah man an, dass er durchaus ein Herzinfarktkandidat war, wenn er sich weiterhin so stresste, wie er es bislang tat. Die Überproduktion an Blutplättchen waren nur ein Symptom von dem, was wir in Italien gerne „Pfarrerskrankheit“ genannt haben. Wer sich Tag für Tag die Last einer ganzen Glaubensgemeinde auf die Schultern lud und sich jedes Problem seiner Mitmenschen stärker zu Herzen nahm als seine eigenen, der brauchte sich nicht wundern, wenn er unter dieser Last eines Tages zusammenbrach. Vor allem, wenn die allgemeinen Lebensumstände in einem Land so zerstörerisch waren wie hier oder in Italien. Beide Länder, sein Heimatland wie auch sein Lieblingsurlaubland beschrieb der Pfarrer als „very noisy“ also „sehr laut“ oder „sehr Geräusch intensiv“ Es fiel ihm noch immer auf, obwohl er bereits so schwerhörig war, dass er regelmäßig gefragt wurde, warum er seine Mitmenschen permanent anschrie. Noch erschreckender war jedoch, dass er uns nicht einmal mit Sicherheit sagen konnte, welches seiner Ohren das Hauptproblemohr war. Er wusste nur, dass eines von beiden fast nichts mehr hörte, aber welches es war, da war es sich nun nicht so sicher. Es war also permanent so laut um ihn herum, dass er die Unterschiedliche Lautstärkenintensität in den Ohren nicht einmal mehr mitbekam. Heiko wusste jedoch aus eigener Erfahrung, dass es einen normalerweise in den Wahnsinn trieb, wenn die Ohren ungleichmäßig starke Signale aufnahmen. Hin und wieder kam es bei ihm vor, dass eines der beiden Ohren blockierte, während das andere normal weiter funktionierte. Wenn das der Fall war, machte es ihn jedes Mal so fertig, dass er keine Geräusche oder Stimmen mehr ertragen konnte, bis sich die Ohren wieder beruhigt hatten. Es war ihm also ein vollkommenes Rätsel, wie jemand so leben konnte und es nicht einmal mitbekam. Wenn wir noch einmal an die vergangenen Begegnungen zurück dachten, dann gab es tatsächlich fast niemanden über vierzig hier auf den Inseln, der nicht Taub oder Schwerhörig war. Man konnte sagen was man will, aber dieser permanente Lärm machte etwas mit den Menschen und es war nichts gutes. Dennoch hatte John das Gefühl, sein Heimatland auch in ein positives Licht rücken zu müssen, damit wir es in guter Erinnerung halten konnten. „Irland ist trotz allem eine wunderschöne Insel!“ meinte er, „man braucht nur etwas Sonne, um dies erkennen zu können!“ Es war ein netter Versuch, aber so ganz überzeugte er uns damit noch nicht. Nach dem Essen erklärte er uns, dass er noch einmal fort müsse, um ein Messe zu halten und einige Hausbesuche zu machen. „Fühlt euch einfach wie zu hause!“ meinte er nur locker, „Wenn ihr Hunger habt nehmt euch was aus dem Kühlschrank und wenn ihr sonst etwas braucht, durchsucht einfach die Schränke bis ihr es gefunden habt!“
 
Spruch des Tages: Das bringt den Doktor um sein Brot: Der Menschen Heil, der Menschen Tod. Drum hält der Arzt, auf das er Lebe, uns zwischen beidem in der Schwebe.
Höhenmeter. 40m
Tagesetappe: 17 km
Gesamtstrecke: 24.972,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Ehemaliges Pilgerhaus / Räume für Kommunionsunterricht, Carentan, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 19:04:33


Tag 1322: Die Schere zwischen arm und reich

Man ist immer so reich, wie man sich fühlt.

Fortsetzung von Tag 1321: Die zweite Adresse war die presperitanische Kirche, mit der wir bislang ja recht gute Erfahrungen gemacht hatten. In diesem Fall war es jedoch anders. Der junge und höfliche Pfarrer war nicht bereit, über den Kopf seines Rates hinweg zu entscheiden und auch nicht gewillt, diesen um Erlaubnis zu fragen. Das einzige was er für uns tun könnte, wäre die Nummern der katholischen Kollegen aus dem Internet zu suchen. Und dies war dann sogar tatsächlich hilfreich, denn Pater John zögerte keine Sekunde um uns einzuladen. Einziger Haken. Er wohne nicht hier im Ort, sondern in der Stadt, fünf Kilometer Luftlinie entfernt. Außerdem war er gerade unterwegs und kam erst in zwei Stunden wieder nach hause. Dann aber würde er uns mit Freude und gutem Essen empfangen. Da wir den direkten Weg entlang der Hauptstraße ohnehin nicht laufen konnten, trafen wir pünktlich zwei Stunden später bei ihm ein. Wieder waren wir Nass bis auf die Haut, denn in den zwei vergangenen Stunden waren wir ein drei heftige Schauer und ein Gewitter geraten. Wenn man das bedachte waren die Absagen zuvor gleich noch heftiger. Denn anders als wir wussten die Einheimischen hier ja, wie sich das Wetter verhielt. Jemanden unter diesen Umständen ohne mit der Wimper zu zucken in eine Gewitter rennen zu lassen, obwohl er mit der Bitte nach einer Schutzbehausung zu einem kommt, die man ohne Probleme und ohne jeden Aufwand zur Verfügung stellen könnte, ist schon ein starkes Stück. Die Schere wischen arm und reich Pater John kam uns bereits entgegen und begleitete uns das letzte Stück von der Kirche bis zu seinem Haus. Haus ist an dieser Stelle jedoch etwas untertrieben. Es war ein Anwesen, dass den englischen Adelshäusern um nichts nach stand. John lebte hier allein, hatte aber allein drei vier Schlafzimmer im ersten Stock, sowie eine eigene kleine Kapelle neben dem Wohnzimmer. Nicht, dass wir uns darüber beschweren würden. Es war ein großartiger Platz, abseits der Straße in dem es ruhig und gemütlich war und in dem jeder von uns sein eigenes Reich für sich hatte. Aber es zeigte noch einmal deutlich die Ambivalenz in diesem Land, wenn man bedachte, dass nur eine Straße weiter die Häuser der normalen Familien standen, die kaum die Größe eines normalen Caravans hatten und von Vater, Mutter und teilweise vier oder fünf Kindern bewohnt wurden. Abgesehen davon, dass die Rasenflächen in den Briefmarkengroßen Gärten aufs penibelste fein geschnitten waren, unterschieden sich diese Häuser kaum von den Baracken der Sinti und Roma, die wir in Bulgarien gesehen hatten. Mit Pater John erlebten wir jedoch zum ersten Mal Wohlstand und Genuss in diesem Land. Bisher hatten wir das Gefühl gehabt, dass Irland das wohl ärmste Land der Welt ist, wenn man es nicht an Geld sondern am Gefühl der Menschen festmachte. Die Menschen selbst schienen sich einfach nichts wert zu sein und hatten daher auch das Gefühl, nichts teilen oder schenken zu können. Die Frau von gestern beispielsweise: Sie lebte mit ihrem Mann in einem Haus, das fast genauso edel und teuer war, wie das von Pater John. Allein die Küche musste bei rund 40.000 Euro gelegen haben. Und doch hatte ich ein schlechtes Gefühl, als ich sie nach Brot und Obst fragte, weil ich fürchtete, ihr damit etwas wegzunehmen. Für uns machte sie dann je ein Sandwich mit Hühnchen-Weintrauben-Salat, den sie eigens für uns herstellte. Sie selbst aß von diesem Salat jedoch nichts, sondern gönnte sich lediglich einen schlabbrigen Toast mit Cheddar-Käse vom Aldi darauf. Nicht einmal getoastet wurde er zuvor, obwohl der Toaster direkt vor ihr stand. Reicher Empfang John war da etwas anders drauf. Er war gerade von einem Italienurlaub zurückgekehrt und noch immer voll im Italienfieber. Wer hätte gedacht, dass wir uns einmal so über Italienische Küche freuen würden! Auf dem Tisch war so ziemlich alles aufgebahrt, was er hatte finden können, angefangen von Antipasti, über verschiedene Salate und rote Bete, bis hin zu Hühnchen mit Oliven und frischen Baguette. Für ihn waren wir nicht einfach Fremde, die einen Platz brauchten. Wir waren unangekündigte und doch lang erwartete Gäste mit denen er sich endlich mal wieder austauschen konnte. Spannenderweise war er der einzige bislang, der hier bereits zuvor Pilger und andere Reisende aufgenommen hatte. Vor einigen Jahren war sogar einmal eine Gruppe mit 20 Pfarrern, Messdienern und anderen Kirchenmitgliedern aus Italien da gewesen, die mehrere Tage geblieben war. Sie hatte im Haus verteilt überall auf dem Boden geschlafen, so wie es eben passte. Später hatte er dann sogar zwei Wandermönche kennengelernt, die in gewisser Hinsicht sehr ähnlich unterwegs waren, wie wir, in anderer Hinsicht aber auch gar nicht. Zur Armut verpflichtet Es waren zwei Novizen aus einem französischen Benediktinerkloster gewesen, zu dessen Ausbildung eine dreimonatige Pilgerreise durch Europa gehörte. Auch sie reisten ohne Geld, wenngleich auf eine ganz andere Weise als wir es taten. Ihre Aufgabe war es, pro Tag mit nur einem einzigen Euro durchzukommen. Dazu gehörte jedoch nicht nur Bargeld, sondern auch alles an Sachwerten. Pater John war es also nicht erlaubt gewesen, den beiden jungen Männern etwas zu Essen zu geben. Sie mussten mit ihrem einen Euro irgendwie zurecht kommen. Eigentlich hätten sie nicht einmal im Haus schlafen und die Dusche nutzen dürfen. Doch damit konnte der Pfarrer nicht mehr konform gehen. „Zelten könnt ihr meinetwegen, wenn ihr an einem schönen Ort seit, aber hier wird im Haus geschlafen. Ich bekomme ja die Nacht kein Auge zu, wenn ich weiß, dass ihr da draußen in der Kälte herum liegt!“ So unterschiedlich kann also der Umgang mit Reisenden sein. Einmal überredet waren die Mönche dankbar bis zum Mond und zurück, endlich wieder einmal Wärme, Gemütlichkeit und warmes Wasser spüren zu können. Im Nachhinein haben wir noch einmal lange über dieses System nachgedacht dass den jungen Mönchen hier auferlegt wurde, und je mehr wir dies taten, desto weniger leuchtete es uns ein. Wie wollte man spüren, dass Gott für einen sorgte, wenn man gezwungen war, alle Geschenke abzulehnen, die er einem gab? Es kam uns so vor, als wäre das Ziel der Reise nicht gewesen, seine eigene Spiritualität und seien Verbindung zu Gott zu finden, sondern viel mehr jeden Wunsch abzutöten, je wieder unterwegs sein zu wollen. So wie es klang, war ihre Reise kein Abenteuer sondern eine reine Tortour und nach Ablauf ihrer drei Monate machten sie sicher erst einmal drei Kreuze, dass sie nun wieder die Annehmlichkeiten des Klosters nutzen konnten. Selbst wenn diese vielleicht nur aus einer Bastmatte auf dem nackten Boden bestand. Finger weg von kleinen Kindern Im Zusammenhang mit dieser Geschichte erzählte er uns auch, dass er uns wie auch die anderen Mönche nur deshalb hatte einladen dürfen, weil wir volljährig waren. In Großbritannien gab es ein Gesetz, dass es verbot, dass Männer allein mit Kindern in einem Haus oder einem Raum zusammen sein durften. Es war ein Gesetz, dass dem Schutz der Kinder dienen sollte, weil es gerade im Zusammenhang mit der Kirche hierzulande zu häufig vorgekommen war, dass Kinder sexuell misshandelt oder gar vergewaltigt wurden. Auf der einen Seite konnte man diese Regelung gut nachvollziehen, auf der anderen Seite musste man sich jedoch auch fragen, wie sinnvoll sie war. Denn war es wirklich besser, reisende Jugendliche auf der Straße stehen zu lassen, wo sie potentiellen Vergewaltigern ebenso ungeschützt ausgeliefert waren? Am meisten an der Aussage erschreckte uns jedoch, wie normal der Kindesmissbrauch hierzulande sein musste, wenn es für jeden vollkommen klar war, dass Männer ohne polizeiliches Führungszeugnis und mit ausdrücklicher Genehmigung keinen Kontakt zu Kindern oder Kindergruppen haben durften. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Man ist immer so reich, wie man sich fühlt.
Höhenmeter: 30m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 24.955,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Rathaus, Saint Jores, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 19:02:57


Tag 1321: Warum einfach, wenns auch umständlich geht?

Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?

30.07.2017 Der Vormittag wirkte zunächst einmal sehr versöhnlich und für ein paar Stunden hatten wir das Gefühl, uns mit Irland vielleicht doch noch anfreunden zu können. Wir wanderten über kleine Sträßchen, waren nahezu für und alleine und das Wetter hielt einigermaßen stand. Alle Viertelstunde regnete es einmal ein paar Tropfen, aber das konnte man hier ja bereits als Trocken tag durchgehen lassen. So ganz verstanden wir noch immer nicht, warum so viele Menschen von der Schönheit Irlands geschwärmt haben, denn was wir bislang erkennen konnten war nichts besonderes. Rein vom Landschaftsbild waren wir wieder in England. Es gab Hügel, Felder, Wiesen, Schafe, Kühe und vor allem Zäune soweit das Auge reichte. Dabei war England jedoch bedeutend sinnvoller aufgebaut gewesen, was die Besiedlung anbelangt. Diese Region hier glich vor allem den Bereichen in der Ukraine und in Polen, die uns das Leben so schwer gemacht hatten. Es gab keine echten Dörfer mehr, sondern nur noch willkürlich über das Lang verstreute Häuser. Dadurch gab es keinen Fleck mehr, an dem man wirklich für sich war und keine Straße, die wirklich unbefahren war. Jeder, der auch nur eine winzige Kleinigkeit brauchte, musste dafür mit dem Auto irgendwo in die nächste Stadt fahren. Selbst wenn man seinen Nachbarn besuchen wollte, nahm man hier meist das Auto. Dadurch verbrachten die Menschen natürlich einen Großteil Ihres Lebens auf der Straße, was diese für alle anderen Verkehrsteilnehmer nahezu unerträglich machte. Wie gesagt, heute Vormittag war es noch in Ordnung, weil die Straßen wirklich klein und waren und weil Sonntag war, wo noch jeder im Bett lag. Ab Mittag allerdings wendete sich das Blatt bereits. Nun kam plötzlich ein Stoßverkehr auf, den wir uns kaum erklären konnten. Entweder war gerade irgendwo eine Messe vorbei, oder jeder fuhr irgendwo zum Essen zu seinen Eltern oder in ein Restaurant. Ein relativ großer Teil des Verkehrs kam aber auch durch ein Kinder-Fußballspiel zustande, da am Nachmittag in dem Dorf stattfinden sollte, das wir gerade durchquerten. Jedes zweite Auto, das an uns vorbei rauschte war mit einem Elternteil und einem einzelnen Kind besetzt. Einige der Fahrzeuge hatten wir dabei kurz zuvor nur wenige Hundert Meter von hier entfernt in den Einfahrten der Häuser gesehen. Man brachte hier sein Kind also überall mit dem Auto hin, selbst wenn das Ein- und Aussteigen länger dauert als die Zeit die man zu Fuß gebraucht hätte. So etwas wie Fahrgemeinschaften gab es aber überhaupt nicht. Jeder fuhr nur sein eigenes Kind, auch wenn alle Nachbarskinder in die gleiche Richtung wollten. Der zweite Teil der Reise wurde daher wiederum weit weniger schön und unser anfängliches Wohlwollen verschwand binnen Minuten. Wie wollte man hier in Ruhe und Entspannung durch dieses Land kommen, wenn allein eine zehn Zentimeter breitete Straße ausreichte, um einen zu Tode zu nerven? Auch der Regen wurde nun wieder stärker und bevor wir unser Etappenziel erreichten, wurden wir noch zwei Mal von oben bis unten durchnässt. Es war ein eiskalter Regen, der nichts sommerliches an sich hatte und der einem sofort jedes Wohlgefühl aus dem Körper trieb. Warum unter diesen Wetterbedingungen nicht jede eine Sauna und eine XXL-Badewanne zu hause hatte, war uns ein Rätsel. Den letzten Kilometer in den Ort konnten wir auf einem kleinen Waldsträßchen abseits der normalen Straße gehen. Auch diese war jedoch wieder typisch für dieses Land hier. Sobald etwas klein und angenehm wurde, war es privat oder sollte zumindest so wirken. Fast schon wären wir an dem Waldweg einfach vorüber gegangen, da sein Beginn aussah wie eine Hofeinfahrt und sogar mit den üblichen Hoftoren verschlossen werden konnte. „Ich wette, mitten in diesem Wald liegt wieder ein Golfplatz und deswegen sperren sie alles ab, damit die Reichen unter sich bleiben können!“ vermutete Heiko und sprach damit aus, was ich mir auch schon gedacht hatte. Wenige hundert Meter weiter hörten wir den ersten Abschlag. Ein Jeep hielt neben uns an und der Fahrer fragte uns, ob wir uns verlaufen hätten. Auch das war geradezu bezeichnend für die Menschen hier. Man lief 6km an einer grauenhaften Straße entlang, an der alle zwanzig Minuten ein Auto an einem vorüber rauschte und es war für alle in Ordnung. Man spazierte für fünf Minuten an einem schönen, harmonischen Weg entlang und sofort wurde man gefragt, ob man hier falsch war. Der Ort selbst war aufgebaut wie alle Orte, die wir in Irland bislang gesehen hatten. Es gab eine Hauptverbindungsstraße, die gewissermaßen das Zentrum darstellte und an der sich alle Läden, Bars, Cafés und was es sonst noch gab befand. Das Schloss leider auch die Kirchen mit ein. Dadurch, dass die Straßen den Mittelpunkt darstellten, gab es natürlich keinen echten Mittelpunkt. Es gab keinen Platz, an dem man sich wirklich aufhalten konnte und die Orte selbst wurden zu dünnen, langgezogenen Schläuchen. In diesem Ort gab es drei Kirchen, obwohl er wiederum nur rund 1000 Einwohner hatte. Dies war wohl das größte Paradox, dass dieses Land für uns zu bieten hatte. Es gab hier mehr Infrastruktur an Gebäuden die man zum Übernachten nutzen konnte, als in irgendeinem anderen Land in Europa und doch war es hier schwerer, an einen Schlafplatz zu kommen, als je zuvor. Der Grund dafür war, dass es hier eine Systemstruktur gab, die an Spießigkeit und Bürokratismus alles übertraf, was man sich vorstellen konnte. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte es ausgereicht irgendjemanden von der Kirche zu treffen, um einen Platz zu bekommen. Das Konnte der Pfarrer sein, jemand aus dem Gemeinderat, der Köster oder wer auch immer. In Italien wusste man, man muss sich an den Pfarrer wenden. In Frankreich war klar, dass man den Bürgermeister braucht. In England und Wales brauchte man entweder den Pfarrer oder den Gebäudeverwalter. Schottland war schon komplexer gewesen, mit seinem Ältestenrad der einem hineinpfuschen konnte. Doch wenn man den Pfarrer oder den Köster erreichte, war in der Regel alles soweit geritzt. Hier jedoch gab es niemanden, der etwas entscheiden durfte. Dass wir bislang überhaupt einen Platz bekommen hatten, verdankten wir dem Umstand, dass sich die Pfarrer nicht darum scherten, wie die Dinge hier eigentlich zu laufen hatten. Denn an sich hatte auch der Pfarrer hier nichts zu sagen. Er war zwar der Oberste in der Hierarchiekette, musste sich aber für jeden Pups die Zustimmung seines Kirchenrates einholen. Wenn aus diesem Rat nur ein einziger gegen etwas stimmte, dann wurde es nicht gemacht. Wen immer man also traf, man konnte sich stets sicher sein, dass er keine sinnvolle aussage treffen konnte, ohne nicht wenigstens mit fünf Leuten telefoniert zu haben. Erschwerend kam hinzu, dass die meisten Pfarrer gerade im Urlaub waren und man daher die meiste Zeit überhaupt niemanden erreichte. So war es auch in diesem Fall. Das einzig hilfreiche, das ich an Kirche und Pfarrhaus finden konnte, war eine Bekanntgabe der Pfadfinder, auf der die Nummer des Gruppenleiters verzeichnet war. Er hieß Roy und war ein freundlicher, aber vorsichtiger Mann und an seinem Beispiel konnte man noch einmal die Verkapptheit der Leute hier erkennen. Die irische Kirche hatte nicht nur eine, sondern gleich zwei Veranstaltungshallen, von denen die kleinere, ältere an die Pfadfinder vermietet worden war. Roy leitete die Pfadfindergruppe des Ortes nun bereits seit 15 Jahren und seit dieser Zeit hatte er auch die Halle gemietet. Sie war also rein für Pfadfinder-Veranstaltungen reserviert und da die Halle bereits vor 15 Jahren in einem erbärmlichen Zustand war, hatte Roy sie von Grund auf renovieren lassen. Das meiste hatte er in Eigenleistung mit Unterstützung einiger anderer Pfadfinderleiter erschaffen. Und trotzdem konnte er noch immer nicht entscheiden, ob er uns in die Halle lassen durfte oder nicht. Der Eigentümer des Gebäudes war die Kirche und auch wenn die Halle nur noch von den Pfadfindern genutzt wurde, brauchten diese für all ihre Aktivitäten noch immer die Erlaubnis des Pfarrers und des Rates. Wäre der Pfarrer zu hause gewesen und hätte genau wie Roy nichts dagegen gehabt, dann hätte man den Rat vielleicht übergehen können. So aber machte sich Roy um sicher zu gehen auf eine Rundreise durch den Ort und suchte die Einzelnen Ratsmitglieder auf. Er war sich sicher, dass dies eine rein formelle Sache sei, da er sich nicht vorstellen konnte, warum irgendjemand irgendetwas dagegen haben sollte. Immerhin übernachteten die Pfadfinder ja auch regelmäßig in dem Saal. Doch er wurde enttäuscht. Vier von fünf Ratsmitgliedern stimmten dagegen. Eine solche Halle sei einfach nicht zum Schlafen gedacht, war ihre Aussage. Außerdem wisse man ja gar nicht, wie das von versicherungstechnischer Seite zu betrachten sei. Als Roy zu uns zurückkehrte war er so geknickt, dass wir ihn erst einmal wieder aufbauen und ihm versichern mussten, dass wir auch anderweitig einen Schlafplatz finden würden. In Bezug auf seine Kirche konnten wir ihm aber dennoch kein gutes Gefühl geben. Die Church of Ireland hatte uns tatsächlich noch kein einziges Mal weitergeholfen. Sofort suchte er nach Erklärungen dafür, die ihm wieder ein besseres Gefühl gaben. Vielleicht lag es ja daran, dass Irland noch immer zweigeteilt war, durch den Krieg und dass die Menschen daher ängstlicher und skeptischer waren als andernorts. Eine direkte Verbindung konnten wir hier nicht erkennen, denn es war hier ja nun bereits seit langer Zeit friedlich und es gab auch keinen Grund, sich vor Pilgern zu fürchten, weil man Streit mit seinem Nachbarn hatte. Doch in gewisser Hinsicht mochte der Mann auch ein bisschen Recht haben. Irgendetwas hatte diese Länderspaltung mit den Menschen hier gemacht und es war nichts positives gewesen. Allein der Umstand dass in der Sommerzeit vor nahezu jedem Haut eine Flagge von Nordirland und oder von Großbritannien hing zeigte, dass man hier einen seltsamen Umgang mit dem eigenen Nationalstolz hegte. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?
Höhenmeter: 20m
Tagesetappe: 9 km
Gesamtstrecke: 24.939,27 km
Wetter: sonnig, warm
Etappenziel: Gemeindesaal, Saint-Sauveur-de-Pierrepont, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 19:02:11


Tag 1320: Inspiration und Begierde

Verurteile dich nicht für deine innere Natur

Seit gestern Abend hatte Heiko immer wieder ein Aufflackern des Tinnitus verspürt, sowie ein starkes Wummern und einen Überdruck in den Ohren. Nachdem wir nun schließlich doch unseren Raum für uns hatten, machten wir uns daran, auszutesten, woran dies lag und was die Ursache war. Wie sich herausstellte hatte es dieses Mal mit dem Thema „Begierde“ zu tun. Seit Shania gegangen war, waren wir immer häufiger jungen, attraktiven Frauen begegnet, die verschiedene, äußere Merkmale und Eigenschaften hatten, die auch in Shania steckten. Plötzlich tauchten Frauen mit katzenartigen Augen auf, wie sie auch Shania hätte, wenn dieses Problem mit den Wassereinlagerungen im Gesicht nicht wäre. Dann kamen Frauen mit genau der Silhouette, die Shanias Medizinkörper entsprechen würde und dann wiederum solche, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten waren, jedoch oft anziehender, verwegener oder stimmiger wirkten, als es aufgrund ihrer Ängste bei Shania im Moment der Fall war. Das Wummern und der Druck in den Ohren, sowie der aufflammende Tinnitus sind nun eine selbstauferlegte Strafe für das „unsachgemäße Begehren anderer Frauen“. Was heißt das und was steckt dahinter? Wenn andere Frauen auftauchen, die attraktiver, erotischer und anziehender sind als Shania in diesem Moment, kommt automatisch eine Begierde auf. Es entsteht also eine Anziehungskraft, die Heiko zu diesen Frauen hinzieht. Dabei ist er sich jedoch bewusst, dass diese Frauen lediglich Spiegel und Prognosen sind, die zeigen, welches Potential in Shania steckt und wohin sie ihr Weg führen wird. Es sind gewissermaßen Trailer, also Voransichten auf das, was Shania nach ihrem Wandlungsprozess und nach der Auflösung ihrer Ängste und Blockaden, die sie im alten Filmbewusstsein festhalten, nach außen tragen wird. Wenn man sich dies bewusst macht, ist selbst unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten nichts verwerfliches daran, diese Frauen anziehend und begehrenswert zu finden. Der Gedanke dabei lautet ja nicht: „Verdammt, warum habe ich diese Alte an der Backe? Ich muss die unbedingt los werden oder sie zumindest mit dieser heißen Schnecke betrügen!“ sondern „Waow, dahin geht Shania also! Nun habe ich wieder ein Bild, so dass ich mir die Richtung vorstellen kann und gleichzeitig kann ich mich auf etwas freuen!“ Die Frauen auf diese Weise zu betrachten hilft also sogar dabei, den Fokus auf das Potential in Shania zu legen, anstatt auf den Mangel, wodurch ihr Wandlungsprozess sogar noch unterstützt wird. Und dennoch ist da dieses Schuldgefühl. Ein Leben lang hat man gelernt, dass man keine anderen Frauen anziehend oder begehrenswert finden darf, wenn man in einer Beziehung ist. Denn selbst wenn man nicht einmal Blickkontakt mit dieser anderen Frau aufnimmt, ist allein der Wunsch eine Form des Betrugs. Es ist geistiges Fremdgehen und dies ist fast genauso verwerflich wie echtes Fremdgehen. Obwohl es nur diese eine Frau für einen geben sollte, findet man andere geiler und attraktiver. Das darf nicht sein! Deshalb muss man sich schlecht fühlen. Und wenn man wie Heiko einen inneren Sanktionator hat, muss man sich deshalb bestrafen in dem man sich selbst Leid schickt. Aber stimmt das? Wenn doch alles eins ist, kann ich dann meine Partnerin überhaupt mit jemand anderem betrügen? Es gibt nur mich. Ich bin meine Partnerin. Ich bin jede andere Frau. Ich bin das Alles. Was immer ich tue, ich lande also stets nur bei mir. Alles ist mein Spiegel, alles ist eine Facette meiner selbst. Was also bedeutet das? Heiko kann Shania nicht betrügen, nicht einmal, wenn er es wollte, da alles was existiert nur er selbst ist. Jede Frau, die uns begegnet und die er begehrenswert findet ist also Shania. Jede Frau, die er nicht begehrenswert findet natürlich auch, aber darum geht es ja hier nicht. Das heißt, dass die Selbstbestrafung durch den Tinnitus und den Ohrendruck nicht von seinem höheren Selbst, sondern vom Verwirrer ausgeht, der ihm hier ein schlechtes Gefühl machen will, wo es nicht angebracht, sondern vollkommen kontraproduktiv ist. Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und betrachten die Welt als das was sie ist: Eine Manifestation unserer Phantasien, Gedanken und Überzeugungen. Es gibt also technisch betrachtet keinen Unterschied zwischen dem, was wir uns in unserem Geist vorstellen und dem was wir im außen sehen können. All die Frauen, die Heiko begegneten und die ihm Teilbereiche von Shanias Medizinkörper präsentierten, waren letztlich genau zu diesem Zweck von ihm selbst erschaffen worden. Sie waren eine Art Brotkrumen, die er sich als sein höheres Selbst gestreut hatte, um überhaupt am Ball bleiben zu können. Woher hätte er jemals wissen sollen, welche optische Form Shanias wahres Sein haben sollte, wenn er keine Bilder dazu bekommen hätte? Die „Ansichtsexemplare“ waren wichtig, damit Shanias göttliches Äußeres überhaupt sichtbar werden konnte. Genau wie wir auch unsere Visualisierungen brauchen um vorzufühlen, wie etwas sein wird, das wir entstehen lassen wollen. Sich dafür zu verurteilen, dass er diese Vorschau-Wesen begehrte und sich von ihnen angezogen fühlte, war letztlich nichts anderes, als wenn er sich dafür verurteilte, Shania vor dem geistigen Auge in ihrer vollen Kraft entstehen lassen zu können und dieses Bild anziehend zu finden. Es machte also keinen Sinn. Das Thema dahinter war jedoch, dass wir durch die Filme glauben, dass wir jemanden nicht mehr lieben, wenn wir etwas anderes attraktiver finden. „Wenn ich diese Frau als erotisch empfinde, Shania in diesem Augenblick aber nicht, dann bedeutet das, dass ich sie nicht mehr liebe!“ Aber das ist natürlich Quatsch! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Nur weil man jemanden liebt, der sich gerade in einem Wandlungsprozess befindet, heißt das nicht, dass man ihn trotz der vielen Spuren der Zerstörung erotisch finden muss. Und nur weil man etwas, das sich im Aufbau befindet, nicht als vollkommen empfindet, heißt das nicht, dass man es nicht trotzdem zu 100% so lieben kann wie es ist. Wenn man ein Haus baut und dieses gerade noch ein Rohbau ohne Fenster und Dach ist, ist es nicht verwerflich, wenn man es noch nicht als kuschelig und gemütlich empfindet. Dies heißt aber nicht, dass man unzufrieden mit dem Haus ist, oder es wegwerfen und gegen ein anderes eintauschen will. Man weiß: Dies ist mein Haus! Es gehört zu mir! Und wenn die Zeit da ist, dann wird es der gemütlichste und kuscheligste Platz, den ich mir nur erträumen kann!“ Trotzdem kann man sich ja andere Häuser anschauen und sich von diesen inspirieren lassen. Vielleicht findet man in einem von ihnen genau das Kuschelsofa, nach dem man gesucht hat. Das bedeutet nicht, dass man deswegen sein eigenes Haus nun einreißen und stattdessen in das Haus mit dem tollen Sofa ziehen will. Es bedeutet nur, dass man nun inspiriert ist und dadurch ein Sofa für das eigene Haus kaufen kann, auf das man sonst vielleicht nie gekommen wäre.
 
Spruch des Tages: Verurteile dich nicht für deine innere Natur
Höhenmeter: 20m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 24.93 0,27 km
Wetter: bewölkt, hin und wieder sonnig, warm
Etappenziel: Nonnenkloster, Saint-Sauveur-le-Vicomte, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 18:58:21


Tag 1319: Verschiedene Formen von Christentum

Wenn zu viele Köche den Brei verderben, verderben

29.07.2017 Die Sache mit den Kirchen kommt uns hier trotzdem noch immer spanisch vor. Kamen hier wirklich 300 bis 400 Menschen zur Messe, während die englische Kirche gerade einmal 4 bis 5 Besucher verbuchte? Wenn dem so war, warum waren dann die Gebäude und Parkplätze der englischen bzw. irischen Kirche, die letztlich ein und die selbe waren, dann aber genauso groß, wie die Presberitanischen? Irgendwie wirkte hier alles zu sehr nach Fassade. Es erinnerte uns stark an das, was wir in Bosnien erlebt hatten. Da drei unterschiedliche Religionen auf engstem Raum zusammenlebten, versuchte jeder zu zeigen, dass sein Gott und seine Art des Glaubens besser war, als die der anderen. Deswegen musste die eigene Kirche bzw. Moschee immer noch etwas größer, protziger und auffälliger sein, als die der anderen. Hier in der Region hatte es ebenfalls für lange Zeit einen Krieg gegeben, den man genau wie den im Balkan den Religionen in die Schuhe schob. Und Zack: Schon gab es überall Kirchen die sämtliche Dimensionen sprengten. Der Ort, den wir heute erreichten war sogar noch kleiner, als der von gestern und hatte eine irische Kirche, eine presperitanische und eine reformierte presperitanische. Alle waren so groß, dass man sie nicht füllen konnte, wenn man den ganzen Ort hinein steckte. Und doch waren alle in Betrieb. Weitaus heftiger war jedoch, dass es hier schwieriger war einen Platz in einem der vielen Säle zu bekommen, als überall sonst auf der Welt an Plätzen wo es fast gar nichts gab. Bei den Presperitanischen Kirchen half nur der Pfarrer. Ohne ihn hatte man keine Chance, selbst wenn man den ganzen Kirchenrat und den Köster vor sich versammelt hatte. Dummerweise waren fast alle Pfarrer mit ihren Familien im Urlaub und somit außer Reichweite. Am Mittag fragten wir in einem kleinen Ort herum und schafften es sogar, den zweithöchsten Mann in der Gemeinde zu sprechen, doch selbst er sah sich nicht in der Lage, uns eine Erlaubnis zu erteilen. Er könne dies nicht alleine entscheiden, sagte er traurig und entschied damit ganz alleine, dass wir weiter gehen mussten. Das heißt, einen Platz in seinem Haus hätte er uns angeboten, so war es nicht. Man konnte nicht behaupten, dass einem die Menschen nicht helfen wollten. Jedenfalls nicht bei den meisten. Es gab nur eine ganz eigensinnige, spießige und verklemmte Struktur, nach der die Dinge hier liefen. Der anglikanischen Kirche wurde hier immer vorgeworfen, dass sie so altmodisch sei und doch hatten wir diese stets als die offenste und unkomplexeste empfunden. Es gab dem Pfarrer und den Gebäudeverwalter und wenn man einen von ihnen erreichte, konnte man sicher sein, dass man eine klare Antwort bekam, die in der Regel positiv war. In Schottland gab es dann das System mit den Kirchenältesten, die nur noch als Rat entscheiden durften, wodurch die Sache schon deutlich komplexer wurde. Wie wir nun erfuhren war die „Church of Scottland“ anders als die „Church of Ireland“ und die „Church of Wales“ auch nicht mit der „Church of England“ sondern mit der presperitanischen Kirche verwandt. Da steige mal einer durch! Hier in der presperitanischen Kirche hingegen ist der Pfarrer wieder das einzige Oberhaupt, wobei selbst das nur zum Teil stimmt. Der Pfarrer der reformierten Presperitanischen Kirche, in der wir heute übernachten dürfen, musste nämlich erst einmal sein Kirchenkomitee durch telefonieren, bis es uns eine Antwort geben konnte. Man kann also festhalten: Es ist kompliziert! Und das nicht, weil es kompliziert sein müsste, sondern weil es bewusst kompliziert gehalten wird. Unsere Vermutung war jedoch, dass es hierbei weit mehr um Geld als um Glauben und Demokratie ging. Die Kirchen und ihre Säle waren wie erwähnt beeindruckende Prestige-Tempel die Unmengen an Geld verschluckten. Man konnte es sich als Pfarrer hier also nicht erlauben, es sich mit den Spendern zu überwerfen. Das Motto dahinter schien zu lauten: „Du musst mich bei deinen Entscheidungen nicht einzubeziehen, aber ich muss dir auch kein Geld geben!“ Auch wenn die Privateinladung nett gemeint war, beschlossen wir dennoch weiter in den nächsten Ort zu ziehen. Die letzte Nacht die wir zusammengekauert auf dem Boden eines winzigen Wohnzimmers verbracht hatten, während der Hund neben uns auf dem Sofa schlief, hatte uns erst einmal wieder gereicht. Außerdem sahen wir nicht ein, warum wir Notlösungen annehmen sollten, wenn es doch überall leere, unbenutzte Säle gab. Was man aber bei den Menschen, sowohl bei den Pfarrern, wie auch bei den Gläubigen spürte, war eine seltsame Ambivalenz. Die Presperitanische Kirche hatte eine sehr streng auf Jesus ausgerichtete Glaubensphilosophie, die von allen Vertretern die wir bislang kennengelernt hatten zur Not bis auf´s Messer verteidigt wurde. „Wir sind sehr offen und akzeptieren auch alle anderen Glaubensformen!“ beteuerten uns die Leute immer wieder, „so lange klar ist, dass Jesus unser Herr ist, der all unsere Sünden in sich aufgenommen hat, um uns zu erlösen! Jesus ist mein persönlicher Retter, der mich von meinen Sünden befreit, damit ich leben kann!“ Auf diese eine Aussage lief stets alles hinaus und auch wenn uns die Leute nicht ein einziges Detail über sich erzählten, so erzählten sie uns doch stets, dass dies ihr zentraler Glaube war über den sich nichts stellen durfte. Dadurch entstand recht bald der Eindruck, dass die Menschen hier in diesem Bezug seltsam gleichgeschaltet zu sein schienen. Mehr als alle anderen Glaubensgemeinschaften, die wir bislang kennenlernen durften, vermittelte diese den Eindruck eine Sekte zu sein, die eine starke Kontrolle über die Gedanken und Meinungen ihrer Mitglieder ausübte. Das konnte natürlich täuschen, aber der Eindruck drängte sich einem geradezu auf. Auf der anderen Seite kam aber immer wieder auch das Gefühl durch, dass die Menschen zwar gerne über Jesus sprachen, aber dennoch nicht viel von ihm als Vorbild hielten. Dafür steckte die innere Spießigkeit einfach viel zu tief in den Menschen drin. Die Frage nach einem Sandwich war daher meist schon ein bisschen zu viel. Wenn einem jedoch jemand half, dann waren es vor allem die Farmer, die ihr Leben eher schlicht und pragmatisch als philosophisch hielten. Nachtrag: Einige Monate später führte ich ein recht interessantes Gespräch über glauben mit einem muslimischen Dönerbudenbesitzer, der zum Thema Jesus folgende nicht unwichtige Frage aufwarf: „Ich kenne mich mit dem Christentum nicht allzu gut aus“, sagte er, „wenngleich wir Jesus ja auch im Islam als einen wichtigen Propheten ansehen, der in etwa den gleichen Stellenwert hat wie Mohammet. Aber eine Sache frage ich mich immer wieder: Wenn die Christen Jesus einen so hohen Stellenwert als Sohn Gottes beimessen, dann kommt es mir oft so vor, als würden sie am Ende nur noch Jesus anbeten und Gott selbst dabei fast vergessen. Steht das nicht in einem Widerspruch zum ersten Gebot, dass es nur einen Gott gibt und dass neben ihm niemand sonst angebetet werden soll?“ Ein interessanter Gedanke und eine Frage, die man sich auf jeden Fall gefallen lassen sollte, findet ihr nicht?
 
Spruch des Tages: Wenn zu viele Köche den Brei verderben, verderben dann auch zu viele Religionen den Glauben?
Höhenmeter: 75m
Tagesetappe: 13 km
Gesamtstrecke: 24.914,27 km
Wetter: Leicht bewölkt, sommerlich warm
Etappenziel: Zisterzienser-Kloster, Briquebec, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 18:57:31


Tag 1318: Männer des Glaubens

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzt, da

28.07.2017 Landschaftlich änderte sich auch heute nichts und so gibt es über unsere Wanderung nicht viel zu berichten. Interessant war lediglich, das wir heute zwei Männern begegneten, die beide auf ihre Art einen sehr tiefen Glauben besaßen, sich dabei aber unterschieden wie Tag und Nacht. Der erste war ein Farmer, in dessen Hof wir versehentlich stolperten, als wir uns unseren Weg durch das Hinterland bahnten. Er hatte lange Zeit einen industriellen Hof geführt und dabei nur so mit Giftstoffen und künstlichen Präparaten um sich geworfen. Es hatte lange gedauert, doch dann hatte er erkannt, dass er mit jedem Gramm Gift, das er im Außen verteilte, auch sich selbst vergiftete. Sein Körper begann zu streiken und es wurde klar, dass er etwas ändern musste. So stellte er sein Leben und seine Bewirtschaftungsweise um, was allerdings zur Folge hatte, dass er nun kaum mehr von seinen Erzeugnissen leben konnte. Mehrfach wurde er bereits polizeilich aus seinem Haus geworfen und ins Gefängnis gesperrt, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte. Doch stets hatte er es geschafft wieder hier her zurück zu kehren. „Ich weiß nicht wie,“ sagte er, „aber Gott passt auf mich auf und er sorgt stets dafür, dass ich wieder zu meinem Hof zurückkehren kann.“ Er selbst sagte von sich, dass er hier nun seit Jahren das Leben eines Mönchs lebte. In Einsamkeit und Enthaltsamkeit. Tatsächlich hatte er in seinem Haus nicht mehr Platz als ein Mönch in seiner Zelle, wobei dies in erster Linie an seinem Messitum lag, das dafür sorgte, dass alles bis unter die Decke mit unnützem Gerümpel vollgestellt war. Und dennoch. Obwohl der Mann ärmer war als jede Kirchenmaus und obwohl sein Saustall unwirtlicher war als die Gefängnisse, in die man ihn zum Schuldenabbau gesteckt hatte, war dies ein zuhause. Er war mit diesem Platz verbunden, auch wenn es außer ihm wahrscheinlich niemanden gab, der das nachvollziehen konnte. Eine knappe halbe Stunde später trafen wir den Pfarrer der Gemeinde. Auch er war tief in seinem eigenen Glauben verankert, wenn auch auf eine vollkommen andere Weise. Er lebte in einer modernen Villa, genoss das Ansehen und den Luxus eines geschätzten und wohlhabenden Mannes und brauchte sich über Geld keinerlei Gedanken zu machen. Anders als der Farmer, der quasi nur aus seinem inneren Kern bestand und auf den äußeren Ausdruck nicht einen Hauch von Wert legte, sorgte der Pfarrer dafür, dass alles darauf ausgerichtet war, den Menschen ein gutes und erhabenes Gefühl zu geben. Seine Kirche war ein modernes, weißes Gebäude mit einer digitalen Informationstafel davor, auf der jeder Vorbeikommende über die kommenden Veranstaltungen aufgeklärt wurde. Und auch sein Haus sagte in jedem Detail aus: „Folge Jesus und auch du kannst in diesem Wohlstand leben!“ Als wir durch das Eingangsportal traten, hörten wir seichte Klaviermusik aus dem Wohnzimmer, die kurz darauf verstummte. „Dies ist meine Frau am Klavier!“ sagte er wie zufällig, kurz bevor sie in der Tür auftauchte, um uns zu begrüßen. Nichts davon war irgendwie unangenehm oder aufdringlich, doch es wirkte wie eine perfekt geplante Inszenierung. Nun erfuhren wir auch, warum die Kirchen hier um so viel größer waren, als in England. Unser Pfarrer gehörte der sogenannten Presperitarischen Kirche an, einem relativ jungen und modernen Zweig des Christentums, der am ehesten mit dem afrikansichen Gospel vergleichbar ist. Wenn seine Aussagen stimmten, dann sorgte dies dafür, dass tatsächlich zwischen 300 und 500 Gläubige in die Messen kamen. Damit war die Presperitarische Kirche die größte und populärste in Nordirland, während die traditionelle irische Kirche, genau wie auch die englische mehr und mehr ausstarben. Und doch waren wir am Ende nicht sicher, welcher der beiden Männer es besser oder schlechter getroffen hatte. Denn so prachtvoll der Platz des Pfarrers auch war, er lebte dennoch direkt neben der Hauptstraße und weder in der Kirche noch in seinem Wohnzimmer konnte man jemals Ruhe finden. Einzig der Gemeindesaal, den wir für die Nacht bekamen, bot einen einzigen Raum, der so sehr von allem abgeschirmt war, dass man darin keine Motorengeräusche hören konnte. In Sachen heiliger Stille war der Farmer also bedeutend besser dran. Auch stellten wir fest, dass das Verständnis von Gott und Spiritualität, das der Farmer hatte, bedeutend tiefer und fundierter, dabei aber auch offener und flexibler war, als das des Pfarrers, dem es schwer fiel, eine andere Interpretation des Glaubens als seine eigene gelten zu lassen. Und doch ging von beiden eine starke Überzeugungskraft aus, die bewundernswert war. Beide waren Meister darin, andere von ihren Überzeugungen zu begeistern und ihre Werte zu vermitteln.
 
Spruch des Tages: Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzt, dann der Glaube an die eigene Kraft
Höhenmeter: 160m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 24.901,27 km
Wetter: Sonnig und warm
Etappenziel: Städtisches Apartment, Brix, Frankreich, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-02-05 18:53:29


Tag 1317: Zu Gast auf der Hühnerfarm

Schokolade löst keine Probleme, aber das tut ein A

Zumindest was unsere heutigen Erfahrungen anbelangte, glänzten die geistigen Väter der Kirchen jedoch vor allem erst einmal durch ihre Abwesenheit. Von keiner der vier Kirchen konnten wir einen Pfarrer auftreiben und das obwohl wie die Unterstützung eines freundlichen älteren Herren hatten, der mich mit dem Auto von einer zur nächsten fuhr und der genau wusste, wo jeder wohnte. Am Ende waren es er und seine Frau, die uns zu sich nach Hause einluden. Die beiden lebten auf einer kleinen Farm etwas außerhalb der Ortschaft und betrieben dort ihre eigene Hühnerzucht mit rund 25.000 Hühnern. Eine Generation brauchte bei ihnen 38 Tage um Schlachtreif zu werden. Dann folgte eine Zwischenperiode von 10 Tagen, in denen die Stallungen leer stehen mussten, so dass sie gereinigt und vollständig desinfiziert werden konnten. Anschließend kamen dann die nächsten Küken in die Mast. Zuckerfrei leben Nachdem unsere Gastgeber erfahren hatten, dass wir uns mit Heilung und Medizin beschäftigten, wurden sie neugierig und wollten einiges über ihre eigenen Gesundheitsprobleme wissen. Unsere Gastmutter hatte seit langem Schmerzen im linken Brustbereich der mit einer Entzündung des Trigeminus-Nervs zusammen hing. Ihr Mann bekam erste Anzeichen von Rheuma und hatte bereits stark verkalkte Arterien, die ihm recht hohe Aussichten auf einen drohenden Herzinfarkt bescherten. Bei der Ursachenfindung kamen wir recht bald auf das Thema mit den Alltagsroutinen und stellten fest, dass die Kombination aus nahezu überhaupt keiner Bewegung, permanenten Stressgedanken in Bezug auf das Überleben des Mastbetriebes und eine Ernährung die zu rund 60% aus Zucker und Süßigkeiten bestand, nicht unbedingt das beste Mittel für Gesundheit im hohen Alter ist. Es half also nichts, wenn er gesund werden wollte, dann mussten Stress und Zucker aus seinem Leben gestrichen werden. Eine Aufgabe, die ihm sichtlich schwer fiel. Nachdem uns seine Frau mit Kuchen, Keksen, Eiscreme und süß eingelegten Früchten versorgt hatte, konnten wir sein Dilemma durchaus verstehen. Es erinnerte uns außerdem daran, dass wir uns diese Aufgabe ebenfalls gestellt und ebenfalls nicht eingehalten hatten. Wir beschlossen daher, den heutigen Tag als finalen Highlight-Sünden-Süßigkeiten-Tag anzusehen und ab morgen mit unserem zuckerfreien Ernährungsplan zu beginnen. Wenn wir damit erfolgreich waren, dann konnte ich sicher bald auch mit dem Rest meiner Diät weiter machen und auch Brot, Fleisch und Nüsse weg lassen. Aber eines nach dem anderen.
 
Spruch des Tages: Schokolade löst keine Probleme, aber das tut ein Apfel auch nicht!
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 24.886,27 km
Wetter: Bewölkt aber warm und trocken
Etappenziel: Katholisches Pfarrhaus, Cherbourg, Frankreich

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-30 22:16:37


Tag 1316: Kathedralen für Alle!

Vielleicht kommt es ja doch auf die Größe an...

Als würden wir durch eine Stadt schleichen Unser erster Eindruck von Nordirland war wieder eher gemischt. Das Land war deutlich flacher und freier als Schottland und bot auf jeden Fall schon einmal wieder deutlich mehr Nebenstraßen auf denen man ausweichen konnte. Doch es war auch wieder deutlich dichter besiedelt und machte insgesamt den Eindruck, als wären wir wieder in England. Nur leider eben im dichtbesiedelten Teil von England. Hauptstraßen waren nicht nur unbegehbar, sondern aufgrund des beliebten Asphalts der Grausamkeit auch meilenweit zu hören. Es war ein bisschen, als würden wir durch eine riesige Stadt gehen, die zwar Schleichwege und viele Parkanlagen hatte, jedoch niemals einen Ort der Stille kannte. Der Straßenlärm war immer von irgendwo zu hören, egal wie weit man auch in die Felder kam. Besonders schade aber war, dass die Ortschaften auch hier wieder so ungünstig und unangenehm gelegt wurden, wie man es sich nur vorstellen kann. Es gibt keine Dörfer in dem Sinne wie bei uns. Es gibt nur Straßenknotenpunkte an denen mit der Zeit einige Häuser entstanden sind. Wohnhäuser und leider auch Kirchen befinden sich also immer genau an den Punkten, die man normalerweise weiträumig umgehen würde. Wie lange wir uns hier in diesen Gefilden aufhalten würden und ob es nicht doch das Beste war, einfach einen weiteren Schlenker durch Frankreich zu machen, da waren wir uns noch überhaupt nicht sicher. Denn so wie es aussah, gab es zumindest in diesem Bereich der Insel nichts wirklich schönes. Es gab die üblichen, eingezäunten Felder, wie überall in Britannien. Dazu kleine und große Straßen mit dem rauen, unangenehmen Asphalt, sowie unspektakuläre und oftmals wirklich hässliche Gebäude, die dem Baustil des Balkans um nichts voraus hatten. Das einzige, was es hier wirklich zu sehen gibt sind Hühnerfarmen, denen man wirklich alle paarhundert Meter begegnet. Aber auf Dauer ist das nun auch wieder nicht so spannend. Mehr Kirchen als Kirchgänger Ein Phänomen in diesem Land, das wir uns bislang noch nicht erklären konnten, sind die Kirchen hier. In England und Wales hatten sie ihren mittelalterlichen Flair, der sie zu besonderen Orten gemacht hat. In Schottland waren es einfache, kleine Kirchen, die weder im positiven noch im negativen Sinne besonders auffällig waren. Hier sind es regelrechte Tempelanlagen, die wirken, als würde regelmäßig ein Großevent stattfinden, bei dem mindestens fünf Jungfrauen geopfert würden. Der Ort, den wir heute erreichten, bestand gerade einmal aus 340 Häusern, also rund 1000 Einwohnern. Dennoch gab es allein hier vier verschiedene Kirchen, die alle die Größe einer kleinen Basilika hatten und zu denen jeweils ein Gemeindesaal in der Größe einer handelsüblichen Sporthalle gehörte. Davor befanden sich Parkplätze auf denen man mehr Autos unterbringen konnte, als vor jedem Einkaufszentrum. Wie passte das zusammen? Wurden diese Einrichtungen jemals genutzt? Die umliegenden Nachbarorte hatten ihre eigenen Kirchen, die genauso groß und umfassend waren, was bedeutete, dass sich die Zielgruppe nur aus den hier lebenden Personen zusammensetzen konnte. Dörfer in Wales von der gleichen Größe hatten Mühe, eine einzige Kirche mit mehr als fünf Personen zu füllen, wenn der Pfarrer einmal im Monat auf einen Gottesdienst vorbei kam. Entweder waren die Kirchen hier also vollkommen überdimensioniert, oder aber die Pfarrer machten hier etwas komplett anders, als im Rest von Britannien. Und was immer es war, es musste verdammt überzeugend sein.
 
Spruch des Tages: Vielleicht kommt es ja doch auf die Größe an...
Höhenmeter: 90 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 24.864,27 km + ca. 400km auf dem Schiff
Wetter: Erst Sonne, dann Regen
Etappenziel: Fähre von Irland nach Frankreich, Internationale Gewässer, irgendwo auf dem Atlantik vor der Britischen Küste.
Koordinaten für Google: 49.789007, -7.187059

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-30 22:13:31


Tag 1315: Race of Legends

On the road again!

27.07.2017 Auf den letzten Kilometern bis zu unserem gestrigen Etappenziel waren die Straßen seltsam verändert. Es begann mit ein paar Hinweisschildern und Werbeplakaten, dann kamen kleine und y y xgrößere Tribünen hinzu und schließlich waren weite Teile des Straßenränder in dickes Schaumgummi eingepackt. Zunächst dachten wir, dass wir gerade ein großes Event verpasst hatten, doch dann sahen wir Männer, die weiterhin am Aufbau der Straßenbepolzterung arbeiteten. Als Heiko dann noch einen Blick auf ein Plakat mit der Aufschrift „Race of Legends“ erhaschte, war klar, dass wir hier auf dem zukünftigen Schauplatz des wahrscheinlich härtesten und gefährlichsten Motorradrennens Europas standen. Mir sagte der Name nichts, aber Heiko wusste noch von früher, dass es kaum ein Motorsportevent gab, das Jahr für Jahr so viele Todesopfer forderte, wie das Race of Legends. Und wenn man sich hier einmal umsah, dann war dies auch kein Wunder. Der Routenverlauf führte über die ganz normalen Nebenstraßen, die sich kreuz und quer durch das Gelände schlängelten, vorbei an Wiesen, Wäldern, Privathäusern, Stacheldratzäunen, Hofeinfahrten, Baumstümpfen und vielem mehr.Die Straßenbeläge waren in einem geradezu erbärmlichen Zustand und man hatte größere Schlaglöcher sowie Gullydeckel und ähnliche Fallen einfach notdürftig mit weißer Farbe umsprayed, damit man sie leichter erkennen konnte. Teilweise war der asphalt zudem so rutschig und schmierig, dass wir selbst beim Wandern schon aufpassen mussten, dass wir nicht ausrutschten. Alles was links und rechts der Straße ein Hindernis sein könnte, wurde mit den Matten umpolstert, die aber noch immer so hart waren, dass man sich weh tat, wenn man nur dagegen lief. Wie sie einem das Leben retten sollten, wenn man mit rund 250km/h dagegen prallte, war uns ein Rätsel. Aber wahrscheinlich sollte es das auch gar nicht. Angekommen in unserem Zielort stellten wir fest, dass die Rennstrecke nicht nur für Motorradfahrer genutzt werden sollte. Am Abend fand bereits ein Oldtimer-Treffen statt, zu dem auch ein Rennen auf besagtem Parcours gehörte. Mit weniger Geschwindigkeit und deutlich geringerem Risiko natürlich. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: On the road again!
Höhenmeter: 90 m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 24.846,27 km
Wetter: Erst Sonne, dann Regen
Etappenziel: Pfarrhaus, Bridgetown, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-30 22:10:29


Tag 1314: Der erste Eindruck von Irland

Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben

Der erste Eindruck von Ballycastle war bedeutend besser als der von Campbeltown. Auch hier wurde natürlich der Verkehr direkt an den Läden vorbei geleitet und zerstörte die Hafenatmosphäre so gut e nur ging. Doch der Gesamteindruck war ansprechender und alles wirkte heller und freundlicher. Als Willkommensgeschenk in unserem 34. Land bekamen wir gleich je eine Pizza und ein Eis geschenkt, mit dem wir es uns in einem kleinen Park oberhalb des Hafens gemütlich machen konnten. So gemütlich, wie es bei Wind und Regen möglich war natürlich. Dann verließen wir den Hafenbereich und machten uns auf den Weg zur katholischen Kirche. Immerhin hatten wir in letzter Zeit eine Trefferquote von 100% bei den katholischen Pfarrern gehabt und wenn es hier eine Chance auf einen Schlafplatz gab, dann war es diese. Leider entpuppte sich der Pfarrer als kleiner, griesgrämiger, seltsam eckig wirkender und äußerst unchristlicher Giftzwerg, der beschloss keinen Finger krumm zu machen, obwohl er eine leere, ungenutzte Halle direkt neben seinem Haus hatte, in der man nichts mehr hätte kaputt machen können. „Es tut mir leid, da kann ich nicht Helfen und ich habe auch keine Zeit für Sie!“ lutete die knappe Antwort, bevor die Tür vor meiner Nase ins Schloss fiel. Auf dem Parkplatz vor seinem Haus hatte ich wenige Minuten zuvor einen alten Mann getroffen, der mir mit der Wegbeschreibung geholfen hatte und sicher war, dass sein Pfarrer uns weiterhelfen würde. Als er nun von unserem Gespräch erfuhr konnte er es kaum glauben. „Das ist aber ganz und gar nicht christlich von ihm!“ meinte er enttäuscht und man sah ihm an, dass der Pfarrer in seinem Ansehen gerade eine Leuchttumtreppe heruntergefallen war. „Vielleicht hat er ja gerade einen schlechten Tag, versuchte es die Situation vor sich selbst zu rechtfertigen, glaubte sich aber kein Wort davon. Um die Enttäuschung wieder gut zu machen, suchte er eine Alternativlösung und nahm mich zu einem Haus mit, in dem eine Nonne leben sollte, die er noch von früher kannte. „Sie ist eine liebe und warmherzige Frau, die euch bestimmt weiterhelfen wird!“ meinte er überzeugt, nur um kurz darauf ein weiteres Mal enttäuscht zu werden. Die Nonne seines Vertrauens war durch eine Nachfolgerin ersetzt worden, dessen einziger Vorschlag es war, sich an den Pfarrer zu wenden. Größer hätte die Enttäuschung und Desillusionierung des alten Mannes heute kaum werden können. Damit war er übrigens nicht der einzige, denn während ich nach weiteren Alternativlösungen suchte, hatte Heiko noch einmal eine Begegnung der dritten Art mit dem eckigen Pfarrer. Dieser kam kurz nach meinem Besuch in die Kirche, in der Heiko auf mich wartete. Außer den beiden waren rund zwanzig Menschen anwesend, die aus irgend einem Grund eine Hostie anbeteten, die vor dem Altar aufgebahrt war. „Wenn das mal keine Gelegenheit für ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit im Namen der Nächstenliebe ist!“ dachte sich Heiko und sprach den Pfarrer noch einmal auf die Ablehnung an, die er uns entgegen brachte. Er stellte dem Mann lediglich verschiedene Fragen und sorgte dafür, dass dieser nicht mit Ausflüchten und Scheinantworten davon kam. Je länger das Gespräch dauerte, desto mehr zog es die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf sich, die mit der Zeit eine große Traube um die beiden herum bildeten. „Sehe ich das richtig, dass es keinen Grund dafür gibt, warum sie uns nicht aufnehmen sollten, sie aber trotzdem nicht vorhaben, zwei Pilgern einen Platz anzubieten, einfach weil sie beschlossen haben, dass ihnen dies zu anstrengend wäre?“ fragte Heiko um die vorangegangenen Informationen noch einmal zusammenzufassen. „So kann man das nun auch wieder nicht sagen!“ entgegnete der Pfarrer. „Wie kann man es dann sagen?“ fragte Heiko. „Es wäre einfach wichtig gewesen, sich zuvor anzumelden, denn in der heutigen Zeit funktioniert das alles nicht mehr so einfach!“ „Sie sagen also, dass es heute keine spontane Nächstenliebe mehr gibt und auch nicht mehr geben sollte, ist das richtig? Wenn jemand Hilfe braucht, dann bekommt er sie nur, wenn er sich vorher anmeldet? Also wenn ich jetzt zum beispiel eine Frau bin, die gerade von ihrem Mann mishandelt und vergewaltigt wurde und daher Schutz braucht, dann sagen Sie: 'Tut mir leid, da hätten Sie zuvor bescheid geben müssen! Sie können ja erst noch ein oder zwei Wochen bei Ihrem Vergewaltiger bleiben und wir besprechen in der Zwischenzeit, ob wir Ihnen helfen können oder nicht!'“ „Nein“, entgegnete der Pfarrer, „das ist doch etwas ganz anderes!“ „Wieso?“ wollte Heiko wissen, „es geht beide Male um Menschen, die Hilfe von Ihnen brauchen. Wo machen Sie denn da die Grenze? Einer vergewaltigten Frau helfen sie, aber einem misshandelten Mann nicht? Oder helfen sie noch dem Mann, wenn er verletzt ist, nicht aber wenn er nur aufgrund eines Schicksalsschlages sein Zuhause verloren hat? Wo trennen Sie?“ Wieder wusste der Pfarrer keine Antwort und suchte nach Ausflüchten. All dies sei ja schließlich etwas anderes und wir könnten ja jeder sein! Woher wolle er denn wissen, dass wir nicht einfach nur auf Kosten der Kirche herumreisen wollten? „Gilt das nicht für Sie ebenfalls?“ fragte Heiko zurück. „Ich meine, Sie konnten ja auch jeder sein! Woher will ich denn wissen, dass Sie ein richtiger Pfarrer sind und nicht nur jemand, der sich auf Kosten seiner Gemeinde ein angenehmes Leben machen will? Ihr Verhalten jedenfalls deutet nicht darauf hin, dass Sie ihre Berufung ernst nehmen! Gerade stehen Sie in einer Kirche, die von ihrer gemeinde Bezahlt wurde und Sie leben in einem großen, komfortablen Haus, das ebenfalls nur von Menschen finanziert wurde, die darauf vertrauen, dass Sie ihnen in Notzeiten beistehen. Für mich sieht das nach einer klaren Fehlinvestition aus!“ Heiko wandte sich an das Publikum uns stellte seine nächste Frage offen in die Runde: „Wie fühlt es sich für Sie an, wenn Sie wissen, dass Sie trotz Ihrer regelmäßigen Kollekte von diesem Mann keine Hilfe erwarten können, wenn Sie sie wirklich brauchen? Wie oft ist er tatsächlich für Sie da? Wie stark interessiert er sich für die Belange seiner Gemeinde? Können Sie sicher sein, dass er ein offenes Ohr für Sie hat, wenn Sie einen Trauerfall in der Familie zu beklagen haben? Oder heißt es dann auch 'Ich habe heute leider keine Zeit, machen Sie bitte einen Termin aus?' Betroffen schauten ihn die Leute an und stellten fest, dass der Pfarrer tatsächlich niemand war, auf den man bauen konnte, wenn man Sorgen oder Probleme hatte. Er hielt die Messe und nahm Beichten ab, aber das war dann auch schon alles. „Fassen wir also noch einmal zusammen und einigen uns darauf, dass Sie keinen christlichen Gedanken mit dem Beruf des Pfarrers verbinden, sondern ihn nur aus Profitgier und zur persönlichen Bereicherung gewählt haben. Sie möchten einfach niemandem helfen, sondern in ruhe gelassen werden, und dafür gutes Geld bekommen. Kann man das so sagen?“ Diese Zusammenfassung freute den Pfarrer natürlich gar nicht. „Verlassen Sie nun bitte diese Kirche!“ sagte er streng, „Sie haben hier nichts verloren!“ „Oh,“ entgegnete Heiko sakastisch, „das heißt Sie schmeißen einen Gläubigen aus 'Ihrer' Kirche, weil er an ein christliches System der Nächstenliebe und nicht an eines der Profitgier glaubt? Das sagt dann aber wirklich einiges über Sie aus!“ Wieder wandte er sich den Kirchgängern zu: „In wenigen Minuten wird hier die Messe beginnen. Nehmen Sie sich also ruhig noch einmal einen Moment Zeit und überlegen Sie sich, wessen Worte Sie dabei wirklich hören möchten. Möchten Sie einem Mann zuhören, der über Jesus und Gottes Liebe spricht ohne dass es für ihn eine Bedeutung hat und der die ganze Messe nur durchzieht, weil er auf Ihre Kollekte am Ende scharf ist? Ich würde mir das ja nicht antun!“ Nun war der Pfarrer endgültig sauer und warf Heiko in hohem Bogen nach draußen. Doch mit ihm ging auch rund die Hälfte der anwesenden, die sich das Gespräch zu Herzen genommen hatten und die nicht länger bereit waren, einem so falschen Spiel beizuwohnen. Auch wenn es für uns bedeutete, dass wir noch einmal 10km wandern mussten und schon wieder erst um 18:00 Uhr einen Platz bekamen, hatte sich diese Aktion also anscheinend trotzdem rentiert. Unser erster Eindruck von Irland war gemischt. Alles in allem sah es hier nicht anders aus als in England und Schottland. Wieder war alles gerodet worden, wieder gab es nichts als grüne Hügel mit steilen Straßen, wieder war der Asphalt so grauenhaft gewählt, dass man nicht einmal in die Nähe einer größeren Straße kommen durfte und wieder schien jede Ortschaft, die nur ein bisschen größer war unerträglich zu sein. Auch das Spießertum schien das der Schotten eher noch zu übertreffen. Es war nicht so, dass es hier keine netten, hilfsbereiten Menschen gab, ganz im Gegenteil. Es war nur schon wieder eine Kunst, sie zu finden und aus der Masse herauszupicken. So trafen wir in unserem Zielort auf eine Frau mit Hund, die uns versicherte, dass wir hier niemals einen Platz finden würden, da der Pfarrer nicht im Haus sei und der Gemeindesaal von einem Komitee verwaltet würde, das zunächst eine Tagung veranstalten müsste, um zu entscheiden, ob wir dort übernachten könnten oder nicht. Sie selbst sei Teil des Komitees, könne uns alleine aber leider nicht helfen. Kurz darauf fand ich auch ohne ihre Hilfe das Haus des Pfarrers, traf ihn dort ohne Probleme an und bekam bedenkenlos den Schlüssel für besagten Gemeindesaal. „Falls sich jemand beschweren sollte, schickt ihn zu mir!“ meinte er, „Ich weiß, dass die Gemeinde hier so ziemlich gegen alles eingestellt ist, aber wenn ich zwei Pilger sehe, die einen Platz brauchen, dann bekommen sie einen Platz, egal was die Gemeinde davon hält!“
 
Spruch des Tages: Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich.
Höhenmeter: 175 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 24.827,27 km
Wetter: bewölkt, teilweise sonnig, hin und wieder Regen
Etappenziel: Pfarrhaus, 3km hinter Wellingtonbrindge, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:22:52


Tag 1313: Mit Highspeed über die Wellen

Eine Seefahrt, die ist lustig eine Seefahrt die is

26.07.2017 Zum Abschied zeigte sich Schottland noch einmal so, wie es sich am liebsten präsentierte: Mit strömendem Regen. Unser Kirchensaal lag keine Hundert Meter vom Hafen entfernt und trotzdem schafften wir es durchnässt bei unserer Fähre anzukommen. Als wir eintrafen war der Kapitän gerade dabei, das Gepäck unserer Mitpassagiere unter Deck zu verstauen. Ein Blick auf unsere Pilgerwagen ließ seine Stimmung nicht gerade in die Höhe schnalzen. „Na super! Was soll denn das jetzt noch!“ war der Gedanke, der ihm unverblümt auf die Stirn getackert war. „Sind Sie unser Capt´n?“ fragte ich und erklärte dann, dass wir die beiden Pilger waren, die bereits telefonisch angekündigt wurden. Sofort hellte sich seine Miene auf. Der Satz von seiner Stirn verschwand und wurde durch einen neuen ersetzt: „Oh, wenn das so ist, ist ja alles gut!“ Er war sichtlich erleichtert, dass nun klar war, dass unser Gepäck am Oberdeck bleiben konnte und wir nicht darauf bestehen würden, es die schmale Stiege hinab in den engen Lagerraum hieven zu lassen. Er warf uns ein paar Taue und Spanngurte zu und vertraute darauf, dass wir wussten wie man Dinge so befestigte, dass sie auf rauer See nicht von Bord geschleudert wurden. Das Schiffchen selbst war eine kleine Yacht von etwa 10m Länge mit 12 Passagierplätzen sowie einen Platz für den Kapitän und einen für den Matrosen. Anders als wir es erwartet hatten, waren die Plätze tatsächlich vollkommen ausgebucht, wobei alle anderen Passagiere zu einem Golfer-Trupp gehörten, der in Irland ein paar Löcher zu spielen. Einmal an Bord gab es zunächst eine kurze Sicherheitseinweisung sowie eine sich selbst aufblasende Schwimmweste für jeden. Dann ging es auch schon los. Zu unserer Überraschung war der Motor der Yacht bei weitem lauter als wir es erwartet hätten. Rein Geräusch technisch gab es also nur wenige Unterschiede zwischen einer kleinen Fähre wie dieser und einer großen Autofähre. Dafür hatten wir nun aber den Vorteil, dass die Aufenthaltszeit an Bord fast mit der Zeit der Überfahrt übereinstimmte und wir nicht noch eine Stunde im Hafen herumstanden, wie bei der Verbindung von Frankreich nach England. Die ersten paar Meter waren noch relativ ruhig, da wir uns inmitten einer tiefen Bucht befanden, die zudem von einer vorgelagerten Insel geschützt wurde. Dass dies jedoch nicht so bleiben würde war spätestens seit einem Kommentar unseres Kapitäns gegenüber einem unserer Golferfreunde klar: „Die See hier ist nicht ohne und es gibt bereits an schönen Tagen einige Bereiche in denen es sehr Anspruchsvoll werden kann. Heute ist allerdings keiner dieser schönen Tage!“ Trotzdem bekamen wir schon ein erstes Highlight geboten, noch ehe wir den Hafen ganz verlassen hatten. Nur wenige Meter neben unserer Yacht schwamm eine Seerobbe. Als sie uns sah reckte sie ihren Kopf aus dem Wasser und schaute und einen Moment mit ihren glänzend schwarzen Augen an bevor sie wieder abtauchte. Dann gab der Kapitän ebenfalls Speed und beschleunigte bis auf das Maximum, was der kleine Kahn zu bieten hatte. Wie ein Pfeil schossen wir nun über die Wellen dahin. Nur wenige Minuten Später hatten wir die Insel erreicht. Oben am Rande einer Steilküste stand ein weißer Leuchtturm, der Schiffen wie dem unseren Nachts den Weg wies. Darunter in den Felsen brüteten einige Seevögel, die Heiko zum Teil noch aus Island kannte. Ein paar von ihnen begleiteten uns auf der Fahrt, flogen mit unserem Schiff um die Wetter oder kamen immer mal wieder vorbei um sich zu zeigen. Darunter waren auch einige Papageientaucher und Trottellummen, sowie natürlich Heringsmöwen und Austernfischer. Kaum hatten wir die kleine Insel umrundet, wussten wir was der Kapitän mit seinem Spruch gemeint hatte. Ohne die Deckung wurden die Wellen nun drei bis fünf Meter hoch und wir selbst wurden zu einem Ping-Pong-Ball, mit dem sie spielten. Obwohl es nur zwei Fenster im vorderen Bereich gab, die ein kleines Stückchen geöffnet waren, spritzte die Gischt zu uns herein. Immer wieder hoben wir ab, und kamen dann mit einem dumpfen Schlag auf der nächsten Welle wieder auf. Hinter uns, neben dem Aufgang zum Offendeck hatte der Kapitän ein paar letzte Koffer aufgestapelt, die nicht mehr in den Lagerraum gepasst hatten. Bereits nach der dritten großen Welle waren diese umgestürzt und hatten sich über den Gang verteilt. Wie es wohl unseren Wagen ging, die so ganz alleine da draußen auf dem offenen Deck herumstanden? Ich blickte nach hinten, konnte aber nichts erkennen und wandte mich deshalb an einen Passagier hinter mir. „Wird schon schief gehen“, meinte er nur flappsig und wenig hilfreich, ohne sich auch nur umzudrehen, „wenn sie weg fliegen kannst du jetzt eh nichts machen!“ Recht hatte er ja, aber besonders beruhigend war es nicht. Ein anderer Passagier, der das Gespräch mitangehört hatte und noch etwas weiter hinten saß war zum Glück hilfreicher. „Sieht alles noch aus wie am Anfang! Schein keine Probleme zu geben!“ meinte er beruhigend. Die Fahrt dauerte aufgrund des starken Gegenwindes fast genau zwei Stunden. Die Art und Weise auf die die Wellen mit uns spielten, änderte sich in dieser Zeit mehrere Male. Weniger wurde es jedoch erst kurz bevor wir den Hafen erreichten. Eine Sekunde zuvor waren wir noch geflogen und nun glitten wir wie eine Eiskunstläuferin auf der spiegelglatten See dahin. Dass die Fahrt auch körperlich anspruchsvoll war hatten wir bereits auf hoher See gemerkt, doch so richtig kam das Gefühl nun erst an Land durch. Die Knie waren weich, der Kreislauf spielte verrückt und der Schädel brummte noch immer im Nachhall der Schiffsmotoren. Eine kleine Fähre wie diese war deutlich zeiteffektiver als eine große Autofähre, aber dass es nun vollkommen entspannend war konnte man auch wieder nicht sagen. Wir hatten kein einziges Mal auf die offene See hinaus gemusst, sondern waren immer in Küstennähe gewesen und die Fahrt hatte gerade einmal zwei Stunden gedauert. Eine ähnliche Fahrt über mehrere Tage mitten über den Atlantik um nach Amerika überzusetzen konnten wir uns hingegen gerade noch nicht so vorstellen. Fortsetzung folgt...
 
Spruch des Tages: Eine Seefahrt, die ist lustig eine Seefahrt die ist schön, ...
Höhenmeter: 250 m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 24.805,27 km
Wetter: Bewölkt und regnerisch
Etappenziel: Pfarrhaus, Campile, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:21:00


Tag 1312: Die letzte Station in Schottland

Irland wir kommen!

25.07.2017 Sie können es einfach nicht! Mit Campbeltown haben wir ihnen noch einmal eine Chance gegeben und waren wirklich guter Dinge, hier ein gemütliches, kleines Fischer- und Hafenstädtchen vorzufinden, von dem man sagen konnte, dass man die Touristen verstand, die hier herkamen um es sich anzusehen. Doch mit Fischerromantik hatte Campbeltown leider nicht das geringste zu tun. Es wirkte viel mehr, als würde uns die britische Hauptinsel genauso verabschieden, wie sie und empfangen hatte. Genau wie Dover war auch Campbeltown eine düstere, graue Ansammlung an Betonbunkern und verfallenen Backsteinhäusern, von denen man sich nicht vorstellen konnte, das irgendjemand in ihnen leben wollte. Die Stimmung, die in der Stadt vorherrschte war düster, aggressixxv und frustriert. Nahezu jeder Mensch schaute, als wäre ihm gerade der Teufel persönlich begegnet - und vor ihnen davon gelaufen! Wie üblich führten die Hauptstraßen mitten durch das Zentrum und wie üblich hatte man die größte von ihnen als Einkaufsmeile festgelegt. Glücklicherweise bekamen wir trotz der äußeren Umstände ohne jedes Problem sofort einen Schlafplatz vom katholischen Pfarrer. Wenn uns die Pfarrer der katholischen Kirche in Irland genauso begegnen, dann wird das Leben dort ein Zuckerschlecken! Der Platz selbst war seiner Umgebung durchaus angemessen, weshalb sich der Pfarrer sichtlich schämte, uns keinen besseren Ort anbieten zu können. Erst vor kurzem hatte man es geschafft, das leckende Dach zu flicken, doch die Feuchtigkeit, die in den letzten Jahren in das Gebäude eingedrungen war, wohnte hier noch immer. Der Schwarzschimmel an der Decke und den Wänden war so dicht, dass er fast ein Tapetenmuster hätte sein können. Ein bisschen gleichmäßiger und er hätte als Ikea-Wandtattoo durchgehen können. Der Spalt unter der Tür war groß genug um einen Pizzakarton hindurch zu schieben und eines der Fenster war notdürftig mit etwas Silikon und einer Plexiglasscheibe geflickt worden, um den großen Sprung zu verdecken, der sie zierte. Auf Tischen, Boden und Stühlen lag ein raffiniertes Muster aus weißen Punkten, bei denen es sich um Putzsplitter aus der herabbröselnden Decke handelte. Die Heizung leckte, so dass man ein Schälchen darunter gestellt hatte, das nun schon fast einen Eintrag als geschütztes Biosphärenreservat verdient hatte, denn die Pilzkulturen, die hier wuchsen, waren auf der Welt sicher einmalig. Das heißt, vielleicht waren sie mit denen verwandt, die im Wasserkocher gediehen, den man nach seiner letzten Benutzung vor drei Jahren nicht ausgeleert hatte. Auf dem Sofa klebte eine Warnung, dass man sich nicht darauf setzen sollte, da sie sich direkt unter einem einsturzgefährdeten Bereich der Zimmerdecke befand. Und die Toiletten hätte man in diesem Zustand in Bulgarien geschlossen, weil man sie für unzumutbar hielt. Aber ansonsten war es ein super Platz! Das beste, und das ist nicht ironisch gemeint, war, dass das Gebäude versteckt in einem Hinterhof lag, wo man nahezu nichts vom Straßenlärm und Stadttrubel mitbekam. Von unserer extra-rustikalen Unterkunft aus, machten wir uns auf eine Hafenerkundung, um herauszufinden, von wo aus morgen unsere Fähre starten würde. Es war leicht zu finden und sollte also kein größeres Problem darstellen. Auf der Tour durch den Hafen kamen wir auch an einigen Fischerbooten vorbei und konnten zwei Seebären in gelben Regenhosen dabei zusehen, wie sie ihren Krebsfang sortierten. Es war ein durchaus verstörender Anblick, mit was für einer Routine und Gleichgültigkeit sie die noch lebenden Schalentiere in verschiedene Eimer oder zurück ins Meer warfen. Allein von dem, was wir in den wenigen Minuten mitbekamen, die wir im Hafen verbrachten, ließ sich sagen, dass sie rund 50% ihres Fanges sterbend ins Meer zurück warfen. Einen deutlichen Unterschied zwischen den Krebsten im „Zu-Verkaufen“-Eimer und denen, die über Bord geworfen wurden, konnte man nicht ausmachen. Die letzteren schienen entweder verletzt oder kleiner zu sein, als die anderen, was theoretisch kein großes Problem hätte sein dürfen, da sie ja eh weiterverarbeitet wurden. Doch für die Fischer ging es hier nicht um den Umgang mit einem Lebewesen, sondern rein um das Sortieren einer Ware, die ein Minimum an Profit einbringen musste, damit sich der Transport und die Weiterverarbeitung überhaupt rechneten. Theoretisch war es nicht neu für uns, dass so mit Meerestieren umgegangen wurde, aber es war doch noch einmal etwas anderes, ob man darüber las oder ob man es mit eigenen Augen sah. Den Krebsfischern bei ihrer Arbeit zuzusehen weckte in uns auch noch einmal ein paar Überlegungen zu unserem unliebsamen Gast von gestern Abend. Wir hatten uns bereits während der Wanderung gefragt, warum wir so arg mit ihm in Resonanz gegangen waren und ihm am liebsten den Hals umgedreht hätten. Der Grund war gar nicht so sehr seine unverschämte Art oder das einfordern der geschenkten Lebensmittel gewesen, sondern viel mehr der Umstand, dass er uns vorschreiben sollte, wie wir zu leben hatten. Er war die Verkörperung einer moralischen Stimme, die sagte: „So wie ihr lebt ist es nicht richtig! Ihr braucht einen normalen Job und müsst auf normale weise Geld verdienen, damit ihr das Recht zum Leben habt!“ Doch was bedeutet das überhaupt? Ab wann sehen wir etwas al anständige Arbeit an und ab wann nicht? Uns fiel auf, dass es hier einige sehr klare Definitionen gab, die so lebensfeindlich und abstrakt waren, dass man sich durchaus noch einmal ernsthaft die Frage stellen sollte, wohin wir als Menschheit eigentlich gehen wollten. Während der Mann in unser Quartier stürmte, war Heiko gerade dabei die aktuellen Bilder für die Homepage zu bearbeiten. Er war also mitten in eine intensive, kreative und zeitaufwändige Arbeit vertieft, aus der der Mann ihn heraus riss, um ihn aufzufordern, sich doch einfach einen Job zu suchen. Hätte Heiko nicht in einer Gemeindehalle gesessen, sondern in einem Foto-Atelier und wären die Bilder nicht für einen kostenlosen Blog sondern für eine bezahlte Auftragsarbeit gewesen, dann wäre die exakt gleiche Tätigkeit ein angemessener Beruf gewesen, gegen den niemand etwas hätte einwenden können. Nicht anders war es mit unserer täglichen Wanderung. Wären wir nicht für uns selbst unterwegs, sondern würden auf ähnliche Weise für einen Marathon oder die Olympischen Spiele trainieren, wäre das was wir tun nicht nur eine Arbeit, sondern auch noch eine verdammt gut bezahlte. Wenn ich als Fußballspieler sechs Stunden täglich mit meinem Training verbringe, dann bin ich ein Nationalheld, von dem man Sticker für Fotoalben und Fan-Tassen druckt. Verbringe ich die gleiche Zeit mit meinem Training, ohne einen Verein als Backround zu haben, bin ich ein fauler Sack, der nichts zu tun hat, als den Tag mit etwas Sport abzupimmeln. Noch heftiger finde ich es in Bezug auf die Gemeinnützigkeit der Aktion. Arbeite ich offiziell für eine Organisation und treibe für sie Geld ein, dann ist dies nicht nur anerkannte Arbeit, sondern auch noch sehr Ehrenhaft und Verantwortlich. Selbst oder besser vor allem dann, wenn ich für eine große, angesehene Organisation wie das Rote Kreuz, den WWF oder die Krebsstiftung arbeite, die im Namen der Gemeinnützigkeit Geld anhäufen und mehr Schaden verursachen als verhindern. Baue ich hingegen ein eigenes Projekt auf, durch das Organisationen unterstützt werden, ohne dass ich selbst offiziell dafür arbeite und daher auch kein Geld bekomme, dann ist dies verwerflich und ich bin nichts weiter als ein lästiger Bettler. Wenn man sich nun noch einmal die Krebsfischer anschaut, dann scheint es für Arbeit noch eine weitere abstrakte Definition zu geben. Arbeiten tut man immer dann, wenn man eine Tätigkeit ausführt, die einem selbst und meist auch anderen Schaden zufügt. Das mag erst einmal komisch klingen, aber denkt noch einmal darüber nach. Wie viele von euch würden das, was sie auf der Arbeit tun auch dann noch machen, wenn es dafür kein Geld geben würde und sie auch keines bräuchten? Wie viele von euch sind wirklich aus vollem Herzen und mit voller Überzeugung bei ihrer Arbeit und sehen darin ihre Berufung? Und wie viele finden sich stattdessen in unangenehmen Räumen oder Orten wieder, sind Stress, Lärm, Hektik und Druck ausgesetzt, der sie auf Dauer auslaugt und zerstört? Nächste Frage: Wie viele Jobs und Berufe tragen wirklich zu einer Verbesserung des Lebens und der Erdengemeinschaft bei? Oder schaden ihr zumindest nicht? Ein Pädagoge muss dafür sorgen, dass seine Schützlinge in die Norm der Gesellschaft gepresst werden, selbst wenn dadurch große Teile ihres Charakters und ihres wahren Selbsts verloren gehen. Ein Bauer sorgt durch die industriellen Methoden der Landbearbeitung dafür, dass große Lebensräume zerstört, Grundwasservorkommen vergiftet und unsere Lebensmittel immer Nährstoffärmer werden. Selbst eine einfache Verkäuferin baut ihren finanziellen Erfolg darauf auf, dass die Produkte, die sie verkauft von Billiglohnarbeitern hergestellt werden, die als moderne Sklaven ausgebeutet werden. Gleichzeitig steht sie selbst den ganzen Tag an einer lauten, piepsenden Kasse, was es nahezu unmöglich macht, so etwas wie innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Entspannung zu verspüren. Auf diese Weise könnte man nun jeden Beruf durchgehen und würde kaum einen finden, der nicht dazu führt, dass man gegen die eigene Seele und/oder das Wohl unseres Planeten arbeiten muss. Das ist doch wert einmal hinterfragt zu werden, oder nicht? Spannend ist auch, sich unter diesem Aspekt noch einmal die Wertigkeiten anzusehen, die wir den einzelnen Berufen geben. So hat das Ansehen eines Berufszweiges nichts mit seiner Nützlichkeit zu tun und auch nicht mit der Menge der tatsächlich geleisteten Arbeit. Dies wird hier in Schottland und England, noch einmal besonders deutlich, da es hier so viele vermögende Menschen gibt, die im Finanzwesen arbeiten. Während der talentierteste Handwerker, der mit seinem Geschick direkt und maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität seiner Mitmenschen beiträgt, immer nur ein einfacher Arbeiter bleibt, ist jemand der beispielsweise mit Derivaten handelt, also irreale Geldgeschäfte mit Produkten macht, die ihm nicht einmal gehören, ein angesehenes Mitglied der Oberschicht. Allein der Umstand, dass er Geld verdient, sorgt dafür, dass man davon ausgeht, dass er anständig arbeitet. Selbst dann, wenn er mit seinen Geschäften tausende von Menschen ausbeutet und es sich auf ihren Rücken bequem macht. Die Aufforderung des Mannes „Sucht euch einen Job!“ hatte also nichts mit der Sorge zu tun, dass wir auf Kosten anderer Leben könnten, denn das ist in unserer Gesellschaft vollkommen anerkannt und legitim. Es geht lediglich darum, dass man nicht frei leben darf und sich so aus dem System herauslöst. Denn dadurch stellte man plötzlich alles in Frage und das durfte nicht passieren.
 
Spruch des Tages: Irland wir kommen!
Höhenmeter: 440 m
Tagesetappe: 32 km
Gesamtstrecke: 24.789,27 km
Wetter: Regen ohne Ende
Etappenziel: Pfarrhaus, Bosheen, New Ross, Co. Wexford, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:19:36


Tag 1311: Wie gewonnen so zerronnen!

Ist das jetzt eigentlich Mundraub?

24.07.2017 Dass wir in einem seltsamen Ort mit seltsamen Menschen gelandet waren, hatten wir ja bereits bei unserer Ankunft gemerkt. Dass wir uns mit diesem winzigen und wunderschön ruhig gelegenen Küstendörfchen jedoch den Ort mit den unfreundlichsten und unmöglichsten Bewohnern der ganzen Reise ausgesucht hatten, war uns zunächst nicht klar gewesen. Wir können also von Glück sprechen, dass wir mit unserer Unterkunft genau die drei Menschen erwischt haben, die hilfsbereit und offenherzig waren. Oder besser: drei von Vieren, auf die diese Beschreibung zutraf. Ausgehend von der Nahrung, mit der wir von ihnen versorgt wurden, hatten wir das Gefühl, zwar schon irgendwie durchzukommen, aber dennoch einige Kleinigkeiten gebrauchen zu können. Kartoffeln zum Beispiel, die wir in den Ofen legen konnten. Ich machte mich also doch noch einmal auf eine abendliche Sammelrunde und löste damit aller Wahrscheinlichkeit eine Kettenreaktion aus, die noch sehr lange weiter rollen wird. Zunächst einmal stellte ich fest, dass irgendetwas mit den Menschen hier nicht stimmte. Es war ein herrlich warmer Tag, das ruhige Meer glitzerte im goldenen Sonnenlicht und die Stimmung war friedlich und angenehm. In meinen Augen war es absolut unmöglich, unter diesen Bedingungen mies drauf zu sein und doch entpuppten sich die Einheimischen als wahre Genies auf diesem Gebiet. Von den fünfzig Häusern, aus denen das Dorf bestand, waren etwa 15 bewohnt, von denen 8 gerade zu hause waren. Einmal wurde ich wild gestikulierender Weise vom Grundstück vertrieben, noch ehe ich das Gartentor ganz geöffnet hatte. Einmal wurde ich freundlich gegrüßt und dann bereits nach den Worten „Kann ich Ihnen eine Frage stellen?“ abgewürgt. Zwei Mal lautete die Antwort auf meine Frage schlicht „NEIN!“, gefolgt von einer energisch ins Schloss fallenden Tür und vier mal gab es gute Ausreden und Begründungen dafür, warum man mir zwar helfen wollte, es aber genau in diesem Moment nicht tun konnte. Blieben also nur noch zwei Häuser übrig. Das erste gehörte jenem Mann, der mich am Nachmittag bereits mit zwei Bananen abgespeist hatte. Es konnte sicher nicht schaden, ihn noch einmal um zwei Kartoffeln zu bitten. Meine Erwartungshaltung wurde sogar übertroffen: Ich bekam drei Kartoffeln! Das letzte Haus gehörte zu einer freundlichen aber schüchternen Dame in den frühen sechzigern, die mich umstandslos herein bat und mir eine Tüte mit verschiedenen Speisen zusammen stellte. Darunter waren weitere Kartoffeln, ein Porree, eine Zwiebel und ein paar Tomaten. Schließlich fügte sie noch ein halbvolles Glas mit Chutney hinzu, da dies einer Sauce am nächsten kam. Gerade in diesem Moment kam ihr Ehemann herein, sah wie das Chutney vrschenkt wurde und gab ein leicht enttäuschtes „Oh!“ von sich. Ich begrüßte ihn freundlich, stellte mich vor und fasste mit kurzen Worten den Grund unserer Reise und meines Besuches zusammen. Dann verabschiedete ich mich von beiden und drehte noch eine kurze erfolglose Runde um den hinteren Teil des Ortes, bevor ich in unseren Saal zurückkehrte. Als ich dort eintraf fand ich nicht nur Heiko, sondern auch den Ehemann der netten Frau vor. Ich hatte noch kein einziges Wort gehört und doch erkannte ich allein an seiner Körperhaltung, dass er nicht gekommen war, um uns etwas Gutes zu tun. Diese Mann war auf Krawall gebürstet! Soviel stand fest. Heiko hatte die gleiche Beobachtung wenige Minuten zuvor ebenfalls gemacht, als der Mann ohne zu klopfen und ohne einen Gruß durch unsere Eingangstür gestürmt war, um sich direkt vor ihm aufzubauen. Einen Moment lang hatte er überlegt, ob er der Höflichkeit halber aufstehen und seinen Schlafsack verlassen sollte. Da Höflichkeiten in dieser Begegnung aber offenbar keinen Platz hatten, verwarf er den Gedanken wieder. Wild zeternd pluderte sich der Mann auf und begann ohne Umschweife mit einer Tirade wilder Abwertungen und Beschimpfungen. „Sucht euch verdammt noch mal einen Job und hört auf fremde Menschen zu belästigen und ihr Essen zu stehlen! Betteln ist aus gutem Grund seit Jahrzehnten verboten, in diesem Land! So etwas könnt ihr in Indien machen, aber nicht hier in Schottland! Hier verbitte ich mir so etwas! Wer sagt mir, dass ihr keine Verbrecher seit? Welches Recht habt ihr, einfach an einer Tür zu klingeln und nach Essen zu fragen? Das ist eine Frechheit sondergleichen! Und eine Zumutung ist es auch!“ Ich kann gar nicht alles wiedergeben, was der Mann an Abfälligkeiten aus sich heraussprudeln ließ, aber es wurde nicht besser. Von dem Moment an, als ich durch die Tür trat, gab ich ihm etwa 30 Sekunden, in denen ich versuchte höflich zu bleiben und ihn zu beruhigen. Dann beschloss ich, dass es A) keinen Zweck und er es B) auch nicht verdient hatte. Stattdessen drückte ich ihm die Tüte mit den Lebensmitteln in die Hand, die ich von seiner Frau geschenkt bekommen hatte und forderte ihn auf, uns in Ruhe zu lassen. Da fängt er doch nicht allen ernstes noch zum Diskutieren an und will plötzlich wissen, mit welcher Begründung und welchem Recht wir uns hier überhaupt aufhielten? Langsam platzte mir die Hutschnur. Da dringt dieser Mann allen Ernstes ohne einen Funken Anstand in unsere Privatsphäre ein, stiehlt uns unsere Zeit, verurteilt, beleidigt und beschuldigt uns, ohne etwas über uns zu wissen, verlangt die Nahrung zurück, die uns seine Frau zuvor geschenkt hat und glaubt dann auch noch, dass wir ihm nun freundlich erklären, wer wir sind? Was glaubt er denn, wer er war? „Hier haben Sie Ihr Essen zurück und nun verschwinden Sie und lassen Sie sich nie wieder blicken!“ zischte ich ihn an, „Sie hätten all diese Fragen an uns stellen können, bevor sie sich entschieden haben sich derart daneben zu benehmen!“ Wieder fing er zum Diskutieren an und begann sich zu rechtfertigen. Ich war nun so sauer, dass ich mich bändigen musste um ihn nicht an den schütteren Haaren zu packen und aus dem Saal zu schleifen. Und wenn der Mann nun nicht doch von alleine gegangen wäre, hätte ich es sicher auch getan. Für die nächste halbe Stunde regte ich mich noch in Gedanken und Teilweise auch laut über ihn auf. Nicht nur, dass mich Essensrunde mit dem Kontakt zu den vielen unfreundlichen Leuten eh schon gelangweilt hatte, jetzt standen wir auch noch wieder ohne Essen da! Da hätte ich mir die ganze Geschichte also auch sparen können! Erst etwas später fiel mir auf,dass es vielleicht doch nicht so sinnlos gewesen war, wie ich zunächst dachte. Denn wir waren ja nicht die einzigen, denen gegenüber er sich unmöglich verhalten hatte. Auch seine Frau sah nun sein wahres Gesicht und erkannte, mit was für einem Menschen sie da verheiratet war. Sie teilte sich ihr Bett mit jemanden, der so geizig war, dass er hungrigen Wanderern das bereits geschenkte Essen weg nahm obwohl er davon ausgehen musste, dass sie dadurch den Tag lang hungern mussten. Jemand, der auf ihre Meinung so wenig gab, dass er eine solche Szene aufführte, ohne sie zuvor zu fragen, warum sie sich für die Hilfe entschieden hatte. Denn der Frau hatte ich ja bereits alles im Detail erklärt. Jemand, der so rassistisch und menschenverachtend war, dass er es als angemessen betrachtete, wenn Menschen in Indien um Essen bettelten, während er selbst, der durch seinen Lebensstil maßgeblich zum Leid dort beitrug, verlangte, dass in Schottland niemand um Hilfe bitten dürfte. Kurz: Er hatte sich durch diese Aktion als ein unsoziales Arschloch geoutet, das sogar noch weniger Anstand und Ehrerbieten hatte, als der besoffene Vergewaltiger, der Paulina in ihrem Serbischen Hotelzimmer aufgesucht hatte. Wenn sie also einen Grund gebraucht hatte, um sich von ihm trennen zu können, dann war es wohl dieser. Der Gedanke daran beruhigte mich und stimmte mich sofort wieder friedlich. Vielleicht war es ja wirklich genau das gewesen, das noch gefehlt hatte, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Denn Glücklich hatte die Frau ganz und gar nicht gewirkt. Und vielleicht war es ja auch genau das, was der Mann brauchte. Es mag komisch klingen, aber das beste, was ihm passieren könnte wäre, dass er tatsächlich von seiner Frau rausgeworfen wurde, dadurch so sehr aus dem Konzept geriet, dass er zu trinken begann, seine Besitztümer verlor und schließlich auf der Straße landete, so dass er auch die andere Seite einmal kennenlernte. Denn dies war wahrscheinlich seine einzige Chance aufzuwachen und zu erkennen, was Leben wirklich bedeutete. Der heutige Tag verlief hingegen recht harmonisch. Die Sonne zeigte sich wieder aus ihrem besten Licht und wir konnten sogar ein Picknick am Strand machen. Landschaftlich war es wieder einmal besonders schön und es schien, als wollte sich Schottland zum Ende noch einmal so präsentieren, wie wir es uns vorgestellt hatten. Nur dass die Straße wieder einmal jedes Tal und jeden Gipfel mitnahm, obwohl neben uns die seichte, ebene Küste verlief, blieb uns ein Rätsel. In Carradale, unserer Zielortschaft erlebten wir dann das genaue Gegenteil von gestern. Im Restaurant bekamen wir eine hervorragende Pastinak-Suppe geschenkt, die uns nicht nur Kraft gab, sondern die gleich noch eine positive Kettenreaktion auslöste. Dadurch, dass die Hotelmanagerin entschieden hatte, dass wir unterstützenswert waren, wollten nun auch alle anderen Helfen und wir bekamen problemlos die Kirche, ein Abendessen aus einem weiteren Restaurant und ein Essen von einer Privatfamilie.
 
Spruch des Tages: Ist das jetzt eigentlich Mundraub?
Höhenmeter: 46 0 m
Tagesetappe: 29 km
Gesamtstrecke: 24.757,27 km
Wetter: Regen ohne Ende
Etappenziel: Carmeliten-Kloster, Knocktopher, Irla

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:17:52


Tag 1310: Wandern auf dem Kentyre-Way

Geld allein ist kein Grund, nicht arm zu sein

23.07.2017 Im Guten wie im Schlechten verabschiedet sich Schottland noch einmal mit einem Feuerwerk an Höhepunkten. So wurde die heutige Tagesetappe noch einmal um ein vielfaches anstrengender als die letzten, dafür aber auch um ein vielfaches schöner. Direkt hinter unserer Kirche führte eine Straße in den hinteren Bereich des Dorfes, wo der sogenannte „Kentyre-Way“ begann, ein Fernwanderweg, der bis hinunter nach Campeltown führte. Die ersten Meter waren noch entspannt und führten an der alten Burgruine vorbei, von der aus man einen beeindruckenden Blick über den Hafen hatte. Dann jedoch kam der weniger entspannte Part. Auf einer Strecke von nicht einmal eineinhalb Kilometern ging es nun auf holprigen Pfaden mehr als 150 Höhenmeter nach oben. Für einen alleine pro Wagen war das bei weitem zu viel. Wir schafften es gerade einmal mit vereinten Kräften, sie den Berg hinauf zu wuchten. Der Umstand, dass sich aus Heikos leichter Angeschlagenheit eine ausgewachsene Erkältung mit Niedergeschlagenheitsgefühl und dauerhaft laufender Nase entwickelt hatte, machte die Herausforderung nicht unbedingt leichter. Oben angekommen mussten wir zuänchst einmal unsere Lungen wieder finden. Tropfnass und mit heraushängender Zunge folgten wir nun einem Forstweg, der sich weiterhin den Berg hinauf schraubte. Hier erreichten wir eine weite Heidelandschaft in der es noch ein paar vereinzelte Bäume und hin und wieder ein paar Waldstücke gab. Auch dieses Land war von Menschen gerodet worden, aber es hatte dennoch seinen Reiz. Schließlich mussten wir noch einmal auf einen Pfad abbiegen, der mitten durch die Heide führte. Zu unserem Erstaunen befanden wir uns dabei nach wenigen Metern schon wieder im Moor und das obwohl wir uns auf der Spitze des Hügels befanden. In diesem Land gab es wirklich nichts mehr, das nicht vollkommen unter Wasser stand. Am Ende unseres Weges erreichten wir ein kleines Nest an der Küste, das an einer Sackgasse lag und nicht einmal mehr 100 Einwohner hatte. Normalerweise hätte es hier nur eine Frage von Sekunden sein dürfen, um einen Platz und etwas zum Essen zu ergattern. Doch es war sogar weitaus komplexer als in den letzten Städten, die wir bereist hatten. Die meisten Häuser standen leer und von den wenigen Menschen, die wir antrafen, fühlte sich niemand wirklich zuständig. Kirche wie Gemeindehalle wurden über Komitees verwaltet, die keine Vorsitzenden hatten. Einen Pfarrer gab es nicht mehr und niemand wollte die Verantwortung übernehmen. Wir waren schon kurz davor weiter zu ziehen und hätten es sicher auch getan, wenn die nächste Etappe nicht 28km betragen hätte. Und im Endeffekt löste sich dann wieder alles wie von selbst, so dass wir uns sogar aussuchen konnten, wo wir übernachten wollten. Nur mit dem Essen sah es wieder einmal eng aus. Eine alte Dame und eine junge Familie schenkten uns, was sie in ihren Küchen finden konnten. Wie so oft waren es diejenigen, die selbst am wenigsten hatten. Die reichen Nachbarn mit den großen Häusern und den teuren Autos vor den Türen, gaben entweder nichts oder so klein Spenden, dass man fast mehr Energie zum Fragen aufwenden musste, als man durch die Nahrung im Nachhinein zurück bekam. Dabei gab es zwei unterschiedliche Varianten. Die einen hielten sich selbst für großzügig und hatten augenscheinlich wirklich das Gefühl, dass sie einen enormen Beitrag leisteten. „Wir haben und Gedanken darüber gemacht, wie wir euch heute durch den Tag bringen und haben gedacht, dass ihr am Besten mit je einer Banane bedient seit! Die haben viel Energie und ihr könnt sie bequem in die Tasche stecken, bis ihr sie essen wollt. Damit dürftet ihr eigentlich soweit versorgt sein!“ Erschreckender Weise glaubte er das wirklich! Die anderen wussten, dass sie geizig waren und beriefen sich darauf, dass sie leider selbst fast kein Essen besaßen. Dies war die Lieblingsantwort der Menschen in Schottland und teilweise auch schon in England. Vor allem dann, wenn sie reich und wohlhabend waren. Es war schon verrückt! Als wir durch den Balkan wanderten und bei alten Omis klingelten, die irgendwo im Niemandsland lebten und keine 100 Euro im Monat zur Verfügung hatten, hatten wir niemals das Gefühl, ihnen etwas wegzunehmen, wenn wir um eine Essensspende baten. Die Menschen mochten kein Geld haben, doch an Lebensmitteln gab es nie einen Mangel. Im Gegenteil! Wie oft hatten wir das Gefühl, den alten Damen oder Herren den Tag zu erhellen, indem wir mit ihnen gemeinsam durch ihre Gemüsegärten schlenderten, während sie begeistert ihre Schätze mit uns teilten. Hier hingegen hatte man oft das Gefühl, dass man den Menschen noch etwas zu Essen mitbringen sollte, weil sie so arm waren und anscheinend nicht einmal ein Abendessen für sich selbst besaßen. Klar hatten sie Häuser in denen man eine Fußballweltmeisterschaft hätte veranstalten können und klar standen vier oder fünf Autos in ihren Einfahrten herum, von denen mindestens einer ein Porsche, Ferrari oder Lotus war. Aber das änderte nichts daran, dass man sich nicht trotzdem arm fühlen konnte.
 
Spruch des Tages: Geld allein ist kein Grund, nicht arm zu sein.
Höhenmeter: 320 m
Tagesetappe: 36 km
Gesamtstrecke: 24.728,27 km
Wetter: Sonne, leichte Bewölkung, Wind
Etappenziel: Kloster, Callan, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:16:27


Tag 1309: Freche Tierchen

Ein schüchternes Kerlchen bist du nicht, oder!?!

22.07.2017 Mit kleinen Schritten und großen Etappen nähern wir uns dem Ende unserer Zeit in Schottland. Es wird sicher kein Land sein, dem wir lange nachtrauern, wenngleich es uns immer wieder mit versteckten Schönheiten und unerwarteten Begegnungen überrascht hat. Im Großen und Ganzen wird es uns aber wohl dennoch als das wohl anstrengendste und ungemütlichste Land unserer Reise in Erinnerung bleiben. Kein anderes Land hat uns so viel Regen, so lange Tagesetappen und so viel Verkehrshölle eingebracht, wie dieses. Und das obwohl es zu mehr als 90% vollkommen unbewohnt ist. Unbewohnt und unbewohnbar Ich glaube, genau hier liegt auch der große Irrtum, dem wir unterlegen sind, als man uns von einem fast menschenleeren Land voller Berge und unberührter Natur erzählt hat. Wir hatten geglaubt, dass man das Land hier einfach in Ruhe sich selbst überlassen hatte, um sich noch einen Rest Wildnis in Europa zu erhalten. Das war natürlich mehr als nur ein bisschen Naiv gewesen. Es liegt nun einmal nicht in der Natur unserer Gesellschaft, sich auch nur einen Fingerzeig aus der Natur da draußen zu machen. Wenn also ein Gebiet unbesiedelt ist, dann nicht um es zu schützen, sondern weil es unbesiedelbar ist. Schottland zeigt das noch einmal par excellance. Alles, was nördlich von Glasgow und Edinburgh liegt, besteht zu 95% aus steilen Berghängen, Moor, Fels oder See. Wenn es irgendwo eine Möglichkeit gab eine Straße oder eine Stadt zu bauen, dann wurde sie auch genutzt. Zu sagen, im Norden von Schottland leben nur 3% der Gesamtbevölkerung von Großbritannien mag schon stimmen, doch es sagt nichts über die Bevölkerungsdichte aus. Der Teil des Landes, der Zugänglich ist, ist auch besiedelt und in permanenter Benutzung. Und sei es nur, um spazieren zu fahren, weil man vor Langeweile bei dem schlechten Wetter sonst nichts mit sich anzufangen weiß.em jeder Weg eingezäunt ist und in dem man selbst wenn man vom Weg abgehen könnte, bereits nach wenigen Metern im Moor versänke. „Come and enjoy our spectacular wildlive!“ hieß Schade ist hingegen vor allem, dass es in den unbesiedelten und unzugänglichen Bereichen nicht einmal durchgängige Wege gibt. Gäbe es hier wie es in den meisten anderen Ländern der Fall ist, ausgebaute Fahrrad- und Wanderwege, wäre das Land ein Paradies für Fuß- und Radreisende. So ist es leider fast nicht begehbar. Und doch wirbt die Schottische Tourismusindustrie genau mit dieser unberührten Natur. Wo immer es nicht ausdrücklich verboten ist, sei man eingeladen, wild zu zelten, zu wandern, mit dem Rad zu fahren, zu klettern und die Natur zu genießen. Nett gesagt in einem Land, in dem jeder Weg eingezäunt ist und in dem man selbst wenn man vom Weg abgehen könnte, bereits nach wenigen Metern im Moor versänke. „Come and enjoy our spectacular wildlive!“ hieß es auf einem Flyer: „Kommen Sie um die spektakulären Lebewesen unserer Wildnis zu genießen!“ Große Worte dafür dass man jedes Mal einen Luftsprung macht, wenn man auch nur ein Eichhörnchen sieht. es auf einem Flyer: „Kommen Sie um die spektakulären Lebewesen unserer Wildnis zu genießen!“ Große Worte dafür dass man jedes Mal einen Luftsprung macht, wenn man auch nur ein Eichhörnchen sieht. Ein Mauswiesel zu Besuch Spektakulär ist hier also wirklich nicht das richtige Wort, aber dennoch hatten wir in den letzten Tagen einige sehr schöne Tierbegegnungen, auch wenn die Tiere dabei vielleicht nicht ganz so wild wirkten. Vor knapp einer Woche wurden wir ein gutes Stück unseres Weges von einem Mauswiesel begleitet. Der kleine, drollige Zeitgenosse spitzte vorsichtig hinter einem Grasbüschel hervor und beobachtete, wie wir näher in seine Richtung kamen. Dann huschte er kurz in Deckung, kam aber gleich wieder hervor und lief mit einem Abstand von nur zweieinhalb Metern vor uns auf dem Weg entlang. Dieses Spiel wiederholte er drei oder vier mal, bis er schließlich doch im Dickicht verschwand. Perfekte Performance Fast die gleiche Situation erlebten wir kurz darauf mit einem Eichhörnchen. Dieses bescherte uns jedoch am Ende zur Feier seines Besuches noch ein großes und tatsächlich spektakuläres Finale. Wie ein Parcoursläufer sprang es vom Boden über einen Stein auf einen Zaun und lief dann über diesen hinweg, bis zu einer Baumgruppe. Wenn man nur auf den kleinen Akrobaten achtete, konnte man meinen, der Zaun sei eine durchgängige Straße, auf der man einfach entlang rennen konnte. Stattdessen aber gab es nur einzelne, ungleich verteilte Pfähle und Säulen, mit zum Teil sehr großem Abstand. Das Eichhörnchen sprang von einem zum nächsten, wirkte dabei aber nicht als würde es springen, sondern viel mehr als glitt es durch die Luft in einer einzigen, fließenden Bewegung. Es wurde weder schneller noch langsamer, wenn es einen Pfahl unter den Füßen hatte und in seinem kompletten Bewegungsablauf gab es keine einzige abrupte Richtungsänderung. Es war eine Performence, die er zur Perfektion ausgearbeitet hatte und die in ihrer Eleganz, ihrer Leichtigkeit und ihrer Ästhetik alles übertraf, was ein Mensch je zustande bringen könnte. Erste Flugstunden Auch mit unseren gefiederten Freunden hatten wir einige unvergessliche Momente. Zugegeben, im Großen und Ganzen waren wir hier nicht allzu gut auf sie zu sprechen, da die Angewohnheit der Einheimischen, den Singvögeln das ganze Jahr über unessbar viel Futter in den Garten zu hängen, vielerorts zu regelrechten Singvogelplagen führt. So schön der Gesang eines einzelnen Vogels auch ist, so grauenhaft ist das Geschnatter einer unnatürlichen Überpopulation von Wesen, die keine natürlichen Feinde mehr haben und sich daher auch an keine Regeln mehr halten müssen. Nichts desto trotz haben wir uns mit zwei kleinen Vertretern der Schnatterwesen etwas tiefer angefreundet. Den ersten entdeckte Heiko vor einer Kirche, als er gerade nach einem versteckten Pinkelplatz suchte. Es war ein Jungvogel, der gerade versuchte flügge zu werden, sich bei den ersten Flugstunden jedoch selbst ein klein wenig überschätzt hatte. Nun saß er verloren am Boden herum und wusste nicht mehr, wohin er wollte. Behutsam hob Heiko ihn auf und nahm in mit auf den Kirchenvorplatz, von wo aus man die Umgebung am besten einsehen konnte. Wir schauten uns nach einem Nest oder eine aufgeregt suchenden Mutter um, konnten aber zunächst nichts ausfindig machen. Dafür erkannte der kleine Bruchpilot sein Heimatgefilde nun offenbar wieder, denn er fasste neuen Mut, wurde sichtlich munterer und aktiver und startete schließlich einen neuen Flugversuch. Die Höhe von Heikos Hand machte ihm das Starten dabei um einiges leichter, da er nun erst einmal gleiten konnte und nicht gleich einen Senkrechtstart hinlegen musste. Dennoch überschätzte er seine Wendigkeit ein bisschen, was um ein Haar zu einem Zusammenstoß mit einem Grabstein führte. In letzter Sekunde konnte er das Steuer herumreißen und in Richtung eines weiteren Steines ausweichen, den er ebenfalls nur knapp verfehlte. Dann bekam er die Kurve und steuerte auf ein Gebüsch zu, in dem sich sein Nest befand. Von Schüchternheit keine Spur Die zweite außergewöhnliche Begegnung hatte Heiko als er das letzte Mal an einer Bushaltestelle auf mich wartete, während ich nach einem Schlafplatz suchte. Wie immer war es kalt und regnerisch, weshalb sich Heiko so gut wie möglich in einer Ecke zusammengekauert hatte. Plötzlich kam ein kleiner Spatz angehüpft und wanderte vor ihm am Boden der Bushaltestelle herum. Zunächst blieb Heiko reglos, um ihn nicht zu verschrecken, doch nach einer Weile merkte er, dass dies nicht nötig war. Der Kleine hatte keinerlei Angst sondern war im Gegenteil so neugierig, dass er sogar auf Heikos Füße sprang. Dann untersuchte er unseren Wagen und entdeckte dabei einige Nüsschen und ein paar Brotkrümel, die er sich stibitzte. Als ich von meiner Suche zurückkehrte, ging er nur für ein paar Sekunden in Deckung. Dann tauchte er wieder auf und machte weiter wie bisher. Zu Zweit schienen wir nun sogar fast noch ein bisschen interessanter zu sein, als zuvor. Mehr Kraft als man selbst glaubte Trotz des unerwarteten Zwischenstopps den wir im Caravan-Park einlegen konnten, betrug die Etappe heute wieder 25km. Straße und Wetter führten dabei permanent auf und ab und so war es wieder einmal nach vier Uhr am Nachmittag, als wir unseren Zielort Tarbert erreichten. Früher musste das Dorf einmal ein hübsches Fischerdorf gewesen sein,. Heute jedoch machte es einen heruntergekommenderen Eindruck, als einige der ärmsten Städte in Bosnien. Um so mehr freuten wir uns, dass wir dennoch sofort einen Schlafplatz in der freien Kirch bekamen. Der Pfarrer war ein sympathischer Teddybär, dem man ohne zu Zögern sein Herz anvertrauen würde. Er lud uns auf eine Portion Fish and Chips ein und wir kamen ein wenig ins Gespräch. Er war lange Zeit als Krankenhausseelsorger tätig gewesen und so fiel unser Gesprächsthema recht schnell auf die Verbindung zwischen Körper und Seele in Bezug auf Heilung. Nachdem man aus irgendeinem Grund den Menschen in seine Seele und seinen Körper aufgespalten hatte, um den einen Teil zum Arzt und den anderen zum Pfarrer zu schicken, gab es nun auch in Schottland eine Bewegung, die das ganzheitliche Heilen eines Menschen im Fokus hatte. So richtig konnte sich die Schulmedizin auch hier noch nicht damit anfreunden, aber die Stimmen wurden lauter es ließ sich kaum mehr vermeiden in diesem Bereich für Neuerungen zu sorgen. Der Pfarrer selbst war als Krankenhausseelsorger Teil dieses neuen Konzepts, denn er kümmerte sich nun um die seelischen Belange der Krankenhauspatienten. Dabei erzählte er uns von einer Schlüsselbegegnung, die er mit einem todkranken Mann auf einer Palliativ-Station hatte. Der Mann war mit seinen Nerven am Ende, da er wusste, dass er sterben würde, dies aber nicht akzeptieren konnte. Der Pfarrer hörte ihm zu und da der Mann einen christlichen Glauben hatte, konnte er ihm zudem Trost und Hoffnung mit seinen Worten spenden. Dann passierte etwas seltsames. Der Mann hatte eine Art Zusammenbruch und war für einige Minuten wie weggetreten. Als er wieder zu sich kam, wirkte er ruhiger und seltsam verändert. Er konnte es selbst nicht genau erklären, doch er hatte während seiner Ohnmacht eine Begegnung gehabt. Jemand war bei ihm gewesen um ihm die Kraft zu geben, die er für die nächsten Schritte seines Weges benötigte. „Ich war damals vollkommen perplex!“ erzählte der Pfarrer, „Ich weiß, das klingt komisch, weil ich Pfarrer bin, aber bis zu diesem Moment hätte ich nie geglaubt, dass so etwas wirklich funktioniert. Ich meine, ich gebe den Menschen natürlich Trost und Hoffnung, wenn sie es brauchen und ich versuche auch, ihren Glauben zu stärken, aber daran dass man auf diese Weise auch heilen kann, hätte ich nie geglaubt. Trotzdem ging es dem Mann plötzlich besser und das sogar nachhaltig. Die Ärzte hatten ihm nur noch ein paar Tage gegeben, aber er erholte sich so sehr, dass er noch über ein Jahr weiter lebte. Und das in besserer Verfassung als die Jahre zuvor. Ich denke oft an diese Situation zurück und kann mir noch immer nicht genau erklären, was da passiert ist. Ich weiß nur dass da etwas war und ich hoffe, dass ich selbst auch einmal eine solche Erfahrung machen darf!“
 
Spruch des Tages: Ein schüchternes Kerlchen bist du nicht, oder!?!
Höhenmeter: 150 m
Tagesetappe: 18 km
Gesamtstrecke: 24.692,27 km
Wetter: Sonne, leichte Bewölkung, kaum Wind
Etappenziel: Pfarrhaus, Urlingford, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:14:53


Tag 1308: Probewohnen im mobilen Zuhause

So ein Schneckenhaus hat auch was für sich.

21.07.2017 Unser Ritual am Vortag hatte offenbar doch mehr ausgelöst, als wir zunächst vermutet hätten. Heiko wachte die Nacht mehrmals mit Schüttelfrostattacken auf und hatte heute Morgen einen brennenden Hals. Ich selbst fand mich irgendwann in der Nacht in einer Pfütze aus Schweiß wieder. Von der Nasenspitze bis zu den Zehen war ich so durchgeschwitzt, als hätte ich mich gebadet und mich dann ohne mich abzutrocknen direkt in den Schlafsack gelegt. Warum das so war wusste ich nicht, denn ich erinnerte mich weder an einen intensiven Traum noch war mir besonders warm. Ich war einfach nur nass. Mehr als einen Tag Verlängerung war in Sachen Sommer wohl doch nicht drin, denn heute in der Früh regnete es bereits wieder mit ganzer Leidenschaft. Unser weg führte uns nun zunächst an die Westküste der Halbinsel und dann entlang der Küste nach Süden. Es war wirklich schade, dass es so ungemütlich war, denn zum ersten Mal seit wir die spanische Nordküste verlassen hatten, fanden wir hier wieder richtig schöne Strände, an denen man in Ruhe ein Picknick hätte machen können. Wenig später gelangten wir über eine kleine Anhöhe in eine weitere Bucht, in der sich der wohl schönste Strand der Insel befand. Zu seiner Schande hatte man leider irgendeine Industrieanlage direkt in seine Nähe gebaut, sie das Bild durch ihre müllig verfallene Optik etwas verschandelte. Im Näherkommen bemerkten wir, dass es keine Industrieanlage sondern eine Fischzucht war. Aus einem Grund, den wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausmachen konnten befand sie sich jedoch nicht im Wasser, sondern an Land, wobei die Fische in großen Containern herumschwammen. Die Betreiber der Anlage hatten es tatsächlich geschafft, den schönen Strand nicht nur zu verschandeln, sondern ihn auch komplett zu sperren. Man konnte nicht einmal mehr in seine Nähe gelangen. Gott sei Dank war das Wetter so mies, sonst hätten wir uns nun ernsthaft geärgert. Doch selbst das war noch nicht die Spitze des Eisberges. Als wir am Eingangsportal vorbei kamen fiel unser Blick auf das Schild mit der Firmenbezeichnung: „Landcatch“ stand darauf, was soviel bedeutet wie „An Land gefangen“. Darunter war in kleineren Buchstaben zu lesen, dass die Firma Teil eines größeren Unternehmens war und zwar eines Gen-Tech-Unternehmens. Das was wir hier sahen war keine Fischfarm, es war ein Versuchslabor für Genmanipulationen mit Fischen. Wenn wir alles erwartet hätten, aber das sicher nicht! Ursprünglich hatten wir befürchtet, heute wieder eine 36km Etappe machen zu müssen, weil es laut Karte zuvor keine Anlandemöglichkeit gab. Doch wir hatten Glück! Nach 17km kamen wir an einen Ferienpark mit dem Namen „port ban“, der einen christlichen Backround hatte und in den wir zum Übernachten eingeladen wurden. Wir bekamen Käsenachos zum Mittagessen und einen „Static Caravan“ zum Übernachten. Static Cravans sind diese kleinen mobilen Häuser, die zu breit sind um regulär auf der Straße zugelassen zu werden, die man aber im Notfall mit einem überbreiten LKW von einem Punkt zum nächsten transportieren kann. Unserer hatte eine Länge von 10,5m und eine Breite von 3,5m. Er beeinhaltete ein Badezimmer, eine Wohnküche mit Sofabereich und Essecke sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett und eines mit zwei Einzelbetten für die Kinder. Vor einigen Tagen waren wir schon einmal in die Verlegenheit gekommen, uns solche Wägen von außen anzusehen und wir waren begeistert über den Platz, den sie boten. Für unsere 2. große Weltreiseetappe in Amerika planten wir ja bereits, dass wir mit einem Begleitfahrzeug unterwegs sein wollten. Nun konnten wir schon einmal Probeweise in einem Wohnen, der unserer Vorstellung bereits sehr nahe kam. Natürlich war ein Wohnhaus auf Rädern in dieser Breite für uns nicht praktikabel, da wir ja ständig damit herumfahren werden. Aber das Problem ließ sich ganz leicht mit Hilfe von Ausschüben lösen. Von der Geräuschisolierung und der allgemeinen Verarbeitung waren wir noch nicht ganz überzeugt, aber das Grundkonzept passte schon einmal. Am Abend wurden wir vom Platzbetreiber noch einmal auf ein Essen eingeladen. Dieses Mal bekamen wir die Möglichkeit ein Schottisches Nationalgericht zu probieren. Es trägt den Namen Haggis und einige von euch kennen es vielleicht. Es ist kein schlechtes Essen und kommt im Grunde an gebratenes Mett mit Kartoffelbrei und Gemüse heran. Der Unterschied ist jedoch, dass das Mett kein gewöhnliches Hackfleisch ist, sondern aus Schafshoden zubereitet wird.
 
Spruch des Tages: So ein Schneckenhaus hat auch was für sich.
Höhenmeter: 240 m
Tagesetappe: 32 km
Gesamtstrecke: 24.674,27 km
Wetter: Sonne und Wolken, konstanter Wind
Etappenziel: Pfarrhaus, Templetouhy, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-29 22:11:57


Tag 1307: Pannenhilfe

Langsam freuen wir uns wieder auf die Überfahrt un

Fortsetzung von Tag 1306: Nachdem schließlich doch alles verbrannt war und wir dafür gesorgt hatten, dass nichts Feuer fangen konnte, das keines fangen sollte, machten wir uns wieder auf den Weg. Vor uns lagen nun noch knapp 20km bis in die nächste Kleinstadt, in der wir das erste Mal nach einem Platz fragen konnten. Der Weg führte an einigen keltischen Monumenten vorbei, von denen man jedoch fast nichts mehr sehen konnte. Dann brachte er uns an einen Kanal, an dem wir auf einer Fahrradstraße weiter gehen konnten. Theoretisch wäre dies wohl der schönste Teil der Strecke gewesen, doch man hatte es verstanden auch diesen wieder so zu bauen, dass man ihn nicht wirklich genießen konnte. Oder besser: Auch hier sollten wir anscheinend wieder lernen, das Leben auch unter unangenehmen Bedingungen zu genießen. Der Weg bestand aus einer Asphaltstraße, auf die man eine dicke Schicht Schotter gekippt hatte, so das jeder Schritt ein lautes Knistern verursachte, das sogar noch den Straßenlärm von der anderen Kanalseite übertönte. Nach wenigen hundert Metern wurden wir von einer jungen Radfahrerin angesprochen. Es wirkte, als wollte sie ein Gespräch beginnen, ohne jedoch zu wissen, was sie sagen oder fragen wollte. Schließlich fuhr sie weiter ohne dass das Gespräch irgendeinen Sinn ergeben hätte. Wenige Minuten später trafen wir sie jedoch erneut. Dieses Mal mit umgedrehtem Rad, über das sie mit verzweifelter Miene gebeugt stand, während sie wild an ihren Pedalen herum schraubte. „Das Gewinde ist kaputt und die eine Pedale ist fast herausgefallen.“ Erklärte sie. Heiko warf einen Blick darauf, erkannte das Problem und schaffte es innerhalb weniger Minuten die Pedale wieder in die richtige Position zu bringen. „Passt bloß auf, dass ihr nichts kaputt macht!“ sagte die Frau dabei ständig und hätte Heiko am liebsten alles aus der Hand gerissen. „Keine Sorge!“ meinte dieser nur, „mehr kaputt machen als du es eh schon hast kann man hier nicht mehr. Entweder es klappt, oder du bleibst beim aktuellen Stand und musst in die nächste Stadt laufen.“ Sie hatte Glück, denn das Rad war am Ende wieder fahrtüchtig. Doch obwohl sie wusste, dass wir ihr gerade den Hintern gerettet hatten, konnte sie keine Dankbarkeit spüren. Sie hätte es gewollt, aber sie konnte es nicht. Sie war zu steif und zu verkrampft um überhaupt einen Bezug zu uns herzustellen und dadurch wirkte sie unfreundlich, ablehnend und unsympathisch. Im Nachhinein betrachtet war sie wahrscheinlich der perfekte Spiegel um zu sehen, wie mich meine Krafttiere wahrnehmen mussten. Aber das erkannte ich in diesem Moment noch nicht. Ein weiterer Mammut-Weg Eine der größten Herausforderungen die Schottland an uns stellt ist der permanente Sprung zwischen den Extremen. Teilweise muss man hier dreißig Kilometer oder mehr wandern um überhaupt mal wieder an einen Ort mit drei Häusern zu kommen. Dann biegt man um eine Ecke und ist mitten in einer lauten, stressigen Touristenregion, in der so viel los ist, dass man hier auch schon wieder nicht bleiben kann. Die Stadt, in der wir anlanden wollten hatte vier oder mehr Kirchen und trotzdem war es unmöglich hier einen Platz zu finden. Gar nicht mal so sehr, weil uns niemand aufgenommen hätte, sondern weil alles so grässlich war, dass man sich keine Minute länger als unbedingt nötig hier aufhalten wollte. Wir begnügten uns daher mit einer Currywurst (oder etwas, das dem relativ nahe kam) und machten uns wieder aus dem Staub. Auch die nächste Ortschaft war nicht besser und so zogen wir uns doch wieder ins Hinterland zurück. Alles in allem wurde es dadurch wieder einmal eine Etappe von mehr als 40km, ohne dass wir wussten, ob wir am Ende überhaupt in einem Ort landen würden. Gegen 20:00 Uhr kamen wir dann aber dennoch in einer Kirche an, in der wir bleiben konnten. Dabei machten wir zum ersten Mal die ernstzunehmende Bekanntschaft mit den berühmt berüchtigten „Mitches“ vor denen man uns bereits oft gewarnt hatte. Es sind winzige blutsaugende Fliegewesen, die in Schwärmen von Millionen von Tieren auftreten und einen binnen Sekunden vollkommen einkreisen. Ihre Bisse jucken nicht so stark wie die von Mücken, aber aufgrund ihrer Masse treiben sie einen dennoch in den Wahnsinn. Dummerweise brachte ich nach meiner Essensrunde einen ganzen Schwarm mit in die Kirche, den wir erst einmal töten mussten, ehe wir irgendetwas anderes tun konnten. Kaum hatten wir das geschafft, öffnete sich die Tür und zwei Einwohner mit großen Blumenkisten kamen herein. Ihr Besuch hatte keinen Zweck außer dem, dass sie neugierig waren, warum in der Kirche Licht brannte. Damit konnten wir nun natürlich noch einmal von vorne anfangen. Für uns stand nun fest, dass unsere Uribags wieder einmal unsere besten Freunde werden würden, denn nach draußen zu gehen wäre von nun an der reinste Selbstmord geworden.
 
Spruch des Tages: Langsam freuen wir uns wieder auf die Überfahrt und auf ein neues Land.
Höhenmeter: 130 m
Tagesetappe: 28 km
Gesamtstrecke: 24.623,27 km
Wetter: Soniger Sommertag mit viel Wind
Etappenziel: Frühstückspension, Kinnity, Irland

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Zuletzt aktualisiert am 2018-01-22 19:14:37